Stadtbücherei braucht eine neue und digitale Ausrichtung Oliver Plöger Petershagen. In der Stadtbücherei werden die Lockerungen in der Corona-Krise von den Lesern gut angenommen – ganz sorgenfrei geht der Betrieb hier aber nicht vonstatten. In den vergangenen Monaten (auch noch vor der Pandemie) hielt Büchereileiterin Bärbel Linnemeier oft allein die Stellung, unterstützt zeitweise durch Monika Krause vom Förderverein. Allzu oft hatte es personelle Engpässe gegeben, und auch Bärbel Linnemeier hatte sich mehr Unterstützung aus der Politik gewünscht: „Denn eine Stadtbücherei muss sich eine Stadt leisten können.“ Lesen sei Basiskultur. Die Unterstützung scheint es jetzt zu geben, wie ein Antrag der SPD deutlich macht, der vorige Woche im Haupt und Finanzausschuss und gestern auch im Rat thematisiert wurde. Die Verwaltung solle spätestens bis Ende dieses Jahres ein Konzept für die künftige Ausrichtung und den Betrieb der Stadtbücherei erarbeiten. Das unterstütze bereits im HFA auch die CDU, wie Fraktionsvorsitzender Hermann Humcke sagte, der von einer „personellen Neuaufstellung“ sprach und hier wohl auch den baldigen Ruhestand der Büchereileiterin im Blick hatte. Auch Wolfgang Riesner (Grüne) machte deutlich: „Wir freuen uns, wenn die Stadt da jetzt in die Gänge kommt.“ Eine Bücherei, so Günter Wehmeyer als Fraktionsvorsitzender der FDP, sei wichtiger als das Handy. Der personelle Schlingerkurs der vergangenen Jahre hatte offenbar nicht zum geordneten Betrieb beitragen können: Bis 2015 war die Stadtbücherei mit zwei Vollzeitstellen besetzt. Im Zuge der Flüchtlingskrise strich die Stadt die Stelle der Mitarbeiterin um die Hälfte, die Kollegin – so die Begründung – wurde an anderer Position gebraucht. 2018 gab es dann einen Wechsel bei der halben Mitarbeiterstelle, 2019 musste die Bücherei häufiger schließen – aus Krankheitsgründen, wie es hieß. Auf eigenen Wunsch schied dann die neue Mitarbeiterin 2019 aus dem Dienst der Stadt aus. Danach sei eine „personelle Neuausrichtung der Stadtbücherei“ in die Wege geleitet worden, jetzt wieder mit einer ganzen Stelle. Dazu Bürgermeister Dieter Blume (CDU): „Die zusätzliche Kraft soll in Vollzeit die Leiterin der Stadtbücherei unterstützen, bestimmte definierte Aufgaben selbstständig wahrnehmen und für eine zukunftsfähige Entwicklung richtungsweisende Impulse liefern.“ Die Besetzung sei mittlerweile erfolgt, die Kraft sei bereits von 2001 bis 2018 in der Bücherei tätig gewesen und habe hier mit Bärbel Linnemeier zusammengearbeitet, bevor sie im Sekretariat des Gymnasiums eingesetzt wurde. Wie Pressesprecherin Tatjana Brast bestätigte, sei die Mitarbeiterin bereits jetzt wieder zeitweise in der Bücherei tätig. Bleibt die Frage der Leitung: Bärbel Linnemeier hatte vorigen Monat erklärt, sie wolle zum September in den Ruhestand gehen. Konsequenz für die Stadt: In Kürze soll es eine Ausschreibung für eine zweite Kraft geben. Kritik kam von der SPD, die die bisherigen Ansätze einer Diskussion um die Zukunft der Bücherei eher als „beiläufig“ umschrieb. Fraktionsvorsitzender Ingo Ellerkamp: „Angesichts einer drohenden oder vielleicht schon bestehenden Abwärtsspirale in Bezug auf Attraktivität, Nutzerzahlen, Angebot und angemessenem finanziellen Aufwand besteht allerdings unmittelbarer Handlungsbedarf.“ Diesen Eindruck hätten auch Rückmeldungen bestätigt, die die SPD-Fraktion zu dieser Frage erreicht haben. Zumindest was die Attraktivität des Angebots angeht, sehen das Bärbel Linnemeier und Monika Krause als Vorsitzende des Fördervereins anders: Stets finden sich im Angebot neue Bücher und Bestseller, den Bestand gibt Bärbel Linnemeier aktuell mit 23.000 an, darunter allein 6.200 Romane. Genutzt werde die Bücherei aus nahezu allen Orten in Petershagen und darüber hinaus. Auch auf Facebook weist das Team immer wieder auf Neuerscheinungen hin und gibt weitere Lesetipps. Dass es irgendwann mal den Anschluss an die E-Ausleihe geben muss, weiß auch Bärbel Linnemeier. Dazu sei allerdings für eine kleine Bücherei wie Petershagen viel Aufwand nötig. Engagement wünscht sich in dieser Hinsicht aber auch die Politik, wie Ingo Ellerkamp sagt: „Für eine zeitgemäße und zukunftsfähige Stadtbücherei müssen aus Sicht der SPD-Fraktion – gerade in Zeiten der zunehmenden Bedeutung digitaler Medien - hier Impulse gesetzt werden.“ Viele Aufgaben also für die neue Ausrichtung, die Ende 2020 vorgelegt werden soll.

Stadtbücherei braucht eine neue und digitale Ausrichtung

Nur selten – wie hier vor drei Jahren – hatten sich die politischen Gremien in die Bücherei verirrt. Leiterin Bärbel Linnemeier, die demnächst in den Ruhestand geht, informierte gerne. MT-Archivfoto: Oliver Plöger

Petershagen. In der Stadtbücherei werden die Lockerungen in der Corona-Krise von den Lesern gut angenommen – ganz sorgenfrei geht der Betrieb hier aber nicht vonstatten. In den vergangenen Monaten (auch noch vor der Pandemie) hielt Büchereileiterin Bärbel Linnemeier oft allein die Stellung, unterstützt zeitweise durch Monika Krause vom Förderverein. Allzu oft hatte es personelle Engpässe gegeben, und auch Bärbel Linnemeier hatte sich mehr Unterstützung aus der Politik gewünscht: „Denn eine Stadtbücherei muss sich eine Stadt leisten können.“ Lesen sei Basiskultur.

Die Unterstützung scheint es jetzt zu geben, wie ein Antrag der SPD deutlich macht, der vorige Woche im Haupt und Finanzausschuss und gestern auch im Rat thematisiert wurde. Die Verwaltung solle spätestens bis Ende dieses Jahres ein Konzept für die künftige Ausrichtung und den Betrieb der Stadtbücherei erarbeiten. Das unterstütze bereits im HFA auch die CDU, wie Fraktionsvorsitzender Hermann Humcke sagte, der von einer „personellen Neuaufstellung“ sprach und hier wohl auch den baldigen Ruhestand der Büchereileiterin im Blick hatte. Auch Wolfgang Riesner (Grüne) machte deutlich: „Wir freuen uns, wenn die Stadt da jetzt in die Gänge kommt.“ Eine Bücherei, so Günter Wehmeyer als Fraktionsvorsitzender der FDP, sei wichtiger als das Handy.

Der personelle Schlingerkurs der vergangenen Jahre hatte offenbar nicht zum geordneten Betrieb beitragen können: Bis 2015 war die Stadtbücherei mit zwei Vollzeitstellen besetzt. Im Zuge der Flüchtlingskrise strich die Stadt die Stelle der Mitarbeiterin um die Hälfte, die Kollegin – so die Begründung – wurde an anderer Position gebraucht.

2018 gab es dann einen Wechsel bei der halben Mitarbeiterstelle, 2019 musste die Bücherei häufiger schließen – aus Krankheitsgründen, wie es hieß. Auf eigenen Wunsch schied dann die neue Mitarbeiterin 2019 aus dem Dienst der Stadt aus. Danach sei eine „personelle Neuausrichtung der Stadtbücherei“ in die Wege geleitet worden, jetzt wieder mit einer ganzen Stelle. Dazu Bürgermeister Dieter Blume (CDU): „Die zusätzliche Kraft soll in Vollzeit die Leiterin der Stadtbücherei unterstützen, bestimmte definierte Aufgaben selbstständig wahrnehmen und für eine zukunftsfähige Entwicklung richtungsweisende Impulse liefern.“ Die Besetzung sei mittlerweile erfolgt, die Kraft sei bereits von 2001 bis 2018 in der Bücherei tätig gewesen und habe hier mit Bärbel Linnemeier zusammengearbeitet, bevor sie im Sekretariat des Gymnasiums eingesetzt wurde. Wie Pressesprecherin Tatjana Brast bestätigte, sei die Mitarbeiterin bereits jetzt wieder zeitweise in der Bücherei tätig.

Bleibt die Frage der Leitung: Bärbel Linnemeier hatte vorigen Monat erklärt, sie wolle zum September in den Ruhestand gehen. Konsequenz für die Stadt: In Kürze soll es eine Ausschreibung für eine zweite Kraft geben.

Kritik kam von der SPD, die die bisherigen Ansätze einer Diskussion um die Zukunft der Bücherei eher als „beiläufig“ umschrieb. Fraktionsvorsitzender Ingo Ellerkamp: „Angesichts einer drohenden oder vielleicht schon bestehenden Abwärtsspirale in Bezug auf Attraktivität, Nutzerzahlen, Angebot und angemessenem finanziellen Aufwand besteht allerdings unmittelbarer Handlungsbedarf.“ Diesen Eindruck hätten auch Rückmeldungen bestätigt, die die SPD-Fraktion zu dieser Frage erreicht haben.

Zumindest was die Attraktivität des Angebots angeht, sehen das Bärbel Linnemeier und Monika Krause als Vorsitzende des Fördervereins anders: Stets finden sich im Angebot neue Bücher und Bestseller, den Bestand gibt Bärbel Linnemeier aktuell mit 23.000 an, darunter allein 6.200 Romane. Genutzt werde die Bücherei aus nahezu allen Orten in Petershagen und darüber hinaus.

Auch auf Facebook weist das Team immer wieder auf Neuerscheinungen hin und gibt weitere Lesetipps. Dass es irgendwann mal den Anschluss an die E-Ausleihe geben muss, weiß auch Bärbel Linnemeier. Dazu sei allerdings für eine kleine Bücherei wie Petershagen viel Aufwand nötig.

Engagement wünscht sich in dieser Hinsicht aber auch die Politik, wie Ingo Ellerkamp sagt: „Für eine zeitgemäße und zukunftsfähige Stadtbücherei müssen aus Sicht der SPD-Fraktion – gerade in Zeiten der zunehmenden Bedeutung digitaler Medien - hier Impulse gesetzt werden.“ Viele Aufgaben also für die neue Ausrichtung, die Ende 2020 vorgelegt werden soll.

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