Petershagen macht mit beim Pilotprojekt Schülerticket Claudia Hyna Petershagen. Mal eben am Wochenende zum Shoppen und Sightseeing nach Münster? Das ist zukünftig kein Problem mehr für die Schüler der Stadt Petershagen. Die Kommune beteiligt sich am Pilotprojekt Schülerticket Westfalen. Das hat der Ausschuss für Schule und Sport beschlossen. Die ganzjährig im Schul- und Freizeitbereich nutzbare Fahrkarte soll einen positiven Beitrag zum Klimawandel leisten, sagte Gabriela Spreyer von OWL Verkehr bei der Vorstellung in der Sekundarschule. So solle die Akzeptanz des Öffentlichen Personennahverkehrs gesteigert werden. Petershagen bevorzugt dabei das Solidarmodell. In dieser Variante schließt der Schulträger einen Vertrag mit dem Verkehrsunternehmen. Allen Schülern wird ein Ticket zur Verfügung gestellt. Sie erhalten es ohne Zuzahlung für das komplette Schuljahr. Gleichzeitig wird die Möglichkeit zur Rückgabe von Schülerfahrkarten gegen Erstattung von 15 Euro zum 31. Januar 2022 eingestellt. Hintergrund: Schülerinnen und Schüler, die städtische Schulen besuchen, haben einen Anspruch auf Fahrtkostenerstattung. Gewöhnlich erhalten sie ein Fahrticket, um per Bus zur Schule und zurück zu fahren. Einen Anspruch hat, wer mehr als zwei Kilometer (Primarstufe), mehr als 3,5 Kilometer (Sekundarstufe I sowie Einführungsphase des achtjährigen Gymnasiums) und wer mehr als fünf Kilometer (Sekundarstufe II) von der Schule entfernt wohnt. Das neue Westfalenticket ist für alle 2.500 Schüler der Stadt Petershagen. Bisher haben knapp 900 Schüler keinen Anspruch auf ein Ticket. Der Schulträger kauft für diese Schüler ein Monatsticket zu einem Betrag in Höhe von 15 Euro. Jährlich entsteht somit pro Schüler ein Betrag von 180 Euro. Die Aufwendungen für alle Chill- und Schulwegtickets beliefen sich im vergangenen Jahr auf 1,375 Millionen Euro. Mit dem Schülerticket Westfalen erhalten die Kinder/Jugendlichen neue Möglichkeiten im Rahmen der Mobilität, werden selbst mobiler und sind weniger auf die Fahrdienste der Eltern angewiesen. Diesen Aspekt lobte Helga Berg (CDU). Das sei attraktiv, vor allem auch in den Ferien, sagte die Politikerin. Und in Hinblick auf den Klimawandel: Man müsse die Kinder an den ÖPNV heranführen. Das Ticket sei ein gutes Mittel. Die Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs für Linien und Linienbündel im Stadtgebiet Petershagen erfolgt durch Fahrgasterlöse, den von der Stadt Petershagen im Rahmen der Schülerbeförderung erworbenen Chill- bzw. Schülertickets sowie verschiedenen Fördermitteln von Bund, Land und EU. Decken diese Einnahmen die Aufwendungen, werden aus den Überschüssen Rücklagen gebildet, die in zukünftigen Jahren eingesetzt werden. Übersteigen die Ausgaben die Einnahmen und stehen Rücklagen nicht mehr zur Verfügung, trägt die Stadt das Defizit. Für 2021 wird ein Verlust erwartet. Im Haushaltsjahr 2021 sind 500.000 Euro eingestellt. Zukünftig werden weiterhin Jahresergebnisse mit Defizit erwartet. Durch Zulagen und zusätzlich erworbene Tickets würde die Einführung des Schülertickets den Fehlbetrag um rund 159.000 Euro senken. Die Politiker waren überzeugt von dem neuen Angebot. Die SPD habe schon vor vier Jahren angeregt, ein für alle identisches Ticket anzubieten, sagte Helma Owczarski (SPD). „Jetzt wird es endlich Realität." Sie erwähnte den geringen Verwaltungsaufwand als positiven Nebeneffekt. Mit der pilotmäßigen Einführung ist eine Vereinfachung und Vereinheitlichung des Tarifsystems in Westfalen sowie eine erhebliche Reduzierung des Verwaltungsaufwandes für Schulträger und Partner/Verkehrsunternehmen beabsichtigt, heißt es in der Ausschussvorlage. Die Anspruchsprüfung für Tickets, das Ticketerstattungsverfahren sowie Abrechnungen mit niedersächsischen Schülern der Sekundarstufe II entfallen weitgehend. Ob Gruppenfahrten für Schulen weiterhin angemeldet werden müssen, fragte Jaqueline Lauf (CDU). Das sei der Fall, hieß es dazu. Allerdings entfalle die Diskussion, welches Ticket am günstigsten sei und wer eines hat. „Das ist eine Vereinfachung des Tarifdschungels", so Spreyer. Denn hier würden fünf Tickets zusammengeführt (Münsterland-Tarif, Ruhr-Lippe-Tarif, Der Sechser, Hochstift-Tarif, VGWS-Tarif). Außerdem sei der gesamte Nahverkehr eingebunden, also auch S-Bahnen und Co. Alle Schulträger im Kreis Minden-Lübbecke nehmen an dem Pilotprojekt im Rahmen des Solidarmodells teil oder haben ihr Interesse bekundet. Nun müsse getestet werden, wie das Ticket angenommen wird, sagte Gabriela Spreyer. Daher begleitet ein Gutachter die Pilotphase. Schließlich sei es eine andere Situation, wenn jeder ein Ticket hat, das war vorher nicht der Fall. Eines machte sie klar: „Ein Umdenken geschieht nicht von heute auf morgen." Im Zuge des Klimawandels müsse man aber einen Anfang machen.

Petershagen macht mit beim Pilotprojekt Schülerticket

Das neue Schülerticket Westfalen kann auch an den Wochenenden und in den Ferien genutzt werden – an 365 tagen im Jahr. Archivfoto: Roland Weihrauch/dpa © Roland Weihrauch

Petershagen. Mal eben am Wochenende zum Shoppen und Sightseeing nach Münster? Das ist zukünftig kein Problem mehr für die Schüler der Stadt Petershagen. Die Kommune beteiligt sich am Pilotprojekt Schülerticket Westfalen. Das hat der Ausschuss für Schule und Sport beschlossen.

Die ganzjährig im Schul- und Freizeitbereich nutzbare Fahrkarte soll einen positiven Beitrag zum Klimawandel leisten, sagte Gabriela Spreyer von OWL Verkehr bei der Vorstellung in der Sekundarschule. So solle die Akzeptanz des Öffentlichen Personennahverkehrs gesteigert werden.

Petershagen bevorzugt dabei das Solidarmodell. In dieser Variante schließt der Schulträger einen Vertrag mit dem Verkehrsunternehmen. Allen Schülern wird ein Ticket zur Verfügung gestellt. Sie erhalten es ohne Zuzahlung für das komplette Schuljahr. Gleichzeitig wird die Möglichkeit zur Rückgabe von Schülerfahrkarten gegen Erstattung von 15 Euro zum 31. Januar 2022 eingestellt.

Hintergrund: Schülerinnen und Schüler, die städtische Schulen besuchen, haben einen Anspruch auf Fahrtkostenerstattung. Gewöhnlich erhalten sie ein Fahrticket, um per Bus zur Schule und zurück zu fahren. Einen Anspruch hat, wer mehr als zwei Kilometer (Primarstufe), mehr als 3,5 Kilometer (Sekundarstufe I sowie Einführungsphase des achtjährigen Gymnasiums) und wer mehr als fünf Kilometer (Sekundarstufe II) von der Schule entfernt wohnt. Das neue Westfalenticket ist für alle 2.500 Schüler der Stadt Petershagen.

Bisher haben knapp 900 Schüler keinen Anspruch auf ein Ticket. Der Schulträger kauft für diese Schüler ein Monatsticket zu einem Betrag in Höhe von 15 Euro. Jährlich entsteht somit pro Schüler ein Betrag von 180 Euro. Die Aufwendungen für alle Chill- und Schulwegtickets beliefen sich im vergangenen Jahr auf 1,375 Millionen Euro.

Mit dem Schülerticket Westfalen erhalten die Kinder/Jugendlichen neue Möglichkeiten im Rahmen der Mobilität, werden selbst mobiler und sind weniger auf die Fahrdienste der Eltern angewiesen. Diesen Aspekt lobte Helga Berg (CDU). Das sei attraktiv, vor allem auch in den Ferien, sagte die Politikerin. Und in Hinblick auf den Klimawandel: Man müsse die Kinder an den ÖPNV heranführen. Das Ticket sei ein gutes Mittel.

Die Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs für Linien und Linienbündel im Stadtgebiet Petershagen erfolgt durch Fahrgasterlöse, den von der Stadt Petershagen im Rahmen der Schülerbeförderung erworbenen Chill- bzw. Schülertickets sowie verschiedenen Fördermitteln von Bund, Land und EU. Decken diese Einnahmen die Aufwendungen, werden aus den Überschüssen Rücklagen gebildet, die in zukünftigen Jahren eingesetzt werden. Übersteigen die Ausgaben die Einnahmen und stehen Rücklagen nicht mehr zur Verfügung, trägt die Stadt das Defizit. Für 2021 wird ein Verlust erwartet. Im Haushaltsjahr 2021 sind 500.000 Euro eingestellt. Zukünftig werden weiterhin Jahresergebnisse mit Defizit erwartet. Durch Zulagen und zusätzlich erworbene Tickets würde die Einführung des Schülertickets den Fehlbetrag um rund 159.000 Euro senken.

Die Politiker waren überzeugt von dem neuen Angebot. Die SPD habe schon vor vier Jahren angeregt, ein für alle identisches Ticket anzubieten, sagte Helma Owczarski (SPD). „Jetzt wird es endlich Realität." Sie erwähnte den geringen Verwaltungsaufwand als positiven Nebeneffekt. Mit der pilotmäßigen Einführung ist eine Vereinfachung und Vereinheitlichung des Tarifsystems in Westfalen sowie eine erhebliche Reduzierung des Verwaltungsaufwandes für Schulträger und Partner/Verkehrsunternehmen beabsichtigt, heißt es in der Ausschussvorlage. Die Anspruchsprüfung für Tickets, das Ticketerstattungsverfahren sowie Abrechnungen mit niedersächsischen Schülern der Sekundarstufe II entfallen weitgehend.

Ob Gruppenfahrten für Schulen weiterhin angemeldet werden müssen, fragte Jaqueline Lauf (CDU). Das sei der Fall, hieß es dazu. Allerdings entfalle die Diskussion, welches Ticket am günstigsten sei und wer eines hat. „Das ist eine Vereinfachung des Tarifdschungels", so Spreyer. Denn hier würden fünf Tickets zusammengeführt (Münsterland-Tarif, Ruhr-Lippe-Tarif, Der Sechser, Hochstift-Tarif, VGWS-Tarif). Außerdem sei der gesamte Nahverkehr eingebunden, also auch S-Bahnen und Co.

Alle Schulträger im Kreis Minden-Lübbecke nehmen an dem Pilotprojekt im Rahmen des Solidarmodells teil oder haben ihr Interesse bekundet. Nun müsse getestet werden, wie das Ticket angenommen wird, sagte Gabriela Spreyer. Daher begleitet ein Gutachter die Pilotphase. Schließlich sei es eine andere Situation, wenn jeder ein Ticket hat, das war vorher nicht der Fall. Eines machte sie klar: „Ein Umdenken geschieht nicht von heute auf morgen." Im Zuge des Klimawandels müsse man aber einen Anfang machen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Petershagen