Vorarbeiten für Sanierung des Deichs in Schlüsselburg gehen in die nächste Runde Oliver Plöger Petershagen-Schlüsselburg. Die Frist für die internationale Ausschreibung der Ingenieurleistungen für die Deichsanierung in Schlüsselburg ist abgelaufen. Es haben sich mehrere Firmen gemeldet, aus denen die Stadt das beste Preis-Leistungsverhältnis ermittelt. Alle drei Anbieter, die in die engere Wahl gekommen sind, stammen aus Deutschland, sagt Markus Rubin aus der Petershäger Stabsstelle für Hochwasserschutz auf Anfrage des MT. Um welche Firmen es sich konkret handelt, sagte Rubin nicht, da eine abschließende Auswahl erst noch getroffen wird. Ortstermine mit den Unternehmen in Schlüsselburg sind Anfang September geplant. Der Zuschlag soll dann laut Markus Rubin im Oktober erteilt werden. Wann Schlüsselburg dann wieder einen sicheren Deich hat, könne man nicht genau sagen, zumal hier teilweise unter hohen Auflagen gearbeitet werden müsse. So müsse mit Rücksicht auf die Brutzeiten darauf geachtet werden, wann überhaupt an der Sanierung gearbeitet werden kann. Sensibles Thema sei auch die Lindenallee. Bei früheren Plänen, die Bäume auf dem Deich zu fällen, war es immer wieder zu Protesten aus der Bevölkerung gekommen. Heute gebe es laut Markus Rubin die Vorstellung, die Linden selbst noch durch einen vorgebauten Deich zu schützen. Bei der Ausschreibung war es um die etwa sechs Kilometer lange Deichtrasse und die Anlagen zur Deichzufahrt und die Überfahrt gegangen. 400 Meter überragen die Landesgrenze nach Niedersachsen, weshalb auch mit den dortigen Behörden zusammengearbeitet wird. Der Weserdeich, der durch seinen Mix aus Sand und Erde im Volksmund den Beinamen „Marmorkuchen“ bekommen hat, schützt Schlüsselburg mit seinen knapp 500 Einwohnern als Ringdeich. Bereits seit 2017 ist bekannt, dass die Anlagen saniert werden müssen. Damals hatte die Bezirksregierung mit einem neuen Gutachten überrascht, nachdem eine Untersuchung 2000 ergeben hatte, dass alles in Ordnung ist. Dann hieß es von Klaus Flachmeier aus dem Hochwasserdezernat in Detmold: „Die Hochwasserszenarien der vergangenen Jahre haben zu verfeinerten Kriterien für die Sicherheit von Deichen und zu strengeren Vorschriften geführt. Die Fachleute können die Deiche heute deutlich besser beurteilen und zuverlässiger einschätzen.“ Die Stadt Petershagen hatte im Vorjahr die Trägerschaft für die Baumaßnahme übernommen. Die „Übernahme der Pflicht zur Sanierung und Unterhaltung der Deiche nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik“, so hieß es im Dringlichkeitsbeschluss im April, sei zwischen Stadt und Wasserverband Weserniederung zu regeln. Ein solches Projekt, so Markus Rubin, könne der Wasserverband Weserniederung nicht allein stemmen. Gleichwohl sei der Verband weiter maßgeblich an den Arbeiten beteiligt. Dass Schlüsselburg nicht „von heute auf morgen“ einen sanierten Deich bekommt, scheint allen Beteiligten klar. Dabei gehe es laut Stadt teilweise auch um Flächen, die möglichst einvernehmlich im Bodenordnungsverfahren in den Besitz der Stadt übergehen sollen. Grund dafür: Mit schwerem Gerät ist es nicht möglich, den Deich zu erreichen. Daher muss ein befestigter Weg gebaut werden. Benötigt werden dazu alleine rund 180.000 Quadratmeter. Rund 140 Eigentümer seien laut Wasserverband betroffen. Sollte es noch ohne die Deichsanierung zum Hochwasser kommen, hat die Stabstelle Hochwasserschutz bei der Stadt Petershagen ein Szenario vorbereitet: Wenn der Pegel in Porta über 6,42 Metern liege, folgt durch die Stadt ein Hochwasser-Voralarm. Die Bevölkerung wird mit einem Schreiben informiert, denn über Wasserstraße wäre ein Verlassen Schlüsselburgs dann nicht mehr möglich. „Ab einem Pegel von 7,13 Metern müssen die Einwohner auf gepackten Koffern sitzen“, erklärte Rubin. Und: Sammelstellen für die Evakuierten ohne Fahrzeug seien im Feuerwehrgerätehaus und im Menzestift. Von hier geht es zum Gymnasium Petershagen: Dort können die 500 Einwohner dann in Schulklassen untergebracht werden. Hier können sie schlafen und werden versorgt. Eine erste Hochwasserschutzübung hatte im September vorigen Jahres stattgefunden. Neben den Profis der Hilfsorganisationen, darunter Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Deutsches Rotes Kreuz, nahmen viele Dörfler teil, zuletzt 150 Personen. Um eine „Rund-um-die-Uhr-Überwachung“ im Falle eines bedrohlichen Hochwasser sicherzustellen, ist die Stadt bemüht, weitere ehrenamtliche Deichwachen zu rekrutieren. Denn noch ist der Deich nicht saniert Markus Rubin hofft nach der Ausschreibung, dass der Deich in sechs Jahren wieder sicher ist. Der „Marmorkuchen“ soll dann „gegessen“ sein.

Vorarbeiten für Sanierung des Deichs in Schlüsselburg gehen in die nächste Runde

Ob der Deich in Schlüsselburg (hier links) ein größeres Hochwasser abhalten kann, bezweifeln Experten. Deshalb ist die Sanierung auch nach den Forderungen der Bezirksregierung dringend. MT-Foto Oliver Plöger

Petershagen-Schlüsselburg. Die Frist für die internationale Ausschreibung der Ingenieurleistungen für die Deichsanierung in Schlüsselburg ist abgelaufen. Es haben sich mehrere Firmen gemeldet, aus denen die Stadt das beste Preis-Leistungsverhältnis ermittelt. Alle drei Anbieter, die in die engere Wahl gekommen sind, stammen aus Deutschland, sagt Markus Rubin aus der Petershäger Stabsstelle für Hochwasserschutz auf Anfrage des MT.

Um welche Firmen es sich konkret handelt, sagte Rubin nicht, da eine abschließende Auswahl erst noch getroffen wird. Ortstermine mit den Unternehmen in Schlüsselburg sind Anfang September geplant. Der Zuschlag soll dann laut Markus Rubin im Oktober erteilt werden. Wann Schlüsselburg dann wieder einen sicheren Deich hat, könne man nicht genau sagen, zumal hier teilweise unter hohen Auflagen gearbeitet werden müsse. So müsse mit Rücksicht auf die Brutzeiten darauf geachtet werden, wann überhaupt an der Sanierung gearbeitet werden kann. Sensibles Thema sei auch die Lindenallee. Bei früheren Plänen, die Bäume auf dem Deich zu fällen, war es immer wieder zu Protesten aus der Bevölkerung gekommen. Heute gebe es laut Markus Rubin die Vorstellung, die Linden selbst noch durch einen vorgebauten Deich zu schützen.

Bei der Ausschreibung war es um die etwa sechs Kilometer lange Deichtrasse und die Anlagen zur Deichzufahrt und die Überfahrt gegangen. 400 Meter überragen die Landesgrenze nach Niedersachsen, weshalb auch mit den dortigen Behörden zusammengearbeitet wird.

Der Weserdeich, der durch seinen Mix aus Sand und Erde im Volksmund den Beinamen „Marmorkuchen“ bekommen hat, schützt Schlüsselburg mit seinen knapp 500 Einwohnern als Ringdeich. Bereits seit 2017 ist bekannt, dass die Anlagen saniert werden müssen. Damals hatte die Bezirksregierung mit einem neuen Gutachten überrascht, nachdem eine Untersuchung 2000 ergeben hatte, dass alles in Ordnung ist. Dann hieß es von Klaus Flachmeier aus dem Hochwasserdezernat in Detmold: „Die Hochwasserszenarien der vergangenen Jahre haben zu verfeinerten Kriterien für die Sicherheit von Deichen und zu strengeren Vorschriften geführt. Die Fachleute können die Deiche heute deutlich besser beurteilen und zuverlässiger einschätzen.“

Die Stadt Petershagen hatte im Vorjahr die Trägerschaft für die Baumaßnahme übernommen. Die „Übernahme der Pflicht zur Sanierung und Unterhaltung der Deiche nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik“, so hieß es im Dringlichkeitsbeschluss im April, sei zwischen Stadt und Wasserverband Weserniederung zu regeln. Ein solches Projekt, so Markus Rubin, könne der Wasserverband Weserniederung nicht allein stemmen. Gleichwohl sei der Verband weiter maßgeblich an den Arbeiten beteiligt.

Dass Schlüsselburg nicht „von heute auf morgen“ einen sanierten Deich bekommt, scheint allen Beteiligten klar. Dabei gehe es laut Stadt teilweise auch um Flächen, die möglichst einvernehmlich im Bodenordnungsverfahren in den Besitz der Stadt übergehen sollen. Grund dafür: Mit schwerem Gerät ist es nicht möglich, den Deich zu erreichen. Daher muss ein befestigter Weg gebaut werden. Benötigt werden dazu alleine rund 180.000 Quadratmeter. Rund 140 Eigentümer seien laut Wasserverband betroffen.

Sollte es noch ohne die Deichsanierung zum Hochwasser kommen, hat die Stabstelle Hochwasserschutz bei der Stadt Petershagen ein Szenario vorbereitet: Wenn der Pegel in Porta über 6,42 Metern liege, folgt durch die Stadt ein Hochwasser-Voralarm. Die Bevölkerung wird mit einem Schreiben informiert, denn über Wasserstraße wäre ein Verlassen Schlüsselburgs dann nicht mehr möglich. „Ab einem Pegel von 7,13 Metern müssen die Einwohner auf gepackten Koffern sitzen“, erklärte Rubin. Und: Sammelstellen für die Evakuierten ohne Fahrzeug seien im Feuerwehrgerätehaus und im Menzestift. Von hier geht es zum Gymnasium Petershagen: Dort können die 500 Einwohner dann in Schulklassen untergebracht werden. Hier können sie schlafen und werden versorgt.

Eine erste Hochwasserschutzübung hatte im September vorigen Jahres stattgefunden. Neben den Profis der Hilfsorganisationen, darunter Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Deutsches Rotes Kreuz, nahmen viele Dörfler teil, zuletzt 150 Personen.

Um eine „Rund-um-die-Uhr-Überwachung“ im Falle eines bedrohlichen Hochwasser sicherzustellen, ist die Stadt bemüht, weitere ehrenamtliche Deichwachen zu rekrutieren. Denn noch ist der Deich nicht saniert Markus Rubin hofft nach der Ausschreibung, dass der Deich in sechs Jahren wieder sicher ist. Der „Marmorkuchen“ soll dann „gegessen“ sein.

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