Sebastian Peter Schmitz, „Die Partei“: „Reißt nochmal das Ruder rum“ Oliver Plöger Petershagen. Sebastian Peter Schmitz ist nicht einfach nur Sebastian Peter Schmitz. Manchmal nennt sich der 41-Jährige Sebastian van Bremen: im Endzeit-Universum der Wasteland Warriors, in seinen Hobbys und, wie er sagt, wenn es um Kunst geht. Zur Zeit allerdings will er als Direktkandidat von „Die Partei“ für den Wahlkreis Minden-Lübbecke I in den Bundestag einziehen. Als Sebastian Peter Schmitz. Dass er im Wahlkampf hin und wieder als Kanzlerkandidat der Satirepartei vorgestellt wird, hält der Lahder für völlig korrekt: „Bei Die Partei sind alle Kandidaten auch Kanzlerkandidaten. Der Beste wird es dann.“ Schmitz ist Petershäger durch und durch: In Frille ging er zur Grundschule, danach zum Gymnasium. Prägend sei es dort gewesen, sagt er. „Es war spannend, weil wir eine starke Schülervertretung hatten und die Schüler insgesamt sehr engagiert waren. Ich glaube, ich habe am Ende viel mehr Freizeit in der Schule verbracht als im Unterricht, obwohl ich auch da natürlich nicht gefehlt habe.“ Die Vorbereitung von Schulfesten, Arbeitsgemeinschaften, 1997 bis zum Abitur 2001 auch die Leitung der Bühnentechnik-AG – Schmitz erinnert sich gerne an die Schulzeit auf dem Gymnasium Petershagen. Es sei eine Zeit gewesen, in der auch kulturell alles „aufeinander knallte“: „Auf der einen Seite hatte sich die Band Take That aufgelöst, auf der anderen Seite waren Schüler tatsächlich auf den Chaostagen in Hannover. Und dann gab es Leute, die ganz normal waren. Wir waren bunt gemischt und multikulturell. Man hatte also gar keine andere Chance als links zu werden.“ Viele seiner Mitschüler und er seien politisch gewesen, wollten aber nicht in irgendeiner der bestehenden Parteien sein. „Die einzige Partei die wir unterstützt haben, war die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands.“ Das sei schon damals eine ausgestaltete Politsatire gewesen. „Grandios“, sagt Schmitz. Nach dem Abi ließ er sich zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik ausbilden und machte sich nach einigen Jahren als Angestellter beim GOP-Kaiserpalais 2006 selbstständig. Als Dienstleister veranstaltete er Abi-Bälle in der Kampa-Halle oder baute 2019 das „Village of the Lost“ für das Festival Fantasia in Magdeburg auf. Zwischendurch ist er als Endzeitkünstler unterwegs, tritt bei den Wasteland Warriors oder der Truppe Monstagon bei Festivals auf, gerne in Wacken oder bei Rock am Stück in Fritzlar. Spezialität: Alles erinnert an Filme wie Mad Max, die sich der Postapokalypse verschrieben haben. Sebastian van Bremen trägt gern Kutte, Sebastian Peter Schmitz meist Anzug und neckisches Parteitäschchen. Ob er sein Outfit zu Wahlkampfzwecken noch in Richtung Endzeitstimmung verändert, werde gerade innerhalb der Partei diskutiert. Dass nicht alles lustig ist, weiß der Direktkandidat auch. Und so sei es längst auch in seiner Partei angekommen: „Ich glaube, es wird vielen klar, dass der Wahlkampf und die Partei auch realer werden. Mit Marco Bühlow haben wir einen Realpolitiker in unseren Reihen. Das schließt sich für mich nicht aus: Ich kann reale Inhalte witzig formulieren. Es gibt aber Dinge, über die kann ich nicht lachen, da bin ich meinem Gewissen verpflichtet. Wenn die Satire zum Selbstzweck wird, verliert sie irgendwann ihren Biss.“ Die Realsatire werde bei den aktuell agierenden Politikern der etablierten Parteien deutlich. „Die Witze, die da gerade passieren, kann ich nicht machen, da fühle ich mich tatsächlich um meinen Job betrogen.“ Bei Die Partei sei das anders: „Wir wollen keine Inhalte verbreiten, bei anderen gehen sie verloren“, sagt Schmitz, der aber davon ausgeht, dass die Partei „mehr und mehr ihre Richtung findet.“ Keine Inhalte? Ganz so ist es dann aber doch nicht, das Parteiprogramm macht Vorgaben: Von der „Abfuckprämie“ für SUVs ist da etwa die Rede. „Das sind erstmal super unnütze Vehikel. Für mich geht es darum, ob ein Fahrzeug mir etwas bringt oder nicht. Ich habe einen Firmenwagen und einen Privatwagen. Mein Privatwagen ist ein Endzeitcabrio von 1993, was seine CO2-Bilanz absolut rausgeholt hat. Beim Firmenwagen geht es darum, ob der eine Anhängerkupplung hat. Das ist für mich dann eine dieser unwitzigen Entscheidungen.“ Ohnehin geht es im Wahlkampf von Sebastian Peter Schmitz auch immer um den Beruf: „Seine“ Branche hatte arg mit Corona zu kämpfen, was für den 41-Jährigen letztlich aber auch der Anlass war, sich als Kandidat für Die Partei zu engagieren. „Ich war davon ausgegangen, dass ich mindestens im nächsten Jahr beruflich nichts zu tun habe.“ Dann habe sich aber doch „einiges ergeben“, wie er sagt, und Schmitz war hin- und hergerissen. Um einen größeren Auftrag für einen seiner Kunden zu stemmen, muss er zwischendurch immer wieder nach Hamburg fahren. „Aber auch das geht. Ich habe genug gute Mitstreiter hinter mir und wir machen den Wahlkampf gemeinsam. Wir nehmen uns dabei auch nicht so ernst wie andere. Wir werden den Fokus auf den Straßenwahlkampf in den letzten zwei Wochen vor der Wahl legen, den Leuten zuhören und schauen, wo die Probleme liegen.“ Wichtig sei, dass der Diskurs entstehe. 20 bis 30 Mitglieder habe die Partei im Kreis, es würden aber stetig mehr, bundesweit sowieso, über 50.000, wie Schmitz meint. Wenn er nicht Bundeskanzler wird – womit angesichts von Wahlumfragen schon zu rechnen ist – wird sich Sebastian Peter Schmitz oder eben Sebastian van Bremen neben der Politik auch künftig verstärkt der Veranstaltungsbranche widmen. Und den Wasteland Warriors und anderen Endzeitszenarien. Davor hat er aber noch eine düstere Botschaft parat: „Ich komme aus der Zukunft, und ich kann euch sagen: Das ist nicht so witzig. Reißt noch mal das Ruder rum.“

Sebastian Peter Schmitz, „Die Partei“: „Reißt nochmal das Ruder rum“

Will nach Berlin: Sebastian Peter Schmitz aus Lahde ist Kandidat für „Die Partei“ und findet nicht alles witzig. MT-Foto: Alex Lehn © Lehn

Petershagen. Sebastian Peter Schmitz ist nicht einfach nur Sebastian Peter Schmitz. Manchmal nennt sich der 41-Jährige Sebastian van Bremen: im Endzeit-Universum der Wasteland Warriors, in seinen Hobbys und, wie er sagt, wenn es um Kunst geht. Zur Zeit allerdings will er als Direktkandidat von „Die Partei“ für den Wahlkreis Minden-Lübbecke I in den Bundestag einziehen. Als Sebastian Peter Schmitz. Dass er im Wahlkampf hin und wieder als Kanzlerkandidat der Satirepartei vorgestellt wird, hält der Lahder für völlig korrekt: „Bei Die Partei sind alle Kandidaten auch Kanzlerkandidaten. Der Beste wird es dann.“

Schmitz ist Petershäger durch und durch: In Frille ging er zur Grundschule, danach zum Gymnasium. Prägend sei es dort gewesen, sagt er. „Es war spannend, weil wir eine starke Schülervertretung hatten und die Schüler insgesamt sehr engagiert waren. Ich glaube, ich habe am Ende viel mehr Freizeit in der Schule verbracht als im Unterricht, obwohl ich auch da natürlich nicht gefehlt habe.“ Die Vorbereitung von Schulfesten, Arbeitsgemeinschaften, 1997 bis zum Abitur 2001 auch die Leitung der Bühnentechnik-AG – Schmitz erinnert sich gerne an die Schulzeit auf dem Gymnasium Petershagen.

Es sei eine Zeit gewesen, in der auch kulturell alles „aufeinander knallte“: „Auf der einen Seite hatte sich die Band Take That aufgelöst, auf der anderen Seite waren Schüler tatsächlich auf den Chaostagen in Hannover. Und dann gab es Leute, die ganz normal waren. Wir waren bunt gemischt und multikulturell. Man hatte also gar keine andere Chance als links zu werden.“ Viele seiner Mitschüler und er seien politisch gewesen, wollten aber nicht in irgendeiner der bestehenden Parteien sein. „Die einzige Partei die wir unterstützt haben, war die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands.“ Das sei schon damals eine ausgestaltete Politsatire gewesen. „Grandios“, sagt Schmitz.

Nach dem Abi ließ er sich zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik ausbilden und machte sich nach einigen Jahren als Angestellter beim GOP-Kaiserpalais 2006 selbstständig. Als Dienstleister veranstaltete er Abi-Bälle in der Kampa-Halle oder baute 2019 das „Village of the Lost“ für das Festival Fantasia in Magdeburg auf. Zwischendurch ist er als Endzeitkünstler unterwegs, tritt bei den Wasteland Warriors oder der Truppe Monstagon bei Festivals auf, gerne in Wacken oder bei Rock am Stück in Fritzlar. Spezialität: Alles erinnert an Filme wie Mad Max, die sich der Postapokalypse verschrieben haben. Sebastian van Bremen trägt gern Kutte, Sebastian Peter Schmitz meist Anzug und neckisches Parteitäschchen. Ob er sein Outfit zu Wahlkampfzwecken noch in Richtung Endzeitstimmung verändert, werde gerade innerhalb der Partei diskutiert.

Dass nicht alles lustig ist, weiß der Direktkandidat auch. Und so sei es längst auch in seiner Partei angekommen: „Ich glaube, es wird vielen klar, dass der Wahlkampf und die Partei auch realer werden. Mit Marco Bühlow haben wir einen Realpolitiker in unseren Reihen. Das schließt sich für mich nicht aus: Ich kann reale Inhalte witzig formulieren. Es gibt aber Dinge, über die kann ich nicht lachen, da bin ich meinem Gewissen verpflichtet. Wenn die Satire zum Selbstzweck wird, verliert sie irgendwann ihren Biss.“ Die Realsatire werde bei den aktuell agierenden Politikern der etablierten Parteien deutlich. „Die Witze, die da gerade passieren, kann ich nicht machen, da fühle ich mich tatsächlich um meinen Job betrogen.“ Bei Die Partei sei das anders: „Wir wollen keine Inhalte verbreiten, bei anderen gehen sie verloren“, sagt Schmitz, der aber davon ausgeht, dass die Partei „mehr und mehr ihre Richtung findet.“

Keine Inhalte? Ganz so ist es dann aber doch nicht, das Parteiprogramm macht Vorgaben: Von der „Abfuckprämie“ für SUVs ist da etwa die Rede. „Das sind erstmal super unnütze Vehikel. Für mich geht es darum, ob ein Fahrzeug mir etwas bringt oder nicht. Ich habe einen Firmenwagen und einen Privatwagen. Mein Privatwagen ist ein Endzeitcabrio von 1993, was seine CO2-Bilanz absolut rausgeholt hat. Beim Firmenwagen geht es darum, ob der eine Anhängerkupplung hat. Das ist für mich dann eine dieser unwitzigen Entscheidungen.“

Ohnehin geht es im Wahlkampf von Sebastian Peter Schmitz auch immer um den Beruf: „Seine“ Branche hatte arg mit Corona zu kämpfen, was für den 41-Jährigen letztlich aber auch der Anlass war, sich als Kandidat für Die Partei zu engagieren. „Ich war davon ausgegangen, dass ich mindestens im nächsten Jahr beruflich nichts zu tun habe.“ Dann habe sich aber doch „einiges ergeben“, wie er sagt, und Schmitz war hin- und hergerissen. Um einen größeren Auftrag für einen seiner Kunden zu stemmen, muss er zwischendurch immer wieder nach Hamburg fahren. „Aber auch das geht. Ich habe genug gute Mitstreiter hinter mir und wir machen den Wahlkampf gemeinsam. Wir nehmen uns dabei auch nicht so ernst wie andere. Wir werden den Fokus auf den Straßenwahlkampf in den letzten zwei Wochen vor der Wahl legen, den Leuten zuhören und schauen, wo die Probleme liegen.“ Wichtig sei, dass der Diskurs entstehe. 20 bis 30 Mitglieder habe die Partei im Kreis, es würden aber stetig mehr, bundesweit sowieso, über 50.000, wie Schmitz meint.

Wenn er nicht Bundeskanzler wird – womit angesichts von Wahlumfragen schon zu rechnen ist – wird sich Sebastian Peter Schmitz oder eben Sebastian van Bremen neben der Politik auch künftig verstärkt der Veranstaltungsbranche widmen. Und den Wasteland Warriors und anderen Endzeitszenarien. Davor hat er aber noch eine düstere Botschaft parat: „Ich komme aus der Zukunft, und ich kann euch sagen: Das ist nicht so witzig. Reißt noch mal das Ruder rum.“

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