Was geschah am 11. Mai? 33-Jähriger soll versucht haben, einen Roller zu rauben Nils Middelhauve Petershagen/Bielefeld (nim). Ein Mann aus Petershagen soll versucht haben, einem 18-Jährigen dessen Roller zu rauben. Vor der XXI. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts schilderten beide Beteiligten zwei vollkommen unterschiedliche Versionen des Vorfalls im Mai. Vadim S. (Namen aller Betroffenen geändert) wirkt selbstsicher, als er eine sechsseitige, eng beschriebe Erklärung aus seinen Unterlagen zieht und vorträgt. Der 33 Jahre alte Mann aus Petershagen muss sich wegen des Verdachts einer schweren Straftat vor dem Landgericht verantworten: Er soll am 11. Mai auf dem Bahnhofsvorplatz in Lahde den 18-jährigen Tican J. mit einem Messer bedroht und von seinem Roller gestoßen haben, um in den Besitz des Zweirads zu kommen. Gleich zu Beginn seiner Einlassung, stellt S. klar, dass er unschuldig sei. Nicht er sei derjenige gewesen, der provoziert habe – und ein Messer habe er schon einmal gar nicht dabei gehabt. An jenem 11. Mai habe er sich, so berichtete der Angeklagte im Folgenden, auf dem Bahnhofsvorplatz aufgehalten, wo er nach dem Einkauf ein Bier habe trinken wollen. Sein Fahrrad habe er neben sich abgestellt. Plötzlich sei ein junger Mann – gemeint war Tican J. – auf einem Roller langsam an ihm vorbei gefahren und habe ständig in seine Richtung gestarrt. „Ich habe ihn dann gefragt, was er hier suche. Das hat er vielleicht in den falschen Hals bekommen. Ich meinte tatsächlich, ob er irgendetwas sucht.“ Der junge Mann sei dann zunächst weggefahren. Als S. auf sein Fahrrad stieg, um sich auf den Weg zu einem Döner-Imbiss zu machen, sei der Rollerfahrer plötzlich wieder hinter ihm gewesen. Dieser habe ihn überholt und gerufen: „Komm, komm!“ Der Angeklagte habe irgendwann angehalten, doch entgegen seiner Erwartung habe der Rollerfahrer ihn einfach nur fotografiert. Mehrfach habe er ihm wohl auch zugerufen, er solle nach Hause gehen und ihm den Mittelfinger gezeigt – diese Geste habe der 18-Jährige erwidert. Gleich mehrfach soll sich das immer gleiche Szenario wiederholt haben: Der Roller überholte, Vadim S. bog in eine Seitenstraße, der Roller wendete und folgte dem Radfahrer, um abermals zu überholen. Schließlich gelang es S. nach eigenen Angaben, sich hinter einem Imbiss zu verstecken. „Ich wollte nur meine Ruhe“, sagte der dem Rollerfahrer körperlich deutlich überlegene Mann aus. „Angst hatte ich vor ihm nicht.“ Nach einer Weile habe er sich dann auf den Rückweg gemacht und auf einer Bank an der Schulstraße ein Bier getrunken. Als er im Anschluss gerade an einen Baum gepinkelt habe, sei Polizei auf ihn zugekommen. Die Beamten hätten ihn durchsucht und etwas Marihuana bei ihm gefunden. Die Polizisten hätten ihn dann auf sehr rabiate Weise zur Wache verfrachtet. „Ich dachte, es ginge nur um das Marihuana und dass ich am nächsten Morgen wieder zu Hause sei“, sagte S. vor Gericht. Dass es jedoch noch um etwas gänzlich anderes ging als um etwas Marihuana, das wurde S. sehr bald klar. Den Anlass, dessentwegen sich der 33-Jährige seither in Untersuchungshaft befindet, schilderte nun Tican J. vor Gericht: An jenem Abend habe er den ihm unbekannten S. vor dem Bahnhof sitzen sehen. S. habe ihm bedeutet, anzuhalten. „Ich hielt dann auch und er fragte nach einem Namen, den ich allerdings nicht kannte. Als ich weiterfahren wollte, sagte er, dass er den Roller haben wolle und zog ein Messer aus der rechten Jackentasche“, berichtete der Zeuge. Ihm sei es gelungen wegzufahren, doch sei ihm S. gefolgt. „Unterwegs habe ich meine Mutter angerufen und gesagt, dass sie die Polizei rufen solle“, sagte der 18-Jährige. Als das ihm folgende Fahrrad schließlich abgebogen sei, habe er, so J., den Mann fotografiert. Das habe dieser jedoch bemerkt und abermals die Verfolgung aufgenommen. Irgendwann sei S. aus einem Gebüsch gesprungen und habe ihn vom Roller gestoßen, so der Zeuge: „Wie er dahin kam, weiß ich nicht.“ Schnell seien Passanten hinzugestoßen und S. dann weggefahren. Die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Marc Brüning wird nun herausfinden müssen, wie sich das Geschehen am 11. Mai abgespielt hat. Der Prozess wird am 29. Oktober fortgesetzt.

Was geschah am 11. Mai? 33-Jähriger soll versucht haben, einen Roller zu rauben

Auf dem Bahnhofsvorplatz in Lahde soll sich der versuchte Raub ereignet haben. MT-Archivfoto: Oliver Plöger © Plöger,Oliver

Petershagen/Bielefeld (nim). Ein Mann aus Petershagen soll versucht haben, einem 18-Jährigen dessen Roller zu rauben. Vor der XXI. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts schilderten beide Beteiligten zwei vollkommen unterschiedliche Versionen des Vorfalls im Mai.

Vadim S. (Namen aller Betroffenen geändert) wirkt selbstsicher, als er eine sechsseitige, eng beschriebe Erklärung aus seinen Unterlagen zieht und vorträgt. Der 33 Jahre alte Mann aus Petershagen muss sich wegen des Verdachts einer schweren Straftat vor dem Landgericht verantworten: Er soll am 11. Mai auf dem Bahnhofsvorplatz in Lahde den 18-jährigen Tican J. mit einem Messer bedroht und von seinem Roller gestoßen haben, um in den Besitz des Zweirads zu kommen.

Gleich zu Beginn seiner Einlassung, stellt S. klar, dass er unschuldig sei. Nicht er sei derjenige gewesen, der provoziert habe – und ein Messer habe er schon einmal gar nicht dabei gehabt. An jenem 11. Mai habe er sich, so berichtete der Angeklagte im Folgenden, auf dem Bahnhofsvorplatz aufgehalten, wo er nach dem Einkauf ein Bier habe trinken wollen. Sein Fahrrad habe er neben sich abgestellt. Plötzlich sei ein junger Mann – gemeint war Tican J. – auf einem Roller langsam an ihm vorbei gefahren und habe ständig in seine Richtung gestarrt. „Ich habe ihn dann gefragt, was er hier suche. Das hat er vielleicht in den falschen Hals bekommen. Ich meinte tatsächlich, ob er irgendetwas sucht.“

Der junge Mann sei dann zunächst weggefahren. Als S. auf sein Fahrrad stieg, um sich auf den Weg zu einem Döner-Imbiss zu machen, sei der Rollerfahrer plötzlich wieder hinter ihm gewesen. Dieser habe ihn überholt und gerufen: „Komm, komm!“ Der Angeklagte habe irgendwann angehalten, doch entgegen seiner Erwartung habe der Rollerfahrer ihn einfach nur fotografiert. Mehrfach habe er ihm wohl auch zugerufen, er solle nach Hause gehen und ihm den Mittelfinger gezeigt – diese Geste habe der 18-Jährige erwidert. Gleich mehrfach soll sich das immer gleiche Szenario wiederholt haben: Der Roller überholte, Vadim S. bog in eine Seitenstraße, der Roller wendete und folgte dem Radfahrer, um abermals zu überholen.

Schließlich gelang es S. nach eigenen Angaben, sich hinter einem Imbiss zu verstecken. „Ich wollte nur meine Ruhe“, sagte der dem Rollerfahrer körperlich deutlich überlegene Mann aus. „Angst hatte ich vor ihm nicht.“ Nach einer Weile habe er sich dann auf den Rückweg gemacht und auf einer Bank an der Schulstraße ein Bier getrunken. Als er im Anschluss gerade an einen Baum gepinkelt habe, sei Polizei auf ihn zugekommen. Die Beamten hätten ihn durchsucht und etwas Marihuana bei ihm gefunden. Die Polizisten hätten ihn dann auf sehr rabiate Weise zur Wache verfrachtet. „Ich dachte, es ginge nur um das Marihuana und dass ich am nächsten Morgen wieder zu Hause sei“, sagte S. vor Gericht.

Dass es jedoch noch um etwas gänzlich anderes ging als um etwas Marihuana, das wurde S. sehr bald klar. Den Anlass, dessentwegen sich der 33-Jährige seither in Untersuchungshaft befindet, schilderte nun Tican J. vor Gericht: An jenem Abend habe er den ihm unbekannten S. vor dem Bahnhof sitzen sehen. S. habe ihm bedeutet, anzuhalten. „Ich hielt dann auch und er fragte nach einem Namen, den ich allerdings nicht kannte. Als ich weiterfahren wollte, sagte er, dass er den Roller haben wolle und zog ein Messer aus der rechten Jackentasche“, berichtete der Zeuge. Ihm sei es gelungen wegzufahren, doch sei ihm S. gefolgt. „Unterwegs habe ich meine Mutter angerufen und gesagt, dass sie die Polizei rufen solle“, sagte der 18-Jährige.

Als das ihm folgende Fahrrad schließlich abgebogen sei, habe er, so J., den Mann fotografiert. Das habe dieser jedoch bemerkt und abermals die Verfolgung aufgenommen. Irgendwann sei S. aus einem Gebüsch gesprungen und habe ihn vom Roller gestoßen, so der Zeuge: „Wie er dahin kam, weiß ich nicht.“ Schnell seien Passanten hinzugestoßen und S. dann weggefahren.

Die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Marc Brüning wird nun herausfinden müssen, wie sich das Geschehen am 11. Mai abgespielt hat. Der Prozess wird am 29. Oktober fortgesetzt.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Petershagen