Slow-Food: Langsam essen in Petershagen Oliver Plöger Petershagen (mt). Junge Vertreter der weltweiten Vereinigung „Slow Food“ tagen am kommenden Wochenende in Petershagen. „Bewusste Genießer und mündige Konsumenten“, so die Philosophie von Slow Food, haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten. An der Veranstaltung in der Petershäger Jugendherberge nehmen 25 Nachwuchskräfte der Slow-Food-Youth-Akademie teil, Frauen und Männer zwischen 18 und 35 Jahre. Sie alle kommen aus der Lebensmittelbranche, aus Gastronomie, Marketing und Ökologie und absolvieren gerade ein interaktives Bildungsprogramm. Das führt sie in acht verschiede Orte in Deutschland, nun auch nach Petershagen. Bestandteil des Programms ist auch die Besichtigung des Zentrallagers der Edeka in Lauenau. Eigentlich ist die Veranstaltung nicht öffentlich, wie Pressesprecherin Sharin Sheets gegenüber dem MT meinte. Dennoch wollen die Organisatoren das Treffen bekannt machen – zumindest Journalisten wurden eingeladen. In Petershagen stehe das Thema „Globaler Handel“ im Fokus. Veranstaltet wird eine Diskussionsrunde zum Thema „Ernährungssouveränität – welche Hände entscheiden über unser Essen?“ Diese Souveranität, so Sheeds, spiele eine zentrale Rolle, wenn wir uns mit der Industrialisierung der Landwirtschaft, der Übernutzung natürlicher Ressourcen und der Verteilungsgerechtigkeit auseinandersetzen. Frage sei: Welche Strukturen, Systeme und Akteure nehmen Einfluss? Und: Wer ist Gewinner und Verlierer in einem weltweit hochindustrialisierten Lebensmittelsystem und dessen Handelsbeziehungen? Auf dem Podium sitzen Lina Michelsen, Referentin für Welternährung und globale Landwirtschaft, Tatjana Wolf von Planet Retail, einem Marktforschungsinstitut aus Frankfurt, Sven Perter vom Projekt Goliathwatch, das dem Lobbyismus auf die Finger schaut, und Sebastian Cramer, Geschäftsführer von Edeka Cramer. „Bildung ist der Schlüssel für eine richtige Veränderung des Lebensmittelsystems, die dringend notwendig ist, wenn man sich anschaut, welche Auswirkungen das industrielle Lebensmittelsystem auf Klima, Mensch, Tier und Umwelt hat“, sagt Sharon Sheets. Und: „Deswegen nehmen wir mit verschiedenen Projekten Verbraucher, jung und alt, mit ins Boot.“ In diesem Kontext sei 2017 auch die Slow-Food-Youth-Akademie ins Leben gerufen worden, um junge Menschen an die Prozesse des Lebensmittelsystems – vom Acker zum Konsum – heranzuführen und über die globalen Zusammenhänge aufzuklären. Die Akademie verbinde Theorie und Praxis, Sharon Sheets: „Die Teilnehmer lernen hier selbst Hand anzulegen: zu wursten, Fisch zu filetieren, Käse herzustellen, Brot zu backen und auf dem Acker das Gemüse zu ernten.“ Gute Lebensmittel sind nach der Slow-Food-Philosophie nachhaltig angebaute und – vor allem bei Tieren – artgerecht erzeugte Grundprodukte sowie verarbeitete Lebensmittel, die aus hochwertigen Zutaten bestehen und weitestgehend ohne technologische Hilfs- und Zusatzstoffe hergestellt werden. Neben Wahl der Lebensmittel, und der Art und Weise der Zubereitung geht es der Slow-Food-Bewegung auch um den langsamen Genuss, Motto: „Gut gekaut ist halb verdaut.“ Im Magazin der Slow-Foodianer ist es schon 2007 nachzulesen: „Wer gut kaut, sorgt dafür, dass das Essen gut eingespeichelt wird und ohne Widerstand durch die Speiseröhre in den Magen gelangt. Dort werden die Teile durch die Magensäure zerkleinert, Keime werden abgetötet, was ebenfalls umso besser funktioniert, je gründlicher das Essen bereits im Mund ,vorbehandelt' wurde.“ All das soll auch in Petershagen zelebriert werden – die Seminarteilnehmer werden gemeinsam kochen.

Slow-Food: Langsam essen in Petershagen

Slow Food – das ist die Philosophie einer Bewegung, der allein in Deutschland über 13 500 Menschen angehören. Ein Seminar in Petershagen beleuchtet den globalen Handel. Symbolfoto: Ralf Hirschberger/dpa © Ralf Hirschberger

Petershagen (mt). Junge Vertreter der weltweiten Vereinigung „Slow Food“ tagen am kommenden Wochenende in Petershagen. „Bewusste Genießer und mündige Konsumenten“, so die Philosophie von Slow Food, haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten. An der Veranstaltung in der Petershäger Jugendherberge nehmen 25 Nachwuchskräfte der Slow-Food-Youth-Akademie teil, Frauen und Männer zwischen 18 und 35 Jahre. Sie alle kommen aus der Lebensmittelbranche, aus Gastronomie, Marketing und Ökologie und absolvieren gerade ein interaktives Bildungsprogramm. Das führt sie in acht verschiede Orte in Deutschland, nun auch nach Petershagen. Bestandteil des Programms ist auch die Besichtigung des Zentrallagers der Edeka in Lauenau.

Eigentlich ist die Veranstaltung nicht öffentlich, wie Pressesprecherin Sharin Sheets gegenüber dem MT meinte. Dennoch wollen die Organisatoren das Treffen bekannt machen – zumindest Journalisten wurden eingeladen. In Petershagen stehe das Thema „Globaler Handel“ im Fokus. Veranstaltet wird eine Diskussionsrunde zum Thema „Ernährungssouveränität – welche Hände entscheiden über unser Essen?“ Diese Souveranität, so Sheeds, spiele eine zentrale Rolle, wenn wir uns mit der Industrialisierung der Landwirtschaft, der Übernutzung natürlicher Ressourcen und der Verteilungsgerechtigkeit auseinandersetzen. Frage sei: Welche Strukturen, Systeme und Akteure nehmen Einfluss? Und: Wer ist Gewinner und Verlierer in einem weltweit hochindustrialisierten Lebensmittelsystem und dessen Handelsbeziehungen?

Auf dem Podium sitzen Lina Michelsen, Referentin für Welternährung und globale Landwirtschaft, Tatjana Wolf von Planet Retail, einem Marktforschungsinstitut aus Frankfurt, Sven Perter vom Projekt Goliathwatch, das dem Lobbyismus auf die Finger schaut, und Sebastian Cramer, Geschäftsführer von Edeka Cramer.

„Bildung ist der Schlüssel für eine richtige Veränderung des Lebensmittelsystems, die dringend notwendig ist, wenn man sich anschaut, welche Auswirkungen das industrielle Lebensmittelsystem auf Klima, Mensch, Tier und Umwelt hat“, sagt Sharon Sheets. Und: „Deswegen nehmen wir mit verschiedenen Projekten Verbraucher, jung und alt, mit ins Boot.“ In diesem Kontext sei 2017 auch die Slow-Food-Youth-Akademie ins Leben gerufen worden, um junge Menschen an die Prozesse des Lebensmittelsystems – vom Acker zum Konsum – heranzuführen und über die globalen Zusammenhänge aufzuklären. Die Akademie verbinde Theorie und Praxis, Sharon Sheets: „Die Teilnehmer lernen hier selbst Hand anzulegen: zu wursten, Fisch zu filetieren, Käse herzustellen, Brot zu backen und auf dem Acker das Gemüse zu ernten.“

Gute Lebensmittel sind nach der Slow-Food-Philosophie nachhaltig angebaute und – vor allem bei Tieren – artgerecht erzeugte Grundprodukte sowie verarbeitete Lebensmittel, die aus hochwertigen Zutaten bestehen und weitestgehend ohne technologische Hilfs- und Zusatzstoffe hergestellt werden.

Neben Wahl der Lebensmittel, und der Art und Weise der Zubereitung geht es der Slow-Food-Bewegung auch um den langsamen Genuss, Motto: „Gut gekaut ist halb verdaut.“ Im Magazin der Slow-Foodianer ist es schon 2007 nachzulesen: „Wer gut kaut, sorgt dafür, dass das Essen gut eingespeichelt wird und ohne Widerstand durch die Speiseröhre in den Magen gelangt. Dort werden die Teile durch die Magensäure zerkleinert, Keime werden abgetötet, was ebenfalls umso besser funktioniert, je gründlicher das Essen bereits im Mund ,vorbehandelt' wurde.“

All das soll auch in Petershagen zelebriert werden – die Seminarteilnehmer werden gemeinsam kochen.

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