Wahl in Petershagen: SPD sucht nach Niederlage eine neue Führungspersönlichkeit Claudia Hyna Petershagen. Er hat die gleichen Initialen wie Bürgermeister Dieter Blume (CDU). Doch das war nicht der Grund dafür, dass der Noch-Amtsinhaber mit der Wahl seines Parteikollegen Dirk Breves gerechnet hatte. Mit weiteren Bewertungen wolle er sich zurückhalten, fügt Blume hinzu. Für ihn ging gestern im Rathaus alles seinen gewohnten Gang. Epochale Entscheidungen werden in der Amtszeit, die bis 31. Oktober dauert, nicht mehr getroffen. So sehen Sieger aus Diese überlässt Blume dem strahlenden Sieger Dirk Breves. Der neue Bürgermeister hat die Aufgabe, am 5. November die erste konstituierende Ratssitzung zu leiten. Breves fuhr mehr Stimmen ein als der jetzige Amtsinhaber: Die meisten machten in Großenheerse ihr Kreuz für den Kämmerer (83,83 Prozent). In Neuenknick holte er 70 Prozent. Einer Mischung aus Bekanntheit und einem engagiertem Wahlkampf – und seinem Team – habe er das zu verdanken, glaubt er. Am Tag eins nach der Wahl genießt der Sieger die erste Verschnaufpause seit vier Wochen im Kreise seiner Familie. Heute sei „sein Tag“ und er hat ihn unter das Motto „Einfach nur relaxen“ gestellt. Ansonsten nimmt er zahlreiche Glückwünsche entgegen. Heute geht es wieder ins Rathaus, dort wartet jede Menge Arbeit bis zur Amtsübergabe auf ihn. Unter anderem muss er sich um die Nachbesetzung der Stelle des Kämmerers kümmern, die er bis jetzt innehat. Keine Zeit mehr verlieren dürfe die Stadt auch in puncto (Schul-)Digitalisierung. „Das wollen wir parteiübergreifend Schritt für Schritt nach vorne bringen.“ Weitere sehr gute Zahlen erreicht die CDU in Neuenknick (Stefan Wiesinger, 76), Hävern (Wolfgang Koopmann, 78) und Schlüsselburg (Jens Baumgartl, 69,91). Auf der Verliererseite Herausforderer Jens Wölke hingegen bleibt mit 35 Prozent deutlich hinter dem Ergebnis von Friedrich Lange 2014 (43,87) zurück. In Frille II gelingt es ihm, mehr als 42 Prozent der Wählerstimmen zu sichern. Der Bundestrend der SPD habe sich bei den Sozialdemokraten in Petershagen voll durchgeschlagen, kommentiert Stadtverbandsvorsitzender Lange die Wahl. Er hätte sich gefreut, wenn am Ende einige Prozentpunkte mehr dabei herausgekommen wären. Nachteil des Kandidaten sei gewesen, dass er erst im Mai eingesprungen ist. „Für die knappe Zeit ist das ein gutes Ergebnis.“ Mit 32,17 Prozent liegt die SPD in Petershagen jedenfalls deutlich über dem Landestrend (24 Prozent). Bestes Ergebnis erzielte Martin Sölter in Döhren (69 Prozent). Im Laufe dieser Woche wählen die Sozialdemokraten ihren neuen Fraktionsvorsitzenden. Der Ausgang der Wahl ist laut Lange „völlig offen“. „Uns fehlt die Führungskraft“, sagt er. Amtsinhaber Ingo Ellerkamp geht in die Stichwahl als Landrat und ist künftig nicht mehr im Rat vertreten. Die Zahl der Sitze hat sich im Vergleich zur Wahl 2014 absolut um zwei verkleinert. Da die Sozialdemokraten Karl-Christian Ebenau und Angelika Dreier in der Legislaturperiode die Fraktion Demokratisches Petershagen bildeten, bleibt die letzte Zahl der zehn Sitze konstant. Eine Zusammenarbeit mit der AfD kann sich Lange beim besten Willen nicht vorstellen. Er erwarte aber auch nicht viel Kompetentes von deren Seite. Bisher sei es eher schwach gewesen, was von deren Kandidatin gekommen sei. Enttäuschte AfD Während bei der letzten Kommunalwahl noch ein Sitz auf die UB-UWG entfiel, so ist nun die AfD in den Stadtrat gewählt worden. Als „enttäuschend“ bezeichnet Lydia Behnke von der AfD das Wahlergebnis. Die Alternative für Deutschland, die erstmals antrat, kam auf 4,69 Prozent. Sie hätte ein ähnliches Ergebnis wie bei der Europawahl erwartet, dort erreichte die Partei rund acht Prozent. „Das wirft uns aber nicht zurück.“ In Großenheerse stimmte keiner der 54 Wähler für die rechtspopulistische Partei. Ihr höchstes Ergebnis (9,52) fuhr die AfD mit Silke Neumann in Heimsen II ein. In puncto Bürgermeisterwahl holte Lydia Behnke in Heimsen II die meisten Prozente (9,09). Grün ist die Hoffnung Freude hingegen bei Bündnis 90/Die Grünen: Sie schafften 11,3 Prozent (2014: 6,87) und haben damit einen Sitz mehr im Rat als zuvor. Ganz knapp hätten sie sogar den vierten Sitz verfehlt, fügt Fraktionsvorsitzender Günter Hahn hinzu. Ihr Ziel hätten sie erreicht und damit seien sie „sehr zufrieden“. Mit Marlies Schaefer und Björn Nommensen ziehen zwei neue Gesichter in den Rat. Der langjährige Grüne Wolfgang Riesner hat kein Ratsmandat mehr, sitzt aber möglicherweise im Bauausschuss, da er für diese Belange laut Hahn der absolute Fachmann ist. „Die Grünen haben es in Petershagen schwer“, kommentiert Hahn das deutliche Unterschreiten des Landestrends (18,7). In Frille II erzielt die Partei ihr Spitzenergebnis mit 16,3 Prozent. Schon seit längerem ist die Umweltpartei nicht mit der Wahl des Ortsbürgermeisters einverstanden. Nach Auffassung der Grünen sollte es hier zwei Stimmen geben, eine für den Rat und eine separate für die Wahl des OB. FDP über dem Trend Die Freien Demokraten liegen in Petershagen mit 6,8 Prozent über dem Landestrend (5,5) und holen ein Prozent mehr gegenüber der letzten Wahl in der Weserstadt heraus. Nach dem Geschmack von Fraktionsvorsitzendem Günter Wehmeyer hätte es gerne ein weiterer Sitz sein können. Er ist jedoch zufrieden mit zwei Sitzen, da so die Fraktionsbildung – und damit die Besetzung aller Ausschüsse – gewährleistet sei. Wehmeyer selbst erzielte in Meßlingen ein Spitzenergebnis von 61,84 Prozent und bleibt Ortsbürgermeister (seit 1992 in Folge). Verwaltung im Stress Insgesamt sei die Verwaltung mit dem Verlauf der Wahl zufrieden, sagt Pressesprecherin Tatjana Brast. Nicht gut gelaufen sei leider die Ergebnispräsentation via Kommunales Rechenzentrum (das MT berichtete). Das bedauert sie. Die Wahl unter Corona-Bedingungen habe einen erheblich höheren Aufwand bedeutet – was unter anderem mit dem großen Anteil der Briefwähler von 5.364 zusammenhing. Für die Stichwahl seien bereits 5.200 Briefwahlanträge vorgemerkt. Stichwahl vorbereiten Nach der Wahl ist vor der Stichwahl. Das Ereignis am 27. September bestimmt momentan schon wieder den Arbeitstag von Pressesprecherin Tatjana Brast und ihren Kollegen. Erst ab Donnerstag – nach der Sitzung des Wahlausschusses des Kreises Minden-Lübbecke – sollen die Stimmzettel eintrudeln. Und die Sprecherin hat den Ehrgeiz, dass diese am liebsten bis zum Wochenende, spätestens aber Anfang kommender Woche in den Briefkästen der Bürger sind. Gute Wahlbeteiligung Die Bewerber Dirk Breves und Jens Wölke (SPD) lockten mehr Wähler an die Urnen als Dieter Blume und Friedrich Lange bei der Kommunalwahl vor sechs Jahren. Damals lag die Wahlbeteiligung bei 57 Prozent (in diesem Jahr 61). Die höchste Wahlbeteiligung gab es in Buchholz mit 79,21 Prozent, die wenigsten machten in Schlüsselburg den Gang zur Urne (53,41).

Wahl in Petershagen: SPD sucht nach Niederlage eine neue Führungspersönlichkeit

Eine Impression vom Wahlabend, schon wenig später konnte Dirk Breves (hier mit seinen Töchtern) aufatmen. Heute sitzt er nach einem Tag Auszeit wieder im Rathaus. © MT-Foto: Oliver Plöger

Petershagen. Er hat die gleichen Initialen wie Bürgermeister Dieter Blume (CDU). Doch das war nicht der Grund dafür, dass der Noch-Amtsinhaber mit der Wahl seines Parteikollegen Dirk Breves gerechnet hatte. Mit weiteren Bewertungen wolle er sich zurückhalten, fügt Blume hinzu. Für ihn ging gestern im Rathaus alles seinen gewohnten Gang. Epochale Entscheidungen werden in der Amtszeit, die bis 31. Oktober dauert, nicht mehr getroffen.

So sehen Sieger aus

Diese überlässt Blume dem strahlenden Sieger Dirk Breves. Der neue Bürgermeister hat die Aufgabe, am 5. November die erste konstituierende Ratssitzung zu leiten. Breves fuhr mehr Stimmen ein als der jetzige Amtsinhaber: Die meisten machten in Großenheerse ihr Kreuz für den Kämmerer (83,83 Prozent). In Neuenknick holte er 70 Prozent. Einer Mischung aus Bekanntheit und einem engagiertem Wahlkampf – und seinem Team – habe er das zu verdanken, glaubt er.

Am Tag eins nach der Wahl genießt der Sieger die erste Verschnaufpause seit vier Wochen im Kreise seiner Familie. Heute sei „sein Tag“ und er hat ihn unter das Motto „Einfach nur relaxen“ gestellt. Ansonsten nimmt er zahlreiche Glückwünsche entgegen. Heute geht es wieder ins Rathaus, dort wartet jede Menge Arbeit bis zur Amtsübergabe auf ihn. Unter anderem muss er sich um die Nachbesetzung der Stelle des Kämmerers kümmern, die er bis jetzt innehat. Keine Zeit mehr verlieren dürfe die Stadt auch in puncto (Schul-)Digitalisierung. „Das wollen wir parteiübergreifend Schritt für Schritt nach vorne bringen.“ Weitere sehr gute Zahlen erreicht die CDU in Neuenknick (Stefan Wiesinger, 76), Hävern (Wolfgang Koopmann, 78) und Schlüsselburg (Jens Baumgartl, 69,91).

Auf der Verliererseite

Herausforderer Jens Wölke hingegen bleibt mit 35 Prozent deutlich hinter dem Ergebnis von Friedrich Lange 2014 (43,87) zurück. In Frille II gelingt es ihm, mehr als 42 Prozent der Wählerstimmen zu sichern. Der Bundestrend der SPD habe sich bei den Sozialdemokraten in Petershagen voll durchgeschlagen, kommentiert Stadtverbandsvorsitzender Lange die Wahl. Er hätte sich gefreut, wenn am Ende einige Prozentpunkte mehr dabei herausgekommen wären. Nachteil des Kandidaten sei gewesen, dass er erst im Mai eingesprungen ist. „Für die knappe Zeit ist das ein gutes Ergebnis.“ Mit 32,17 Prozent liegt die SPD in Petershagen jedenfalls deutlich über dem Landestrend (24 Prozent). Bestes Ergebnis erzielte Martin Sölter in Döhren (69 Prozent). Im Laufe dieser Woche wählen die Sozialdemokraten ihren neuen Fraktionsvorsitzenden. Der Ausgang der Wahl ist laut Lange „völlig offen“. „Uns fehlt die Führungskraft“, sagt er. Amtsinhaber Ingo Ellerkamp geht in die Stichwahl als Landrat und ist künftig nicht mehr im Rat vertreten.

Die Zahl der Sitze hat sich im Vergleich zur Wahl 2014 absolut um zwei verkleinert. Da die Sozialdemokraten Karl-Christian Ebenau und Angelika Dreier in der Legislaturperiode die Fraktion Demokratisches Petershagen bildeten, bleibt die letzte Zahl der zehn Sitze konstant. Eine Zusammenarbeit mit der AfD kann sich Lange beim besten Willen nicht vorstellen. Er erwarte aber auch nicht viel Kompetentes von deren Seite. Bisher sei es eher schwach gewesen, was von deren Kandidatin gekommen sei.

Enttäuschte AfD

Während bei der letzten Kommunalwahl noch ein Sitz auf die UB-UWG entfiel, so ist nun die AfD in den Stadtrat gewählt worden. Als „enttäuschend“ bezeichnet Lydia Behnke von der AfD das Wahlergebnis. Die Alternative für Deutschland, die erstmals antrat, kam auf 4,69 Prozent. Sie hätte ein ähnliches Ergebnis wie bei der Europawahl erwartet, dort erreichte die Partei rund acht Prozent. „Das wirft uns aber nicht zurück.“ In Großenheerse stimmte keiner der 54 Wähler für die rechtspopulistische Partei. Ihr höchstes Ergebnis (9,52) fuhr die AfD mit Silke Neumann in Heimsen II ein. In puncto Bürgermeisterwahl holte Lydia Behnke in Heimsen II die meisten Prozente (9,09).

Grün ist die Hoffnung

Freude hingegen bei Bündnis 90/Die Grünen: Sie schafften 11,3 Prozent (2014: 6,87) und haben damit einen Sitz mehr im Rat als zuvor. Ganz knapp hätten sie sogar den vierten Sitz verfehlt, fügt Fraktionsvorsitzender Günter Hahn hinzu. Ihr Ziel hätten sie erreicht und damit seien sie „sehr zufrieden“. Mit Marlies Schaefer und Björn Nommensen ziehen zwei neue Gesichter in den Rat. Der langjährige Grüne Wolfgang Riesner hat kein Ratsmandat mehr, sitzt aber möglicherweise im Bauausschuss, da er für diese Belange laut Hahn der absolute Fachmann ist. „Die Grünen haben es in Petershagen schwer“, kommentiert Hahn das deutliche Unterschreiten des Landestrends (18,7). In Frille II erzielt die Partei ihr Spitzenergebnis mit 16,3 Prozent. Schon seit längerem ist die Umweltpartei nicht mit der Wahl des Ortsbürgermeisters einverstanden. Nach Auffassung der Grünen sollte es hier zwei Stimmen geben, eine für den Rat und eine separate für die Wahl des OB.

FDP über dem Trend

Die Freien Demokraten liegen in Petershagen mit 6,8 Prozent über dem Landestrend (5,5) und holen ein Prozent mehr gegenüber der letzten Wahl in der Weserstadt heraus. Nach dem Geschmack von Fraktionsvorsitzendem Günter Wehmeyer hätte es gerne ein weiterer Sitz sein können. Er ist jedoch zufrieden mit zwei Sitzen, da so die Fraktionsbildung – und damit die Besetzung aller Ausschüsse – gewährleistet sei. Wehmeyer selbst erzielte in Meßlingen ein Spitzenergebnis von 61,84 Prozent und bleibt Ortsbürgermeister (seit 1992 in Folge).

Verwaltung im Stress

Insgesamt sei die Verwaltung mit dem Verlauf der Wahl zufrieden, sagt Pressesprecherin Tatjana Brast. Nicht gut gelaufen sei leider die Ergebnispräsentation via Kommunales Rechenzentrum (das MT berichtete). Das bedauert sie. Die Wahl unter Corona-Bedingungen habe einen erheblich höheren Aufwand bedeutet – was unter anderem mit dem großen Anteil der Briefwähler von 5.364 zusammenhing. Für die Stichwahl seien bereits 5.200 Briefwahlanträge vorgemerkt.

Stichwahl vorbereiten

Nach der Wahl ist vor der Stichwahl. Das Ereignis am 27. September bestimmt momentan schon wieder den Arbeitstag von Pressesprecherin Tatjana Brast und ihren Kollegen. Erst ab Donnerstag – nach der Sitzung des Wahlausschusses des Kreises Minden-Lübbecke – sollen die Stimmzettel eintrudeln. Und die Sprecherin hat den Ehrgeiz, dass diese am liebsten bis zum Wochenende, spätestens aber Anfang kommender Woche in den Briefkästen der Bürger sind.

Gute Wahlbeteiligung

Die Bewerber Dirk Breves und Jens Wölke (SPD) lockten mehr Wähler an die Urnen als Dieter Blume und Friedrich Lange bei der Kommunalwahl vor sechs Jahren. Damals lag die Wahlbeteiligung bei 57 Prozent (in diesem Jahr 61). Die höchste Wahlbeteiligung gab es in Buchholz mit 79,21 Prozent, die wenigsten machten in Schlüsselburg den Gang zur Urne (53,41).

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