Tage des Stotterns: Tim Brunkhorst aus Lahde steht für seinen Abschlussfilm hinter der Kamera Oliver Plöger Petershagen-Lahde. Schon als kleiner Junge hat er Videofilme gedreht. Damals in der Familie in Lahde oder bei Freunden. Mittlerweile geht Tim Brunkhorst die Sache professionell an, studiert „Motion Pictures“ in Darmstadt und steht kurz vor dem Abschluss, Schwerpunkt Produktion und Schauspiel. Sein aktueller Film soll zugleich Bachelorarbeit sein. In „Die unkonventionelle Überfahrt des Timm Nymen“ geht es ums Stottern. Das ehrgeizige Projekt wird bereits durch die Film- und Mediengesellschaft Nordmedia, Hessenfilm sowie Stottern und Selbsthilfe Nord e.V. gefördert. Jetzt hat Tim Brunkhorst gemeinsam mit seinem Produktionsteam eine Crowdfunding-Initiative gestartet, um weitere Mittel für die Umsetzung zu sammeln. Aktuell läuft das Casting, gearbeitet wird mit professionellen Schauspielern. Wer dann vor der Kamera steht, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden, so Tim Brunkhorst. Gedreht werden soll an 13 Drehtagen im Juni/Juli vor allem in Niedersachsen. Einer der Drehorte, so Brunkhorst, wird der Museumsbahnhof in Obernkirchen sein. Auch wenn der Protagonist Timm heißt, gehe es nicht um die ureigene Geschichte des Lahders, der sich ja auch nicht mit Doppel-M schreibt, wie Tim Brunkhorst lachend meint. Das Thema aber fasziniere ihn: „Man kann eine solche Geschichte mit den Bildern sehr stark unterstützen. In diesem Fall haben wir den Charakter Timm Nymen, der sehr angespannt und, wenn er stottert, auch sehr unsicher ist. Und gerade durch die Kameraführung lässt sich diese Unsicherheit noch einmal transportieren.“ Die Story bietet dazu reichlich Gelegenheit: Nymen sitzt zunächst allein im Zug nach Neckarhausen, will einen Brief, den er aus dem Nachlass seiner verstorbenen Mutter hat, persönlich abgeben. Das Problem wird schon am Bahnhof deutlich: Hier wird Nymen von einer jungen Frau umgerannt, die versucht, eine Konversation zu starten. Ohne Erfolg. Schwierig wird es auch, als Timm Nymen mit der Fähre über den Fluss setzen muss, um die beschriebene Adresse zu erreichen. Dazu muss er mit dem Fährmann sprechen, was aber wieder nicht funktioniert. Er will kehrtmachen – doch da ist die junge Frau, die ihn eben umgerannt hatte. Treibende Kraft des Films ist nicht nur der 23-jährige Tim Brunkhorst hinter der Kamera, zum Produktionsteam gehören auch die Mitstudenten Dennis Baumann als Drehbuchschreiber, Produzent Marc Bouter und Noah Kofort als Regisseur. Der, so sagt Tim Brunkhorst, habe die Geschichte überhaupt erst ins Rollen gebracht. Noahs Onkel sei nämlich mit dem Thema Stottern beschäftigt, engagiere sich auch in der Selbsthilfe. „Noah hatte zu diesem Thema schon Youtube-Videos gemacht. Daraus ist dann die grobe Idee für unseren Film entstanden.“, sagt Tim Brunkhorst. 25 bis 30 Minuten soll der Streifen lang sein. Die Darstellung stotternder Menschen, so schreibt es die Filmcrew auf der Start-up-Plattform Startnext, sei größtenteils von Vorurteilen und Unwissenheit geprägt. Und: „In der Regel wird der Stotternde zwar als sympathisch, aber im selben Moment auch als dümmlich und naiv dargestellt. Obwohl sich das Bild behinderter Menschen über die Jahre positiv gewandelt hat, wird die Sprachstörung oft nicht als allzu ernst nehmende Behinderung wahrgenommen. Noch immer können in Filmkomödien mit Stotternden sichere Lacher beim Publikum erzielt werden.“ Das geht auch anders, sagt Drehbuchschreiber Dennis Baumann, der – wie alle Beteiligten an dem Projekt – zur Aufklärungsarbeit beitragen will, denn: „Stottern ist eine Problematik, die man durchaus ernst nehmen darf.“ Noah Kofort kennt die Fakten: „Über 800.000 Menschen in Deutschland stottern. Da werden selbst alltägliche Situationen zu ziemlich großen Herausforderungen, ob auf der Arbeit, an der Supermarktkasse oder beim Telefonieren.“ Diese Probleme sollen mit dem kurzen Spielfilm behandelt werden. Wer sich als Sponsor beteiligt, wird über die Website von Startnext an den Film kommen, möglicherweise bereits im September. Öffentlich gemacht wird der Film dann aber erst später, da er zuvor noch auf einigen Festivals laufen soll, wie Tim Brunkhorst sagt. „Natürlich hoffen wir da auch auch auf Preise. Für Filmschaffende sind die Festivals oft die einzige Möglichkeit, auch wirklich aufzufallen und Kontakte zu knüpfen.“ Danach dürfte der Film dann auf Plattformen wie Vimeo oder Youtube zu sehen sein. Um das Projekt abschließend zu finanzieren, haben die Studierenden die Crowdfunding-Aktion gestartet. 5.500 Euro werden noch benötigt, um den Film so umzusetzen, wie es die Geschichte verdiene. Tim Brunkhorst: „Wir wollen unser insgesamt 20-köpfiges Team mit Technik, Essen und Übernachtungen versorgen und unsere Drehorte ausstatten.“ Alles läuft sehr professionell ab – und genau das ist die Richtung, die Tim Brunkhorst für seinen eigenen Berufsweg einschlagen wollte. Nach den Schuljahren in Lahde hatte er sein Abitur am Leo-Sympher-Berufskolleg in Minden absolviert, hier auch die Ausbildung in Design und Gestaltung. In seinem dann folgenden Studium an der Hochschule Darmstadt hat er bereits an einigen Filmprojekten mitgewirkt, auch als Freiberufler kann er erfolgreiche Filme vorweisen, wie es auf seiner Website timbrunkhorst.com oder im eigenen Youtube-Kanal zu sehen ist. Die Reportage über die Berufsfeuerwehr Darmstadt lief bei Rhein-Main-TV, Titel: „Wenn Retten zur Berufung wird.“ Schon bald und exklusiv dürfen sich Förderer auf „Die unkonventionelle Überfahrt des Timm Nymen“ freuen, später dann alle. startnext.com/timmnymen

Tage des Stotterns: Tim Brunkhorst aus Lahde steht für seinen Abschlussfilm hinter der Kamera

Tim Bunkhorst hat bereits Erfahrungen aus Reportagen und Kurzfilmen gesammelt. Jetzt steht der Abschluss auf dem Plan. Für die Geschichte eines Stotterers steht der 23-Jährige erneut hinter der Kamera. Foto: Sinan Kleb/privat © SINAN KLEB

Petershagen-Lahde. Schon als kleiner Junge hat er Videofilme gedreht. Damals in der Familie in Lahde oder bei Freunden. Mittlerweile geht Tim Brunkhorst die Sache professionell an, studiert „Motion Pictures“ in Darmstadt und steht kurz vor dem Abschluss, Schwerpunkt Produktion und Schauspiel. Sein aktueller Film soll zugleich Bachelorarbeit sein. In „Die unkonventionelle Überfahrt des Timm Nymen“ geht es ums Stottern.

Das ehrgeizige Projekt wird bereits durch die Film- und Mediengesellschaft Nordmedia, Hessenfilm sowie Stottern und Selbsthilfe Nord e.V. gefördert. Jetzt hat Tim Brunkhorst gemeinsam mit seinem Produktionsteam eine Crowdfunding-Initiative gestartet, um weitere Mittel für die Umsetzung zu sammeln. Aktuell läuft das Casting, gearbeitet wird mit professionellen Schauspielern. Wer dann vor der Kamera steht, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden, so Tim Brunkhorst. Gedreht werden soll an 13 Drehtagen im Juni/Juli vor allem in Niedersachsen. Einer der Drehorte, so Brunkhorst, wird der Museumsbahnhof in Obernkirchen sein.

„Unsicherheit kann man gut durch Bilder transportieren“, sagt Tim Brunkhorst. - © vstemmer
„Unsicherheit kann man gut durch Bilder transportieren“, sagt Tim Brunkhorst. - © vstemmer

Auch wenn der Protagonist Timm heißt, gehe es nicht um die ureigene Geschichte des Lahders, der sich ja auch nicht mit Doppel-M schreibt, wie Tim Brunkhorst lachend meint. Das Thema aber fasziniere ihn: „Man kann eine solche Geschichte mit den Bildern sehr stark unterstützen. In diesem Fall haben wir den Charakter Timm Nymen, der sehr angespannt und, wenn er stottert, auch sehr unsicher ist. Und gerade durch die Kameraführung lässt sich diese Unsicherheit noch einmal transportieren.“ Die Story bietet dazu reichlich Gelegenheit: Nymen sitzt zunächst allein im Zug nach Neckarhausen, will einen Brief, den er aus dem Nachlass seiner verstorbenen Mutter hat, persönlich abgeben. Das Problem wird schon am Bahnhof deutlich: Hier wird Nymen von einer jungen Frau umgerannt, die versucht, eine Konversation zu starten. Ohne Erfolg. Schwierig wird es auch, als Timm Nymen mit der Fähre über den Fluss setzen muss, um die beschriebene Adresse zu erreichen. Dazu muss er mit dem Fährmann sprechen, was aber wieder nicht funktioniert. Er will kehrtmachen – doch da ist die junge Frau, die ihn eben umgerannt hatte.

Treibende Kraft des Films ist nicht nur der 23-jährige Tim Brunkhorst hinter der Kamera, zum Produktionsteam gehören auch die Mitstudenten Dennis Baumann als Drehbuchschreiber, Produzent Marc Bouter und Noah Kofort als Regisseur. Der, so sagt Tim Brunkhorst, habe die Geschichte überhaupt erst ins Rollen gebracht. Noahs Onkel sei nämlich mit dem Thema Stottern beschäftigt, engagiere sich auch in der Selbsthilfe. „Noah hatte zu diesem Thema schon Youtube-Videos gemacht. Daraus ist dann die grobe Idee für unseren Film entstanden.“, sagt Tim Brunkhorst. 25 bis 30 Minuten soll der Streifen lang sein.

Die Darstellung stotternder Menschen, so schreibt es die Filmcrew auf der Start-up-Plattform Startnext, sei größtenteils von Vorurteilen und Unwissenheit geprägt. Und: „In der Regel wird der Stotternde zwar als sympathisch, aber im selben Moment auch als dümmlich und naiv dargestellt. Obwohl sich das Bild behinderter Menschen über die Jahre positiv gewandelt hat, wird die Sprachstörung oft nicht als allzu ernst nehmende Behinderung wahrgenommen. Noch immer können in Filmkomödien mit Stotternden sichere Lacher beim Publikum erzielt werden.“

Das geht auch anders, sagt Drehbuchschreiber Dennis Baumann, der – wie alle Beteiligten an dem Projekt – zur Aufklärungsarbeit beitragen will, denn: „Stottern ist eine Problematik, die man durchaus ernst nehmen darf.“ Noah Kofort kennt die Fakten: „Über 800.000 Menschen in Deutschland stottern. Da werden selbst alltägliche Situationen zu ziemlich großen Herausforderungen, ob auf der Arbeit, an der Supermarktkasse oder beim Telefonieren.“ Diese Probleme sollen mit dem kurzen Spielfilm behandelt werden.

Wer sich als Sponsor beteiligt, wird über die Website von Startnext an den Film kommen, möglicherweise bereits im September. Öffentlich gemacht wird der Film dann aber erst später, da er zuvor noch auf einigen Festivals laufen soll, wie Tim Brunkhorst sagt. „Natürlich hoffen wir da auch auch auf Preise. Für Filmschaffende sind die Festivals oft die einzige Möglichkeit, auch wirklich aufzufallen und Kontakte zu knüpfen.“ Danach dürfte der Film dann auf Plattformen wie Vimeo oder Youtube zu sehen sein.

Um das Projekt abschließend zu finanzieren, haben die Studierenden die Crowdfunding-Aktion gestartet. 5.500 Euro werden noch benötigt, um den Film so umzusetzen, wie es die Geschichte verdiene. Tim Brunkhorst: „Wir wollen unser insgesamt 20-köpfiges Team mit Technik, Essen und Übernachtungen versorgen und unsere Drehorte ausstatten.“

Alles läuft sehr professionell ab – und genau das ist die Richtung, die Tim Brunkhorst für seinen eigenen Berufsweg einschlagen wollte. Nach den Schuljahren in Lahde hatte er sein Abitur am Leo-Sympher-Berufskolleg in Minden absolviert, hier auch die Ausbildung in Design und Gestaltung. In seinem dann folgenden Studium an der Hochschule Darmstadt hat er bereits an einigen Filmprojekten mitgewirkt, auch als Freiberufler kann er erfolgreiche Filme vorweisen, wie es auf seiner Website timbrunkhorst.com oder im eigenen Youtube-Kanal zu sehen ist. Die Reportage über die Berufsfeuerwehr Darmstadt lief bei Rhein-Main-TV, Titel: „Wenn Retten zur Berufung wird.“ Schon bald und exklusiv dürfen sich Förderer auf „Die unkonventionelle Überfahrt des Timm Nymen“ freuen, später dann alle.

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