Viele Funde aus der Eiszeit: War der Lusebrink einst das Sommerlager der Rentierjäger? Oliver Plöger Petershagen-Neuenknick. Früher war mehr Tundra. Und vielleicht hatten die Rentierjäger in eisigen Zeiten auf dem Lusebrink in Neuenknick ihr Sommerlager aufgeschlagen. Vor etwa 12.000 Jahren. So jedenfalls vermutet es die Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke, die auf die zahlreichen Funde verweist. Die Wissenschaft ordnet die einstigen Menschen der sogenannten Ahrensburger Kultur zu – weil der Prähistoriker Alfred Rust bei Ahrensburg charakteristische Stielspitzen und Mikrolithen, Kratzer, Stichel und retuschierte Klingen ausgegraben hatte, die eben typisch für die Kultur der spezialisierten Rentierjäger sind. „Zahlreiche Urnen, in denen neben Knochenresten oft noch kleine Gefäße enthalten waren, sprechen auch für eine jüngere Nutzung des Lusebrinks als Bestattungsplatz“, sagt Pressesprecherin Karin Höhle. Der Verein hatte eine Schulung von Mitgliedern und Interessierten veranstaltet, an der auch die Ortsheimatpfleger der Nachbarorte teilnahmen. Der Lusebrink ist mit 79,2 Metern die höchste Erhebung im Stadtgebiet von Petershagen und, so Karin Höhle, „die älteste Fundstelle im Kreis Minden-Lübbecke, die bisher lokalisiert werden konnte.“ Geformt worden sei der Lusebrink vor 250.000 Jahren, als die Gletscher der „Saale-Kaltzeit“ von Skandinavien aus bis an den Rand unserer Mittelgebirge vorrückten und in Neuenknick und Umgebung viel Sand ablagerten. Der Name ist natürlich viel jünger. Höhle: „Vermutlich, um die zum Christentum bekehrten Bewohner von dieser einstigen Kultstätte ihrer Vorfahren fernzuhalten, gab man dem Hügel seinen Namen: Lusebrink.“ Das leite sich von „Lauseberg“ ab: Da will doch eigentlich keiner hin! Einen ersten Fund, so Karin Höhle, habe es bereits 1912 gegeben. Finder war ein A. Kitzel, weitere Informationen zu diesem Feldbegeher lagen nicht vor. Anders knapp 50 Jahre später: „Der aus Lahde stammende Archäologe Friedrich Brinkmann führte seit den 1960er Jahren erfolg- und fundreiche Begehungen auf dem Lusebrink durch.“ Das belege eines seiner akribisch geführten Fundtagbücher, die dem Verein exklusiv zur Verfügung stehen. „In den teils bebilderten Tagebüchern finden sich zahlreiche Einträge zu Funden vom Lusebrink, die Datierung reicht vom Spätpaläolithikum bis in die Eisenzeit“, erklärte Höhle. Weitere Feldbegeher, darunter Richard Riemann aus Windheim, hätten (Stand 1979) allein 1.179 Artefakte aufgesammelt: Abschläge, Klingen und 38 Kerne. Bei den Werkzeugen, so Karin Höhle, dominieren die kurzen Kratzer und Klingenkratzer mit 55 Exemplaren. Weiter gab es – ebenfalls typisch für die Ahrensburger Kultur – 22 Stielspitzen. Um 1910 war der Südabhang ein Sandloch, wo samstags der weiße Scheuersand geholt wurde, mit dem man sonntags die Stube reinigte. Nach der Umgestaltung 1933 entstand ein kleiner Fest- und Sportplatz, so Höhle. Später sei der Lusebrink mit Kiefern bepflanzt worden. In der Mitte sei dann nach dem Ersten Weltkrieg ein Schießstand entstanden, der 1965 neu aufgebaut und 2004 renoviert wurde. Der organisatorische Leiter der Veranstaltung, Grabungstechniker Daniel Bake, klärte die Teilnehmenden nicht nur über die Geschichte und Bedeutung des Lusebrinks auf, sondern erklärte mit Schulungsmaterial, welche Artefakte sich auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen rund um den Lusebrink finden lassen und welche Verwendung sie einst fanden. Hauptaugenmerk legte er vor allem auf Artefakte aus Feuerstein und deren Fertigung und Nutzung. Einen Roh-Feuerstein, eine sogenannte Silexknolle, schlug er mittels eines harten Schlagsteines mit einigen direkten Schlägen kurzerhand auf und fertigte danach einige „sehr scharfe Abschläge“, wie Karin Höhle beschrieb. Auf MT-Anfrage bestätigte die LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Bielefeld, eine nachgewiesene Fundhäufigkeit im Bereich Lusebrink und die Verbindungen zur Ahrensburger Kultur. Die von den Teilnehmenden geborgenen Artefakte werden im nächsten Schritt der LWL-Behörde vorgelegt, wo sie zur wissenschaftlichen Bearbeitung (Fotografie, Zeichnung, etc.) verbleiben und danach – so hofft es der Verein – wieder an die Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege zurück gehen werden. Für die LWL-Archäologie, die das Prozedere bestätigte, ist es wichtig, dass eventuelle Suchen, für die dann auch Grabungsgenehmigungen erteilt werden, vorab mit den Besitzern der jeweiligen Flächen abgesprochen werden. Diese Absprachen gebe es immer, hieß es von Daniel Bake. Gerade auf dem Lusebrink sei die Chance groß, dass Artefakte gefunden werden. Dass hier nicht „wild gesammelt“ wird, ist auch der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege wichtig. „Da haben auch die Ortsheimatpfleger einen Blick drauf“, sagt Daniel Bake.

Viele Funde aus der Eiszeit: War der Lusebrink einst das Sommerlager der Rentierjäger?

Such-Seminar: Die Gruppe machte auch aktuell wieder Funde auf dem Lusebrink. © Fotos: pr

Petershagen-Neuenknick. Früher war mehr Tundra. Und vielleicht hatten die Rentierjäger in eisigen Zeiten auf dem Lusebrink in Neuenknick ihr Sommerlager aufgeschlagen. Vor etwa 12.000 Jahren. So jedenfalls vermutet es die Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke, die auf die zahlreichen Funde verweist.

Die Wissenschaft ordnet die einstigen Menschen der sogenannten Ahrensburger Kultur zu – weil der Prähistoriker Alfred Rust bei Ahrensburg charakteristische Stielspitzen und Mikrolithen, Kratzer, Stichel und retuschierte Klingen ausgegraben hatte, die eben typisch für die Kultur der spezialisierten Rentierjäger sind. „Zahlreiche Urnen, in denen neben Knochenresten oft noch kleine Gefäße enthalten waren, sprechen auch für eine jüngere Nutzung des Lusebrinks als Bestattungsplatz“, sagt Pressesprecherin Karin Höhle. Der Verein hatte eine Schulung von Mitgliedern und Interessierten veranstaltet, an der auch die Ortsheimatpfleger der Nachbarorte teilnahmen.

Typische Artefakte, die auf die Ahrensburger Kultur hinweisen: Um das Größenverhältnis darzustellen, hier mit Maß.
Typische Artefakte, die auf die Ahrensburger Kultur hinweisen: Um das Größenverhältnis darzustellen, hier mit Maß.

Der Lusebrink ist mit 79,2 Metern die höchste Erhebung im Stadtgebiet von Petershagen und, so Karin Höhle, „die älteste Fundstelle im Kreis Minden-Lübbecke, die bisher lokalisiert werden konnte.“ Geformt worden sei der Lusebrink vor 250.000 Jahren, als die Gletscher der „Saale-Kaltzeit“ von Skandinavien aus bis an den Rand unserer Mittelgebirge vorrückten und in Neuenknick und Umgebung viel Sand ablagerten. Der Name ist natürlich viel jünger. Höhle: „Vermutlich, um die zum Christentum bekehrten Bewohner von dieser einstigen Kultstätte ihrer Vorfahren fernzuhalten, gab man dem Hügel seinen Namen: Lusebrink.“ Das leite sich von „Lauseberg“ ab: Da will doch eigentlich keiner hin!

Einen ersten Fund, so Karin Höhle, habe es bereits 1912 gegeben. Finder war ein A. Kitzel, weitere Informationen zu diesem Feldbegeher lagen nicht vor. Anders knapp 50 Jahre später: „Der aus Lahde stammende Archäologe Friedrich Brinkmann führte seit den 1960er Jahren erfolg- und fundreiche Begehungen auf dem Lusebrink durch.“ Das belege eines seiner akribisch geführten Fundtagbücher, die dem Verein exklusiv zur Verfügung stehen. „In den teils bebilderten Tagebüchern finden sich zahlreiche Einträge zu Funden vom Lusebrink, die Datierung reicht vom Spätpaläolithikum bis in die Eisenzeit“, erklärte Höhle.

Weitere Feldbegeher, darunter Richard Riemann aus Windheim, hätten (Stand 1979) allein 1.179 Artefakte aufgesammelt: Abschläge, Klingen und 38 Kerne. Bei den Werkzeugen, so Karin Höhle, dominieren die kurzen Kratzer und Klingenkratzer mit 55 Exemplaren. Weiter gab es – ebenfalls typisch für die Ahrensburger Kultur – 22 Stielspitzen.

Um 1910 war der Südabhang ein Sandloch, wo samstags der weiße Scheuersand geholt wurde, mit dem man sonntags die Stube reinigte. Nach der Umgestaltung 1933 entstand ein kleiner Fest- und Sportplatz, so Höhle. Später sei der Lusebrink mit Kiefern bepflanzt worden. In der Mitte sei dann nach dem Ersten Weltkrieg ein Schießstand entstanden, der 1965 neu aufgebaut und 2004 renoviert wurde.

Der organisatorische Leiter der Veranstaltung, Grabungstechniker Daniel Bake, klärte die Teilnehmenden nicht nur über die Geschichte und Bedeutung des Lusebrinks auf, sondern erklärte mit Schulungsmaterial, welche Artefakte sich auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen rund um den Lusebrink finden lassen und welche Verwendung sie einst fanden. Hauptaugenmerk legte er vor allem auf Artefakte aus Feuerstein und deren Fertigung und Nutzung. Einen Roh-Feuerstein, eine sogenannte Silexknolle, schlug er mittels eines harten Schlagsteines mit einigen direkten Schlägen kurzerhand auf und fertigte danach einige „sehr scharfe Abschläge“, wie Karin Höhle beschrieb.

Auf MT-Anfrage bestätigte die LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Bielefeld, eine nachgewiesene Fundhäufigkeit im Bereich Lusebrink und die Verbindungen zur Ahrensburger Kultur.

Die von den Teilnehmenden geborgenen Artefakte werden im nächsten Schritt der LWL-Behörde vorgelegt, wo sie zur wissenschaftlichen Bearbeitung (Fotografie, Zeichnung, etc.) verbleiben und danach – so hofft es der Verein – wieder an die Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege zurück gehen werden.

Für die LWL-Archäologie, die das Prozedere bestätigte, ist es wichtig, dass eventuelle Suchen, für die dann auch Grabungsgenehmigungen erteilt werden, vorab mit den Besitzern der jeweiligen Flächen abgesprochen werden. Diese Absprachen gebe es immer, hieß es von Daniel Bake. Gerade auf dem Lusebrink sei die Chance groß, dass Artefakte gefunden werden. Dass hier nicht „wild gesammelt“ wird, ist auch der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege wichtig. „Da haben auch die Ortsheimatpfleger einen Blick drauf“, sagt Daniel Bake.

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