Orgel der Petrikirche: Dann ist die Generalüberholung abgeschlossen Claudia Hyna Petershagen. Auch eine Orgel kommt in die Jahre. Das Modell aus der evangelischen Petrikirche in Petershagen stammt aus dem Jahr 1977, nun wird es zum zweiten Mal überholt. Bis Ostern sollen die Arbeiten erledigt sein – und das Instrument kann, falls die Bedingungen es zulassen, wieder in voller Schönheit erklingen. Zuletzt tönte die Orgel dumpf und unausgewogen, ein typischer Fall von Materialverschleiß und Verunreinigung, erklärt Orgel- und Harmonienbauer Mathias Johannmeier aus Levern, der für die Sanierung engagiert wurde. Das sei aber normal, etwa alle 20 Jahre sei eine Reinigung angebracht. Die erste Reinigung erfolgte im Jahr 2002. Der Prozess wird von langer Hand vorbereitet. Zunächst hört jemand einen Misston, es folgen das Gutachten, die Ausschreibung, die Angebote der Firmen und der Zuschlag, über den die Kirchengemeinde entscheidet. Diesen erhielt Johannmeier 2020, doch seine Auftragsbücher waren voll. Jahresanfang und auch der Sommer seien beliebte Zeiten für die Wartung, da beispielsweise im Winter in normalen Zeiten die Gemeinde häufig in die sogenannte Winterkirche zieht. Alle beweglichen Teile der Orgel, das sind 1.392 Pfeifen, drei Windladen, Abstrakten, Kondukten und Pulpeten wanderten in die Werkstatt nach Levern. Die Pfeifen – die größte misst 2,50 Meter, die kleinste nur 18 Millimeter – werden mit heißem Wasser und Reinigungsmittel gründlich gewaschen und auf Vordermann gebracht, erklärt der Handwerker. Auch der Schimmelpilz wird entfernt. Teile der Windladen – das sind die Kästen, auf denen die Orgelpfeifen stehen – sind marode und werden ersetzt, und zwar durch möglichst natürliche Orgelbaustoffe wie Holz, Leder und Filz. Johannmeier setzt auf die Bewahrung des ursprünglichen klanglichen Konzeptes. Die unbeweglichen Teile wie das gesamte Orgelgehäuse, der Spieltisch und die großen Holzpfeifen werden direkt vor Ort saniert. Zum Schluss muss das Instrument nachintoniert und gestimmt (gleichschwebend) werden. Bei der Orgel in der Petrikirche handelt es sich um eine sogenannte Kleuker-Orgel mit 19 klingenden Registern. Die Firma Detlef Kleuker aus Brackwede war vor 45 Jahren mit dem Neubau beauftragt worden. „Ein üppiges Pedal sowie ausgesprochene Charakterregister (Rauschbass, Nachthorn, Pommer oder Spillpfeife) verleihen diesem Instrument seinen individuellen und expressiven Klangcharakter“, erläutert dazu Uwe Jacobsen vom Verein Ortsheimatpflege Petershagen, der bereits die vorbereitenden Planungen zum Neubau begleitet hatte. Das dreifach geschweifte Orgelpedal, ein Novum in den 1970er-Jahren, sorgte für kontroverse Diskussionen unter den Organisten, erinnert er sich. Kleuker setzte auf die Verwendung zeitspezifischer, moderner Materialien, etwa Aluminiumventile, Kunstleder und Schaumgummi, ein Umstand, der auch zum Export von Orgeln in subtropische Regionen führte und sich im feuchten Weserklima bewährt hat. Kunstleder und Schaumgummi sind nun brüchig geworden und müssen weichen, teilt Johannmeier mit. Jacobsen begleitete in den Jahren 1976/77 als junger Orgelstudent und nebenberuflicher Organist den damaligen Kirchenmusikdirektor Edmund Kreß bei den vorbereitenden Planungen rund um den Orgelneubau in Petershagen. Im Zuge der Kirchenrenovierung von 1969 bis 71 dauerte es einige Jahre, bis das Geld für den Neubau angespart war. Die Gemeinde erwarb zunächst ein kleineres Instrument der Firma Gustav Steinmann, das von 1971 bis 1977 seinen Dienst für sechs Jahre auf der rechten Seite des Altars versah und dann in der Friedhofskapelle installiert wurde. Die Orgelweihe war am 12. Juni 1977. Das alte Instrument, 1845 eingeweiht, war bei der großen Renovierung der Kirche 1970/71 ausgebaut worden. Die Petrikirche in Petershagen wurde in den Jahren 1615 bis 1618 errichtet. Der Zeitpunkt für die Generalüberholung mitten in der Coronazeit war nicht geplant, sondern habe sich so ergeben, sagt Pfarrer Daniel Brüll. So könne man aber das Beste aus der Situation der ohnehin geschlossenen Kirche machen. Es bestehe aber Grund zur Annahme, dass sich das bald ändern werde, sagt er. Zumal es ja so sei, dass die Kirchen nach den Landesbestimmungen auch jetzt öffnen dürften, die Gemeinden mit der Schließung aber einer Empfehlung der Westfälischen Landeskirche folgen. Brüll hält diese Einheitlichkeit für sinnvoll.

Orgel der Petrikirche: Dann ist die Generalüberholung abgeschlossen

Mathias Johannmeier rät alle 15 bis 20 Jahre zu einer Orgelreinigung, um den angesammelten Schmutz zu entfernen. MT-Foto: Alex Lehn © lehn

Petershagen. Auch eine Orgel kommt in die Jahre. Das Modell aus der evangelischen Petrikirche in Petershagen stammt aus dem Jahr 1977, nun wird es zum zweiten Mal überholt. Bis Ostern sollen die Arbeiten erledigt sein – und das Instrument kann, falls die Bedingungen es zulassen, wieder in voller Schönheit erklingen.

Zuletzt tönte die Orgel dumpf und unausgewogen, ein typischer Fall von Materialverschleiß und Verunreinigung, erklärt Orgel- und Harmonienbauer Mathias Johannmeier aus Levern, der für die Sanierung engagiert wurde. Das sei aber normal, etwa alle 20 Jahre sei eine Reinigung angebracht. Die erste Reinigung erfolgte im Jahr 2002.

Mitarbeiter Christoph Kleinhans ist ebenfalls in der Petrikirche vor Ort. - © lehn
Mitarbeiter Christoph Kleinhans ist ebenfalls in der Petrikirche vor Ort. - © lehn

Der Prozess wird von langer Hand vorbereitet. Zunächst hört jemand einen Misston, es folgen das Gutachten, die Ausschreibung, die Angebote der Firmen und der Zuschlag, über den die Kirchengemeinde entscheidet. Diesen erhielt Johannmeier 2020, doch seine Auftragsbücher waren voll. Jahresanfang und auch der Sommer seien beliebte Zeiten für die Wartung, da beispielsweise im Winter in normalen Zeiten die Gemeinde häufig in die sogenannte Winterkirche zieht.

Alle beweglichen Teile der Orgel, das sind 1.392 Pfeifen, drei Windladen, Abstrakten, Kondukten und Pulpeten wanderten in die Werkstatt nach Levern. Die Pfeifen – die größte misst 2,50 Meter, die kleinste nur 18 Millimeter – werden mit heißem Wasser und Reinigungsmittel gründlich gewaschen und auf Vordermann gebracht, erklärt der Handwerker. Auch der Schimmelpilz wird entfernt.

Teile der Windladen – das sind die Kästen, auf denen die Orgelpfeifen stehen – sind marode und werden ersetzt, und zwar durch möglichst natürliche Orgelbaustoffe wie Holz, Leder und Filz. Johannmeier setzt auf die Bewahrung des ursprünglichen klanglichen Konzeptes. Die unbeweglichen Teile wie das gesamte Orgelgehäuse, der Spieltisch und die großen Holzpfeifen werden direkt vor Ort saniert. Zum Schluss muss das Instrument nachintoniert und gestimmt (gleichschwebend) werden.

Bei der Orgel in der Petrikirche handelt es sich um eine sogenannte Kleuker-Orgel mit 19 klingenden Registern. Die Firma Detlef Kleuker aus Brackwede war vor 45 Jahren mit dem Neubau beauftragt worden. „Ein üppiges Pedal sowie ausgesprochene Charakterregister (Rauschbass, Nachthorn, Pommer oder Spillpfeife) verleihen diesem Instrument seinen individuellen und expressiven Klangcharakter“, erläutert dazu Uwe Jacobsen vom Verein Ortsheimatpflege Petershagen, der bereits die vorbereitenden Planungen zum Neubau begleitet hatte.

Das dreifach geschweifte Orgelpedal, ein Novum in den 1970er-Jahren, sorgte für kontroverse Diskussionen unter den Organisten, erinnert er sich. Kleuker setzte auf die Verwendung zeitspezifischer, moderner Materialien, etwa Aluminiumventile, Kunstleder und Schaumgummi, ein Umstand, der auch zum Export von Orgeln in subtropische Regionen führte und sich im feuchten Weserklima bewährt hat. Kunstleder und Schaumgummi sind nun brüchig geworden und müssen weichen, teilt Johannmeier mit.

Jacobsen begleitete in den Jahren 1976/77 als junger Orgelstudent und nebenberuflicher Organist den damaligen Kirchenmusikdirektor Edmund Kreß bei den vorbereitenden Planungen rund um den Orgelneubau in Petershagen. Im Zuge der Kirchenrenovierung von 1969 bis 71 dauerte es einige Jahre, bis das Geld für den Neubau angespart war. Die Gemeinde erwarb zunächst ein kleineres Instrument der Firma Gustav Steinmann, das von 1971 bis 1977 seinen Dienst für sechs Jahre auf der rechten Seite des Altars versah und dann in der Friedhofskapelle installiert wurde. Die Orgelweihe war am 12. Juni 1977. Das alte Instrument, 1845 eingeweiht, war bei der großen Renovierung der Kirche 1970/71 ausgebaut worden. Die Petrikirche in Petershagen wurde in den Jahren 1615 bis 1618 errichtet.

Der Zeitpunkt für die Generalüberholung mitten in der Coronazeit war nicht geplant, sondern habe sich so ergeben, sagt Pfarrer Daniel Brüll. So könne man aber das Beste aus der Situation der ohnehin geschlossenen Kirche machen.

Es bestehe aber Grund zur Annahme, dass sich das bald ändern werde, sagt er. Zumal es ja so sei, dass die Kirchen nach den Landesbestimmungen auch jetzt öffnen dürften, die Gemeinden mit der Schließung aber einer Empfehlung der Westfälischen Landeskirche folgen. Brüll hält diese Einheitlichkeit für sinnvoll.

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