Schreddern von Wirtschaftswegen bleibt umstritten Claudia Hyna Petershagen-Lahde. Die Diskussion um den gesperrten Diekweg in Friedewalde geht weiter. Bürgermeister Dirk Breves (CDU) zeigte sich in der Sitzung des Infrastrukturausschusses „irritiert“ angesichts der Einwände einiger Kommunalpolitiker. Er stellte klar: Alle Wirtschaftswege so zu erhalten, wie es mancher Anwohner wünscht, sei „unmöglich“ – oder nur mit viel Geld realisierbar. Friedewaldes Ortsbürgermeisterin Jessica König (CDU) hatte zuvor bemängelt, das Wirtschaftswegekonzept aus dem Jahr 2015 sei „nicht ausgereift“. Wenn Straßen geschreddert werden, würden ihrer Ansicht nach einige Aspekte außer Acht gelassen. Dazu zählen die hohe Staubentwicklung im Sommer, der erschwerte Zugang der Landwirte zu ihren Feldern sowie die angestrebte Fahrradfreundlichkeit, die auch in touristischer Hinsicht wichtig sei. Da der geschredderte Weg immer wieder nachgebessert werden müsse, werde das Material zunehmend feiner und so entstehe immer mehr Staub. Bei Regen hingegen würden die Wege dann matschig. Der gesperrte Diekweg verursache an anderer Stelle, nämlich auf der Südfelder Straße, ein höheres Verkehrsaufkommen. Aus diesem Grund habe sich in ihrer Ortschaft eine Bürgerinitiative gegründet, die nun Unterschriften sammele. Eine wassergebundene Decke könne in Teilen sinnvoll sein – aber nicht, wenn Ortschaften abgeschnitten würden, sagte sie. Das sei in einer nicht-kompakten Ortschaft wie Friedewalde der Fall, hier sprach sie das Beispiel Bohnhorster und Ossenwalder Weg an. Sie unterstütze die angedachte Lösung der Verwaltung, umklappbare Poller zu installieren, die die Bewirtschaftung der Felder ermöglichen und den Durchgangsverkehr stoppen. Eine zurückgebaute Straße könne nicht mehr die Qualität aufweisen, die sie vorher hatte, erklärte Bauamtsleiter Kay Busche. Er verwies auf die enormen Preisunterschiede: Die Asphaltierung koste pro laufendem Meter 150 Euro, die Herstellung einer wassergebundenen Decke hingegen nur 7,50 Euro. Am Diekweg wurde ein Verbotsschild für Fahrzeuge aller Art aufgestellt, dazu kam das Zusatzzeichen „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“. Letztlich seien es die vielen Verkehrsteilnehmer gewesen, die sich weder daran noch an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hielten, die zum Fräsen und anschließenden Sperren des Diekwegs führten. Ob man möglicherweise Fördergelder für den Wegeunterhalt akquirieren könne, frage Jaqueline Lauf (CDU). Sie hält es für wichtig, dass die Strecken mit wassergebundener Decke für Radfahrer/Touristen nutzbar seien. Auch müsse man die Thematik insgesamt noch stärker kommunizieren, etwa mit den Ortsbürgermeistern besprechen. Das brachte die Sozialdemokratin Helma Owczarski in Rage. Das Wirtschaftswegekonzept sei 2015 sehr intensiv diskutiert worden. Dass man künftig gemachte Erfahrungen einfließen lassen könnte, sei ja durchaus denkbar. Aber man müsse vor allem die Kosten im Blick haben. Sie glaube jedenfalls nicht, dass die Bürger sich – vergleichbar wie in Niedersachsen – auch am Ausbau von Wegen im Außenbereich beteiligen möchten. Der Bürgermeister sah das ähnlich. Er sprach von einem Unterhaltungsstau von 32 Millionen Euro und einer ellenlangen Prioritätenliste. Die einzige Chance sei tatsächlich, die Bürger auch im Außenbereich zur Kasse zu bitten – und so etwas „wollen wir nicht einführen“. Das Kernproblem jedenfalls sei nur mit viel Geld zu lösen. Dieses Grundproblem liegt im 1.000 Kilometer langen Straßennetz der Stadt Petershagen, stellte Frank Stuke von der Bauverwaltung dar. Im vergangenen Jahr wurden Arbeiten an der Bankette auf 48 Kilometern (50.500 Euro) sowie auf gut 500 Kilometern an Gräben (47.275) ausgeführt, insgesamt gab die Stadt für Straßen- und Wegebau rund 483.000 Euro aus – ein Plus von 14.000 Euro. Als Wirtschaftsweg bezeichnet man alle Wege außerhalb geschlossener Ortschaften, die keine Hauptverbindung darstellen. Von den 1.000 Kilometern in Petershagen betrifft das 877 Kilometer. Knapp 400 Kilometer davon sind seit Aufstellung des Konzepts asphaltiert worden, sieben bis acht Kilometer erhielten seit 2015 eine wassergebundene Decke (im Volksmund als Schreddern bezeichnet). 80 Kilometer Wege mit wassergebundener Decke seien im Vorjahr erneuert worden. Häufig fielen Schwachstellen bei regelmäßigen Kontrollen auf, sagte Bauamtsleiter Kay Busche. Darüber hinaus melden Bürger oder Ortsbürgermeister Schäden. Im Idealfall könne man einfach das Schlagloch auffüllen. Häufig sei es so, dass in kurzer Zeit aus dem kleinen Loch ein großes entstehe. Zum Teil seien die Wege dann nicht mehr zu retten. In solchen Fällen müsse die Stadt schnell handeln und zum Teil den Abschnitt sperren. Die Verwaltung treffe sich zum Austausch mit Betroffenen und suche nach einer sinnvollen und kostengünstigen Lösung. Dieses Vorgehen führte dazu, dass im letzten Jahr 3,75 Kilometer Straße zurückgebaut wurden. Das betrifft die Bereiche Im Schaffeld, Schierberg und Hasenkamp. Um schneller und preiswerter auf Mängel reagieren zu können, schaffte die Stadt in diesem Jahr eine Pflegefräse an. Diese sei etwa am Ilser Schierberg eingesetzt worden. „Und das sieht gut aus“, so Busche. Er machte eindringlich klar, dass Rückbauten künftig nicht vermieden werden können. „Wir können es nicht allen recht machen.“

Schreddern von Wirtschaftswegen bleibt umstritten

Bauamtsleiter Kay Busche will sich am Diekweg mit den Anliegern treffen, um über neue klappbare Poller zu reden. . „Mit dieser Lösung sind hoffentlich alle zufrieden“, sagte er. Die Kosten seien überschaubar. MT-Archivfoto: Hyna © hy

Petershagen-Lahde. Die Diskussion um den gesperrten Diekweg in Friedewalde geht weiter. Bürgermeister Dirk Breves (CDU) zeigte sich in der Sitzung des Infrastrukturausschusses „irritiert“ angesichts der Einwände einiger Kommunalpolitiker. Er stellte klar: Alle Wirtschaftswege so zu erhalten, wie es mancher Anwohner wünscht, sei „unmöglich“ – oder nur mit viel Geld realisierbar.

Friedewaldes Ortsbürgermeisterin Jessica König (CDU) hatte zuvor bemängelt, das Wirtschaftswegekonzept aus dem Jahr 2015 sei „nicht ausgereift“. Wenn Straßen geschreddert werden, würden ihrer Ansicht nach einige Aspekte außer Acht gelassen. Dazu zählen die hohe Staubentwicklung im Sommer, der erschwerte Zugang der Landwirte zu ihren Feldern sowie die angestrebte Fahrradfreundlichkeit, die auch in touristischer Hinsicht wichtig sei. Da der geschredderte Weg immer wieder nachgebessert werden müsse, werde das Material zunehmend feiner und so entstehe immer mehr Staub. Bei Regen hingegen würden die Wege dann matschig.

Der gesperrte Diekweg verursache an anderer Stelle, nämlich auf der Südfelder Straße, ein höheres Verkehrsaufkommen. Aus diesem Grund habe sich in ihrer Ortschaft eine Bürgerinitiative gegründet, die nun Unterschriften sammele. Eine wassergebundene Decke könne in Teilen sinnvoll sein – aber nicht, wenn Ortschaften abgeschnitten würden, sagte sie. Das sei in einer nicht-kompakten Ortschaft wie Friedewalde der Fall, hier sprach sie das Beispiel Bohnhorster und Ossenwalder Weg an. Sie unterstütze die angedachte Lösung der Verwaltung, umklappbare Poller zu installieren, die die Bewirtschaftung der Felder ermöglichen und den Durchgangsverkehr stoppen.

Eine zurückgebaute Straße könne nicht mehr die Qualität aufweisen, die sie vorher hatte, erklärte Bauamtsleiter Kay Busche. Er verwies auf die enormen Preisunterschiede: Die Asphaltierung koste pro laufendem Meter 150 Euro, die Herstellung einer wassergebundenen Decke hingegen nur 7,50 Euro. Am Diekweg wurde ein Verbotsschild für Fahrzeuge aller Art aufgestellt, dazu kam das Zusatzzeichen „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“. Letztlich seien es die vielen Verkehrsteilnehmer gewesen, die sich weder daran noch an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hielten, die zum Fräsen und anschließenden Sperren des Diekwegs führten.

Ob man möglicherweise Fördergelder für den Wegeunterhalt akquirieren könne, frage Jaqueline Lauf (CDU). Sie hält es für wichtig, dass die Strecken mit wassergebundener Decke für Radfahrer/Touristen nutzbar seien. Auch müsse man die Thematik insgesamt noch stärker kommunizieren, etwa mit den Ortsbürgermeistern besprechen.

Das brachte die Sozialdemokratin Helma Owczarski in Rage. Das Wirtschaftswegekonzept sei 2015 sehr intensiv diskutiert worden. Dass man künftig gemachte Erfahrungen einfließen lassen könnte, sei ja durchaus denkbar. Aber man müsse vor allem die Kosten im Blick haben. Sie glaube jedenfalls nicht, dass die Bürger sich – vergleichbar wie in Niedersachsen – auch am Ausbau von Wegen im Außenbereich beteiligen möchten. Der Bürgermeister sah das ähnlich. Er sprach von einem Unterhaltungsstau von 32 Millionen Euro und einer ellenlangen Prioritätenliste. Die einzige Chance sei tatsächlich, die Bürger auch im Außenbereich zur Kasse zu bitten – und so etwas „wollen wir nicht einführen“. Das Kernproblem jedenfalls sei nur mit viel Geld zu lösen.

Dieses Grundproblem liegt im 1.000 Kilometer langen Straßennetz der Stadt Petershagen, stellte Frank Stuke von der Bauverwaltung dar. Im vergangenen Jahr wurden Arbeiten an der Bankette auf 48 Kilometern (50.500 Euro) sowie auf gut 500 Kilometern an Gräben (47.275) ausgeführt, insgesamt gab die Stadt für Straßen- und Wegebau rund 483.000 Euro aus – ein Plus von 14.000 Euro.

Als Wirtschaftsweg bezeichnet man alle Wege außerhalb geschlossener Ortschaften, die keine Hauptverbindung darstellen. Von den 1.000 Kilometern in Petershagen betrifft das 877 Kilometer. Knapp 400 Kilometer davon sind seit Aufstellung des Konzepts asphaltiert worden, sieben bis acht Kilometer erhielten seit 2015 eine wassergebundene Decke (im Volksmund als Schreddern bezeichnet). 80 Kilometer Wege mit wassergebundener Decke seien im Vorjahr erneuert worden.

Häufig fielen Schwachstellen bei regelmäßigen Kontrollen auf, sagte Bauamtsleiter Kay Busche. Darüber hinaus melden Bürger oder Ortsbürgermeister Schäden. Im Idealfall könne man einfach das Schlagloch auffüllen. Häufig sei es so, dass in kurzer Zeit aus dem kleinen Loch ein großes entstehe.

Zum Teil seien die Wege dann nicht mehr zu retten. In solchen Fällen müsse die Stadt schnell handeln und zum Teil den Abschnitt sperren. Die Verwaltung treffe sich zum Austausch mit Betroffenen und suche nach einer sinnvollen und kostengünstigen Lösung. Dieses Vorgehen führte dazu, dass im letzten Jahr 3,75 Kilometer Straße zurückgebaut wurden. Das betrifft die Bereiche Im Schaffeld, Schierberg und Hasenkamp.

Um schneller und preiswerter auf Mängel reagieren zu können, schaffte die Stadt in diesem Jahr eine Pflegefräse an. Diese sei etwa am Ilser Schierberg eingesetzt worden. „Und das sieht gut aus“, so Busche. Er machte eindringlich klar, dass Rückbauten künftig nicht vermieden werden können. „Wir können es nicht allen recht machen.“

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