Trotz Corona-Krise: Thomas Ohl übernimmt Altes Fischerhaus Claudia Hyna Petershagen. Mit dem Kauf des Alten Fischerhauses hat sich Thomas Ohl einen Traum erfüllt – und zwar mitten in der Corona-Pandemie. Die Gaststätte kennt der heute 48-Jährige aus seiner Zeit als Schifferlehrling. Eigentlich hätte das Lokal längst eröffnen sollen, nun hofft er auf Lockerungen, die den Betrieb ermöglichen. „Es muss ja weiter gehen.“ Ohl ist Optimist, er ist aber auch Realist. Gekauft hat er den Betrieb im April des Vorjahres. Ursprünglich hatte er auf eine Eröffnung zu Weihnachten/Silvester gehofft, später auf Ostern. Nun fasst er Pfingsten als Termin ins Auge. Er weiß, dass viele Menschen ihn für verrückt halten. Aber der Petershäger glaubt an das Konzept, auch in dieser besonderen Zeit. Die Stammgäste freuen sich schon, das hat er in Gesprächen erfahren. Denn dass Traditionslokale schließen, haben sie oft genug erlebt. Ende März etwa schließt das Restaurant Alter Bahnhof in Petershagen aus Altersgründen. Auch von Stammtischen dieser alt-eingesessenen Gastronomie gab es schon Nachfragen. Das Alte Fischerhaus an der Schifferstraße stammt aus dem Jahr 1954 und firmierte immer unter dem Namen. Und darum bleibt der bestehen. Auf dem Dachboden haben die Neuen einen Liedzettel gefunden, dort heißt es im Refrain: „Das alte Fischerhaus, das in der Altstadt stehe, das hat so mache Stund viel Freud und Leid erlebt“. Die Melodie ist leider nicht übermittelt, bedauern sie. Im Inneren wirbelt Ohl zusammen mit seiner Lebensgefährtin Alice Deymann (42) und Freunden seit September letzten Jahres kräftig herum. Die Kneipe bekam einen neuen Fußboden und nur kleinere Schönheitsreparaturen, denn sie war erst vor vier Jahren saniert worden. Den Saal haben die neuen Inhaber hingegen komplett entkernt. „Das war doch mehr als gedacht“, machte Ohl die Erfahrung fast aller Renovierenden. Vieles sei hier in Eigenleistung entstanden. In der oberen Etage gibt es nun drei Zimmer zur Vermietung. Dieser Bereich soll später ausgeweitet werden, überlegen die Eigentümer. Beide kommen nicht aus dem Bereich Gastronomie, haben aber große Lust auf den Neustart. Thomas Ohl ist in Petershagen kein Unbekannter, denn er hat einige Male das Altstadtfest ausgerichtet. Er wird seinen Job beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Minden, in dem er seit der Aufgabe der Binnenschifffahrt 2014 arbeitet, behalten und nach Feierabend in den Betrieb einsteigen. Für das Gros der anfallenden Arbeiten ist seine Lebensgefährtin – die übrigens auch aus einer Schifferfamilie stammt – zuständig. Auch die vier Kinder der beiden im Alter von 13 bis 18 Jahren wollen kräftig mithelfen. Zur Zeit sucht das Paar einen Koch. Das ist allerdings schwierig, da keiner sagen kann, wann der erste Arbeitstag sein wird. Die ehemalige Eigentümerin habe ihnen aber zugesichert, in der ersten Zeit auszuhelfen. Was der Mann oder die Frau am Herd künftig zubereiten soll, wissen sie schon genau. Natürlich Fisch, dafür war das Lokal schließlich bekannt und in der Hinsicht soll die Karte wenig geändert werden. Aber auch Steak und Burger wollen sie den hungrigen Gästen servieren. Neu im Angebot sollen künftig zusätzlich Kaffee und Kuchen sein. Gegessen werden kann im Saal, der 70 Leute fasst, oder in der Gastwirtschaft mit rund 30 Plätzen. Der Biergarten mit Weserblick – „der Schönste in der Gegend“ – ist erweitert und neu gepflastert worden. Das alte Boot, das einst das Zentrum des Gartens bildete, wird bepflanzt und weist vom Weserradweg den Weg. Mit Fahrradständern und E-Bike-Ladestationen wird an Touristen auf zwei Rädern gedacht. Und Sportbegeisterte finden nun auch Großbildschirme in der Gaststätte vor. Pläne für die Zeit nach der Eröffnung sind vorhanden. Neben Essen wollen sie den Petershägern auch Musik bieten, gerne von Livebands. Auf dem Dachboden haben sie alte Filme und Karten gefunden, die nun in einem Album zum Blättern einladen. Täglich Tanz, so wie auf einem alten Schild zu lesen ist, wird es nicht geben. Dabei haben sie auch an Grillevents an lauschigen Abenden gedacht. Ansonsten bleiben sie der Tradition verpflichtet. „Das soll eine richtige urige Kneipe sein. So, wie viele es von früher kennen.“ Corona und Neugründungen Im Coronajahr 2020 wuchs der Trend zur Gründung im Nebenerwerb, heißt es von der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, Zweigstelle Minden. Diese fanden vorwiegend im Einzelhandel statt. Ansonsten waren die Auswirkungen der Pandemie im Mai am stärksten: In dem Monat verzeichnete die IHK 45 Prozent weniger Gewerbeanmeldungen. Bei Handelsregister-Unternehmen gab es einen positiven Trend.

Trotz Corona-Krise: Thomas Ohl übernimmt Altes Fischerhaus

In der Gaststätte von Thomas Ohl und Alice Deymann packen auch die Kinder mit an. Finn-Lucas, Imke, Patricia und Till (von rechts) sind voller Tatendrang. MT-Foto: Alex Lehn © lehn

Petershagen. Mit dem Kauf des Alten Fischerhauses hat sich Thomas Ohl einen Traum erfüllt – und zwar mitten in der Corona-Pandemie. Die Gaststätte kennt der heute 48-Jährige aus seiner Zeit als Schifferlehrling. Eigentlich hätte das Lokal längst eröffnen sollen, nun hofft er auf Lockerungen, die den Betrieb ermöglichen. „Es muss ja weiter gehen.“

Ohl ist Optimist, er ist aber auch Realist. Gekauft hat er den Betrieb im April des Vorjahres. Ursprünglich hatte er auf eine Eröffnung zu Weihnachten/Silvester gehofft, später auf Ostern. Nun fasst er Pfingsten als Termin ins Auge. Er weiß, dass viele Menschen ihn für verrückt halten. Aber der Petershäger glaubt an das Konzept, auch in dieser besonderen Zeit.

Die Stammgäste freuen sich schon, das hat er in Gesprächen erfahren. Denn dass Traditionslokale schließen, haben sie oft genug erlebt. Ende März etwa schließt das Restaurant Alter Bahnhof in Petershagen aus Altersgründen. Auch von Stammtischen dieser alt-eingesessenen Gastronomie gab es schon Nachfragen.

Das Alte Fischerhaus an der Schifferstraße stammt aus dem Jahr 1954 und firmierte immer unter dem Namen. Und darum bleibt der bestehen. Auf dem Dachboden haben die Neuen einen Liedzettel gefunden, dort heißt es im Refrain: „Das alte Fischerhaus, das in der Altstadt stehe, das hat so mache Stund viel Freud und Leid erlebt“. Die Melodie ist leider nicht übermittelt, bedauern sie.

Im Inneren wirbelt Ohl zusammen mit seiner Lebensgefährtin Alice Deymann (42) und Freunden seit September letzten Jahres kräftig herum. Die Kneipe bekam einen neuen Fußboden und nur kleinere Schönheitsreparaturen, denn sie war erst vor vier Jahren saniert worden. Den Saal haben die neuen Inhaber hingegen komplett entkernt. „Das war doch mehr als gedacht“, machte Ohl die Erfahrung fast aller Renovierenden. Vieles sei hier in Eigenleistung entstanden. In der oberen Etage gibt es nun drei Zimmer zur Vermietung. Dieser Bereich soll später ausgeweitet werden, überlegen die Eigentümer.

Beide kommen nicht aus dem Bereich Gastronomie, haben aber große Lust auf den Neustart. Thomas Ohl ist in Petershagen kein Unbekannter, denn er hat einige Male das Altstadtfest ausgerichtet. Er wird seinen Job beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Minden, in dem er seit der Aufgabe der Binnenschifffahrt 2014 arbeitet, behalten und nach Feierabend in den Betrieb einsteigen. Für das Gros der anfallenden Arbeiten ist seine Lebensgefährtin – die übrigens auch aus einer Schifferfamilie stammt – zuständig. Auch die vier Kinder der beiden im Alter von 13 bis 18 Jahren wollen kräftig mithelfen.

Zur Zeit sucht das Paar einen Koch. Das ist allerdings schwierig, da keiner sagen kann, wann der erste Arbeitstag sein wird. Die ehemalige Eigentümerin habe ihnen aber zugesichert, in der ersten Zeit auszuhelfen. Was der Mann oder die Frau am Herd künftig zubereiten soll, wissen sie schon genau. Natürlich Fisch, dafür war das Lokal schließlich bekannt und in der Hinsicht soll die Karte wenig geändert werden. Aber auch Steak und Burger wollen sie den hungrigen Gästen servieren. Neu im Angebot sollen künftig zusätzlich Kaffee und Kuchen sein. Gegessen werden kann im Saal, der 70 Leute fasst, oder in der Gastwirtschaft mit rund 30 Plätzen.

Der Biergarten mit Weserblick – „der Schönste in der Gegend“ – ist erweitert und neu gepflastert worden. Das alte Boot, das einst das Zentrum des Gartens bildete, wird bepflanzt und weist vom Weserradweg den Weg. Mit Fahrradständern und E-Bike-Ladestationen wird an Touristen auf zwei Rädern gedacht. Und Sportbegeisterte finden nun auch Großbildschirme in der Gaststätte vor.

Pläne für die Zeit nach der Eröffnung sind vorhanden. Neben Essen wollen sie den Petershägern auch Musik bieten, gerne von Livebands. Auf dem Dachboden haben sie alte Filme und Karten gefunden, die nun in einem Album zum Blättern einladen. Täglich Tanz, so wie auf einem alten Schild zu lesen ist, wird es nicht geben. Dabei haben sie auch an Grillevents an lauschigen Abenden gedacht. Ansonsten bleiben sie der Tradition verpflichtet. „Das soll eine richtige urige Kneipe sein. So, wie viele es von früher kennen.“

Corona und Neugründungen

Im Coronajahr 2020 wuchs der Trend zur Gründung im Nebenerwerb, heißt es von der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, Zweigstelle Minden. Diese fanden vorwiegend im Einzelhandel statt. Ansonsten waren die Auswirkungen der Pandemie im Mai am stärksten: In dem Monat verzeichnete die IHK 45 Prozent weniger Gewerbeanmeldungen. Bei Handelsregister-Unternehmen gab es einen positiven Trend.

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