Wehrverschluss runderneuert: Jetzt muss die Klappe halten Oliver Plöger Petershagen. Bloß keine Hektik. Lieber noch mal genau gucken, lieber noch mal austarieren: So lange, bis das Seitenteil des Stauwehrs in Petershagen nicht mehr pendeln kann. Ganz ruhig soll es durch den Schiffskran vom Transportschiff an den vorgesehenen Platz gehoben werden. Gestern um 11 Uhr war alles klar: Die Mannschaft aus Holland ließ die ersten Teile schweben, später noch den über einhundert Tonnen schweren Verschlusskörper, zum Abschluss die Fischbauchklappe, mit der der Wasserstand während der Arbeiten innerhalb des Stauwehrs reguliert werden kann. Dass alles klappt, hatte die Technik-Crew aus Papenburg vorab in der Halle geübt, betonte Johann Hagedorn, Bauingenieur der Firma Nyblad, die die Bauteile aus den fünfziger Jahren auf den neuesten Stand gebracht hat. Er weiß: „Den Leuten hier liegt es am Herzen, dass alles wieder perfekt eingebaut wird. Es ist genau die Mannschaft hier, die den Verschluss auch instandgesetzt hat.“ Mit den Jungs aus Holland, die den schiffbaren Kran steuern, laufe die Zusammenarbeit sehr gut, hieß es. Dass der Wehrverschluss kaum vom fabrikneuen Zustand zu unterscheiden sei, sagte Thomas Lippel, Fachbereichsleiter beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser (WSA). Im Zuge der Bauarbeiten sei die Klappe durch neues Material noch um drei Tonnen schwerer geworden. Gleichwohl werde es wohl keine weitere Sanierung geben. „Das nächste Mal wird der Verschlusskörper verschrottet.“ Wann das ist, kann jetzt noch niemand sagen: Das WSA hat eine zehnjährige Garantie fürs Material, ob die Klappe wieder 70 Jahren im Einsatz ist, steht in den Sternen. Die Bundesbehörde – während der Arbeiten gestern auch vor Ort – hatte sich auf jeden Fall für die wirtschaftlichste Lösung entschieden. Thomas Lippel vom WSA Verden: „Wir haben den gesamten Verschluss ausgebaut und im Werk sandstrahlen lassen. Über 1.300 Nieten wurden erneuert und knapp drei Tonnen Stahlbauteile durch neue Profile ersetzt.“ Alle Lager, Dichtungen und der Verschluss selbst seien durch einen dreilagigen Korrosionsschutz gesichert und damit auf dem heutigen Stand der Technik. Was angesichts von Lieferengpässen allerorten nicht selbstverständlich ist: „Die Arbeiten liegen im Zeitplan.“ Teilweise habe es einen Mehrschichtbetrieb geben müssen, sagte Lippel. Laut Plan sollten am heutigen Donnerstag die restlichen Arbeiten über die Bühne gehen. Abgeschlossen ist damit aber nur ein Teil der Sanierung, die mit dem Ausheben des Verschlusskörpers im Mai begonnen hatte (MT berichtete). Thomas Lippel: „Im nächsten Jahr werden wir den linken Verschluss zur Instandsetzung ausbauen.“ Durch dieses Verfahren könne der Baustellenlärm auf ein Minimum reduziert werden. Der hielt sich gestern tagsüber ohnehin in Grenzen. Diesmal waren auch die äußerem Bedingungen besser als im Mai. Beim Ausbau der Teile hatte der Sturm für Verzögerungen gesorgt – viel zu gefährlich, hundert Tonnen durch die Luft zu hieven. Dieses Problem bestand diesmal nicht, es gab bestes Herbstwetter. Durch die Instandsetzungsarbeiten will das WSA den sicheren Betrieb der bald 70 Jahre alten Wehranlage gewährleisten. Das Stauwehr sei seit der Inbetriebnahme 1953 bis zum heutigen Tage ohne Unterbrechung im Einsatz. Baujahre um 1950 gelten (mit Ausnahme von Dörverden) für alle weiteren fünf Schleusen im Mittelweserbereich. Gebaut wurden sie damals, um größeren Motorschiffen auf der Weser die notwendige Fahrtiefe zu bieten. Jetzt sind die Anlagen in die Jahre gekommen. Die umfangreichsten Maßnahmen, so Thomas Lippel, fanden an der Schleuse Drakenburg statt. In der trockengelegten Schleusenkammer wurde der Korrosionsschutz sämtlicher Stahlbauteile erneuert, schadhafte Teile ersetzt sowie die Torantriebe erneuert. Zeitgleich war die Schleuse Langwedel trockengelegt; hier gab es die alle sechs Jahre stattfindende Bauwerksprüfung, Unterhaltungsarbeiten und Vorbereitungen für die größere Sanierung im nächsten Jahr. Die Arbeiten in Dörverden und Petershagen fanden parallel statt, während an der Schleuse in Landesbergen bereits die Baustelle eingerichtet ist. Für Petershagen gilt derweil: Der seit Dienstag auch für Fußgänger gesperrte Stauwehrübergang von Lahde nach Petershagen soll am Freitag wieder geöffnet werden. Vorausgesetzt, die Arbeiten können wie geplant abgeschlossen werden. Davon gingen gestern Vormittag noch alle Beteiligten aus.

Wehrverschluss runderneuert: Jetzt muss die Klappe halten

Gleich heben die Seitenteile des Stauwehrverschlusses ab. Der Verschluss selbst liegt noch im Binnenschiff nebenan. Wenn alles glatt läuft, werden die Arbeiten am heutigen Donnerstag abgeschlossen. MT-Fotos: Oliver Plöger

Petershagen. Bloß keine Hektik. Lieber noch mal genau gucken, lieber noch mal austarieren: So lange, bis das Seitenteil des Stauwehrs in Petershagen nicht mehr pendeln kann. Ganz ruhig soll es durch den Schiffskran vom Transportschiff an den vorgesehenen Platz gehoben werden. Gestern um 11 Uhr war alles klar: Die Mannschaft aus Holland ließ die ersten Teile schweben, später noch den über einhundert Tonnen schweren Verschlusskörper, zum Abschluss die Fischbauchklappe, mit der der Wasserstand während der Arbeiten innerhalb des Stauwehrs reguliert werden kann.

Dass alles klappt, hatte die Technik-Crew aus Papenburg vorab in der Halle geübt, betonte Johann Hagedorn, Bauingenieur der Firma Nyblad, die die Bauteile aus den fünfziger Jahren auf den neuesten Stand gebracht hat. Er weiß: „Den Leuten hier liegt es am Herzen, dass alles wieder perfekt eingebaut wird. Es ist genau die Mannschaft hier, die den Verschluss auch instandgesetzt hat.“ Mit den Jungs aus Holland, die den schiffbaren Kran steuern, laufe die Zusammenarbeit sehr gut, hieß es.

Der Kran positioniert sich vor dem Binnenschiff, in dem der Stauwehrverschluss lagert. - © Plöger
Der Kran positioniert sich vor dem Binnenschiff, in dem der Stauwehrverschluss lagert. - © Plöger

Dass der Wehrverschluss kaum vom fabrikneuen Zustand zu unterscheiden sei, sagte Thomas Lippel, Fachbereichsleiter beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser (WSA). Im Zuge der Bauarbeiten sei die Klappe durch neues Material noch um drei Tonnen schwerer geworden. Gleichwohl werde es wohl keine weitere Sanierung geben. „Das nächste Mal wird der Verschlusskörper verschrottet.“ Wann das ist, kann jetzt noch niemand sagen: Das WSA hat eine zehnjährige Garantie fürs Material, ob die Klappe wieder 70 Jahren im Einsatz ist, steht in den Sternen. Die Bundesbehörde – während der Arbeiten gestern auch vor Ort – hatte sich auf jeden Fall für die wirtschaftlichste Lösung entschieden. Thomas Lippel vom WSA Verden: „Wir haben den gesamten Verschluss ausgebaut und im Werk sandstrahlen lassen. Über 1.300 Nieten wurden erneuert und knapp drei Tonnen Stahlbauteile durch neue Profile ersetzt.“ Alle Lager, Dichtungen und der Verschluss selbst seien durch einen dreilagigen Korrosionsschutz gesichert und damit auf dem heutigen Stand der Technik.

Was angesichts von Lieferengpässen allerorten nicht selbstverständlich ist: „Die Arbeiten liegen im Zeitplan.“ Teilweise habe es einen Mehrschichtbetrieb geben müssen, sagte Lippel. Laut Plan sollten am heutigen Donnerstag die restlichen Arbeiten über die Bühne gehen.

Abgeschlossen ist damit aber nur ein Teil der Sanierung, die mit dem Ausheben des Verschlusskörpers im Mai begonnen hatte (MT berichtete). Thomas Lippel: „Im nächsten Jahr werden wir den linken Verschluss zur Instandsetzung ausbauen.“ Durch dieses Verfahren könne der Baustellenlärm auf ein Minimum reduziert werden.

Der hielt sich gestern tagsüber ohnehin in Grenzen. Diesmal waren auch die äußerem Bedingungen besser als im Mai. Beim Ausbau der Teile hatte der Sturm für Verzögerungen gesorgt – viel zu gefährlich, hundert Tonnen durch die Luft zu hieven. Dieses Problem bestand diesmal nicht, es gab bestes Herbstwetter.

Durch die Instandsetzungsarbeiten will das WSA den sicheren Betrieb der bald 70 Jahre alten Wehranlage gewährleisten. Das Stauwehr sei seit der Inbetriebnahme 1953 bis zum heutigen Tage ohne Unterbrechung im Einsatz.

Baujahre um 1950 gelten (mit Ausnahme von Dörverden) für alle weiteren fünf Schleusen im Mittelweserbereich. Gebaut wurden sie damals, um größeren Motorschiffen auf der Weser die notwendige Fahrtiefe zu bieten. Jetzt sind die Anlagen in die Jahre gekommen.

Die umfangreichsten Maßnahmen, so Thomas Lippel, fanden an der Schleuse Drakenburg statt. In der trockengelegten Schleusenkammer wurde der Korrosionsschutz sämtlicher Stahlbauteile erneuert, schadhafte Teile ersetzt sowie die Torantriebe erneuert.

Zeitgleich war die Schleuse Langwedel trockengelegt; hier gab es die alle sechs Jahre stattfindende Bauwerksprüfung, Unterhaltungsarbeiten und Vorbereitungen für die größere Sanierung im nächsten Jahr. Die Arbeiten in Dörverden und Petershagen fanden parallel statt, während an der Schleuse in Landesbergen bereits die Baustelle eingerichtet ist.

Für Petershagen gilt derweil: Der seit Dienstag auch für Fußgänger gesperrte Stauwehrübergang von Lahde nach Petershagen soll am Freitag wieder geöffnet werden. Vorausgesetzt, die Arbeiten können wie geplant abgeschlossen werden. Davon gingen gestern Vormittag noch alle Beteiligten aus.

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