Umzug fast geschafft: So funtioniert die Büchertauschbörse in Eldagsen Claudia Hyna Petershagen-Eldagsen. Rolf Biere nimmt ein Buch aus der Umzugskiste, wirft einen Blick auf den Titel und sortiert es im Regal an der richtigen Stelle ein. Der Mindener hat noch einige Kisten vor sich, bevor alles an seinem Platz ist. Eineinhalb Jahre war die Büchertauschbörse geschlossen – jetzt hat sie ein neues Zuhause in der ehemaligen Eldagser Friedhofskapelle gefunden. 60 Prozent des Bestandes von rund 20.000 Büchern hat er mit seinen Helfern bereits untergebracht. Vor allem Werke aus der Belletristik – der am stärksten frequentierte Bereich – stehen zur Ausleihe bereit. Auf Biere und seine Frau Gisela wartet noch die Aufgabe, innerhalb der Buchstaben-Ordnung eine Chronologie zu erstellen. Sach- und Kinderbücher folgen sukzessive. Zuvor will Rolf Biere noch die notwendigen Regale in Eigenarbeit bauen. Einen großen Teil der Möbel hat er vom alten Standort in Kutenhausen nach Petershagen transportiert. Stolz zeigt er er auf den neuen Ausleihtresen, der das Herzstück der Tauschbörse bildet. Unter der Platte des ebenfalls von ihm selbst angefertigten Tisches ist genügend Platz, um Bücher zwischenzulagern. Als Neuheit soll es an dieser Stelle ein Regal mit Leser-Empfehlungen geben. Diese Idee ist aus der Erfahrung entstanden, dass Buchfreunde besonders gern die soeben von anderen zurückgebrachten Exemplare ausleihen wollten. Zudem soll Leseecken eingerichtet werden. Das Konzept sieht vor, dass jeder am Montag in der Zeit von 15 bis 20 Uhr kostenlos Bücher ausleihen kann. Diese Zeiten kämen Berufstätigen entgegen, so Biere. Rückgabefristen gibt es nicht, das System funktioniert komplett ohne EDV, darauf legt er Wert. Das Konzept gibt ihm recht, denn der Schwund sei extrem gering. Auch der organisatorische Aufwand soll so klein wie möglich bleiben, schließlich handele es sich um ein reines Hobby. „Wir wollen auf keinen Fall Büchereien Konkurrenz machen“, das ist Helma Owczarski (SPD) wichtig. Sie ist Ortsheimatpflegerin und gleichzeitig Vorsitzende des Vereins FriedEl, der die umgebaute Friedhofskapelle betreibt. Jeder kann gut erhaltene Bücher an der Eldagser Dorfstraße 79 abgeben. „So gewährleisten wir relativ aktuelle Bestände.“ Aussortierte Bücher werden an Kliniken oder den Verein Zentrallager gespendet. Rolf Biere hatte 2009 mit seiner Frau die Tauschbörse im ehemaligen Spritzenhaus in Kutenhausen mit rund 1.000 Büchern gegründet. Der Bestand wuchs auf rund 22.000 Exemplare an. Im Mai 2019 führten baurechtliche Gründe zur Schließung des Standortes. Nun hat die Tauschbörse ohne großes Gedöns in den neuen Räumlichkeiten wieder eröffnet – allerdings vorerst provisorisch, sprich mit Einschränkungen. Das gesamte Sortiment steht noch nicht zur Verfügung. Das dauert wahrscheinlich auch noch etwas, denn der Raum soll noch eine Empore bekommen. Eine Heizung gibt es noch nicht, Besucher sollten sich daher warm anziehen. Fördermittel für die energetische Sanierung wie neue Dachflächenfenster und eben die Heizung sind genehmigt, der Umbau wird voraussichtlich im Frühjahr über die Bühne gehen. Außerdem plant der Verein FriedEl eine größere Küche und neue Sanitäranlagen. Die ersten Neugierigen blieben schon in der Einräumzeit vor den Fenstern stehen, berichtet Rolf Biere. Er lud die Interessierten ein, sich gerne im Inneren umzuschauen. „Dabei habe ich interessante Gespräche geführt.“ Einige hätten bereits Kartons mit Büchern gebracht. Der Radius, aus dem die Leser nach Kutenhausen kamen, war groß. In Eldagsen rechnen die Verantwortlichen aufgrund der Fläche Petershagens ebenfalls mit einem ausgedehnten Einzugsbereich. Die Bücherbörse sei vielen bereits bekannt gewesen, weiß Helma Owczarski. Im Zusammenhang mit dem Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzept (Ikek) sei bereits die Rede davon gewesen, dass man mehr mit Büchern machen solle. Insofern hofft die Vorsitzende, dass sich eines Tages ein Nachfolger für Rolf Biere (79) finden lässt. Dieser will zunächst noch eine Zeit lang weitermachen, irgendwann möchte er dann den fließenden Übergang begleiten. In der neuen Ausleihstelle gelten die aktuellen Hygiene-Vorschriften. Besucher müssen eine Maske tragen, Desinfektionsmittel steht bereit. Eine offizielle Eröffnung war unter diesen Umständen keine Option. Und auch die Veranstaltungen, das zweite Standbein der Büchertauschbörse, sind momentan wegen Corona kein Thema. Im übrigen müsse der Umbau zunächst komplett beendet sein, bevor die Räumlichkeiten für kulturelle Events zur Verfügung stehen, so die einhellige Meinung. Gestartet werden soll nach dem Wunsch von Rolf Biere, dem besonderen Ort geschuldet, mit einer Lesung. „Tucholsky, Kästner und Co, das passt.“

Umzug fast geschafft: So funtioniert die Büchertauschbörse in Eldagsen

Der Großteil des Umzugs ist geschafft, nun geht es an die Feinarbeit. Rolf Biere © MT-Foto: Claudia Hyna

Petershagen-Eldagsen. Rolf Biere nimmt ein Buch aus der Umzugskiste, wirft einen Blick auf den Titel und sortiert es im Regal an der richtigen Stelle ein. Der Mindener hat noch einige Kisten vor sich, bevor alles an seinem Platz ist. Eineinhalb Jahre war die Büchertauschbörse geschlossen – jetzt hat sie ein neues Zuhause in der ehemaligen Eldagser Friedhofskapelle gefunden.

60 Prozent des Bestandes von rund 20.000 Büchern hat er mit seinen Helfern bereits untergebracht. Vor allem Werke aus der Belletristik – der am stärksten frequentierte Bereich – stehen zur Ausleihe bereit. Auf Biere und seine Frau Gisela wartet noch die Aufgabe, innerhalb der Buchstaben-Ordnung eine Chronologie zu erstellen. Sach- und Kinderbücher folgen sukzessive. Zuvor will Rolf Biere noch die notwendigen Regale in Eigenarbeit bauen. Einen großen Teil der Möbel hat er vom alten Standort in Kutenhausen nach Petershagen transportiert.

Außenansicht der Büchertauschbörse
Außenansicht der Büchertauschbörse

Stolz zeigt er er auf den neuen Ausleihtresen, der das Herzstück der Tauschbörse bildet. Unter der Platte des ebenfalls von ihm selbst angefertigten Tisches ist genügend Platz, um Bücher zwischenzulagern. Als Neuheit soll es an dieser Stelle ein Regal mit Leser-Empfehlungen geben. Diese Idee ist aus der Erfahrung entstanden, dass Buchfreunde besonders gern die soeben von anderen zurückgebrachten Exemplare ausleihen wollten. Zudem soll Leseecken eingerichtet werden.

Rolf Biere, Kirsten Bock (stellvertretende Vorsitzende von FriedEl) und Helma Owczarski in den neuen Räumen. - © Foto: Hyna
Rolf Biere, Kirsten Bock (stellvertretende Vorsitzende von FriedEl) und Helma Owczarski in den neuen Räumen. - © Foto: Hyna

Das Konzept sieht vor, dass jeder am Montag in der Zeit von 15 bis 20 Uhr kostenlos Bücher ausleihen kann. Diese Zeiten kämen Berufstätigen entgegen, so Biere. Rückgabefristen gibt es nicht, das System funktioniert komplett ohne EDV, darauf legt er Wert. Das Konzept gibt ihm recht, denn der Schwund sei extrem gering. Auch der organisatorische Aufwand soll so klein wie möglich bleiben, schließlich handele es sich um ein reines Hobby. „Wir wollen auf keinen Fall Büchereien Konkurrenz machen“, das ist Helma Owczarski (SPD) wichtig. Sie ist Ortsheimatpflegerin und gleichzeitig Vorsitzende des Vereins FriedEl, der die umgebaute Friedhofskapelle betreibt. Jeder kann gut erhaltene Bücher an der Eldagser Dorfstraße 79 abgeben. „So gewährleisten wir relativ aktuelle Bestände.“ Aussortierte Bücher werden an Kliniken oder den Verein Zentrallager gespendet.

Rolf Biere hatte 2009 mit seiner Frau die Tauschbörse im ehemaligen Spritzenhaus in Kutenhausen mit rund 1.000 Büchern gegründet. Der Bestand wuchs auf rund 22.000 Exemplare an. Im Mai 2019 führten baurechtliche Gründe zur Schließung des Standortes.

Nun hat die Tauschbörse ohne großes Gedöns in den neuen Räumlichkeiten wieder eröffnet – allerdings vorerst provisorisch, sprich mit Einschränkungen. Das gesamte Sortiment steht noch nicht zur Verfügung. Das dauert wahrscheinlich auch noch etwas, denn der Raum soll noch eine Empore bekommen.

Eine Heizung gibt es noch nicht, Besucher sollten sich daher warm anziehen. Fördermittel für die energetische Sanierung wie neue Dachflächenfenster und eben die Heizung sind genehmigt, der Umbau wird voraussichtlich im Frühjahr über die Bühne gehen. Außerdem plant der Verein FriedEl eine größere Küche und neue Sanitäranlagen.

Die ersten Neugierigen blieben schon in der Einräumzeit vor den Fenstern stehen, berichtet Rolf Biere. Er lud die Interessierten ein, sich gerne im Inneren umzuschauen. „Dabei habe ich interessante Gespräche geführt.“ Einige hätten bereits Kartons mit Büchern gebracht. Der Radius, aus dem die Leser nach Kutenhausen kamen, war groß. In Eldagsen rechnen die Verantwortlichen aufgrund der Fläche Petershagens ebenfalls mit einem ausgedehnten Einzugsbereich.

Die Bücherbörse sei vielen bereits bekannt gewesen, weiß Helma Owczarski. Im Zusammenhang mit dem Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzept (Ikek) sei bereits die Rede davon gewesen, dass man mehr mit Büchern machen solle. Insofern hofft die Vorsitzende, dass sich eines Tages ein Nachfolger für Rolf Biere (79) finden lässt. Dieser will zunächst noch eine Zeit lang weitermachen, irgendwann möchte er dann den fließenden Übergang begleiten.

In der neuen Ausleihstelle gelten die aktuellen Hygiene-Vorschriften. Besucher müssen eine Maske tragen, Desinfektionsmittel steht bereit. Eine offizielle Eröffnung war unter diesen Umständen keine Option. Und auch die Veranstaltungen, das zweite Standbein der Büchertauschbörse, sind momentan wegen Corona kein Thema. Im übrigen müsse der Umbau zunächst komplett beendet sein, bevor die Räumlichkeiten für kulturelle Events zur Verfügung stehen, so die einhellige Meinung. Gestartet werden soll nach dem Wunsch von Rolf Biere, dem besonderen Ort geschuldet, mit einer Lesung. „Tucholsky, Kästner und Co, das passt.“

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