Was wird aus dem Kraftwerk in Lahde? Petershäger Bürgermeister-Kandidaten antworten auf Leserfragen Petershagen (lkp/plö). Viele Fragen, zu wenig Zeit: Nicht alles konnte bei der MT-Kandidatenrunde am Badesee Lahde beantwortet werden. Die fehlenden Fragen hat das MT an die drei Bewerber um das Bürgermeisteramt geschickt: an Dirk Breves (CDU), Jens Wölke (SPD) und auch an Lydia Behnke (AfD), die bei der Runde aus terminlichen Gründen nicht dabei sein konnte. Bei Beantwortung der Fragen war um Kürze gebeten worden. Mit wie viel Euro muss das Alte Amtsgericht jährlich subventioniert werden? Dirk Breves: Der Zuschussbedarf beträgt rund 30.000 Euro. Darin enthalten sind aber auch anteilige Personalkosten für die Verwaltungsmitarbeiter des bewirtschaftenden Fachamtes, Gebäudeabschreibungen (27.000 Euro), Reinigungskosten für die Nutzung des Schöffensaals als Trauzimmer. Es handelt sich also nicht um einen Betriebszuschuss an den Pächter. Das Gebäude ist jeden Cent wert: als denkmalgeschütztes ortsbildprägendens und kulturhistorisch bedeutsames Gebäude im Herzen von Petershagen und als Mehdis Kulturzentrum ein kulturelles Highlight in Petershagen. Jens Wölke: So keine erheblichen Investitionen notwendig sind, schlägt der Zuschussbedarf ungefähr mit etwa 30.000 zu Buche, wie im Haushalt angesetzt. Lydia Behnke: Das alte Amtsgericht erweist sich seit Jahren als finanzielle Belastung für die Stadt, ohne nachhaltigen Mehrwert. Es muss verkauft werden , so dass die Subventionen enden. Wie stehen Sie als Bürgermeister zur Umsetzung neuer Projekte und Methoden bezüglich Mobilität wie etwa zu einer app-gesteuerten E-Mobilität und Carsharing im Stadtgebiet Petershagens? Dirk Breves: Carsharing und eine app-gesteuerte E-Mobilität sehe ich bei der erforderlichen Mobilitätswende vor Ort zumindest nicht als vorrangig an. Vorrangig sind für mich ein bedarfsgerechter Ausbau des Busverkehrs (on demand-Taxibus, Schnellbuslinie nach Minden, Schülertickets), ein Stundentakt im Bahnverkehr mit einer um zwei früheren Startzeit Richtung Minden sowie gute Radwege. Jens Wölke: Mobilität ist ein wichtiges Thema. Wir brauchen ein neues Mobilitätskonzept, das die Systeme sinnvoll nach energieschonenden Gesichtspunkten miteinander verzahnt: Fußläufigkeit, Rad, Bus, Taxibus, Schiene und PKW mit Warte- und Parkräumen an den Schnittstellen. Ein solches Konzept muss auch darauf ausgerichtet sein, den Anteil des Radverkehrs und des ÖPNV im „modal split“ kontinuierlich zu erhöhen. Außerdem erwarten wir von einem solchen Konzept nach wie vor aufeinander abgestimmte Fahrpläne mit Transportangeboten, die dem Bedarf entsprechen. Hier können vor allem die erwähnten app-gesteuerten Lösungen enorm hilfreich sein. Lydia Behnke: Solche Ideen unterstütze ich, um moderne Möglichkeiten der Fahrzeugnutzung zu ermöglichen. Ich könnte mir auch zum Beispiel Fahrradverleihstationen mit E-Bikes vorstellen. Es muss aber auch das Radwegenetz weiter ausgebaut werden. Welche Vorstellungen haben Sie zur Nutzung des Kraftwerksgeländes nach einer Stilllegung? Dirk Breves: Das Gelände steht im Eigentum von Uniper. Von daher kommt es zunächst einmal darauf an, welche Pläne der Eigentümer hat. Für mich wäre zum Beispiel ein Gaskraftwerk oder eine Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff denkbar. Jens Wölke: Gerade das Thema mit dem Kraftwerk ist sehr heikel und derzeit extrem im Fluss. Definitive Aussagen hierzu sind daher derzeit schwer zu treffen. Es ist zunächst auch abzuwarten, was der Eigentümer mit dem Gelände plant. Hier sollte ein ständiger enger Kontakt erfolgen und vor allem auch die Interessen in den weiteren Prozess einbringen. Lydia Behnke: Ob das Kraftwerk nicht doch weiter genutzt wird, entscheidet sich ja wohl erst nach der nächsten Bundestagswahl. Die missglückte Energiewende unserer jetzigen Regierung liefert nicht genug Strom bei bestimmten Wettervoraussetzungen in und um Petershagen, damit diese ausreichend versorgt werden können. Daher ist das Kraftwerk als Hintergrundreserve zu erhalten. Wie wollen Sie als Bürgermeister die Ansiedlung attraktiver Arbeitgeber vorantreiben, um junge Leute nach dem Studium nach Petershagen zurückzuholen? Wie wollen Sie dem Trend der Abwanderung entgegenwirken? Dirk Breves: Voraussetzung dafür ist zunächst einmal, dass sich ausreichend Gewerbegebietsflächen im städtischen Eigentum befinden, um diese vermarkten zu können. Daher muss die Stadt zwingend weitere Gewerbegebietsflächen erwerben. Die Vermarktung dieser Flächen muss und kann dann aktiv betrieben werden. Aber auch unsere Betriebe im Außenbereich (unter anderem Wiese, Jenz, Brase) müssen Erweiterungsmöglichkeiten vor Ort haben. Wichtig ist mir aber auch guter und regelmäßiger Austausch mit unseren Betrieben. Dem Trend der Abwanderung möchte ich durch eine attraktive Infrastruktur zum Leben, Wohnen und Arbeiten entgegenwirken: Attraktive Wohnbauflächen, moderne Kitas und Schulen, ein gutes Freizeit- und Kulturangebot, ortsnahe ärztliche Versorgung, schnelle Datennetze, besseren ÖPNV und gute Arbeitsplätze. Jens Wölke: Hier ist es wichtig, vor allem auch die weichen Standortfaktoren (wie Glasfaserausbau) enorm zu stärken. Vor allem muss das Profil der Stadt und deren Vorteile für potenzielle Interessenten gestärkt werden. Ein kreatives, modernes Standortmarketing der Stadt Petershagen, das nicht nur die klassischen Standortvorteile der Stadt propagiert, sondern gezielt Start-Ups und City-Quitters ins Auge fasst, für die unsere weichen Standortqualitäten und die gute Verkehrsanbindung sehr attraktiv sein können, muss umgehend geschaffen werden. Die bereits vorhandenen Wirtschaftsinteressen müssen weiterhin koordiniert, gebündelt und unterstützt werden. Da die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Gewerbevereinen weiter Bestand haben soll, muss die Wirtschaftsförderung der Stadt ein größeres Gewicht erhalten, als das bisher der Fall ist. Gerade nach der Neufassung des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet Lahde sind auch die baurechtlichen Voraussetzungen für die sonstigen Gewerbestandorte in Petershagen zu modernisieren beziehungsweise anzupassen, um Planungssicherheit und attraktive Impulse bei Neuansiedlung, Umstrukturierung und Expansion zu schaffen. Ferner strebe ich eine Kooperation mit der Stadt Minden an mit dem Ziel, ein interkommunales Gewerbegebiet im Süden der Stadt auszuweisen und zu gestalten. Lydia Behnke: Als Bürgermeisterin würde ich den Kontakt zu den Schulabgängern ins Studium halten und mit jährlichen Rundbriefen über die Stadt informieren. Sowohl über den aktuellen Stellen- und Arbeitgebermarkt wie auch über die Möglichkeiten der Unternehmensansiedlung. Menschen mit Wurzeln in Petershagen sind geeignete und wichtige Botschafter, um Petershagen weiträumig zu vertreten. Wie wollen Sie Petershagen, das laut einer Studie zu den familienunfreundlichsten Gemeinden in ganz NRW gehört, familienfreundlicher gestalten? Dirk Breves: Wir brauchen eine attraktive Infrastruktur zum Leben, Wohnen und Arbeiten. Die Studie überzeugt mich aufgrund der Kriterienauswahl nicht. Was sagt zum Beispiel die Anzahl der angemeldeten Patente über die Familienfreundlichkeit einer Stadt aus? Jens Wölke: Zunächst einmal möchte hier auf die Parameter eingehen, die der angesprochenen Studie zu Grunde gelegen haben. Mit einbezogen war die Entfernung zum nächsten Flughafen, das Vorhandensein einer Universität etc. Einige der abgefragten Punkte, welche Einfluss auf das Ergebnis hatten, waren für unsere Stadt schlicht nicht zu leisten. Dies heißt selbstverständlich nicht, dass alles gut ist. Hier muss massiv an der digitalen Infrastruktur gearbeitet werden. Glasfaser in jedes Haus, Mobilfunk muss überall in akzeptabler Qualität vorhanden sein. Genauso wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche Anlaufpunkte und Jugendeinrichtungen haben, die von den Kindern und Jugendlichen selbstständig erreichbar sind; idealerweise in jeder der 29 Ortschaften. Auch die Kinderbetreuung muss gestärkt werden, damit junge Familien auch weiterhin berufstätig sein können. Wo wir dann schon bei jungen Familien sind, muss auch das Wohnen bezahlbar sein, sei es bei der Miete oder bei der Möglichkeit bauträgerfreie Grundstücke anzubieten. Hier ist die Stadt direkt selber in der Pflicht diese Voraussetzungen zu schaffen. Ich will die ortsnahe medizinische Versorgung sicherstellen, unter anderem durch Hilfsangebote der Stadt bei Praxisübernahmen und bei der Einrichtung neuer Praxen; hier muss zwingend in Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung getreten werden. Ebenso setze ich mich für die Errichtung eines kommunalen medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) ein, denn Petershagen braucht nicht nur mehr Hausärzte, sondern auch Fachärzte, vor allem einen Kinderarzt, und ein Sanitätshaus. Lydia Behnke: Diese Studie kenne ich nicht. Welche Gründe werden angegeben für dieses negative Ergebnis? Mehr Kitaplätze für unter Dreijährige schaffen. Kitas und Kigas kostenfrei machen, ganz nach dem Vorbild Niedersachsens. Wie könnten Sie als Bürgermeister dem Trend der Bevölkerungsabnahme entgegensteuern? Dirk Breves: Durch Schaffung einer attraktiven Infrastruktur zum Leben, Wohnen und Arbeiten. Jens Wölke: Durch die Stärkung jeder einzelnen der 29 Ortschaften werden diese weiter lebens- und liebenswert gemacht. Auch der Norden unserer Stadt muss wieder mit Einzelhandel der Grundversorgung belebt werden. Durch diese Attraktivierung, die in den vorherigen Fragen schon angeklungen sind, wir die Stadt wieder ein Magnet für junge Familien und City-Quitters werden. Lydia Behnke: Siehe oben, besonders den Kontakt zu Ehemaligen halten und für eine Rückkehr werben. Familiengründung unterstützen und bei Elternschaft fördern. Ehrenamtliche Omas und Opas werben, die gezielt eine Familie begleiten. Willkommenskultur nicht nur für Migranten, sondern auch für unsere eigenen Kinder! Stirbt das Ehrenamt weiter aus? Welche konkreten Maßnahmen stellen Sie sich vor, um ein attraktives und buntes Vereinsleben in Petershagen zu ermöglichen? Dirk Breves: In Petershagen stirbt es jedenfalls nicht aus! Petershagen wird von einem breiten ehrenamtlichen Engagement in allen 29 Ortschaften getragen. Dies verdient Anerkennung und auch finanzielle Unterstützung. Außerdem müssen die städtischen Sportstätten weiter modernisiert werden, Fördermittel auch für vereinseigene Anlagen eingeworben werden. Und auch die Feuerwehr braucht eine zeitgemäße Ausstattung. Jens Wölke: Das Ehrenamt hat es leider derzeit sehr schwer. Seit langem ist zu beobachten, dass sich immer weniger Menschen dafür interessieren, einen Posten ehrenamtlich zu übernehmen und die Personen, die sich engagieren, haben gleich mehrere Posten. Diese Situation wurde durch die Corona-Pandemie erheblich verschlechtert. Hier heißt es: das Ehrenamt und die ehrenamtlich Tätigen unterstützen und fördern. Dies kann und muss durch unkonventionelle Unterstützung passieren. Ähnlich der damaligen Sportförderung muss diese wieder reaktiviert und auf die gesamte Ehrenamtlichkeit übertragen werden. Das Ehrenamt und die dadurch entstehende Vereinsvielfalt ist eine Stütze unserer Stadt, dies muss gefördert werden. Die Hallennutzung muss weiterhin kostenfrei möglich sein. Förderungen von Vereinen, die vereinseigene Hallen haben müssen intensiviert werden. Durch eine attraktive Ehrenamtskarte, die in enger Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und der Wirtschaft erfolgt, muss wieder die Motivation aufgebaut werden sich zu engagieren. Ehrenamt verdient mehr als nur ein Lippenbekenntnis. Lydia Behnke: Jugendliche frühzeitig mit Ehrenämter in Kontakt bringen. Schulklassen könnten Ehrenamtsmöglichkeiten besuchen, kennenlernen und so Kontakte anbahnen. Weiterhin müssen sich die Träger ehrenamtlicher Tätigkeiten besser vernetzen und präsentieren. Nicht die Konkurrenz um eine Person darf die Motivation sein, sondern die gegenseitige Unterstützung. Wie soll zukünftig mit den Parkplätzen, die die Stadt Petershagen von den Anliegern der Bahnhofstraße in Lahde gepachtet hat, umgegangen werden? Aktuell ist die Situation für die Gewerbetreibenden nicht zufriedenstellend, da die Stellplätze, die ursprünglich für die örtlichen Geschäfte vorgesehen waren, von Anwohnern (Mietern der Nachbarhäuser) ohne eigenen Stellplatz benutzt werden. Dies ist natürlich in keiner Weise wirtschaftsfördernd bedarf dringend einer Überarbeitung. Ihre Stellungnahme? Dirk Breves: Das möchte im gerne im Dialog mit den Gewerbetreibenden und Anliegern lösen. Jens Wölke: Diese Problematik erlebe ich leider aus persönlicher Erfahrung tagtäglich. Hier sollte kurzfristig und in enger Zusammenarbeit mit den Gewerbetreibenden vor Ort und dem Gewerbe- und Verkehrsverein Lahde das Gespräch gesucht werden. Als kurzfristige Lösung könnte man hier auch über eine zeitlich begrenzte Parkdauer während der Öffnungszeiten nachdenken. Eine solche Beschränkung muss aber auch durch das Amt überprüft werden und nicht wie in der Vergangenheit leider zu häufig (Parkverbote bei den Lahder Märkten etc.) schlicht nicht kontrolliert werden. Lydia Behnke: Für Anwohner mehr Parkmöglichkeiten schaffen und Anwohner erfassen und auf andere Parkmöglichkeiten hinweisen. Parkplätze kennzeichnen als Geschäftsparkplätze. Wie glauben Sie, die technische Ausstattung der Schulen, auch der Grundschulen, und die IT-Kompetenzen vieler Lehrender für das Homeschooling in Corona-Zeiten besser stärken zu können? Konkret: Wie kann die Stadt schnell helfen, damit die Lehrer bei der nächsten Homeschoolingphase die Hausaufgaben nicht wieder von Hand austragen müssen? Dirk Breves: Die Stadt arbeitet an einem schlüssigen Gesamtkonzept: Das beinhaltet ein pädagogisches Einsatzkonzept, Schulungen, Glasfaseranschlüsse für die Schulen, WLAN in Schulen, mobile Endgeräte, Touchscreen-Monitore in den Klassen, IT-Personal für Schulen. Daneben brauchen wir schnellstmöglich in jedem Haus ein schnelles Datennetz von 100 Mbit/s oder mehr. Jens Wölke: Durch meine beiden Kinder habe ich selber gesehen, wo die derzeitige Infrastruktur an ihre Grenzen stößt. Hier ist auch das Kultusministerium in die Pflicht zu nehmen. Es kann nicht sein, dass immer wieder mit unzähligen Schulmails ein Durcheinander entsteht. Es braucht dringend klare, einheitliche und machbare Konzepte. Grundsätzlich stehen den Lehrern die technischen Voraussetzungen zur Verfügung. Diese müssen aber erheblich verbessert werden und auch in größerer Anzahl vorhanden sein. Aber alleine die technische Ausstattung der Schule ist in keinster Weise ausreichend. Denn hierbei werden die Schülerinnen und Schüler aus der Betrachtung herausgenommen. Dort muss auch die technische Ausstattung vorhanden sein. Hierbei kann und muss die Stadt auch unterstützen und zum einen über diverse Fördertöpfe und vor allem auch in Kooperation mit der heimischen Wirtschaft unkompliziert den Schülern eine Grundausstattung anbieten. Bei den Grundschülern sind diese Voraussetzungen noch unterschiedlicher, da die Schüler meisten auf die Eltern angewiesen sind, um online zu gehen. Grundsätzlich bereitet die Schule in Abstimmung mit dem Ministerium ihr jeweils eigenes und passendes Corona-Konzept. Die Stadt kann und muss hier dann je nach den jeweiligen Bedürfnissen unbürokratisch und schnell unterstützen. Aber die Bedarfe sind bei jeder Schule unterschiedlich, so dass hier kein pauschales Angebot gemacht werden kann, sondern jede Schule einzelnd betrachtet und unterstützt werden muss. Lydia Behnke: Aktuelle Studien aus Bayern zeigen, dass die Schulen keine coronagefährdeten Orte sind. Deshalb: Umgang mit Corona überarbeiten und nur infizierte Personen aus der Schule nehmen anstatt ganze Klassen oder Schulen in Quarantäne zuversetzen! Die Stadtverwaltung sollte ausreichend Laptops für die Schüler zur Verfügung stellen.

Was wird aus dem Kraftwerk in Lahde? Petershäger Bürgermeister-Kandidaten antworten auf Leserfragen

Betreiber Uniper hatte mitgeteilt, dass das Kraftwerk Heyden in Lahde bis spätestens 2025 stillgelegt werden soll. Frage ist, was dann aus den Gebäuden wird. © MT-Foto: Oliver Plöger

Petershagen (lkp/plö). Viele Fragen, zu wenig Zeit: Nicht alles konnte bei der MT-Kandidatenrunde am Badesee Lahde beantwortet werden. Die fehlenden Fragen hat das MT an die drei Bewerber um das Bürgermeisteramt geschickt: an Dirk Breves (CDU), Jens Wölke (SPD) und auch an Lydia Behnke (AfD), die bei der Runde aus terminlichen Gründen nicht dabei sein konnte. Bei Beantwortung der Fragen war um Kürze gebeten worden.

Mit wie viel Euro muss das Alte Amtsgericht jährlich subventioniert werden?

Dirk Breves: Der Zuschussbedarf beträgt rund 30.000 Euro. Darin enthalten sind aber auch anteilige Personalkosten für die Verwaltungsmitarbeiter des bewirtschaftenden Fachamtes, Gebäudeabschreibungen (27.000 Euro), Reinigungskosten für die Nutzung des Schöffensaals als Trauzimmer. Es handelt sich also nicht um einen Betriebszuschuss an den Pächter. Das Gebäude ist jeden Cent wert: als denkmalgeschütztes ortsbildprägendens und kulturhistorisch bedeutsames Gebäude im Herzen von Petershagen und als Mehdis Kulturzentrum ein kulturelles Highlight in Petershagen.

Jens Wölke (SPD)
Jens Wölke (SPD)

Jens Wölke: So keine erheblichen Investitionen notwendig sind, schlägt der Zuschussbedarf ungefähr mit etwa 30.000 zu Buche, wie im Haushalt angesetzt.

Lydia Behnke: Das alte Amtsgericht erweist sich seit Jahren als finanzielle Belastung für die Stadt, ohne nachhaltigen Mehrwert. Es muss verkauft werden , so dass die Subventionen enden.

Dirk Breves (CDU)
Dirk Breves (CDU)

Wie stehen Sie als Bürgermeister zur Umsetzung neuer Projekte und Methoden bezüglich Mobilität wie etwa zu einer app-gesteuerten E-Mobilität und Carsharing im Stadtgebiet Petershagens?

Lydia Behnke (AfD)
Lydia Behnke (AfD)

Dirk Breves: Carsharing und eine app-gesteuerte E-Mobilität sehe ich bei der erforderlichen Mobilitätswende vor Ort zumindest nicht als vorrangig an. Vorrangig sind für mich ein bedarfsgerechter Ausbau des Busverkehrs (on demand-Taxibus, Schnellbuslinie nach Minden, Schülertickets), ein Stundentakt im Bahnverkehr mit einer um zwei früheren Startzeit Richtung Minden sowie gute Radwege.

Jens Wölke: Mobilität ist ein wichtiges Thema. Wir brauchen ein neues Mobilitätskonzept, das die Systeme sinnvoll nach energieschonenden Gesichtspunkten miteinander verzahnt: Fußläufigkeit, Rad, Bus, Taxibus, Schiene und PKW mit Warte- und Parkräumen an den Schnittstellen. Ein solches Konzept muss auch darauf ausgerichtet sein, den Anteil des Radverkehrs und des ÖPNV im „modal split“ kontinuierlich zu erhöhen. Außerdem erwarten wir von einem solchen Konzept nach wie vor aufeinander abgestimmte Fahrpläne mit Transportangeboten, die dem Bedarf entsprechen. Hier können vor allem die erwähnten app-gesteuerten Lösungen enorm hilfreich sein.

Lydia Behnke: Solche Ideen unterstütze ich, um moderne Möglichkeiten der Fahrzeugnutzung zu ermöglichen. Ich könnte mir auch zum Beispiel Fahrradverleihstationen mit E-Bikes vorstellen. Es muss aber auch das Radwegenetz weiter ausgebaut werden.

Welche Vorstellungen haben Sie zur Nutzung des Kraftwerksgeländes nach einer Stilllegung?

Dirk Breves: Das Gelände steht im Eigentum von Uniper. Von daher kommt es zunächst einmal darauf an, welche Pläne der Eigentümer hat. Für mich wäre zum Beispiel ein Gaskraftwerk oder eine Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff denkbar.

Jens Wölke: Gerade das Thema mit dem Kraftwerk ist sehr heikel und derzeit extrem im Fluss. Definitive Aussagen hierzu sind daher derzeit schwer zu treffen. Es ist zunächst auch abzuwarten, was der Eigentümer mit dem Gelände plant. Hier sollte ein ständiger enger Kontakt erfolgen und vor allem auch die Interessen in den weiteren Prozess einbringen.

Lydia Behnke: Ob das Kraftwerk nicht doch weiter genutzt wird, entscheidet sich ja wohl erst nach der nächsten Bundestagswahl. Die missglückte Energiewende unserer jetzigen Regierung liefert nicht genug Strom bei bestimmten Wettervoraussetzungen in und um Petershagen, damit diese ausreichend versorgt werden können. Daher ist das Kraftwerk als Hintergrundreserve zu erhalten.

Wie wollen Sie als Bürgermeister die Ansiedlung attraktiver Arbeitgeber vorantreiben, um junge Leute nach dem Studium nach Petershagen zurückzuholen? Wie wollen Sie dem Trend der Abwanderung entgegenwirken?

Dirk Breves: Voraussetzung dafür ist zunächst einmal, dass sich ausreichend Gewerbegebietsflächen im städtischen Eigentum befinden, um diese vermarkten zu können. Daher muss die Stadt zwingend weitere Gewerbegebietsflächen erwerben. Die Vermarktung dieser Flächen muss und kann dann aktiv betrieben werden. Aber auch unsere Betriebe im Außenbereich (unter anderem Wiese, Jenz, Brase) müssen Erweiterungsmöglichkeiten vor Ort haben. Wichtig ist mir aber auch guter und regelmäßiger Austausch mit unseren Betrieben. Dem Trend der Abwanderung möchte ich durch eine attraktive Infrastruktur zum Leben, Wohnen und Arbeiten entgegenwirken: Attraktive Wohnbauflächen, moderne Kitas und Schulen, ein gutes Freizeit- und Kulturangebot, ortsnahe ärztliche Versorgung, schnelle Datennetze, besseren ÖPNV und gute Arbeitsplätze.

Jens Wölke: Hier ist es wichtig, vor allem auch die weichen Standortfaktoren (wie Glasfaserausbau) enorm zu stärken. Vor allem muss das Profil der Stadt und deren Vorteile für potenzielle Interessenten gestärkt werden. Ein kreatives, modernes Standortmarketing der Stadt Petershagen, das nicht nur die klassischen Standortvorteile der Stadt propagiert, sondern gezielt Start-Ups und City-Quitters ins Auge fasst, für die unsere weichen Standortqualitäten und die gute Verkehrsanbindung sehr attraktiv sein können, muss umgehend geschaffen werden. Die bereits vorhandenen Wirtschaftsinteressen müssen weiterhin koordiniert, gebündelt und unterstützt werden. Da die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Gewerbevereinen weiter Bestand haben soll, muss die Wirtschaftsförderung der Stadt ein größeres Gewicht erhalten, als das bisher der Fall ist. Gerade nach der Neufassung des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet Lahde sind auch die baurechtlichen Voraussetzungen für die sonstigen Gewerbestandorte in Petershagen zu modernisieren beziehungsweise anzupassen, um Planungssicherheit und attraktive Impulse bei Neuansiedlung, Umstrukturierung und Expansion zu schaffen. Ferner strebe ich eine Kooperation mit der Stadt Minden an mit dem Ziel, ein interkommunales Gewerbegebiet im Süden der Stadt auszuweisen und zu gestalten.

Lydia Behnke: Als Bürgermeisterin würde ich den Kontakt zu den Schulabgängern ins Studium halten und mit jährlichen Rundbriefen über die Stadt informieren. Sowohl über den aktuellen Stellen- und Arbeitgebermarkt wie auch über die Möglichkeiten der Unternehmensansiedlung. Menschen mit Wurzeln in Petershagen sind geeignete und wichtige Botschafter, um Petershagen weiträumig zu vertreten.

Wie wollen Sie Petershagen, das laut einer Studie zu den familienunfreundlichsten Gemeinden in ganz NRW gehört, familienfreundlicher gestalten?

Dirk Breves: Wir brauchen eine attraktive Infrastruktur zum Leben, Wohnen und Arbeiten. Die Studie überzeugt mich aufgrund der Kriterienauswahl nicht. Was sagt zum Beispiel die Anzahl der angemeldeten Patente über die Familienfreundlichkeit einer Stadt aus?

Jens Wölke: Zunächst einmal möchte hier auf die Parameter eingehen, die der angesprochenen Studie zu Grunde gelegen haben. Mit einbezogen war die Entfernung zum nächsten Flughafen, das Vorhandensein einer Universität etc. Einige der abgefragten Punkte, welche Einfluss auf das Ergebnis hatten, waren für unsere Stadt schlicht nicht zu leisten. Dies heißt selbstverständlich nicht, dass alles gut ist. Hier muss massiv an der digitalen Infrastruktur gearbeitet werden. Glasfaser in jedes Haus, Mobilfunk muss überall in akzeptabler Qualität vorhanden sein. Genauso wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche Anlaufpunkte und Jugendeinrichtungen haben, die von den Kindern und Jugendlichen selbstständig erreichbar sind; idealerweise in jeder der 29 Ortschaften. Auch die Kinderbetreuung muss gestärkt werden, damit junge Familien auch weiterhin berufstätig sein können. Wo wir dann schon bei jungen Familien sind, muss auch das Wohnen bezahlbar sein, sei es bei der Miete oder bei der Möglichkeit bauträgerfreie Grundstücke anzubieten. Hier ist die Stadt direkt selber in der Pflicht diese Voraussetzungen zu schaffen. Ich will die ortsnahe medizinische Versorgung sicherstellen, unter anderem durch Hilfsangebote der Stadt bei Praxisübernahmen und bei der Einrichtung neuer Praxen; hier muss zwingend in Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung getreten werden. Ebenso setze ich mich für die Errichtung eines kommunalen medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) ein, denn Petershagen braucht nicht nur mehr Hausärzte, sondern auch Fachärzte, vor allem einen Kinderarzt, und ein Sanitätshaus.

Lydia Behnke: Diese Studie kenne ich nicht. Welche Gründe werden angegeben für dieses negative Ergebnis? Mehr Kitaplätze für unter Dreijährige schaffen. Kitas und Kigas kostenfrei machen, ganz nach dem Vorbild Niedersachsens.

Wie könnten Sie als Bürgermeister dem Trend der Bevölkerungsabnahme entgegensteuern?

Dirk Breves: Durch Schaffung einer attraktiven Infrastruktur zum Leben, Wohnen und Arbeiten.

Jens Wölke: Durch die Stärkung jeder einzelnen der 29 Ortschaften werden diese weiter lebens- und liebenswert gemacht. Auch der Norden unserer Stadt muss wieder mit Einzelhandel der Grundversorgung belebt werden. Durch diese Attraktivierung, die in den vorherigen Fragen schon angeklungen sind, wir die Stadt wieder ein Magnet für junge Familien und City-Quitters werden.

Lydia Behnke: Siehe oben, besonders den Kontakt zu Ehemaligen halten und für eine Rückkehr werben. Familiengründung unterstützen und bei Elternschaft fördern. Ehrenamtliche Omas und Opas werben, die gezielt eine Familie begleiten. Willkommenskultur nicht nur für Migranten, sondern auch für unsere eigenen Kinder!

Stirbt das Ehrenamt weiter aus? Welche konkreten Maßnahmen stellen Sie sich vor, um ein attraktives und buntes Vereinsleben in Petershagen zu ermöglichen?

Dirk Breves: In Petershagen stirbt es jedenfalls nicht aus! Petershagen wird von einem breiten ehrenamtlichen Engagement in allen 29 Ortschaften getragen. Dies verdient Anerkennung und auch finanzielle Unterstützung. Außerdem müssen die städtischen Sportstätten weiter modernisiert werden, Fördermittel auch für vereinseigene Anlagen eingeworben werden. Und auch die Feuerwehr braucht eine zeitgemäße Ausstattung.

Jens Wölke: Das Ehrenamt hat es leider derzeit sehr schwer. Seit langem ist zu beobachten, dass sich immer weniger Menschen dafür interessieren, einen Posten ehrenamtlich zu übernehmen und die Personen, die sich engagieren, haben gleich mehrere Posten. Diese Situation wurde durch die Corona-Pandemie erheblich verschlechtert. Hier heißt es: das Ehrenamt und die ehrenamtlich Tätigen unterstützen und fördern. Dies kann und muss durch unkonventionelle Unterstützung passieren. Ähnlich der damaligen Sportförderung muss diese wieder reaktiviert und auf die gesamte Ehrenamtlichkeit übertragen werden. Das Ehrenamt und die dadurch entstehende Vereinsvielfalt ist eine Stütze unserer Stadt, dies muss gefördert werden. Die Hallennutzung muss weiterhin kostenfrei möglich sein. Förderungen von Vereinen, die vereinseigene Hallen haben müssen intensiviert werden. Durch eine attraktive Ehrenamtskarte, die in enger Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und der Wirtschaft erfolgt, muss wieder die Motivation aufgebaut werden sich zu engagieren. Ehrenamt verdient mehr als nur ein Lippenbekenntnis.

Lydia Behnke: Jugendliche frühzeitig mit Ehrenämter in Kontakt bringen. Schulklassen könnten Ehrenamtsmöglichkeiten besuchen, kennenlernen und so Kontakte anbahnen. Weiterhin müssen sich die Träger ehrenamtlicher Tätigkeiten besser vernetzen und präsentieren. Nicht die Konkurrenz um eine Person darf die Motivation sein, sondern die gegenseitige Unterstützung.

Wie soll zukünftig mit den Parkplätzen, die die Stadt Petershagen von den Anliegern der Bahnhofstraße in Lahde gepachtet hat, umgegangen werden? Aktuell ist die Situation für die Gewerbetreibenden nicht zufriedenstellend, da die Stellplätze, die ursprünglich für die örtlichen Geschäfte vorgesehen waren, von Anwohnern (Mietern der Nachbarhäuser) ohne eigenen Stellplatz benutzt werden. Dies ist natürlich in keiner Weise wirtschaftsfördernd bedarf dringend einer Überarbeitung. Ihre Stellungnahme?

Dirk Breves: Das möchte im gerne im Dialog mit den Gewerbetreibenden und Anliegern lösen.

Jens Wölke: Diese Problematik erlebe ich leider aus persönlicher Erfahrung tagtäglich. Hier sollte kurzfristig und in enger Zusammenarbeit mit den Gewerbetreibenden vor Ort und dem Gewerbe- und Verkehrsverein Lahde das Gespräch gesucht werden. Als kurzfristige Lösung könnte man hier auch über eine zeitlich begrenzte Parkdauer während der Öffnungszeiten nachdenken. Eine solche Beschränkung muss aber auch durch das Amt überprüft werden und nicht wie in der Vergangenheit leider zu häufig (Parkverbote bei den Lahder Märkten etc.) schlicht nicht kontrolliert werden.

Lydia Behnke: Für Anwohner mehr Parkmöglichkeiten schaffen und Anwohner erfassen und auf andere Parkmöglichkeiten hinweisen. Parkplätze kennzeichnen als Geschäftsparkplätze.

Wie glauben Sie, die technische Ausstattung der Schulen, auch der Grundschulen, und die IT-Kompetenzen vieler Lehrender für das Homeschooling in Corona-Zeiten besser stärken zu können? Konkret: Wie kann die Stadt schnell helfen, damit die Lehrer bei der nächsten Homeschoolingphase die Hausaufgaben nicht wieder von Hand austragen müssen?

Dirk Breves: Die Stadt arbeitet an einem schlüssigen Gesamtkonzept: Das beinhaltet ein pädagogisches Einsatzkonzept, Schulungen, Glasfaseranschlüsse für die Schulen, WLAN in Schulen, mobile Endgeräte, Touchscreen-Monitore in den Klassen, IT-Personal für Schulen. Daneben brauchen wir schnellstmöglich in jedem Haus ein schnelles Datennetz von 100 Mbit/s oder mehr.

Jens Wölke: Durch meine beiden Kinder habe ich selber gesehen, wo die derzeitige Infrastruktur an ihre Grenzen stößt. Hier ist auch das Kultusministerium in die Pflicht zu nehmen. Es kann nicht sein, dass immer wieder mit unzähligen Schulmails ein Durcheinander entsteht. Es braucht dringend klare, einheitliche und machbare Konzepte. Grundsätzlich stehen den Lehrern die technischen Voraussetzungen zur Verfügung. Diese müssen aber erheblich verbessert werden und auch in größerer Anzahl vorhanden sein. Aber alleine die technische Ausstattung der Schule ist in keinster Weise ausreichend. Denn hierbei werden die Schülerinnen und Schüler aus der Betrachtung herausgenommen. Dort muss auch die technische Ausstattung vorhanden sein. Hierbei kann und muss die Stadt auch unterstützen und zum einen über diverse Fördertöpfe und vor allem auch in Kooperation mit der heimischen Wirtschaft unkompliziert den Schülern eine Grundausstattung anbieten. Bei den Grundschülern sind diese Voraussetzungen noch unterschiedlicher, da die Schüler meisten auf die Eltern angewiesen sind, um online zu gehen. Grundsätzlich bereitet die Schule in Abstimmung mit dem Ministerium ihr jeweils eigenes und passendes Corona-Konzept. Die Stadt kann und muss hier dann je nach den jeweiligen Bedürfnissen unbürokratisch und schnell unterstützen. Aber die Bedarfe sind bei jeder Schule unterschiedlich, so dass hier kein pauschales Angebot gemacht werden kann, sondern jede Schule einzelnd betrachtet und unterstützt werden muss.

Lydia Behnke: Aktuelle Studien aus Bayern zeigen, dass die Schulen keine coronagefährdeten Orte sind. Deshalb: Umgang mit Corona überarbeiten und nur infizierte Personen aus der Schule nehmen anstatt ganze Klassen oder Schulen in Quarantäne zuversetzen! Die Stadtverwaltung sollte ausreichend Laptops für die Schüler zur Verfügung stellen.

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