Sorgen bei den Petershäger Grundschulen: Schwache IT-Ausstattung und fehlende zweite Stelle bei der Sozialarbeit Oliver Plöger Petershagen. Angesichts der noch immer fehlenden zweiten Stelle für die Schulsozialarbeit und der mangelhaften IT-Ausstattung fühlen sich die Grundschulen in Petershagen aufs Abstellgleis gestellt. So formulierte es Walter Baumann, Sprecher der Grundschulen in Petershagen und Leiter des Schulverbunds Lahde-Frille. „Uns fehlt da völlig die Perspektive“, hieß es im Pressegespräch, an dem auch Alexandra Mohrhoff, Leiterin des Schulverbunds Friedewalde-Eldagsen, und Grundschulleiter Hendrik Grunwaldt von der Grundschule Petershagen teilnahmen. Die Schulsozialarbeiterin könne nur punktuell arbeiten – die so wichtigen Beziehungen zu Kindern und Eltern könne sie gar nicht aufbauen. Nach dem Start des regelmäßigen Unterrichts an den Grundschulen sei bei vielen Kindern einer dramatischer Leistungsabsturz erkennbar geworden, so Baumann. „Nicht alle Grundschüler hatten während des Homeschoolings eine förderliche Lernumgebung, mal mangelte es an der technischen Ausstattung, mal an einem ruhigen Arbeitsplatz, mal an aufmunternden Worten und Zuwendung.“ Die Eltern, die „über Nacht“ zu Autodidakten in Sachen Homeschooling werden mussten, hatten laut Baumann oft eine Mehrbelastung durch Kurzarbeit, Homeoffice oder fehlender Kinderbetreuung. Besonders hart betroffen seien Kinder aus Familien, die erst kurze Zeit in Deutschland sind. „Die Ansätze, deutsch sprechen zu können, waren bei vielen nicht mehr vorhanden. Ohne zusätzliche Förderung – auch in den Ferien – können diese Kinder die Lücken mit den in den Schulen vorhandenen Lehrkräften nicht schließen.“ Besonders heftig sei die Klage in Lahde. Nach Befragungen der Lehrkräfte seien 85 Prozent betroffen. Baumann: „Mit Hilfe der Schulsozialarbeiterin für Grundschulen konnte verhindert werden, dass Kinder völlig aus dem für Schule zugänglichen Umfeld abtauchen.“ Erfolgreiche Schulsozialarbeit erfordere aber die Präsenz in den Familien. „Und das ist in Petershagen nur nach dem Wanderarbeiterprinzip möglich“, sagte Baumann. Die Grundschulen hatten im Herbst bereits die Einrichtung einer weiteren Stelle für die Schulsozialarbeit beantragt. In den politischen Gremien sei dieser Antrag aber bislang nicht beraten worden. Eine Schulsozialarbeiterin für vier Schulen – das sei (auch für die Zeit nach Corona) viel zu wenig. Anscheinend ist Geduld gefragt: Immerhin kam auf MT-Anfrage aus der Stadt der Hinweis, dass Schaffung einer zweiten Schulsozialarbeiterstelle Gegenstand der Beratungen für den Haushaltsplan 2021 sein wird. Zweiter Knackpunkt sei die schlechte IT-Ausstattung. Als paradox bezeichnete Hendrik Grunwaldt die Situation nach dem Umzug der Grundschule von der Nachtigallenstraße an den Koppelweg. Nun habe man das wunderbare Schulgebäude am Koppelweg, aber letztlich eine schlechtere Ausstattung als an der Nachtigallenstraße. Bereits im Herbst 2018 hatten die Grundschulen ein, so Baumann, „durchdachtes und selbst im Schulausschuss gelobtes Medienkonzept vorgelegt.“ Für die Realisierung hatten Land und Bund Mittel bereitgestellt. „Angekommen ist bislang nur der berühmte Tropfen in der digitalen Wüste.“ Hindernisse habe es bis jetzt genug gegeben: „Entweder war es die mangelnde technische Infrastruktur in den Gebäuden oder die geringe Leistungsfähigkeit der Netze im ländlichen Raum oder ausgewählte Handstreiche des Datenschutzes.“ Was fehlt, seien Presenter und Tablets, machte Baumann deutlich. Die Pilotphase sei nach einem halben Jahr vorbei gewesen, danach sei nichts passiert. Wie Alexandra Mohrhoff deutlich machte, seien die Eltern nach einer Umfrage im Grundschulverbund Eldagsen-Friedewalde zwar mit der Umsetzung des „Lernens auf Distanz“ zufrieden, wünschten sich aber einen weiteren Ausbau der digitalen Mediennutzung mit regelmäßigen Lernvideos oder digitalem Unterricht. „Wenigstens konnten die Lehrkräfte auf ihren privaten Geräten eine pädagogische Notversorgung sicherstellen.“ Die Stadt vertröstet auf den Herbst. Pressesprecherin Tatjana Brast: „Die Medienkonzepte aller städtischen Schulen liegen zwischenzeitlich vor. Auf deren Grundlage werden nunmehr die technisch-pädagogischen Einsatzkonzepte zwischen Schulen und Schulträger erarbeitet und die Verwendung der Digitalpaktmittel im Herbst 2020 festgelegt.“ Die erarbeiteten Konzepte sollen auch die weiteren Schritte und den weiteren Ausstattungsbedarf beim „Unterricht auf Distanz“ enthalten, heißt es aus der Verwaltung, und: Das Sofortausstattungsprogramm des Bundes werde zeitnah umgesetzt, sobald die landesrechtlichen Förderrichtlinien vorliegen.

Sorgen bei den Petershäger Grundschulen: Schwache IT-Ausstattung und fehlende zweite Stelle bei der Sozialarbeit

Den Baum des Lernens wollen Lehrer und Schüler mit Leben erfüllen. Dazu brauche es aber auch eine bessere technische Ausstattung, hieß es im Pressegespräch. MT- © Foto: Oliver Plöger

Petershagen. Angesichts der noch immer fehlenden zweiten Stelle für die Schulsozialarbeit und der mangelhaften IT-Ausstattung fühlen sich die Grundschulen in Petershagen aufs Abstellgleis gestellt. So formulierte es Walter Baumann, Sprecher der Grundschulen in Petershagen und Leiter des Schulverbunds Lahde-Frille. „Uns fehlt da völlig die Perspektive“, hieß es im Pressegespräch, an dem auch Alexandra Mohrhoff, Leiterin des Schulverbunds Friedewalde-Eldagsen, und Grundschulleiter Hendrik Grunwaldt von der Grundschule Petershagen teilnahmen. Die Schulsozialarbeiterin könne nur punktuell arbeiten – die so wichtigen Beziehungen zu Kindern und Eltern könne sie gar nicht aufbauen.

Nach dem Start des regelmäßigen Unterrichts an den Grundschulen sei bei vielen Kindern einer dramatischer Leistungsabsturz erkennbar geworden, so Baumann. „Nicht alle Grundschüler hatten während des Homeschoolings eine förderliche Lernumgebung, mal mangelte es an der technischen Ausstattung, mal an einem ruhigen Arbeitsplatz, mal an aufmunternden Worten und Zuwendung.“ Die Eltern, die „über Nacht“ zu Autodidakten in Sachen Homeschooling werden mussten, hatten laut Baumann oft eine Mehrbelastung durch Kurzarbeit, Homeoffice oder fehlender Kinderbetreuung. Besonders hart betroffen seien Kinder aus Familien, die erst kurze Zeit in Deutschland sind. „Die Ansätze, deutsch sprechen zu können, waren bei vielen nicht mehr vorhanden. Ohne zusätzliche Förderung – auch in den Ferien – können diese Kinder die Lücken mit den in den Schulen vorhandenen Lehrkräften nicht schließen.“ Besonders heftig sei die Klage in Lahde. Nach Befragungen der Lehrkräfte seien 85 Prozent betroffen. Baumann: „Mit Hilfe der Schulsozialarbeiterin für Grundschulen konnte verhindert werden, dass Kinder völlig aus dem für Schule zugänglichen Umfeld abtauchen.“ Erfolgreiche Schulsozialarbeit erfordere aber die Präsenz in den Familien. „Und das ist in Petershagen nur nach dem Wanderarbeiterprinzip möglich“, sagte Baumann.

Die Grundschulen hatten im Herbst bereits die Einrichtung einer weiteren Stelle für die Schulsozialarbeit beantragt. In den politischen Gremien sei dieser Antrag aber bislang nicht beraten worden. Eine Schulsozialarbeiterin für vier Schulen – das sei (auch für die Zeit nach Corona) viel zu wenig.

Anscheinend ist Geduld gefragt: Immerhin kam auf MT-Anfrage aus der Stadt der Hinweis, dass Schaffung einer zweiten Schulsozialarbeiterstelle Gegenstand der Beratungen für den Haushaltsplan 2021 sein wird.

Zweiter Knackpunkt sei die schlechte IT-Ausstattung. Als paradox bezeichnete Hendrik Grunwaldt die Situation nach dem Umzug der Grundschule von der Nachtigallenstraße an den Koppelweg. Nun habe man das wunderbare Schulgebäude am Koppelweg, aber letztlich eine schlechtere Ausstattung als an der Nachtigallenstraße.

Bereits im Herbst 2018 hatten die Grundschulen ein, so Baumann, „durchdachtes und selbst im Schulausschuss gelobtes Medienkonzept vorgelegt.“ Für die Realisierung hatten Land und Bund Mittel bereitgestellt. „Angekommen ist bislang nur der berühmte Tropfen in der digitalen Wüste.“ Hindernisse habe es bis jetzt genug gegeben: „Entweder war es die mangelnde technische Infrastruktur in den Gebäuden oder die geringe Leistungsfähigkeit der Netze im ländlichen Raum oder ausgewählte Handstreiche des Datenschutzes.“

Was fehlt, seien Presenter und Tablets, machte Baumann deutlich. Die Pilotphase sei nach einem halben Jahr vorbei gewesen, danach sei nichts passiert.

Wie Alexandra Mohrhoff deutlich machte, seien die Eltern nach einer Umfrage im Grundschulverbund Eldagsen-Friedewalde zwar mit der Umsetzung des „Lernens auf Distanz“ zufrieden, wünschten sich aber einen weiteren Ausbau der digitalen Mediennutzung mit regelmäßigen Lernvideos oder digitalem Unterricht. „Wenigstens konnten die Lehrkräfte auf ihren privaten Geräten eine pädagogische Notversorgung sicherstellen.“

Die Stadt vertröstet auf den Herbst. Pressesprecherin Tatjana Brast: „Die Medienkonzepte aller städtischen Schulen liegen zwischenzeitlich vor. Auf deren Grundlage werden nunmehr die technisch-pädagogischen Einsatzkonzepte zwischen Schulen und Schulträger erarbeitet und die Verwendung der Digitalpaktmittel im Herbst 2020 festgelegt.“ Die erarbeiteten Konzepte sollen auch die weiteren Schritte und den weiteren Ausstattungsbedarf beim „Unterricht auf Distanz“ enthalten, heißt es aus der Verwaltung, und: Das Sofortausstattungsprogramm des Bundes werde zeitnah umgesetzt, sobald die landesrechtlichen Förderrichtlinien vorliegen.

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