Tröstend statt trostlos: Bürger kümmern sich selbst um Friedewalder Friedhöfe Ulrich Westermann Petershagen-Friedewalde. „Lasst uns den trostlosen Anblick beenden und gemeinsam die Friedhöfe neu gestalten“, sagte die Friedewalder Ortsbürgermeisterin Jessica König (CDU). „Da wir zahlreiche Defizite festgestellt haben, besteht nun Handlungsbedarf. Erfreulicherweise haben sich über 30 Einwohner und Einwohnerinnen aus Friedewalde bereit erklärt, an unserem Projekt Friedhof mitzuwirken, Ideen einzubringen und auch selbst aktiv zu werden. Wir wollen Schritt für Schritt vorgehen, um das äußere Erscheinungsbild auf beiden Friedhöfen zu verbessern.“ Für die verschiedenen Maßnahmen sind im April 2021 vier Arbeitsgruppen gebildet worden. Diese Teams werden sich schwerpunktmäßig mit der Friedhofskapelle, den Beeten, den Friedhofswegen und den historischen Grabsteinen beschäftigen. In einem schriftlichen Entwurf werden Friedhofspflege, neue Grabformen, Bänke, Sitzecken, Kriegsgedenksteine und Eingangsbereich genannt. Die ersten Arbeitseinsätze standen bereits auf dem Programm, zuletzt am Samstag. Dabei wurde der Wildwuchs auf den Wegen des Neuen Friedhofs mit Harken, Hacken und weiteren Geräten entfernt. Zudem stellte ein Teammitglied eine Fräse zur Verfügung. Die Leitung der Arbeitsgruppe Friedhofskapelle hat Ina Beining übernommen. Bei den Problemen in Verbindung mit diesem Gebäude, das 1969 von der politischen Gemeinde errichtet worden ist, werden unter anderem die geringe Nutzung, die lieblose Einrichtung und der trostlose Anblick herausgestellt. Der Maßnahmenkatalog sieht nun vor, eine Grundreinigung vorzunehmen und eine helle Wandfarbe aufzutragen. Dazu kommen neue Lichtelemente (Lichterketten, Kerzenleuchter), Dekostoffe und Blumengestecke. Zum weiteren freundlichen Erscheinungsbild soll die weiträumige Bestuhlung beitragen. Die Malerarbeiten haben bereits begonnen. Die Arbeitsgruppe Beete mit ihrem Teamleiter Thorsten Riechmann hat sich zum Ziel gesetzt, in Zusammenarbeit mit der Stadt Petershagen einen freundlichen Lichtblick vor dem Kapellengebäude zu schaffen. Vorgesehen sind Neuanpflanzungen. Zudem werden die Teammitglieder die Pflege der Anlage übernehmen. Bei den Friedhofswegen hat Ortsbürgermeisterin Jessica König die Leitung der Arbeitsgruppe übernommen. In der Projektbeschreibung dazu heißt es: „Voller Unkraut, kein schöner Anblick, Friedhof wirkt heruntergekommen“. Dazu wird die Frage gestellt: „Warum sehen die Wege so aus?“ Die Antwort ist vielfältig. Zunächst geht es um Pflanzenschutzmittel, die in Nordrhein-Westfalen seit 2012 nur auf Flächen erlaubt sind, die landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden. Ein weiterer Hinweis bezieht sich auf das Herbizidverbot, das für Industriegelände, Bahngleise oder kommunale Flächen wie Friedhofswege und Marktplätze gilt. „Ein weiterer Grund für den Zustand der Wege sind die neuen Bestattungsformen, die auf beiden Friedhöfen viel Leerstand zur Folge haben. Zudem ist festzustellen, dass kaum noch jemand den Weg vor der Grabstätte harkt, früher war das eine Selbstverständlichkeit“, betonte die Friedewalder Ortsbürgermeisterin. Über das Förderprogramm „Kleine Dorferneuerung“ bestehe die Möglichkeit, für Verbesserungsmaßnahmen finanzielle Mittel zu erhalten. Voraussetzung sei, dass der Arbeitseinsatz ehrenamtlich erfolge, wusste Jessica König. Zudem stelle sich die Frage, was mit den Wegen auf dem Alten Friedhof geschehe. Denkbar sei nach den bisherigen Planungen, den Boden einmal auszukoffern, zu splitten und danach regelmäßig zu pflegen. Vorher müssten die Wege ausgemessen, die benötigte Menge Splitt berechnet und Angebote für die Arbeitsmaterialien eingeholt werden. „Sollte das Budget ausreichen, könnte auch auf dem neuen Friedhof Splitt verteilt werden“, bekräftigte König. Zudem ging sie auf die Frage ein, wie die Friedhofsgärtnerin entlastet werden könne. Ab Herbst werde ein zusätzlicher Friedhofspfleger seine Arbeit auf dem alten Friedhof aufnehmen, allerdings nur zehn Stunden im Monat. Für die Zukunft kündigte die Ortsbürgermeisterin die Unterstützung der Arbeitsgruppe Friedhof an. Im Team Historische Grabsteine hat Gemeindepfarrer Thomas Salberg die Leitung übernommen. Geplant ist, auf dem Alten Friedhof einen historischen Pfad mit Hinweistafeln anzulegen. Der vertrocknete Baum im Rondell an der Ostseite soll entfernt werden. Des Weiteren ist vorgesehen, das Rondell zu nutzen, die alten Grabsteine im Kreis aufzustellen und davor oder daneben eine kleine Sitzecke zu gestalten. Eine Informationstafel zur Geschichte des Neuen Friedhofs könnte in der Nähe der Kapelle aufgestellt werden. Zudem hat Pfarrer Salberg bereits Textvorschläge für die Infotafeln auf dem Alten Friedhof gemacht. Dabei geht es um die frühere Begräbnisstätte an der Kirche sowie die Entstehung des Alten und Neuen Friedhofs. Weitere Themen sind die Grabsteine ehemaliger Pfarrer in Friedewalde und die Gedenksteine der gefallenen Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Vorgeschlagen wird, an den Kriegsgedenksteinen einheitliche Bodendecker zu pflanzen. Mit der Gebietsreform am 1. Januar 1973 kamen der Alte und Neue Friedhof in Friedewalde unter die Verwaltung der Stadt Petershagen. Bei den Gedenkstätten handelt es sich um die Anlagen im Bereich Diekhoff/Am alten Friedhof und Lavelsloher Straße/Brunsfeld. Einzelheiten über die Friedewalder Friedhöfe sind in der Ortschronik aus dem Jahr 2014 von Anneliese Trölenberg und Otto Vinke zu erfahren. Dabei geht es um die Abschriften alter Presbyter-Protokolle, die im Kirchenarchiv eingelagert worden sind. Die Texte beziehen sich auf den Zeitraum von 1854 bis 1969. Wann der Alte und Neue Friedhof angelegt worden sind, ist in diesen Unterlagen nicht zu erfahren. Bereits im Jahr 2011 haben Anneliese Trölenberg und Otto Vinke eine Denkschrift über die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges aus Friedewalde verfasst. Im Mittelpunkt dieser Dokumentation stehen Ereignisse, Erinnerungen, Schicksale und Betrachtungen. Herausgeber ist der Heimatverein Friedewalde. Auf 330 Seiten wird über das Schicksal von 93 Männern berichtet, die in den Krieg zogen und ihr Heimatdorf nicht wiedersahen.

Tröstend statt trostlos: Bürger kümmern sich selbst um Friedewalder Friedhöfe

Ortsbürgermeisterin Jessica König und die Arbeitsgruppen setzen sich für verschiedene Maßnahmen auf dem Alten und Neuen Friedhof in Friedewalde ein. Ein großes Anliegen für die vier Teams ist es, die Beetanlage vor dem Kapellengebäude neu zu gestalten. Fotos: Ulrich Westermann © ulrch westermann

Petershagen-Friedewalde. „Lasst uns den trostlosen Anblick beenden und gemeinsam die Friedhöfe neu gestalten“, sagte die Friedewalder Ortsbürgermeisterin Jessica König (CDU). „Da wir zahlreiche Defizite festgestellt haben, besteht nun Handlungsbedarf. Erfreulicherweise haben sich über 30 Einwohner und Einwohnerinnen aus Friedewalde bereit erklärt, an unserem Projekt Friedhof mitzuwirken, Ideen einzubringen und auch selbst aktiv zu werden. Wir wollen Schritt für Schritt vorgehen, um das äußere Erscheinungsbild auf beiden Friedhöfen zu verbessern.“

Für die verschiedenen Maßnahmen sind im April 2021 vier Arbeitsgruppen gebildet worden. Diese Teams werden sich schwerpunktmäßig mit der Friedhofskapelle, den Beeten, den Friedhofswegen und den historischen Grabsteinen beschäftigen. In einem schriftlichen Entwurf werden Friedhofspflege, neue Grabformen, Bänke, Sitzecken, Kriegsgedenksteine und Eingangsbereich genannt.

In den ersten Arbeitseinsätzen wurde der Wildwuchs auf den Wegen des Neuen Friedhofs entfernt. - © westermann
In den ersten Arbeitseinsätzen wurde der Wildwuchs auf den Wegen des Neuen Friedhofs entfernt. - © westermann

Die ersten Arbeitseinsätze standen bereits auf dem Programm, zuletzt am Samstag. Dabei wurde der Wildwuchs auf den Wegen des Neuen Friedhofs mit Harken, Hacken und weiteren Geräten entfernt. Zudem stellte ein Teammitglied eine Fräse zur Verfügung.

Die Leitung der Arbeitsgruppe Friedhofskapelle hat Ina Beining übernommen. Bei den Problemen in Verbindung mit diesem Gebäude, das 1969 von der politischen Gemeinde errichtet worden ist, werden unter anderem die geringe Nutzung, die lieblose Einrichtung und der trostlose Anblick herausgestellt. Der Maßnahmenkatalog sieht nun vor, eine Grundreinigung vorzunehmen und eine helle Wandfarbe aufzutragen. Dazu kommen neue Lichtelemente (Lichterketten, Kerzenleuchter), Dekostoffe und Blumengestecke.

Das Kapellengebäude auf dem Neuen Friedhof ist im Jahr 1969 errichtet worden. Es bekommt eine Verjüngungskur. - © Westermann
Das Kapellengebäude auf dem Neuen Friedhof ist im Jahr 1969 errichtet worden. Es bekommt eine Verjüngungskur. - © Westermann

Zum weiteren freundlichen Erscheinungsbild soll die weiträumige Bestuhlung beitragen. Die Malerarbeiten haben bereits begonnen. Die Arbeitsgruppe Beete mit ihrem Teamleiter Thorsten Riechmann hat sich zum Ziel gesetzt, in Zusammenarbeit mit der Stadt Petershagen einen freundlichen Lichtblick vor dem Kapellengebäude zu schaffen. Vorgesehen sind Neuanpflanzungen. Zudem werden die Teammitglieder die Pflege der Anlage übernehmen.

Das Rondell auf dem Alten Friedhof soll umgestaltet werden. Denkbar ist, alte Grabsteine im Kreis aufzustellen. - © Ulrch Westermann
Das Rondell auf dem Alten Friedhof soll umgestaltet werden. Denkbar ist, alte Grabsteine im Kreis aufzustellen. - © Ulrch Westermann

Bei den Friedhofswegen hat Ortsbürgermeisterin Jessica König die Leitung der Arbeitsgruppe übernommen. In der Projektbeschreibung dazu heißt es: „Voller Unkraut, kein schöner Anblick, Friedhof wirkt heruntergekommen“. Dazu wird die Frage gestellt: „Warum sehen die Wege so aus?“

Die Antwort ist vielfältig. Zunächst geht es um Pflanzenschutzmittel, die in Nordrhein-Westfalen seit 2012 nur auf Flächen erlaubt sind, die landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden. Ein weiterer Hinweis bezieht sich auf das Herbizidverbot, das für Industriegelände, Bahngleise oder kommunale Flächen wie Friedhofswege und Marktplätze gilt. „Ein weiterer Grund für den Zustand der Wege sind die neuen Bestattungsformen, die auf beiden Friedhöfen viel Leerstand zur Folge haben. Zudem ist festzustellen, dass kaum noch jemand den Weg vor der Grabstätte harkt, früher war das eine Selbstverständlichkeit“, betonte die Friedewalder Ortsbürgermeisterin.

Über das Förderprogramm „Kleine Dorferneuerung“ bestehe die Möglichkeit, für Verbesserungsmaßnahmen finanzielle Mittel zu erhalten. Voraussetzung sei, dass der Arbeitseinsatz ehrenamtlich erfolge, wusste Jessica König.

Zudem stelle sich die Frage, was mit den Wegen auf dem Alten Friedhof geschehe. Denkbar sei nach den bisherigen Planungen, den Boden einmal auszukoffern, zu splitten und danach regelmäßig zu pflegen. Vorher müssten die Wege ausgemessen, die benötigte Menge Splitt berechnet und Angebote für die Arbeitsmaterialien eingeholt werden. „Sollte das Budget ausreichen, könnte auch auf dem neuen Friedhof Splitt verteilt werden“, bekräftigte König. Zudem ging sie auf die Frage ein, wie die Friedhofsgärtnerin entlastet werden könne. Ab Herbst werde ein zusätzlicher Friedhofspfleger seine Arbeit auf dem alten Friedhof aufnehmen, allerdings nur zehn Stunden im Monat.

Für die Zukunft kündigte die Ortsbürgermeisterin die Unterstützung der Arbeitsgruppe Friedhof an.

Im Team Historische Grabsteine hat Gemeindepfarrer Thomas Salberg die Leitung übernommen. Geplant ist, auf dem Alten Friedhof einen historischen Pfad mit Hinweistafeln anzulegen. Der vertrocknete Baum im Rondell an der Ostseite soll entfernt werden. Des Weiteren ist vorgesehen, das Rondell zu nutzen, die alten Grabsteine im Kreis aufzustellen und davor oder daneben eine kleine Sitzecke zu gestalten. Eine Informationstafel zur Geschichte des Neuen Friedhofs könnte in der Nähe der Kapelle aufgestellt werden. Zudem hat Pfarrer Salberg bereits Textvorschläge für die Infotafeln auf dem Alten Friedhof gemacht. Dabei geht es um die frühere Begräbnisstätte an der Kirche sowie die Entstehung des Alten und Neuen Friedhofs. Weitere Themen sind die Grabsteine ehemaliger Pfarrer in Friedewalde und die Gedenksteine der gefallenen Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Vorgeschlagen wird, an den Kriegsgedenksteinen einheitliche Bodendecker zu pflanzen.

Mit der Gebietsreform am 1. Januar 1973 kamen der Alte und Neue Friedhof in Friedewalde unter die Verwaltung der Stadt Petershagen. Bei den Gedenkstätten handelt es sich um die Anlagen im Bereich Diekhoff/Am alten Friedhof und Lavelsloher Straße/Brunsfeld.

Einzelheiten über die Friedewalder Friedhöfe sind in der Ortschronik aus dem Jahr 2014 von Anneliese Trölenberg und Otto Vinke zu erfahren. Dabei geht es um die Abschriften alter Presbyter-Protokolle, die im Kirchenarchiv eingelagert worden sind. Die Texte beziehen sich auf den Zeitraum von 1854 bis 1969. Wann der Alte und Neue Friedhof angelegt worden sind, ist in diesen Unterlagen nicht zu erfahren.

Bereits im Jahr 2011 haben Anneliese Trölenberg und Otto Vinke eine Denkschrift über die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges aus Friedewalde verfasst. Im Mittelpunkt dieser Dokumentation stehen Ereignisse, Erinnerungen, Schicksale und Betrachtungen. Herausgeber ist der Heimatverein Friedewalde. Auf 330 Seiten wird über das Schicksal von 93 Männern berichtet, die in den Krieg zogen und ihr Heimatdorf nicht wiedersahen.

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