Sanierung der Straßenbeleuchtung in Petershagen wird teuer Claudia Hyna Petershagen. Die Sanierung der Straßenbeleuchtung kommt Petershagen teuer zu stehen – birgt auf der anderen Seite aber auch „ein Riesen-Einsparpotenzial“. Das machte Markus Skeide vom gleichnamigen Büro aus Rheinberg bei seiner Präsentation im Ausschuss für Infrastruktur deutlich. Er ging sogar noch weiter: Selten sei die Einsparung bei einer Umstellung so immens wie im Fall der Stadt Petershagen. Die Politiker hatten keinen Beschluss zu fassen, diskutierten gleichwohl aber das Für und Wider einer zügigen Umstellung auf LED. Denn eines sei klar: 2023 komme das endgültige Eu-weite Aus für Leuchtstofflampen. „Darauf müssen Sie reagieren“, sagte der Diplom-Ingenieur. Von diesen sind in Petershagen 320 verbaut, dazu kommen 2.590 Natriumdampf-Hochdrucklampen sowie 1.325 Quecksilberdampf-Hochdrucklampen (dürfen seit 2024 in der EU nicht mehr verkauft werden).Während deutschlandweit durchschnittlich eine Leuchte auf zehn Einwohner kommt, stellt sich das in Petershagen anders dar. Hier gibt es bei 25.300 Einwohnern rund 4.000 Leuchtensysteme, von denen die meisten mindestens 25 Jahre alt sind. Und obwohl die Laternen im Juni und Juli im Stadtgebiet überhaupt nicht brennen, sei der Stromverbrauch „exorbitant hoch“, so Skeide.Im Moment praktiziere Petershagen die ereignisbezogene Wartung, heißt: Wenn eine Lampe ausfällt, werde repariert. „Das ist die teuerste Art und Weise, wie man das handhaben kann.“ Das sei ähnlich wie bei einem Auto: Wenn hier jahrelang keine Inspektion vorgenommen werde, entstehe großer Nachholbedarf. An dem Punkt sei man nun angelangt.Neben zahlreichen Vorteilen hat die Umstellung vor allem einen Nachteil: Die hohen Kosten. Wenn alle 4.000 Leuchten ersetzt würden, käme man auf eine Summe von 1,9 Millionen Euro, inklusive Demontage, Entsorgung, Material und Montage. Einige Masten seien ebenfalls in die Jahre gekommen. Markus Skeide riet auch hier, über einen Austausch nachzudenken.Jährlich könnten nach einer vollständigen Sanierung (mit Nachtabschaltung von 23 bis 6 Uhr) die Energiekosten um 108.000 Euro pro Jahr verringert werden. Das bedeute eine Einsparung um mehr als 60 Prozent der jetzigen Kosten. Über zehn Jahre bedeute das eine Reduktion um 1,2 Millionen Euro. Skeide machte auch deutlich, dass der Ersatz aller 4.000 Leuchten förderfähig sei. Das treffe allerdings nur dann zu, wenn die Stadt sich von der Nachtabschaltung trenne, sagte er. Eine Umstellung sei in jedem Fall sinnvoll, denn: „Das rechnet sich fast von selbst.“Geringere Stromkosten (362.800 Kilowattstunden weniger) bedeuten auch eine verminderte Umweltbelastung: Mit neuer Technik produziere Petershagen pro Jahr 185 Tonnen Kohlendioxid weniger.Bei den derzeit verwendeten Leuchten entsteht ein Lichtstromverlust, nur ein geringer Teil des Lichtes gelange auf die Straße. Bei LED komme das Licht auch auf die Straße. Außerdem sei das Leuchten mit 100 Prozent Direktstrahlung in den Verkehrsraum auch aktiver Insekten- und Artenschutz. Weniger Licht falle somit in Vorgärten und an Fassaden. LED- Leuchten mit einer Stärke von 3.000 Kelvin hätten einen geringeren Blauanteil. Dieser ist vor allem dafür verantwortlich, Insekten anzuziehen. Im übrigen seien ab 2022 ohnehin in der EU nur noch Leuchten mit 3.000 Kelvin zugelassen.Ob es möglicherweise in einigen Jahren wieder eine neue Technik gebe, fragte Helma Owczarksi (SPD) nach. Nach Skeides Worten sei aktuell ein guter wissenschaftlicher Stand erreicht, der nicht mehr deutlich steigerungsfähig sei. LED-Leuchten seien außerdem unempfindlich gegenüber Erschütterungen und häufiges Schalten, variabel steuerbar, dimmbar und sie kommen ohne Quecksilber aus. Im Gegensatz zu konventionellen Leuchten können sie aber nur komplett im System ausgetauscht werden.Für die Umsetzung und Instandhaltung der Straßenbeleuchtung gebe es drei Möglichkeiten: in Eigenregie der Stadt, durch Übertragung an einen Contractor (Auftragnehmer) oder an einen Gesamtdienstleister. Letzteres favorisiert der Vortragende, denn hier liegen Sanierung, Abrechnung und Instandhaltung in einer Hand. Nachteil sei die längere Vertragslaufzeit von zehn bis 15 Jahren. Ebenso spricht er sich für eine Komplettsanierung aller Leuchten im Jahr 2023/2024 aus. Dafür gebe es gute Gründe, etwa den Einkaufsvorteil und den geringeren Verwaltungsaufwand. Im Zuge der Sanierung könnten auch die Masten geprüft werden. Das sei deutlich günstiger, als ein Kataster zu erstellen. Auf dem Weg zur neuen Beleuchtung solle man die Bürger mitnehmen, forderte er. Vorstellbar sei etwa, eine Musterstraße mit Lampen aufzubauen. Der Vortrag stieß bei den Politikern aller Parteien auf positive Zustimmung. SPD-Fraktionsvorsitzender Friedrich Lange wies darauf hin, dass sich die SPD bereits vor elf Jahren für eine Modernisierung der Lampen in der Stadt eingesetzt habe. Das sei damals dem Haushaltsicherungskonzept zum Opfer gefallen. Genau wie Wolfgang Riesner (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßte er daher die Wiederaufnahme des Themas. Riesner machte sich für eine Diskussion stark, ob wirklich auch in der „Prärie“ jede Lampe gebraucht werde, Stichwort: Lichtverschmutzung. Das könne doch mit den Bewohnern besprochen werden. Darüber hinaus müsse man – wenn man die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad wirklich wolle – an verschiedenen Ecken Verzicht leisten. Er hielt es für unsinnig, dass Modelle gefördert werden, bei denen der Stromverbrauch größer ist. Helmut Hevermann (CDU) hielt eine Reduzierung der Lichtpunkte nicht für sinnvoll. Eher könne man die Lichtstärke der Lampen mindern. Fachmann Skeide warnte vor unterschiedlichen Hell- und Dunkelbereichen. Daran könne sich das Auge schlecht anpassen.Auch hielt er nichts davon, einzelne Leuchten dem Straßenraum zu entnehmen. Schließlich müsse die Stadt der Verkehrssicherungspflicht nachkommen. Mit einem Managementsystem könnten die Leuchten zentral gut gesteuert werden – und damit etwa auf Feste mit längerer Brenndauer reagieren. Bauamtsleiter Kay Busche wusste, dass die Nachfrage nach Beleuchtung in den vergangenen Jahren eher größer geworden sei. Die Ausschussteilnehmer wollen das Thema nun in ihre Fraktionsbesprechungen tragen.

Sanierung der Straßenbeleuchtung in Petershagen wird teuer

Bei diesem Leuchtentyp in Petershagen fällt nur ein geringer Teil des Lichtes auf die Straße. MT-Foto: Oliver Plöger

Petershagen. Die Sanierung der Straßenbeleuchtung kommt Petershagen teuer zu stehen – birgt auf der anderen Seite aber auch „ein Riesen-Einsparpotenzial“. Das machte Markus Skeide vom gleichnamigen Büro aus Rheinberg bei seiner Präsentation im Ausschuss für Infrastruktur deutlich. Er ging sogar noch weiter: Selten sei die Einsparung bei einer Umstellung so immens wie im Fall der Stadt Petershagen.

Die Politiker hatten keinen Beschluss zu fassen, diskutierten gleichwohl aber das Für und Wider einer zügigen Umstellung auf LED. Denn eines sei klar: 2023 komme das endgültige Eu-weite Aus für Leuchtstofflampen. „Darauf müssen Sie reagieren“, sagte der Diplom-Ingenieur. Von diesen sind in Petershagen 320 verbaut, dazu kommen 2.590 Natriumdampf-Hochdrucklampen sowie 1.325 Quecksilberdampf-Hochdrucklampen (dürfen seit 2024 in der EU nicht mehr verkauft werden).

Während deutschlandweit durchschnittlich eine Leuchte auf zehn Einwohner kommt, stellt sich das in Petershagen anders dar. Hier gibt es bei 25.300 Einwohnern rund 4.000 Leuchtensysteme, von denen die meisten mindestens 25 Jahre alt sind. Und obwohl die Laternen im Juni und Juli im Stadtgebiet überhaupt nicht brennen, sei der Stromverbrauch „exorbitant hoch“, so Skeide.

Im Moment praktiziere Petershagen die ereignisbezogene Wartung, heißt: Wenn eine Lampe ausfällt, werde repariert. „Das ist die teuerste Art und Weise, wie man das handhaben kann.“ Das sei ähnlich wie bei einem Auto: Wenn hier jahrelang keine Inspektion vorgenommen werde, entstehe großer Nachholbedarf. An dem Punkt sei man nun angelangt.

Neben zahlreichen Vorteilen hat die Umstellung vor allem einen Nachteil: Die hohen Kosten. Wenn alle 4.000 Leuchten ersetzt würden, käme man auf eine Summe von 1,9 Millionen Euro, inklusive Demontage, Entsorgung, Material und Montage. Einige Masten seien ebenfalls in die Jahre gekommen. Markus Skeide riet auch hier, über einen Austausch nachzudenken.

Jährlich könnten nach einer vollständigen Sanierung (mit Nachtabschaltung von 23 bis 6 Uhr) die Energiekosten um 108.000 Euro pro Jahr verringert werden. Das bedeute eine Einsparung um mehr als 60 Prozent der jetzigen Kosten. Über zehn Jahre bedeute das eine Reduktion um 1,2 Millionen Euro. Skeide machte auch deutlich, dass der Ersatz aller 4.000 Leuchten förderfähig sei. Das treffe allerdings nur dann zu, wenn die Stadt sich von der Nachtabschaltung trenne, sagte er. Eine Umstellung sei in jedem Fall sinnvoll, denn: „Das rechnet sich fast von selbst.“

Geringere Stromkosten (362.800 Kilowattstunden weniger) bedeuten auch eine verminderte Umweltbelastung: Mit neuer Technik produziere Petershagen pro Jahr 185 Tonnen Kohlendioxid weniger.

Bei den derzeit verwendeten Leuchten entsteht ein Lichtstromverlust, nur ein geringer Teil des Lichtes gelange auf die Straße. Bei LED komme das Licht auch auf die Straße. Außerdem sei das Leuchten mit 100 Prozent Direktstrahlung in den Verkehrsraum auch aktiver Insekten- und Artenschutz. Weniger Licht falle somit in Vorgärten und an Fassaden. LED- Leuchten mit einer Stärke von 3.000 Kelvin hätten einen geringeren Blauanteil. Dieser ist vor allem dafür verantwortlich, Insekten anzuziehen.

Im übrigen seien ab 2022 ohnehin in der EU nur noch Leuchten mit 3.000 Kelvin zugelassen.

Ob es möglicherweise in einigen Jahren wieder eine neue Technik gebe, fragte Helma Owczarksi (SPD) nach. Nach Skeides Worten sei aktuell ein guter wissenschaftlicher Stand erreicht, der nicht mehr deutlich steigerungsfähig sei. LED-Leuchten seien außerdem unempfindlich gegenüber Erschütterungen und häufiges Schalten, variabel steuerbar, dimmbar und sie kommen ohne Quecksilber aus. Im Gegensatz zu konventionellen Leuchten können sie aber nur komplett im System ausgetauscht werden.

Für die Umsetzung und Instandhaltung der Straßenbeleuchtung gebe es drei Möglichkeiten: in Eigenregie der Stadt, durch Übertragung an einen Contractor (Auftragnehmer) oder an einen Gesamtdienstleister. Letzteres favorisiert der Vortragende, denn hier liegen Sanierung, Abrechnung und Instandhaltung in einer Hand. Nachteil sei die längere Vertragslaufzeit von zehn bis 15 Jahren. Ebenso spricht er sich für eine Komplettsanierung aller Leuchten im Jahr 2023/2024 aus. Dafür gebe es gute Gründe, etwa den Einkaufsvorteil und den geringeren Verwaltungsaufwand.

Im Zuge der Sanierung könnten auch die Masten geprüft werden. Das sei deutlich günstiger, als ein Kataster zu erstellen. Auf dem Weg zur neuen Beleuchtung solle man die Bürger mitnehmen, forderte er. Vorstellbar sei etwa, eine Musterstraße mit Lampen aufzubauen.

Der Vortrag stieß bei den Politikern aller Parteien auf positive Zustimmung. SPD-Fraktionsvorsitzender Friedrich Lange wies darauf hin, dass sich die SPD bereits vor elf Jahren für eine Modernisierung der Lampen in der Stadt eingesetzt habe. Das sei damals dem Haushaltsicherungskonzept zum Opfer gefallen. Genau wie Wolfgang Riesner (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßte er daher die Wiederaufnahme des Themas. Riesner machte sich für eine Diskussion stark, ob wirklich auch in der „Prärie“ jede Lampe gebraucht werde, Stichwort: Lichtverschmutzung. Das könne doch mit den Bewohnern besprochen werden. Darüber hinaus müsse man – wenn man die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad wirklich wolle – an verschiedenen Ecken Verzicht leisten. Er hielt es für unsinnig, dass Modelle gefördert werden, bei denen der Stromverbrauch größer ist. Helmut Hevermann (CDU) hielt eine Reduzierung der Lichtpunkte nicht für sinnvoll. Eher könne man die Lichtstärke der Lampen mindern. Fachmann Skeide warnte vor unterschiedlichen Hell- und Dunkelbereichen. Daran könne sich das Auge schlecht anpassen.

Auch hielt er nichts davon, einzelne Leuchten dem Straßenraum zu entnehmen. Schließlich müsse die Stadt der Verkehrssicherungspflicht nachkommen. Mit einem Managementsystem könnten die Leuchten zentral gut gesteuert werden – und damit etwa auf Feste mit längerer Brenndauer reagieren. Bauamtsleiter Kay Busche wusste, dass die Nachfrage nach Beleuchtung in den vergangenen Jahren eher größer geworden sei. Die Ausschussteilnehmer wollen das Thema nun in ihre Fraktionsbesprechungen tragen.

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