Tagesgruppe plant Neuerungen im Garten Claudia Hyna Petershagen. Von Kinderzimmern voller Spielzeug und Gärten, in denen sich ein Spielgerät ans andere reiht, hält Stephanie Pretzer nichts. Eine reizarme Umgebung sei für die Kinder, die die Tagesgruppe der Elsa-Brandström-Jugendhilfe in Petershagen besuchen, besonders wichtig, sagt die Erzieherin. Im Garten der Einrichtung ist in diesem Jahr dennoch so einiges geplant. In Kürze wollen die Verantwortlichen dort ein Kindertipi bauen. Auch soll demnächst ein Barfußpfad verwirklicht werden. Dabei holen sie sich Unterstützung von der Biologischen Station des Kreises Minden-Lübbecke, mit der die Gruppe eine Kooperation verbindet. Neuer Anziehungspunkt ist seit kurzem eine große Nestschaukel. Solche Anschaffungen sind in der Regel nicht möglich, in diesem Fall konnte sie dank der Spende einer ortsansässigen Versicherung verwirklicht werden, sagt die Teamleitung. „Ohne geht es nicht“, sagt Pretzer deutlich. Und in diesen Zeiten sei das überhaupt nicht selbstverständlich. Ursprünglich hatte es den Wunsch nach zehn Cityrollern gegeben, da die alten nach intensivem Gebrauch kaputt waren. Die Tagesgruppe ist viel damit unterwegs, etwa zum Spielplatz nach Eldagsen oder zum Eisessen nach Lahde. Mit den Rollern sind die Strecken schneller und abwechslungsreicher zu bewältigen. Dass dann noch Schaukel samt Gestell dazu kamen, dafür ist Pretzer dankbar. „Die hat einen beruhigenden Effekt.“ In der teilstationären Tagesgruppe (in Trägerschaft des DRK) sind acht verhaltensauffällige Kinder im Alter Grundschulalter, das jüngste ist aktuell sieben, das älteste elf Jahre alt. Damit sei die Gruppe belegt. In Petershagen bekommen sie ein gemeinsames Mittagessen, werden danach bei den Hausaufgaben betreut, erledigen Termine wie Ergotherapie, Logopädie oder Kieferorthopädie, außerdem verbringen sie ihre Freizeit hier. Zum Teil sind sie ein halbes Jahr hier, andere bleiben vier Jahre. Einen großen Stellenwert habe die Elternarbeit, fügt Graham Lewis hinzu. Er ist Geschäftsführer der Elsa-Brandström-Jugendhilfe unter dem Dach des Roten Kreuzes. Corona hat die Gruppe von acht Kindern, die normalerweise viel unternimmt, auf sich selbst zurückgeworfen. Und so war mehr Zeit für Ideen, für Projekte. Im letzten Jahr haben sie ein Hochbeet angelegt, nun konnten sie Gurken, Melone und Erdbeeren ernten. Außerdem bannten die Kinder das Virus auf die Leinwand – als Monster. Klar, was sie solchen Ungeheuern wünschen: „Es soll weg gehen“, sagt Elaine (8). Niklas hat ein Fußballfeld gemalt – weil er das Spiel so sehr vermisst hat. Andere Kinder haben es das Virus abstrakt dargestellt, mit Farbe und Gefühl. Elaine bringt es auf den Punkt, was sie davon hält: „Ich hasse Corona.“ Sie hat auch die Schule vermisst, sogar die Hausaufgaben, wie sie sagt. Samantha hingegen freute sich darüber, länger schlafen zu können und nicht zur Schule zu gehen. Nun freuen sie sich besonders auf die Ferienfreizeit, die in diesem Jahr für eine Woche nach Holland führt. Vieles, was in der Gruppe passiert, sei auch Teil des Offenen Ganztags an Grundschulen, erklärt Lewis. Die Kinder der Tagesgruppe würden dort aber untergehen. Sie bräuchten mehr, als der Ganztag bieten kann, sagt der Diplom-Sozialarbeiter. Nele etwa erzählt eine Geschichte über ein Mädchen namens Nele. Sie konnte ihre Hausaufgaben nicht alleine schaffen und kam dann in die Tagesgruppe, schildert sie. Frau Pretzer und Frau Büning (Auszubildende zur Erzieherin) mochte sie direkt, redet sie von sich in der dritten Person. Als neuer Rückzugsort dient ihnen die Schaukel. Nach der Schule stürmten sie als erstes darauf zu, hat Kira Büning beobachtet. „Die frische Luft tut ihnen gut, außerdem können sie beim Schwung geben ihre Kraft heraus lassen.“ Der große Garten war hilfreich, vor allem auch, als die Spielplätze pandemiebedingt geschlossen waren. Wenig lenkt das Auge ab, es gibt viel Platz, viel Grün und jede Menge Ruhe. Wichtig für die Kinder sei außerdem ein fester Platz beim Essen und den Hausaufgaben, überhaupt Strukturen, weiß die Teamleiterin. Immer mehr Kinder seien bindungsgestört, immer mehr wüchsen nicht mehr in der klassischen Familie auf. „Wir müssen vor allem schauen, was für das Kind passt.“

Tagesgruppe plant Neuerungen im Garten

Samantha, Elaine und Nele (von links) lieben die Schaukel zum Chillen. MT-Foto: Claudia Hyna © hy

Petershagen. Von Kinderzimmern voller Spielzeug und Gärten, in denen sich ein Spielgerät ans andere reiht, hält Stephanie Pretzer nichts. Eine reizarme Umgebung sei für die Kinder, die die Tagesgruppe der Elsa-Brandström-Jugendhilfe in Petershagen besuchen, besonders wichtig, sagt die Erzieherin. Im Garten der Einrichtung ist in diesem Jahr dennoch so einiges geplant.

In Kürze wollen die Verantwortlichen dort ein Kindertipi bauen. Auch soll demnächst ein Barfußpfad verwirklicht werden. Dabei holen sie sich Unterstützung von der Biologischen Station des Kreises Minden-Lübbecke, mit der die Gruppe eine Kooperation verbindet. Neuer Anziehungspunkt ist seit kurzem eine große Nestschaukel. Solche Anschaffungen sind in der Regel nicht möglich, in diesem Fall konnte sie dank der Spende einer ortsansässigen Versicherung verwirklicht werden, sagt die Teamleitung. „Ohne geht es nicht“, sagt Pretzer deutlich. Und in diesen Zeiten sei das überhaupt nicht selbstverständlich.

Ursprünglich hatte es den Wunsch nach zehn Cityrollern gegeben, da die alten nach intensivem Gebrauch kaputt waren. Die Tagesgruppe ist viel damit unterwegs, etwa zum Spielplatz nach Eldagsen oder zum Eisessen nach Lahde. Mit den Rollern sind die Strecken schneller und abwechslungsreicher zu bewältigen. Dass dann noch Schaukel samt Gestell dazu kamen, dafür ist Pretzer dankbar. „Die hat einen beruhigenden Effekt.“

In der teilstationären Tagesgruppe (in Trägerschaft des DRK) sind acht verhaltensauffällige Kinder im Alter Grundschulalter, das jüngste ist aktuell sieben, das älteste elf Jahre alt. Damit sei die Gruppe belegt. In Petershagen bekommen sie ein gemeinsames Mittagessen, werden danach bei den Hausaufgaben betreut, erledigen Termine wie Ergotherapie, Logopädie oder Kieferorthopädie, außerdem verbringen sie ihre Freizeit hier. Zum Teil sind sie ein halbes Jahr hier, andere bleiben vier Jahre. Einen großen Stellenwert habe die Elternarbeit, fügt Graham Lewis hinzu. Er ist Geschäftsführer der Elsa-Brandström-Jugendhilfe unter dem Dach des Roten Kreuzes.

Corona hat die Gruppe von acht Kindern, die normalerweise viel unternimmt, auf sich selbst zurückgeworfen. Und so war mehr Zeit für Ideen, für Projekte. Im letzten Jahr haben sie ein Hochbeet angelegt, nun konnten sie Gurken, Melone und Erdbeeren ernten. Außerdem bannten die Kinder das Virus auf die Leinwand – als Monster. Klar, was sie solchen Ungeheuern wünschen: „Es soll weg gehen“, sagt Elaine (8). Niklas hat ein Fußballfeld gemalt – weil er das Spiel so sehr vermisst hat. Andere Kinder haben es das Virus abstrakt dargestellt, mit Farbe und Gefühl. Elaine bringt es auf den Punkt, was sie davon hält: „Ich hasse Corona.“ Sie hat auch die Schule vermisst, sogar die Hausaufgaben, wie sie sagt. Samantha hingegen freute sich darüber, länger schlafen zu können und nicht zur Schule zu gehen. Nun freuen sie sich besonders auf die Ferienfreizeit, die in diesem Jahr für eine Woche nach Holland führt.

Vieles, was in der Gruppe passiert, sei auch Teil des Offenen Ganztags an Grundschulen, erklärt Lewis. Die Kinder der Tagesgruppe würden dort aber untergehen. Sie bräuchten mehr, als der Ganztag bieten kann, sagt der Diplom-Sozialarbeiter. Nele etwa erzählt eine Geschichte über ein Mädchen namens Nele. Sie konnte ihre Hausaufgaben nicht alleine schaffen und kam dann in die Tagesgruppe, schildert sie. Frau Pretzer und Frau Büning (Auszubildende zur Erzieherin) mochte sie direkt, redet sie von sich in der dritten Person.

Als neuer Rückzugsort dient ihnen die Schaukel. Nach der Schule stürmten sie als erstes darauf zu, hat Kira Büning beobachtet. „Die frische Luft tut ihnen gut, außerdem können sie beim Schwung geben ihre Kraft heraus lassen.“ Der große Garten war hilfreich, vor allem auch, als die Spielplätze pandemiebedingt geschlossen waren. Wenig lenkt das Auge ab, es gibt viel Platz, viel Grün und jede Menge Ruhe. Wichtig für die Kinder sei außerdem ein fester Platz beim Essen und den Hausaufgaben, überhaupt Strukturen, weiß die Teamleiterin. Immer mehr Kinder seien bindungsgestört, immer mehr wüchsen nicht mehr in der klassischen Familie auf. „Wir müssen vor allem schauen, was für das Kind passt.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Petershagen