„Vollendete Tatsachen“: Kreis verteidigt Baumpflege in Südfelde Oliver Plöger Petershagen-Südfelde. Für Alfred Dotschkal scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Nachdem er vor zwei Jahren scharfe Kritik an den Baumfällaktionen des Kreises am Kreisradweg zwischen Friedewalde und Stemmer geäußert hatte, spricht er jetzt bei einem Abschnitt in Südfelde erneut von „Kahlschlag“. Laut Kreis kann davon allerdings keine Rede sein. Dem vorhandenen Unterholz sei vielmehr die Möglichkeit gegeben worden, sich aufgrund des offenen Baumbestandes nachhaltig zu entwickeln, hieß es auf MT-Nachfrage. Tatort für Dotschkal ist der Pausenplatz am ehemaligen Bahnhof. Hier seien auf einer Fläche von knapp 3.200 Quadratmetern zahlreiche Bäume und das gesamte Unterholz abgesägt, abgefräst und beseitigt worden. Und das an einem Ort, der Radwanderer, Gäste und Familien zu Pausen einladen sollte und eigentlich eine Werbung für den Kreis Minden-Lübbecke sein könnte. „Man wird hier vor vollendete Tatsachen gestellt. Dabei hatte der Kreis nach den Erfahrungen aus 2019 gesagt, dass es vor weiteren Maßnahmen Gespräche gibt. Diese Gespräche aber gab es in diesem Fall nicht.“ So sei es aber gedacht gewesen, wie auch Rainer Vogt als Vorsitzender des hiesigen Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) beim von Dotschkal einberufenen Ortstermin diese Woche betonte: „Wir wollen, dass man vor einer solchen Aktion das Konzept mit den ortsansässigen Naturschutzverbänden abspricht. Wir müssen miteinander reden.“ Das sieht auch Lothar Meckling so, Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu): „Was hier in Südfelde passiert ist, müsste man allerdings noch mit dem Kreis besprechen.“ Auch Meckling erinnerte an Gespräche, nach denen solche Aktionen eigentlich so nicht stattfinden dürfen. Über ein „Auf den Stock setzen“ sei die Maßnahme hier aber offensichtlich hinausgegangen. Am Ortstermin nahm auch Dietrich Klöpper als Stellvertretender Ortslandwirt und Ortskundiger teil, der die verhinderte Ortsbürgermeisterin Sabine Kruse (CDU) vertrat. Die Kritik Dotschkals und auch der Naturschutzverbände konnte Klöpper allerdings nicht nachvollziehen: „Die Straße war halb zugewachsen, da musste etwas passieren. Hier sind zwar Bäume herausgenommen, der Rest ist aufgeastet. Es ist kein Kahlschlag, so dramatisch kann ich es nicht sehen.“ Das Unterholz schlage aus und komme wieder, so Klöpper. Das sehe man auch nach der Gehölzpflege an anderen Standorten in Petershagen, auch nach dem „Bohei“ in Friedewalde. Ähnlich argumentierte dann auch der Kreis auf MT-Nachfrage: „Die von der Kreisstraßenmeisterei Minden durchgeführten Gehölzpflegearbeiten entsprechen den Vorgaben der Gehölzpflege“, teilte Pressesprecherin Mirjana Lenz mit. In dem Bestand seien Bäume entfernt worden, die einen massiven Schiefstand, Zwillen oder sonstige statische Probleme hatten. Dadurch seien die Wachstumsbedingungen für den vorhandenen Bestand verbessert worden, um sich zukunftsfähig entwickeln zu können. „Einzelne Sträucher sind auf den Stock gesetzt worden, um eine Vergreisung zu verhindern“, erklärte Lenz, und: „In der vorhandenen Krautschicht ist den Frühjahrsblühern wie Schneeglöckchen, Osterglocken und Winterlingen durch die Öffnung des Bestandes jetzt die Möglichkeit gegeben, sich zu entwickeln.“ Die vorhandenen noch offenen Fräsflächen seien sogenannte Abstandsflächen, auf denen eine Saatgutmischung ausgebracht wird, um sich als Krautschicht und Bienenweide entwickeln zu können. Mirjana Lenz: „Die Abstandsflächen wurden geschaffen, um die benachbarten Anlieger nicht durch einen zu dichten Gehölzbestand nachteilig zu beeinträchtigen.“ Alfred Dotschkal gibt sich damit nicht zufrieden – er hält den Schnitt in Südfelde für zu radikal. Bäume, so sei es die Information aus dem Kreishaus gewesen, würden nur gefällt, wenn sie nicht gerettet werden können oder eine Gefahr darstellten. „Wo bitte waren diese Bäume am alten Südfelder Bahnhof eine Gefahr?“ Die Aktion sei ein Irrsinn in der heutigen Zeit, in der die gesamte Welt den Klimawandel zu spüren bekomme. Der „Rodungskreis Minden“ habe nichts aus einen Fehlern gelernt: „Wo bitte stehen – allein für die gefällten Bäume am Kreisradweg 2018 und 2019 – mehr als tausend neu gepflanzte Bäume im Kreis, die müsste man doch besichtigen können?“ Dazu der Kreis in seiner Stellungnahme: „Die von Herrn Dotschkal eingeforderten Neuanpflanzungen in 2020 sind an diversen Stellen im gesamten Kreisgebiet verteilt erfolgt.“ Dabei handele es sich um etwa 220 Bäume. Im Herbst 2021 sollen weitere 200 Bäume „im gesamten Kreisgebiet an geeigneten Stellen“ nachgepflanzt werden, so Mirjana Lenz.

„Vollendete Tatsachen“: Kreis verteidigt Baumpflege in Südfelde

Alfred Dotschkal hält die „Pflegemaßnahme“ am Kreisradweg in Südfelde für übertrieben, auch die Vertreter der Umweltverbände hätten sich vorab Informationen für eine eigene Bewertung gewünscht. MT-Foto: Oliver Plöger © Oliver Plöger

Petershagen-Südfelde. Für Alfred Dotschkal scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Nachdem er vor zwei Jahren scharfe Kritik an den Baumfällaktionen des Kreises am Kreisradweg zwischen Friedewalde und Stemmer geäußert hatte, spricht er jetzt bei einem Abschnitt in Südfelde erneut von „Kahlschlag“. Laut Kreis kann davon allerdings keine Rede sein. Dem vorhandenen Unterholz sei vielmehr die Möglichkeit gegeben worden, sich aufgrund des offenen Baumbestandes nachhaltig zu entwickeln, hieß es auf MT-Nachfrage.

Tatort für Dotschkal ist der Pausenplatz am ehemaligen Bahnhof. Hier seien auf einer Fläche von knapp 3.200 Quadratmetern zahlreiche Bäume und das gesamte Unterholz abgesägt, abgefräst und beseitigt worden. Und das an einem Ort, der Radwanderer, Gäste und Familien zu Pausen einladen sollte und eigentlich eine Werbung für den Kreis Minden-Lübbecke sein könnte. „Man wird hier vor vollendete Tatsachen gestellt. Dabei hatte der Kreis nach den Erfahrungen aus 2019 gesagt, dass es vor weiteren Maßnahmen Gespräche gibt. Diese Gespräche aber gab es in diesem Fall nicht.“

So sei es aber gedacht gewesen, wie auch Rainer Vogt als Vorsitzender des hiesigen Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) beim von Dotschkal einberufenen Ortstermin diese Woche betonte: „Wir wollen, dass man vor einer solchen Aktion das Konzept mit den ortsansässigen Naturschutzverbänden abspricht. Wir müssen miteinander reden.“ Das sieht auch Lothar Meckling so, Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu): „Was hier in Südfelde passiert ist, müsste man allerdings noch mit dem Kreis besprechen.“ Auch Meckling erinnerte an Gespräche, nach denen solche Aktionen eigentlich so nicht stattfinden dürfen. Über ein „Auf den Stock setzen“ sei die Maßnahme hier aber offensichtlich hinausgegangen.

Am Ortstermin nahm auch Dietrich Klöpper als Stellvertretender Ortslandwirt und Ortskundiger teil, der die verhinderte Ortsbürgermeisterin Sabine Kruse (CDU) vertrat. Die Kritik Dotschkals und auch der Naturschutzverbände konnte Klöpper allerdings nicht nachvollziehen: „Die Straße war halb zugewachsen, da musste etwas passieren. Hier sind zwar Bäume herausgenommen, der Rest ist aufgeastet. Es ist kein Kahlschlag, so dramatisch kann ich es nicht sehen.“ Das Unterholz schlage aus und komme wieder, so Klöpper. Das sehe man auch nach der Gehölzpflege an anderen Standorten in Petershagen, auch nach dem „Bohei“ in Friedewalde.

Ähnlich argumentierte dann auch der Kreis auf MT-Nachfrage: „Die von der Kreisstraßenmeisterei Minden durchgeführten Gehölzpflegearbeiten entsprechen den Vorgaben der Gehölzpflege“, teilte Pressesprecherin Mirjana Lenz mit.

In dem Bestand seien Bäume entfernt worden, die einen massiven Schiefstand, Zwillen oder sonstige statische Probleme hatten. Dadurch seien die Wachstumsbedingungen für den vorhandenen Bestand verbessert worden, um sich zukunftsfähig entwickeln zu können. „Einzelne Sträucher sind auf den Stock gesetzt worden, um eine Vergreisung zu verhindern“, erklärte Lenz, und: „In der vorhandenen Krautschicht ist den Frühjahrsblühern wie Schneeglöckchen, Osterglocken und Winterlingen durch die Öffnung des Bestandes jetzt die Möglichkeit gegeben, sich zu entwickeln.“ Die vorhandenen noch offenen Fräsflächen seien sogenannte Abstandsflächen, auf denen eine Saatgutmischung ausgebracht wird, um sich als Krautschicht und Bienenweide entwickeln zu können. Mirjana Lenz: „Die Abstandsflächen wurden geschaffen, um die benachbarten Anlieger nicht durch einen zu dichten Gehölzbestand nachteilig zu beeinträchtigen.“

Alfred Dotschkal gibt sich damit nicht zufrieden – er hält den Schnitt in Südfelde für zu radikal. Bäume, so sei es die Information aus dem Kreishaus gewesen, würden nur gefällt, wenn sie nicht gerettet werden können oder eine Gefahr darstellten. „Wo bitte waren diese Bäume am alten Südfelder Bahnhof eine Gefahr?“ Die Aktion sei ein Irrsinn in der heutigen Zeit, in der die gesamte Welt den Klimawandel zu spüren bekomme. Der „Rodungskreis Minden“ habe nichts aus einen Fehlern gelernt: „Wo bitte stehen – allein für die gefällten Bäume am Kreisradweg 2018 und 2019 – mehr als tausend neu gepflanzte Bäume im Kreis, die müsste man doch besichtigen können?“

Dazu der Kreis in seiner Stellungnahme: „Die von Herrn Dotschkal eingeforderten Neuanpflanzungen in 2020 sind an diversen Stellen im gesamten Kreisgebiet verteilt erfolgt.“ Dabei handele es sich um etwa 220 Bäume. Im Herbst 2021 sollen weitere 200 Bäume „im gesamten Kreisgebiet an geeigneten Stellen“ nachgepflanzt werden, so Mirjana Lenz.

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