Stille Reserve: Stadt will Übergangsheim erst bei Bedarf sanieren Oliver Plöger Petershagen-Eldagsen. Wer über die Bundesstraße 61 fährt und auf Höhe Eldagsen das einsame Haus am Waldrand sieht, könnte an einen „Lost Place“ denken. Ganz so verloren scheint das Gebäude aber nicht zu sein: Die Stadt Petershagen plant für diese Immobilie auch im laufenden Jahr 250.000 Euro Sanierungskosten ein. Ob das Geld gebraucht wird, ist allerdings nicht vorhersehbar. Aktuell ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das marode wirkende Haus weiter leer steht und auch in absehbarer Zeit nicht genutzt wird. Noch bis vor wenigen Jahren waren hier Flüchtlinge untergebracht, insbesondere während der hohen Zuweisungen 2015 und 2016. Danach wurde das Gebäude nicht mehr benötigt, die verbliebenen und auch neue Flüchtlinge kamen in städtischen Wohnungen unter. An einen Abriss des Übergangsheims denkt die Stadt allerdings nicht, wie aus einer Anfrage deutlich wird. Pressesprecherin Tatjana Brast gestern: „Die 250.000 Euro standen bereits im Doppelhaushalt 2019/2020 zur Verfügung.“ Eine Sanierung zur Weiternutzung sei weiterhin nur im Bedarfsfall vorgesehen, sprich: Wenn der Stadt Petershagen wieder mehr Flüchtlinge zugewiesen werden. Priorität aber habe die Unterbringung in städtischen Wohnungen, so auch Tatjana Brast. „Ich unterstütze hier die Auffassung der Stadt Petershagen“, sagt die Eldagser Ortsbürgermeisterin Helma Owczarski (SPD), die aus ihrem Dorf immer wieder auf das leer stehende Gebäude am Kerkweg angesprochen wird. „Die Verwaltung will sich hier alle Optionen offenhalten“, sagt sie. Ein Abriss komme ihrer Auffassung nach schon deshalb nicht infrage, da es danach in diesem Bereich keine Baugenehmigung mehr gebe. Die nötigsten Arbeiten würden deshalb durch die Stadt geleistet. In der Tat hatte man sich in der Verwaltung Anfang 2019 verstärkt Gedanken um das 1994 gebaute Gebäude gemacht. Die Haustechnik – Elektro, Heizung, Sanitäre Anlagen– entspräche wie der Brandschutz nicht mehr den heutigen Anforderungen, die Immobilie werde aber auch weiterhin gebraucht und solle saniert werden, hieß es damals. Und es gab auch schon konkrete Vorstellungen: So könne das Haus in vier separate Wohneinheiten mit Sanitärräumen und Küchen aufgeteilt werden. Bisher sind nur Ober- und Untergeschoss mit jeweils einer Gemeinschaftsküche und fünf Wohnräumen separat zugänglich. Zuweilen habe das zu Konflikten geführt. Die Einrichtung – damals die übliche Bauweise – sei nicht mehr zeitgemäß. Zunächst war von 215.000 Euro Baukosten die Rede, der damalige Amtsleiter schlug dann 250.000 Euro vor, um einen „Puffer“ zu haben. Bei dieser Summe ist es bis heute geblieben, eingesetzt wurde sie allerdings nicht. „Ich sage den Leuten immer, dass da auf absehbare Zeit nichts geschieht“, meint Helma Owczarski, die selbst schon vorgeschlagen hatte, hier einen Standort für die Freiwillige Feuerwehr einzurichten. Was die Stadt mit dem Gebäude macht, ist ihr mittlerweile selbst überlassen. Grund ist die abgelaufene Zweckbindung – das heißt: die Liegenschaft muss nicht zwingend Flüchtlingsheim bleiben. Gebaut wurde damals für 464.000 Mark, wobei die Bau- und Einrichtungskosten in Höhe von 256.000 Mark vom Land Nordrhein-Westfalen bezuschusst worden waren. Dieser Zuschuss war an die Bedingung geknüpft, das Gebäude für die dann folgenden 25 Jahre auch wirklich als Übergangsheim zu nutzen – bis 2019. Anfang vorigen Jahres hatte die Verwaltung nur noch von „sporadischen Zuweisungen“ von Flüchtlingen gesprochen. Von 238 Personen war die Rede, die laut Amtsleiter Detlev Scheumann im Gebiet der Stadt leben, aktuell sind es nach Informationen aus dem Rathaus etwa 220 Personen. 2015 sah das noch anders aus: In jenem Jahr bekam die Stadt 529 Flüchtlinge zugewiesen. Die Kapazitäten an städtischen und privaten Wohnungen waren erschöpft, auch das Übergangsheim am Kerkweg war dringend notwendig. Ab 2017 zogen die Flüchtlinge jedoch in private oder städtische Wohnungen um. Für Helma Owczarski liegt das Problem übrigens schon am Standort. „Es steht zweifelsfrei fest, dass die Entscheidung in den neunziger Jahren, ein Übergangsheim außerhalb der Ortschaft zu errichten, eine Fehlentscheidung war.“ Deutlicher könne man eine Ablehnungshaltung nicht nach außen tragen. „Da sind wir weit ab von Integration.“

Stille Reserve: Stadt will Übergangsheim erst bei Bedarf sanieren

Sanierung nur im Bedarfsfall: Die Stadt setzt beim Übergangswohnheim in Eldagsen auf Sicherheit. MT-Archivfoto: Oliver Plöger © Plöger Oliver

Petershagen-Eldagsen. Wer über die Bundesstraße 61 fährt und auf Höhe Eldagsen das einsame Haus am Waldrand sieht, könnte an einen „Lost Place“ denken. Ganz so verloren scheint das Gebäude aber nicht zu sein: Die Stadt Petershagen plant für diese Immobilie auch im laufenden Jahr 250.000 Euro Sanierungskosten ein. Ob das Geld gebraucht wird, ist allerdings nicht vorhersehbar.

Aktuell ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das marode wirkende Haus weiter leer steht und auch in absehbarer Zeit nicht genutzt wird. Noch bis vor wenigen Jahren waren hier Flüchtlinge untergebracht, insbesondere während der hohen Zuweisungen 2015 und 2016. Danach wurde das Gebäude nicht mehr benötigt, die verbliebenen und auch neue Flüchtlinge kamen in städtischen Wohnungen unter.

An einen Abriss des Übergangsheims denkt die Stadt allerdings nicht, wie aus einer Anfrage deutlich wird. Pressesprecherin Tatjana Brast gestern: „Die 250.000 Euro standen bereits im Doppelhaushalt 2019/2020 zur Verfügung.“ Eine Sanierung zur Weiternutzung sei weiterhin nur im Bedarfsfall vorgesehen, sprich: Wenn der Stadt Petershagen wieder mehr Flüchtlinge zugewiesen werden. Priorität aber habe die Unterbringung in städtischen Wohnungen, so auch Tatjana Brast.

„Ich unterstütze hier die Auffassung der Stadt Petershagen“, sagt die Eldagser Ortsbürgermeisterin Helma Owczarski (SPD), die aus ihrem Dorf immer wieder auf das leer stehende Gebäude am Kerkweg angesprochen wird. „Die Verwaltung will sich hier alle Optionen offenhalten“, sagt sie. Ein Abriss komme ihrer Auffassung nach schon deshalb nicht infrage, da es danach in diesem Bereich keine Baugenehmigung mehr gebe. Die nötigsten Arbeiten würden deshalb durch die Stadt geleistet.

In der Tat hatte man sich in der Verwaltung Anfang 2019 verstärkt Gedanken um das 1994 gebaute Gebäude gemacht. Die Haustechnik – Elektro, Heizung, Sanitäre Anlagen– entspräche wie der Brandschutz nicht mehr den heutigen Anforderungen, die Immobilie werde aber auch weiterhin gebraucht und solle saniert werden, hieß es damals.

Und es gab auch schon konkrete Vorstellungen: So könne das Haus in vier separate Wohneinheiten mit Sanitärräumen und Küchen aufgeteilt werden. Bisher sind nur Ober- und Untergeschoss mit jeweils einer Gemeinschaftsküche und fünf Wohnräumen separat zugänglich. Zuweilen habe das zu Konflikten geführt. Die Einrichtung – damals die übliche Bauweise – sei nicht mehr zeitgemäß.

Zunächst war von 215.000 Euro Baukosten die Rede, der damalige Amtsleiter schlug dann 250.000 Euro vor, um einen „Puffer“ zu haben. Bei dieser Summe ist es bis heute geblieben, eingesetzt wurde sie allerdings nicht. „Ich sage den Leuten immer, dass da auf absehbare Zeit nichts geschieht“, meint Helma Owczarski, die selbst schon vorgeschlagen hatte, hier einen Standort für die Freiwillige Feuerwehr einzurichten.

Was die Stadt mit dem Gebäude macht, ist ihr mittlerweile selbst überlassen. Grund ist die abgelaufene Zweckbindung – das heißt: die Liegenschaft muss nicht zwingend Flüchtlingsheim bleiben. Gebaut wurde damals für 464.000 Mark, wobei die Bau- und Einrichtungskosten in Höhe von 256.000 Mark vom Land Nordrhein-Westfalen bezuschusst worden waren. Dieser Zuschuss war an die Bedingung geknüpft, das Gebäude für die dann folgenden 25 Jahre auch wirklich als Übergangsheim zu nutzen – bis 2019.

Anfang vorigen Jahres hatte die Verwaltung nur noch von „sporadischen Zuweisungen“ von Flüchtlingen gesprochen. Von 238 Personen war die Rede, die laut Amtsleiter Detlev Scheumann im Gebiet der Stadt leben, aktuell sind es nach Informationen aus dem Rathaus etwa 220 Personen.

2015 sah das noch anders aus: In jenem Jahr bekam die Stadt 529 Flüchtlinge zugewiesen. Die Kapazitäten an städtischen und privaten Wohnungen waren erschöpft, auch das Übergangsheim am Kerkweg war dringend notwendig. Ab 2017 zogen die Flüchtlinge jedoch in private oder städtische Wohnungen um.

Für Helma Owczarski liegt das Problem übrigens schon am Standort. „Es steht zweifelsfrei fest, dass die Entscheidung in den neunziger Jahren, ein Übergangsheim außerhalb der Ortschaft zu errichten, eine Fehlentscheidung war.“ Deutlicher könne man eine Ablehnungshaltung nicht nach außen tragen. „Da sind wir weit ab von Integration.“

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