Sigurd Blümcke baut barocke Pferde samt Reiter nach Claudia Hyna Petershagen-Friedewalde (mt). Zwei Pferde und zwei Reiter hat er in diesem und im vergangenen Jahr bereits fertiggestellt, alles in Handarbeit und als Autodidakt. „In etwa zwei Jahren könnten zehn Pferde mitsamt Reitern fertig sein“, stellt Sigurd Blümcke in Aussicht. Sein Problem: Er braucht ein Museum, das seine Artefakte zeigen möchte.Ideal wäre seiner Meinung das Preußen-Museum in Minden, hier hat er bereits angeklopft - bisher allerdings ohne Erfolg. „Da steckt so viel an Information drin, die muss für die Nachwelt aufbewahrt werden“, meint er selbstbewusst. Der Tenor dürfe dabei nicht auf „Krieg“ liegen, sondern das Stichwort Entwicklung der barocken Reitkunst müsse im Vordergrund stehen. Blümcke: „Das Ganze wäre eine Attraktion für Minden.“Sigurd Blümcke ist von Haus aus Professor der Medizin, zum größten Teil war er tätig an der FU Berlin. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er ein Buch über Jugend, Widerstand und Haftzeit in der DDR von 1944 bis 1952. Zur Zeit ist er vollauf damit beschäftigt, in der Region, aber auch in seiner Heimat, aus diesem Buch zu lesen. Dabei stößt er auf reges Interesse.Pferde sind jedoch schon von klein auf seine Leidenschaft. Kein Wunder: Sein Vater war Reitlehrer. Als Junge bereitete es ihm große Freude, die Gespanne mit seinen Freunden vom Feld zurück zum Stall zu bringen. Das war im brandenburgischen Damsdorf, mitten im Zweiten Weltkrieg. Sein Interesse für die klassische Reiterei entwickelte sich, als er Mitte der siebziger Jahre nach Berlin kam. Schon bald hatte er ein eigenes Pferd, ein Palomino namens Scotti.Blümcke kam zu der Überzeugung, dass zu wenig für die barocke Reitkunst getan wird und gründete daraufhin 1986 den „Verein zur Förderung der klassischen Reitkunst“. Zeitweise gehörten ihm 28 voll uniformierte Reiter an. Die dargestellte Zeit war die der Mitte des 18. Jahrhunderts. „Wir wollten dem Publikum mitteilen, dass mit den zwei berühmten Regimentern des Alten Fritz - den Kürassieren und den Husaren - die Grundlagen der Dressurreiterei und der akrobatischen Reiterei gelegt wurden.“Vor der Einheit war die Truppe in Berlin sehr bekannt, führte ihre Quadrillen auf und wurde für Filme gebucht. Nach dem Mauerfall wurde es stiller um sie, bis der Verein schließlich im vergangenen Jahr aufgelöst wurde. So kam der Professor in den Besitz von 28 Ausrüstungen. Schnell war die Idee geboren, die Pferde dazu in Eigenarbeit anzufertigen. Diese bestehen innen aus einem Skelett aus Holz und Styropor, überzogen sind sie mit einem Kunstfell. Ihr Stockmaß liegt bei 1,70 Meter, aus der Ferne sind sie damit von einem echten Ross kaum zu unterscheiden. Die gebräuchlichen Gebisse hat er bereits vor 30 Jahren gefertigt.Auch die Reiter dazu baut Blümcke selber. Diese fertigt er nach dem gleichen Prinzip an, auch hier beginnt er mit der Wirbelsäule. Die Köpfe werden aus Kunststoff modelliert. Der Teufel steckt hier im Detail: „Der Gesichtsausdruck passt zur Legende der dargestellten Person.“ Diese hat ein Vorbild in der Historie. Sogar die Kleidung ist selbst genäht, einige Teile stammen aus der Werkstatt der Alten Oper in Berlin.Bisher haben nur seine Enkelkinder auf dem Rücken der Pferde in Friedewalde Platz genommen, Freunde und Verwandte die Stücke bestaunt. Sein Wunsch: „Ausrüstung und Material dürfen nicht im Müll enden. Zu viel Arbeit und manche Erkenntnis sind hier verborgen und warten auf eine angemessene Veröffentlichung.“

Sigurd Blümcke baut barocke Pferde samt Reiter nach

Sigurd Blümcke mit dem von ihm gebauten Pauker, im Hintergrund ist der Tigerschecke (Knabstrupper) zu sehen. Die Trensenzügel des Pferdes werden an die Steigbügel geschnallt - alles nach barockem Vorbild. MT- © Foto: Alex Lehn

Petershagen-Friedewalde (mt). Zwei Pferde und zwei Reiter hat er in diesem und im vergangenen Jahr bereits fertiggestellt, alles in Handarbeit und als Autodidakt. „In etwa zwei Jahren könnten zehn Pferde mitsamt Reitern fertig sein“, stellt Sigurd Blümcke in Aussicht. Sein Problem: Er braucht ein Museum, das seine Artefakte zeigen möchte.

Ideal wäre seiner Meinung das Preußen-Museum in Minden, hier hat er bereits angeklopft - bisher allerdings ohne Erfolg. „Da steckt so viel an Information drin, die muss für die Nachwelt aufbewahrt werden“, meint er selbstbewusst. Der Tenor dürfe dabei nicht auf „Krieg“ liegen, sondern das Stichwort Entwicklung der barocken Reitkunst müsse im Vordergrund stehen. Blümcke: „Das Ganze wäre eine Attraktion für Minden.“

Sigurd Blümcke ist von Haus aus Professor der Medizin, zum größten Teil war er tätig an der FU Berlin. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er ein Buch über Jugend, Widerstand und Haftzeit in der DDR von 1944 bis 1952. Zur Zeit ist er vollauf damit beschäftigt, in der Region, aber auch in seiner Heimat, aus diesem Buch zu lesen. Dabei stößt er auf reges Interesse.

Pferde sind jedoch schon von klein auf seine Leidenschaft. Kein Wunder: Sein Vater war Reitlehrer. Als Junge bereitete es ihm große Freude, die Gespanne mit seinen Freunden vom Feld zurück zum Stall zu bringen. Das war im brandenburgischen Damsdorf, mitten im Zweiten Weltkrieg. Sein Interesse für die klassische Reiterei entwickelte sich, als er Mitte der siebziger Jahre nach Berlin kam. Schon bald hatte er ein eigenes Pferd, ein Palomino namens Scotti.

Blümcke kam zu der Überzeugung, dass zu wenig für die barocke Reitkunst getan wird und gründete daraufhin 1986 den „Verein zur Förderung der klassischen Reitkunst“. Zeitweise gehörten ihm 28 voll uniformierte Reiter an. Die dargestellte Zeit war die der Mitte des 18. Jahrhunderts. „Wir wollten dem Publikum mitteilen, dass mit den zwei berühmten Regimentern des Alten Fritz - den Kürassieren und den Husaren - die Grundlagen der Dressurreiterei und der akrobatischen Reiterei gelegt wurden.“

Vor der Einheit war die Truppe in Berlin sehr bekannt, führte ihre Quadrillen auf und wurde für Filme gebucht. Nach dem Mauerfall wurde es stiller um sie, bis der Verein schließlich im vergangenen Jahr aufgelöst wurde. So kam der Professor in den Besitz von 28 Ausrüstungen. Schnell war die Idee geboren, die Pferde dazu in Eigenarbeit anzufertigen. Diese bestehen innen aus einem Skelett aus Holz und Styropor, überzogen sind sie mit einem Kunstfell. Ihr Stockmaß liegt bei 1,70 Meter, aus der Ferne sind sie damit von einem echten Ross kaum zu unterscheiden. Die gebräuchlichen Gebisse hat er bereits vor 30 Jahren gefertigt.

Auch die Reiter dazu baut Blümcke selber. Diese fertigt er nach dem gleichen Prinzip an, auch hier beginnt er mit der Wirbelsäule. Die Köpfe werden aus Kunststoff modelliert. Der Teufel steckt hier im Detail: „Der Gesichtsausdruck passt zur Legende der dargestellten Person.“ Diese hat ein Vorbild in der Historie. Sogar die Kleidung ist selbst genäht, einige Teile stammen aus der Werkstatt der Alten Oper in Berlin.

Bisher haben nur seine Enkelkinder auf dem Rücken der Pferde in Friedewalde Platz genommen, Freunde und Verwandte die Stücke bestaunt. Sein Wunsch: „Ausrüstung und Material dürfen nicht im Müll enden. Zu viel Arbeit und manche Erkenntnis sind hier verborgen und warten auf eine angemessene Veröffentlichung.“

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