Schriftenreihe zum 135-jährigen Bestehen der Feuerwehr Windheim: Ein Eimer Wasser für den Notfall Ulrich Westermann Petershagen-Windheim (Wes). Das 135-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Windheim konnte im vergangenen Jahr coronabedingt nicht gefeiert werden. Der Arbeitskreis Historisches Windheim hat der Löschgruppe nun ein Exemplar der Windheimer Schriftenreihe gewidmet. Band 9 „Vereine in Windheim – Freiwillige Feuerwehr“ liegt nun vor – und enthält viele, auch überraschende, Details aus der Historie bis zur Gegenwart. Das Nachschlagewerk wird von der Kulturgemeinschaft herausgegeben. Verfasser sind Bernd-Rüdiger Schalm vom Arbeitskreis und Willi Friedrichs, der von 1991 bis 2009 das Amt des Löschgruppenführers ausübte. Bei den Fotos nutzten sie das Archiv der Feuerwehr. Dazu kamen Aufnahmen aus der Sammlung von Liesel Lücking (Arbeitskreis „Historisches Windheim“). Auf 197 Seiten im Format Din-A4 stellen sie die Entwicklung der Windheimer Feuerwehr übersichtlich dar. Weitere Themen sind die Feuerwehrkapelle sowie die Kinder- und Jugendfeuerwehr. In der Einleitung geht es um die Zeit vor dem organisierten Brandschutz, als die Menschen ein Feuer spontan bekämpften, um ihr Hab und Gut vor der Zerstörung zu schützen. Feuersbrünste vernichteten durch überspringende Flammen nicht selten ganze Stadtteile, heißt es. Die Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude in den Dörfern hätten so dicht nebeneinander gestanden, dass sich die Regentraufen fast berührten. „Ein Feuer konnte schnell auf Nachbargebäude überspringen und ein Gehöft oder Straßenzüge niederbrennen“, berichten Schalm und Friedrichs. Schon im Mittelalter habe die Obrigkeit darauf reagiert und die Gemeinden verpflichtet, einen Brandschutz aufzubauen. Ein Blick in die damaligen Verordnungen zeigt, dass abends ab einer bestimmten Zeit aus Sicherheitsgründen alle Feuer im Haus ausgemacht werden mussten. „Jedes größere Dorf, so auch Windheim, hatte vor dem Ersten Weltkrieg und noch bis Ende der 1920er Jahre einen fest angestellten Nachtwächter.“ In Windheim war es Christian Heuer, der durch die Straßen und Gassen ging und für Ruhe und Ordnung sorgte. Er warnte die Bevölkerung mit seinem Horn vor Feuer, Feinden und Dieben. Zudem überwachte er das ordnungsgemäße Verschließen der vier Windheimer Dorftore. Die Nachtwächter kontrollierten bei ihren Rundgängen, ob alle Vorschriften eingehalten wurden. Für Notfälle musste in jedem Haushalt ein Eimer mit Wasser bereit gehalten und zur Brandstelle mitgebracht werden. In der ländlichen Region wurden Löschwasserteiche angelegt, die vielerorts bis heute erhalten sind. Der Steinweg (heute Weserstraße) in Windheim vermittele auf alten Bildern ein verträumtes Dorf mit dichter Bebauung, so Schalm und Friedrichs – bei Ausbruch eines Feuers konnte das zur Katastrophe werden. Bei der Brandbekämpfung bis zur Erfindung einfacher Spritzen reichte das Repertoire von Leitern zu Ledereimern, Wasserfässern, Feuerhaken bis zu Dachkrücken (Einreißhaken). Im 16. Jahrhundert wurde der Schlauch erfunden, der zuerst aus vernähtem und später aus genietetem Leder bestand und im 18. Jahrhundert durch den Hanfschlauch ersetzt wurde, heißt es. Für Motorspritzen und selbst fahrende Feuerwehrfahrzeuge bedurfte es erst der Erfindung des Verbrennungsmotors, so die Chronisten. Die Freiwillige Feuerwehr Windheim wurde 1885 ins Leben gerufen. Die Gründungsveranstaltung der ältesten Einheit des Amtsbezirkes Windheim fand in der Gaststätte Klostermeyer statt. Zum Feuerwehrhauptmann wurde der 33-jährige Landwirt und spätere Auktionator Wilhelm Wiehe gewählt. Dazu heißt es in der „Windheimer Schriftenreihe“: „Er hatte eine gründliche militärische Ausbildung im Bückeburger Jägerbataillon 7 absolviert und war somit des Kommandierens mächtig. Noch im Gründungsmonat Januar ließ er durch Boten alle 32 Feuerwehrleute zusammenrufen und führte seine erste Übung im Marschieren durch.“ In der Gemeinde sei Wilhelm Wiehe als Respektperson anerkannt gewesen. Im Jahr 1887 wurde die Feuerwehrkapelle gegründet. In ihrer 136-jährigen Geschichte kommt das Windheimer Feuerwehrwesen auf neun Löschgruppenführer, in früheren Jahren Feuerwehrhauptmann oder Kommandeur genannt. Wilhelm Wiehe (1885 bis 1920) folgten Wilhelm Baade (1920 bis 1934), Wilhelm Meyer (1934 bis 1946), Wilhelm Kuhlmann (1946 bis 1964), Wilhelm Noack (1964 bis 1977), Wilhelm Beckemeyer (1977 bis 1988), Heinz Beckemeyer (1988 bis 1991), Willi Friedrichs (1991 bis 2009) und Jörg Pehlke (2009 bis heute). In den Kapiteln zu diesen Führungskräften stehen Übungen, Einsätze, Aufbau der Wehr, Fahrzeugübergabe, Wasserversorgung, Protokollauszüge, Aktivitäten der Jugendfeuerwehr, Versammlungen, Ehrungen, Beförderungen, Jubiläumsfeiern, Musikabend, Pokalwettkampf des Alarmkreises III, Einweihung des Wilhelm-Wiehe-Platzes, Jahresberichte, Arbeiten am Feuerwehrgerätehaus und persönliche Ausrüstung im Mittelpunkt. Erinnert wird an das Jahr 1939, als die Windheimer Feuerwehrmänner nach und nach zum Kriegsdienst einberufen wurden. Schon bald sei die Löschgruppe nicht mehr einsatzfähig gewesen. In dieser Situation wurde 1942 unter der Leitung von Brandmeister Kuhlmann eine Gruppe aus Mädchen aufgestellt. „Sie übten, wie die Männer es taten und stellten so den Feuerschutz in Windheim sicher. Diese Mädchen haben sich tapfer bewährt, als es bei der Mühle Waltking brannte. Die Gruppe, die 1945/46 nach der Rückkehr der Männer wieder aufgelöst wurde, bestand aus 27 Mädchen und jungen Frauen“, berichten Bernd-Rüdiger Schalm und Willi Friedrichs. Weitere Themen sind die Chronik der Feuerwehrkapelle, die Landesverordnung der Freiwilligen Feuerwehr und die Satzung der Löschgruppe Windheim. Die Kinderfeuer „Windheimer Inselheuler“ erblickte am 1. Oktober 2016 das Licht der Welt. Für den Text ihres umfangreichen Nachschlagewerkes haben Bernd-Rüdiger Schalm und Willi Friedrichs das Stadtarchiv sowie Protokollbücher und weitere Aufzeichnungen der Freiwilligen Feuerwehr Windheim genutzt. Dazu kamen Gespräche mit Zeitzeugen. „Da das 135-jährige Bestehen der Löschgruppe 2020 wegen Corona nicht gefeiert werden konnte, bietet nun die `Windheimer Schriftenreihe` viele Details, die an die Bedeutung der Wehr für unsere Ortschaft erinnern“, bekräftigen die beiden Verfasser. Die Schriftenreihe Seit 2012 besteht der Arbeitskreis „Historisches Windheim“. Im Laufe der Jahre ist es den Mitwirkenden gelungen, Themen aus dem „alten Mittelpunkt an der Weser“ aufzuarbeiten und dann in Wort und Bild in der „Windheimer Schriftenreihe“ zu präsentieren. Von Band 9 liegen zunächst 60 Exemplare zum Stückpreis von 12,90 Euro vor. Ansprechpersonen sind Bernd-Rüdiger Schalm, Telefon (0 57 05) 3 59, und Willi Friedrichs, Telefon (0 57 05) 2 49. In Arbeit ist bereits Band 10 zum Thema „Vereine in Windheim“.

Schriftenreihe zum 135-jährigen Bestehen der Feuerwehr Windheim: Ein Eimer Wasser für den Notfall

Buch über FW Windheim © SystemadministratorFoto: Wes

Petershagen-Windheim (Wes). Das 135-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Windheim konnte im vergangenen Jahr coronabedingt nicht gefeiert werden. Der Arbeitskreis Historisches Windheim hat der Löschgruppe nun ein Exemplar der Windheimer Schriftenreihe gewidmet. Band 9 „Vereine in Windheim – Freiwillige Feuerwehr“ liegt nun vor – und enthält viele, auch überraschende, Details aus der Historie bis zur Gegenwart.

Das Nachschlagewerk wird von der Kulturgemeinschaft herausgegeben. Verfasser sind Bernd-Rüdiger Schalm vom Arbeitskreis und Willi Friedrichs, der von 1991 bis 2009 das Amt des Löschgruppenführers ausübte. Bei den Fotos nutzten sie das Archiv der Feuerwehr. Dazu kamen Aufnahmen aus der Sammlung von Liesel Lücking (Arbeitskreis „Historisches Windheim“).

Buch über FW Windheim - © SystemadministratorFoto: Wes
Buch über FW Windheim - © SystemadministratorFoto: Wes

Auf 197 Seiten im Format Din-A4 stellen sie die Entwicklung der Windheimer Feuerwehr übersichtlich dar. Weitere Themen sind die Feuerwehrkapelle sowie die Kinder- und Jugendfeuerwehr. In der Einleitung geht es um die Zeit vor dem organisierten Brandschutz, als die Menschen ein Feuer spontan bekämpften, um ihr Hab und Gut vor der Zerstörung zu schützen.

Buch über FW Windheim - © SystemadministratorFoto: Wes
Buch über FW Windheim - © SystemadministratorFoto: Wes

Feuersbrünste vernichteten durch überspringende Flammen nicht selten ganze Stadtteile, heißt es. Die Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude in den Dörfern hätten so dicht nebeneinander gestanden, dass sich die Regentraufen fast berührten. „Ein Feuer konnte schnell auf Nachbargebäude überspringen und ein Gehöft oder Straßenzüge niederbrennen“, berichten Schalm und Friedrichs.

Buch über FW Windheim - © SystemadministratorFoto: Wes
Buch über FW Windheim - © SystemadministratorFoto: Wes

Schon im Mittelalter habe die Obrigkeit darauf reagiert und die Gemeinden verpflichtet, einen Brandschutz aufzubauen. Ein Blick in die damaligen Verordnungen zeigt, dass abends ab einer bestimmten Zeit aus Sicherheitsgründen alle Feuer im Haus ausgemacht werden mussten.

„Jedes größere Dorf, so auch Windheim, hatte vor dem Ersten Weltkrieg und noch bis Ende der 1920er Jahre einen fest angestellten Nachtwächter.“ In Windheim war es Christian Heuer, der durch die Straßen und Gassen ging und für Ruhe und Ordnung sorgte. Er warnte die Bevölkerung mit seinem Horn vor Feuer, Feinden und Dieben. Zudem überwachte er das ordnungsgemäße Verschließen der vier Windheimer Dorftore. Die Nachtwächter kontrollierten bei ihren Rundgängen, ob alle Vorschriften eingehalten wurden. Für Notfälle musste in jedem Haushalt ein Eimer mit Wasser bereit gehalten und zur Brandstelle mitgebracht werden. In der ländlichen Region wurden Löschwasserteiche angelegt, die vielerorts bis heute erhalten sind.

Buch über FW Windheim - © SystemadministratorFoto: Wes
Buch über FW Windheim - © SystemadministratorFoto: Wes

Der Steinweg (heute Weserstraße) in Windheim vermittele auf alten Bildern ein verträumtes Dorf mit dichter Bebauung, so Schalm und Friedrichs – bei Ausbruch eines Feuers konnte das zur Katastrophe werden. Bei der Brandbekämpfung bis zur Erfindung einfacher Spritzen reichte das Repertoire von Leitern zu Ledereimern, Wasserfässern, Feuerhaken bis zu Dachkrücken (Einreißhaken). Im 16. Jahrhundert wurde der Schlauch erfunden, der zuerst aus vernähtem und später aus genietetem Leder bestand und im 18. Jahrhundert durch den Hanfschlauch ersetzt wurde, heißt es. Für Motorspritzen und selbst fahrende Feuerwehrfahrzeuge bedurfte es erst der Erfindung des Verbrennungsmotors, so die Chronisten.

Die Freiwillige Feuerwehr Windheim wurde 1885 ins Leben gerufen. Die Gründungsveranstaltung der ältesten Einheit des Amtsbezirkes Windheim fand in der Gaststätte Klostermeyer statt. Zum Feuerwehrhauptmann wurde der 33-jährige Landwirt und spätere Auktionator Wilhelm Wiehe gewählt.

Dazu heißt es in der „Windheimer Schriftenreihe“: „Er hatte eine gründliche militärische Ausbildung im Bückeburger Jägerbataillon 7 absolviert und war somit des Kommandierens mächtig. Noch im Gründungsmonat Januar ließ er durch Boten alle 32 Feuerwehrleute zusammenrufen und führte seine erste Übung im Marschieren durch.“ In der Gemeinde sei Wilhelm Wiehe als Respektperson anerkannt gewesen. Im Jahr 1887 wurde die Feuerwehrkapelle gegründet.

In ihrer 136-jährigen Geschichte kommt das Windheimer Feuerwehrwesen auf neun Löschgruppenführer, in früheren Jahren Feuerwehrhauptmann oder Kommandeur genannt. Wilhelm Wiehe (1885 bis 1920) folgten Wilhelm Baade (1920 bis 1934), Wilhelm Meyer (1934 bis 1946), Wilhelm Kuhlmann (1946 bis 1964), Wilhelm Noack (1964 bis 1977), Wilhelm Beckemeyer (1977 bis 1988), Heinz Beckemeyer (1988 bis 1991), Willi Friedrichs (1991 bis 2009) und Jörg Pehlke (2009 bis heute).

In den Kapiteln zu diesen Führungskräften stehen Übungen, Einsätze, Aufbau der Wehr, Fahrzeugübergabe, Wasserversorgung, Protokollauszüge, Aktivitäten der Jugendfeuerwehr, Versammlungen, Ehrungen, Beförderungen, Jubiläumsfeiern, Musikabend, Pokalwettkampf des Alarmkreises III, Einweihung des Wilhelm-Wiehe-Platzes, Jahresberichte, Arbeiten am Feuerwehrgerätehaus und persönliche Ausrüstung im Mittelpunkt.

Erinnert wird an das Jahr 1939, als die Windheimer Feuerwehrmänner nach und nach zum Kriegsdienst einberufen wurden. Schon bald sei die Löschgruppe nicht mehr einsatzfähig gewesen. In dieser Situation wurde 1942 unter der Leitung von Brandmeister Kuhlmann eine Gruppe aus Mädchen aufgestellt. „Sie übten, wie die Männer es taten und stellten so den Feuerschutz in Windheim sicher. Diese Mädchen haben sich tapfer bewährt, als es bei der Mühle Waltking brannte. Die Gruppe, die 1945/46 nach der Rückkehr der Männer wieder aufgelöst wurde, bestand aus 27 Mädchen und jungen Frauen“, berichten Bernd-Rüdiger Schalm und Willi Friedrichs.

Weitere Themen sind die Chronik der Feuerwehrkapelle, die Landesverordnung der Freiwilligen Feuerwehr und die Satzung der Löschgruppe Windheim. Die Kinderfeuer „Windheimer Inselheuler“ erblickte am 1. Oktober 2016 das Licht der Welt.

Für den Text ihres umfangreichen Nachschlagewerkes haben Bernd-Rüdiger Schalm und Willi Friedrichs das Stadtarchiv sowie Protokollbücher und weitere Aufzeichnungen der Freiwilligen Feuerwehr Windheim genutzt. Dazu kamen Gespräche mit Zeitzeugen. „Da das 135-jährige Bestehen der Löschgruppe 2020 wegen Corona nicht gefeiert werden konnte, bietet nun die `Windheimer Schriftenreihe` viele Details, die an die Bedeutung der Wehr für unsere Ortschaft erinnern“, bekräftigen die beiden Verfasser.

Die Schriftenreihe

Seit 2012 besteht der Arbeitskreis „Historisches Windheim“. Im Laufe der Jahre ist es den Mitwirkenden gelungen, Themen aus dem „alten Mittelpunkt an der Weser“ aufzuarbeiten und dann in Wort und Bild in der „Windheimer Schriftenreihe“ zu präsentieren. Von Band 9 liegen zunächst 60 Exemplare zum Stückpreis von 12,90 Euro vor. Ansprechpersonen sind Bernd-Rüdiger Schalm, Telefon (0 57 05) 3 59, und Willi Friedrichs, Telefon (0 57 05) 2 49. In Arbeit ist bereits Band 10 zum Thema „Vereine in Windheim“.

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