Warten, dass der Arzt kommt: Herzsportgruppe macht Zwangspause Claudia Hyna Petershagen. Wegen der Corona-Pandemie musste auch die Herzsportgruppe Petershagen pausieren. Doch während fast alle anderen Vereine wieder mit Angeboten starten, liegen die Aktivitäten der Gruppe immer noch auf Eis. Grund ist, dass momentan die vorgeschriebene ärztliche Begleitung nicht zur Verfügung steht. In guten Zeiten waren es sogar fünf Ärzte, die die seit 25 Jahren bestehende Herzsportgruppe im TV Gut Heil betreuten, sagt Spartenleiter Hans-Dieter Hartge. Bereits im Januar wiesen die drei verantwortlichen Medizinerinnen auf ihre hohe Belastung hin, da sie sämtlich eine eigene Praxis leiten (das MT berichtete). Es würde dringend Nachwuchs gebraucht, sonst müssten schon bald Einheiten ausfallen, hieß es damals. Dann kam Corona und setzte den Gruppenstunden zunächst ein Ende. Die Pandemie macht es Mitgliedern und Betreuern nach wie vor schwer, wieder einen normalen Betrieb aufzunehmen. „Wir sind ja eine Hoch-Risikogruppe“, wirft Hartge ein. Hinzu kommt, dass eine Ärztin momentan ausfällt. Das bedeutet für die verbleibenden beiden, dass sie alle 14 Tage mit ihrem Notfallkoffer beim Übungsabend am Montagabend anwesend sein müssten. Hans-Dieter Hartge und auch die zweite Vorsitzende des TV Gut Heil, Sabine Helm, haben Verständnis dafür, dass Strapazen und Verantwortung unter diesen Umständen für die Mediziner zu hoch sind. „Zwei Ärzte können das nicht stemmen. Das wird mir zuviel“, sagt die Allgemeinmedizinerin Heike Hannen. Wenn die Begleitung der Herzsportgruppe wieder auf mehr Schultern verteilt würde, wäre sie wieder mit dabei, stellt sie in Aussicht. Momentan komme für sie erschwerend hinzu, dass der Arbeitstag in ihrer Hausarztpraxis in Petershagen aufgrund der Hygiene-Auflagen länger wird. Sie könne es nicht verantworten, die Versorgung ihrer Patienten nicht in vollem Umfang zu leisten. Und daher finden bis auf Weiteres keine Übungsabende statt. Das Gros der etwa 40 Teilnehmer sei mit durchschnittlich 70 Jahren relativ alt. Auch sei es nicht einfach, die vorgeschriebenen Hygieneregeln einzuhalten. „Theoretisch müssten sie vor jeder Stunde die Teilnehmer testen“, meint Sabine Helm. Langsam regt sich Widerstand bei den Gruppenmitgliedern. Zum einen brauchen sie die Zusammenkünfte aus gesundheitlichen Gründen. „Aber sie schöpfen hier auch neuen Lebensmut“, ergänzt Sabine Helm. Noch zahlen die Beteiligten ihren Vereinsobolus aus Verbundenheit, aber langsam werden erste kritische Stimmen laut, sagt sie. Wenn die Beiträge jedoch nicht mehr fließen – mit fünf Euro monatlich zählen sie zu den günstigsten in der Region – müsste das Vereinsleben neu durchdacht werden, sagt Helm. „Dann ist der Verein irgendwann am Ende.“ Das Problem sei beim Behindertensportbund in Duisburg bekannt, weiß Hans-Dieter Hartge. Schließlich habe nicht nur die Petershäger Gruppe mit diesem Problem zu kämpfen. In Sachsen würden Notfallsanitäter aktuell diesen Job übernehmen, schließlich hätten sie die nötige Ausbildung und auch das Equipment. Der Behindertensportbund NRW lehne das aber ab, hat Hartge auf Nachfrage erfahren. Es seien Gespräche in alle Richtungen geführt worden, ergänzt die stellvertretende Sportvereinsvorsitzende. „Wir sehen aber kein Licht am Ende des Tunnels.“ Vor kurzem hat sich der TV Gut Heil erstmals wieder zur Sitzung getroffen. Dabei haben die Verantwortlichen festgelegt, die umliegenden Ärzte anzuschreiben und sie zu bitten, den Betroffenen und dem Verein zu helfen. Die Betreuung werde mit einer Aufwandsentschädigung honoriert. Der TV Gut Heil Petershagen von 1897 ist der älteste Verein in Petershagen. Corona habe diesen klassischen Verein ins Wanken gebracht, sagt Sabine Helm. Die Herzsportgruppe setzt ihre Hoffnung nun auf die persönlichen Anschreiben. Es gebe durchaus Mediziner, die einspringen würden, wenn Not am Mann ist. Gesucht werde aber eine dauerhafte Begleitung, erklärt der Spartenleiter. Hinzu komme, dass die Coronazahlen momentan wieder ansteigen. Hartge ist ratlos. „Ich weiß nicht, wie es weiter geht.“ Interessenten können sich bei Sabine Helm, Telefon (0 57 07) 83 46 oder Hans-Dieter Hartge, Telefon (0 57 07) 14 47 melden.

Warten, dass der Arzt kommt: Herzsportgruppe macht Zwangspause

Ärztin Heike Hannen misst Blutdruck bei Hans-Dieter Hartge. © MT-Foto: Claudia Hyna

Petershagen. Wegen der Corona-Pandemie musste auch die Herzsportgruppe Petershagen pausieren. Doch während fast alle anderen Vereine wieder mit Angeboten starten, liegen die Aktivitäten der Gruppe immer noch auf Eis. Grund ist, dass momentan die vorgeschriebene ärztliche Begleitung nicht zur Verfügung steht.

In guten Zeiten waren es sogar fünf Ärzte, die die seit 25 Jahren bestehende Herzsportgruppe im TV Gut Heil betreuten, sagt Spartenleiter Hans-Dieter Hartge. Bereits im Januar wiesen die drei verantwortlichen Medizinerinnen auf ihre hohe Belastung hin, da sie sämtlich eine eigene Praxis leiten (das MT berichtete). Es würde dringend Nachwuchs gebraucht, sonst müssten schon bald Einheiten ausfallen, hieß es damals.

Dann kam Corona und setzte den Gruppenstunden zunächst ein Ende. Die Pandemie macht es Mitgliedern und Betreuern nach wie vor schwer, wieder einen normalen Betrieb aufzunehmen. „Wir sind ja eine Hoch-Risikogruppe“, wirft Hartge ein. Hinzu kommt, dass eine Ärztin momentan ausfällt. Das bedeutet für die verbleibenden beiden, dass sie alle 14 Tage mit ihrem Notfallkoffer beim Übungsabend am Montagabend anwesend sein müssten. Hans-Dieter Hartge und auch die zweite Vorsitzende des TV Gut Heil, Sabine Helm, haben Verständnis dafür, dass Strapazen und Verantwortung unter diesen Umständen für die Mediziner zu hoch sind. „Zwei Ärzte können das nicht stemmen. Das wird mir zuviel“, sagt die Allgemeinmedizinerin Heike Hannen.

Wenn die Begleitung der Herzsportgruppe wieder auf mehr Schultern verteilt würde, wäre sie wieder mit dabei, stellt sie in Aussicht. Momentan komme für sie erschwerend hinzu, dass der Arbeitstag in ihrer Hausarztpraxis in Petershagen aufgrund der Hygiene-Auflagen länger wird. Sie könne es nicht verantworten, die Versorgung ihrer Patienten nicht in vollem Umfang zu leisten. Und daher finden bis auf Weiteres keine Übungsabende statt.

Das Gros der etwa 40 Teilnehmer sei mit durchschnittlich 70 Jahren relativ alt. Auch sei es nicht einfach, die vorgeschriebenen Hygieneregeln einzuhalten. „Theoretisch müssten sie vor jeder Stunde die Teilnehmer testen“, meint Sabine Helm. Langsam regt sich Widerstand bei den Gruppenmitgliedern. Zum einen brauchen sie die Zusammenkünfte aus gesundheitlichen Gründen. „Aber sie schöpfen hier auch neuen Lebensmut“, ergänzt Sabine Helm. Noch zahlen die Beteiligten ihren Vereinsobolus aus Verbundenheit, aber langsam werden erste kritische Stimmen laut, sagt sie. Wenn die Beiträge jedoch nicht mehr fließen – mit fünf Euro monatlich zählen sie zu den günstigsten in der Region – müsste das Vereinsleben neu durchdacht werden, sagt Helm. „Dann ist der Verein irgendwann am Ende.“

Das Problem sei beim Behindertensportbund in Duisburg bekannt, weiß Hans-Dieter Hartge. Schließlich habe nicht nur die Petershäger Gruppe mit diesem Problem zu kämpfen. In Sachsen würden Notfallsanitäter aktuell diesen Job übernehmen, schließlich hätten sie die nötige Ausbildung und auch das Equipment. Der Behindertensportbund NRW lehne das aber ab, hat Hartge auf Nachfrage erfahren.

Es seien Gespräche in alle Richtungen geführt worden, ergänzt die stellvertretende Sportvereinsvorsitzende. „Wir sehen aber kein Licht am Ende des Tunnels.“ Vor kurzem hat sich der TV Gut Heil erstmals wieder zur Sitzung getroffen. Dabei haben die Verantwortlichen festgelegt, die umliegenden Ärzte anzuschreiben und sie zu bitten, den Betroffenen und dem Verein zu helfen. Die Betreuung werde mit einer Aufwandsentschädigung honoriert.

Der TV Gut Heil Petershagen von 1897 ist der älteste Verein in Petershagen. Corona habe diesen klassischen Verein ins Wanken gebracht, sagt Sabine Helm. Die Herzsportgruppe setzt ihre Hoffnung nun auf die persönlichen Anschreiben. Es gebe durchaus Mediziner, die einspringen würden, wenn Not am Mann ist. Gesucht werde aber eine dauerhafte Begleitung, erklärt der Spartenleiter. Hinzu komme, dass die Coronazahlen momentan wieder ansteigen. Hartge ist ratlos. „Ich weiß nicht, wie es weiter geht.“

Interessenten können sich bei Sabine Helm, Telefon (0 57 07) 83 46 oder Hans-Dieter Hartge, Telefon (0 57 07) 14 47 melden.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Petershagen