Rost, Brüche und Risse: Brücken in Petershagen sollen saniert werden Claudia Hyna Petershagen. Brüche, Rost, Risse: Die Beschreibung einiger Brücken im Stadtgebiet ist vor allem eine Aufzählung von Mängeln. Aber Brücken sind auch gewachsene Verbindungen – und daher wehren sich die Mitglieder des Ausschusses für Infrastruktur gegen manche geplante Stilllegung. Dem Großteil der vorgeschlagenen Vorhaben der Verwaltung stimmten sie zu. Für 83 Brücken ist die Stadt Petershagen zuständig. Diese müssen alle drei Jahre geprüft werden, zusätzlich seien Sichtkontrollen nötig, erläutert Bauamtsleiter Kay Busche – und die daraus resultierende Instandhaltung. Bei den Prüfungen in den Jahren 2018 bis 2020 seien massive Schäden entdeckt worden. Die Hälfte der Bauwerke wurde als noch befriedigend eingestuft, bei der anderen Hälfte bestand großer Handlungsbedarf oder sie sei nur mit einem Neubau zu retten. 41 Brücken können im laufenden Betrieb saniert werden. Dabei sei etwa ein neuer Anstrich, ein neues Geländer oder eine Asphaltdecke nötig. Für diese Arbeiten reiche eine Sperrung von ein bis zwei Tagen. Bei den restlichen 42 Bauwerken müssen größere Investitionen getätigt werden. Für 21 Bauwerke hat ein Ingenieurbüro ein Konzept erstellt. Bei neun dieser betroffenen Brücken ist zügiges Handeln notwendig, außerdem sollen Fördermöglichkeiten geprüft werden. Es sei mit Kosten von 1,1 Millionen Euro zu rechnen. Alle zwei Jahre solle ein Neubau realisiert werden. Beratungsbedarf „Wir müssen schnell in Gang kommen, denn der Zustand wird immer schlechter“, mahnte SPD-Fraktionsvorsitzender Friedrich Lange. Doch bei drei Brücken sah ein Teil der Politiker noch Diskussionsbedarf. Dieser betraf die Brücken in Lahde (An der Koppel), in Wietersheim, (Unterdorf) sowie in Petershagen (Teichmühlenstraße). Wegen massiver Schäden (Fundament, Rost, Geländer nicht ausreichend) soll die Brücke An der Koppel so schnell wie möglich zurückgebaut werden. Sie ist ohnehin seit 2018 gesperrt, die Schilder werden jedoch immer wieder entfernt. Für den Rückbau dieses sogenannten Auestegs sind Kosten von 10.000 Euro veranschlagt. Die FDP wünscht sich hingegen einen Neubau. Im Gebiet der Stadt Petershagen gebe es 7.000 Angler. Für sie gebe es – wegen der Naturschutzgebiete – immer weniger Brücken, „da werden uns zunehmend Steine in den Weg gelegt“, sagte Jens Müller (FDP). Den Antrag der Freien Demokraten lehnte der Ausschuss ab, der auch den Neubau der Brücke in Wietersheim, Unterdorf, betraf. Diese soll nach Wunsch der Verwaltung dauerhaft für den Kfz-Verkehr gesperrt werden, um die Lebensdauer zu erhöhen. Das Wirtschaftswegekonzept sieht sogar die ersatzlose Streichung vor. Das sieht die Verwaltung anders, die die Brücke für 10.000 Euro für Radfahrer und Fußgänger sanieren möchte. Es kam die Frage nach der Nutzbarkeit für die Landwirte auf. Friedrich Lange gab zu bedenken, dass der landwirtschaftliche Verkehr im Fall einer Sperrung durchs Dorf fahren müsse. Für den heutigen landwirtschaftlichen Verkehr sei die knapp drei Meter breite Straße gar nicht geeignet, meinte Wolfgang Riesner, sachkundiger Bürger bei Bündnis 90/Die Grünen. Dafür bräuchte es ein komplett neues Bauwerk – für das hingegen der Weg nicht reiche. Ein Neubau müsse ein Geländer haben, darauf wies der Bauamtsleiter hin – dann käme aber kein Mähdrescher mehr durch. Schon im jetzigen Zustand würden die Baken wiederholt beschädigt. Perspektivisch solle die Straße eine wassergebundene Decke erhalten. Die Teichmühlenstraße in Petershagen soll nur für den Fuß- und Radverkehr instand gesetzt, für den Kraftzeugverkehr hingegen soll sie gesperrt werden. Das sieht auch das Wirtschaftswegekonzept vor. Doch dagegen regt sich Widerstand im Ort. Wilhelm Lange (CDU) möchte prüfen lassen, ob eine Abstufung von zwölf auf sechs Tonnen in Frage käme. Um eine Einschätzung zu bekommen, wie sehr die Strecke genutzt werde, regte der Christdemokrat eine Verkehrszählung an. Kay Busche machte klar, dass eine Instandsetzung für den Kfz-Verkehr einen Neubau bedeuten würde. Dieser würde mindestens 200.000 Euro kosten, die geplante Sanierung ist bisher mit 35.000 Euro veranschlagt. Helma Owczarski (SPD) fragte nach der Kosten-Nutzen-Relation: „Können wir eine umfangreiche Restaurierung vertreten?“ Schließlich seien es nur Einzelne, die die Brücke als Abkürzung nutzten. Im übrigen widerspreche das dem Ziel der Verkehrsberuhigung. „Da müssen wir stark bleiben.“ Bisher sei keine Brücke in Zusammenhang mit der Pkw-Nutzung betrachtet worden, ergänzte Kay Busche. Er stellte eine Verkehrsbeobachtung an der Teichmühlenstraße in Aussicht. Dabei dürfe aber die Dauer nicht vergessen werden. „Die Zeit spielt gegen uns“, sagte er. Neubau Die Brücke über die Aue in Lahde (Fährstraße/Am Wehr) ist bereits auf sechs Tonnen abgelastet. Wegen der großen Schäden an der Substanz ist ein Erhalt nicht wirtschaftlich, ein Neubau an anderer Stelle (nördlich) ist vorgesehen. Eine Behelfsbrücke werde in der Bauphase nicht benötigt. Diese werde rund ein Jahr dauern und 660.000 Euro kosten. Die Verwaltung bemüht sich um eine Förderung. Ähnlich sieht es an den Meierhöfen in Lahde aus (Klostermühle), auch hier lohne eine Sanierung nicht. Die Erneuerung ist mit 210.000 Euro veranschlagt. Die Entwurfsplanung beginnt 2022. Die sogenannte rote Brücke in Hävern/Buchholz ist seit Jahren ein Thema. Sie ist derart stark beschädigt, dass das Ingenieurbüro aufgrund der Unwirtschaftlichkeit der Instandsetzung zu einem Neubau rät. Die Kosten betragen rund 90.000 Euro. Unterbleibt dieser, müsste sie für Fahrzeuge gesperrt werden, aktuell ist das Bauwerk auf eine Last von 3,5 Tonnen beschränkt. Sanierung Den Plänen für die weiteren Brücken stimmten die Ausschussmitglieder zu. Dabei handelt es sich um Großenheerse (Verbindung K5 – Großenheerser Südholz). Diese soll für 15.000 Euro für Fußgänger und Radler saniert werden. Das Geländer ist defekt, es gibt Risse im Beton, das Fundament liegt frei und die Fahrbahn ist schadhaft. Die Brücke am Lahder Schützenhaus ist sanierfähig – wenn die Begrenzung auf 16 Tonnen erhalten bleibt. Die Arbeiten sollen zeitnah erfolgen, Kostenpunkt: 65.000 Euro. Rückbau Die Brücke in Hävern, Häverner Marsch, soll für 15.000 Euro zurückgebaut werden, hier gibt es kein Geländer, das Bauwerk ist durchfault und verrostet. Sie dient bisher als Feldzufahrt in das Naturschutzgebiet Häverner Marsch. Neben diesen 21 Brücken bleiben weitere 63 weitere Brücken, die aus ähnlichen Baujahren stammen, so der Bauamtsleiter. Auch um die muss sich die Stadt in den nächsten Jahren kümmern. „Wir haben die Verkehrssicherungspflicht.“

Rost, Brüche und Risse: Brücken in Petershagen sollen saniert werden

brücke Foto: hy © pr

Petershagen. Brüche, Rost, Risse: Die Beschreibung einiger Brücken im Stadtgebiet ist vor allem eine Aufzählung von Mängeln. Aber Brücken sind auch gewachsene Verbindungen – und daher wehren sich die Mitglieder des Ausschusses für Infrastruktur gegen manche geplante Stilllegung. Dem Großteil der vorgeschlagenen Vorhaben der Verwaltung stimmten sie zu.

Für 83 Brücken ist die Stadt Petershagen zuständig. Diese müssen alle drei Jahre geprüft werden, zusätzlich seien Sichtkontrollen nötig, erläutert Bauamtsleiter Kay Busche – und die daraus resultierende Instandhaltung. Bei den Prüfungen in den Jahren 2018 bis 2020 seien massive Schäden entdeckt worden. Die Hälfte der Bauwerke wurde als noch befriedigend eingestuft, bei der anderen Hälfte bestand großer Handlungsbedarf oder sie sei nur mit einem Neubau zu retten. 41 Brücken können im laufenden Betrieb saniert werden. Dabei sei etwa ein neuer Anstrich, ein neues Geländer oder eine Asphaltdecke nötig. Für diese Arbeiten reiche eine Sperrung von ein bis zwei Tagen. Bei den restlichen 42 Bauwerken müssen größere Investitionen getätigt werden. Für 21 Bauwerke hat ein Ingenieurbüro ein Konzept erstellt. Bei neun dieser betroffenen Brücken ist zügiges Handeln notwendig, außerdem sollen Fördermöglichkeiten geprüft werden. Es sei mit Kosten von 1,1 Millionen Euro zu rechnen. Alle zwei Jahre solle ein Neubau realisiert werden.

Beim Bauwerk am Unterdorf in Wietersheim werden die Baken wiederholt beschädigt. MT-Fotos: Claudia Hyna - © hy
Beim Bauwerk am Unterdorf in Wietersheim werden die Baken wiederholt beschädigt. MT-Fotos: Claudia Hyna - © hy

Beratungsbedarf

„Wir müssen schnell in Gang kommen, denn der Zustand wird immer schlechter“, mahnte SPD-Fraktionsvorsitzender Friedrich Lange. Doch bei drei Brücken sah ein Teil der Politiker noch Diskussionsbedarf. Dieser betraf die Brücken in Lahde (An der Koppel), in Wietersheim, (Unterdorf) sowie in Petershagen (Teichmühlenstraße). Wegen massiver Schäden (Fundament, Rost, Geländer nicht ausreichend) soll die Brücke An der Koppel so schnell wie möglich zurückgebaut werden. Sie ist ohnehin seit 2018 gesperrt, die Schilder werden jedoch immer wieder entfernt. Für den Rückbau dieses sogenannten Auestegs sind Kosten von 10.000 Euro veranschlagt. Die FDP wünscht sich hingegen einen Neubau. Im Gebiet der Stadt Petershagen gebe es 7.000 Angler. Für sie gebe es – wegen der Naturschutzgebiete – immer weniger Brücken, „da werden uns zunehmend Steine in den Weg gelegt“, sagte Jens Müller (FDP).

Der Auesteg ist gesperrt und soll zurückgebaut werden – späterer Neubau nicht ausgeschlossen. Foto: privat - © pr
Der Auesteg ist gesperrt und soll zurückgebaut werden – späterer Neubau nicht ausgeschlossen. Foto: privat - © pr

Den Antrag der Freien Demokraten lehnte der Ausschuss ab, der auch den Neubau der Brücke in Wietersheim, Unterdorf, betraf. Diese soll nach Wunsch der Verwaltung dauerhaft für den Kfz-Verkehr gesperrt werden, um die Lebensdauer zu erhöhen. Das Wirtschaftswegekonzept sieht sogar die ersatzlose Streichung vor. Das sieht die Verwaltung anders, die die Brücke für 10.000 Euro für Radfahrer und Fußgänger sanieren möchte. Es kam die Frage nach der Nutzbarkeit für die Landwirte auf. Friedrich Lange gab zu bedenken, dass der landwirtschaftliche Verkehr im Fall einer Sperrung durchs Dorf fahren müsse. Für den heutigen landwirtschaftlichen Verkehr sei die knapp drei Meter breite Straße gar nicht geeignet, meinte Wolfgang Riesner, sachkundiger Bürger bei Bündnis 90/Die Grünen. Dafür bräuchte es ein komplett neues Bauwerk – für das hingegen der Weg nicht reiche. Ein Neubau müsse ein Geländer haben, darauf wies der Bauamtsleiter hin – dann käme aber kein Mähdrescher mehr durch. Schon im jetzigen Zustand würden die Baken wiederholt beschädigt. Perspektivisch solle die Straße eine wassergebundene Decke erhalten.

Risse im Beton, freiliegende Fundamente: Die Brücke an der Lahder Fährstraße/Am Wehr soll neu gebaut werden. - © hy
Risse im Beton, freiliegende Fundamente: Die Brücke an der Lahder Fährstraße/Am Wehr soll neu gebaut werden. - © hy

Die Teichmühlenstraße in Petershagen soll nur für den Fuß- und Radverkehr instand gesetzt, für den Kraftzeugverkehr hingegen soll sie gesperrt werden. Das sieht auch das Wirtschaftswegekonzept vor. Doch dagegen regt sich Widerstand im Ort.

Wilhelm Lange (CDU) möchte prüfen lassen, ob eine Abstufung von zwölf auf sechs Tonnen in Frage käme. Um eine Einschätzung zu bekommen, wie sehr die Strecke genutzt werde, regte der Christdemokrat eine Verkehrszählung an. Kay Busche machte klar, dass eine Instandsetzung für den Kfz-Verkehr einen Neubau bedeuten würde. Dieser würde mindestens 200.000 Euro kosten, die geplante Sanierung ist bisher mit 35.000 Euro veranschlagt. Helma Owczarski (SPD) fragte nach der Kosten-Nutzen-Relation: „Können wir eine umfangreiche Restaurierung vertreten?“ Schließlich seien es nur Einzelne, die die Brücke als Abkürzung nutzten. Im übrigen widerspreche das dem Ziel der Verkehrsberuhigung. „Da müssen wir stark bleiben.“

Bisher sei keine Brücke in Zusammenhang mit der Pkw-Nutzung betrachtet worden, ergänzte Kay Busche. Er stellte eine Verkehrsbeobachtung an der Teichmühlenstraße in Aussicht. Dabei dürfe aber die Dauer nicht vergessen werden. „Die Zeit spielt gegen uns“, sagte er.

Neubau

Die Brücke über die Aue in Lahde (Fährstraße/Am Wehr) ist bereits auf sechs Tonnen abgelastet. Wegen der großen Schäden an der Substanz ist ein Erhalt nicht wirtschaftlich, ein Neubau an anderer Stelle (nördlich) ist vorgesehen. Eine Behelfsbrücke werde in der Bauphase nicht benötigt. Diese werde rund ein Jahr dauern und 660.000 Euro kosten. Die Verwaltung bemüht sich um eine Förderung. Ähnlich sieht es an den Meierhöfen in Lahde aus (Klostermühle), auch hier lohne eine Sanierung nicht. Die Erneuerung ist mit 210.000 Euro veranschlagt. Die Entwurfsplanung beginnt 2022.

Die sogenannte rote Brücke in Hävern/Buchholz ist seit Jahren ein Thema. Sie ist derart stark beschädigt, dass das Ingenieurbüro aufgrund der Unwirtschaftlichkeit der Instandsetzung zu einem Neubau rät. Die Kosten betragen rund 90.000 Euro. Unterbleibt dieser, müsste sie für Fahrzeuge gesperrt werden, aktuell ist das Bauwerk auf eine Last von 3,5 Tonnen beschränkt.

Sanierung

Den Plänen für die weiteren Brücken stimmten die Ausschussmitglieder zu. Dabei handelt es sich um Großenheerse (Verbindung K5 – Großenheerser Südholz). Diese soll für 15.000 Euro für Fußgänger und Radler saniert werden. Das Geländer ist defekt, es gibt Risse im Beton, das Fundament liegt frei und die Fahrbahn ist schadhaft.

Die Brücke am Lahder Schützenhaus ist sanierfähig – wenn die Begrenzung auf 16 Tonnen erhalten bleibt. Die Arbeiten sollen zeitnah erfolgen, Kostenpunkt: 65.000 Euro.

Rückbau

Die Brücke in Hävern, Häverner Marsch, soll für 15.000 Euro zurückgebaut werden, hier gibt es kein Geländer, das Bauwerk ist durchfault und verrostet. Sie dient bisher als Feldzufahrt in das Naturschutzgebiet Häverner Marsch.

Neben diesen 21 Brücken bleiben weitere 63 weitere Brücken, die aus ähnlichen Baujahren stammen, so der Bauamtsleiter. Auch um die muss sich die Stadt in den nächsten Jahren kümmern. „Wir haben die Verkehrssicherungspflicht.“

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