Neuer Campus in Quetzen: Internat soll ausländische Pflegekräfte für deutschen Markt fit machen Oliver Plöger Petershagen-Quetzen. Die ehemalige Birkenkampschule in Quetzen soll zu einem Pflegeinternat für ausländische Pflegefachkräfte erweitert werden. Nach Angaben der Iuvare-Unternehmensgruppe, die den Gebäudekomplex erworben hat, sollen mit diesem Pilotprojekt Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt qualifiziert werden. Die Arbeiten in Quetzen haben bereits begonnen. „Der Bedarf nach Fachkräften ist riesig, wir sind schon in der Pflegkatastrophe“, sagt Christoph Widdel, Leitender Angestellter bei Iuvare. Deutsche Kliniken und vor allem deutsche Seniorenpflegeheime stießen mehr und mehr an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Die Pflegegruppe selbst bekomme Hilferufe aus ganz Deutschland, habe in den vergangenen Jahren Kräfte aus Rumänien angeworben und schaue jetzt mehr und mehr auch auf die Drittstaaten. Nun sei die Idee entwickelt worden, diese Kräfte hier vor Ort auf einem Pflegcampus für den hiesigen Fachkräftemarkt zu qualifizieren. Nach jetziger Planung soll der Campus Anfang bis Mitte 2022 an den Start gehen. Vorgesehen sind ein Lehrtrakt, ein Wohntrakt mit Kapazitäten für bis zu 40 Kandidaten, dazu ein Gemeinschaftstrakt mit Mensa, Aula, Großküche, Sporthalle und Wäscherei. Das Herzstück des Objekts befindet sich laut Darstellung von Iuvare im Erdgeschoss. Wörtlich: „Der Schulungsbereich besteht aus drei großen Klassenzimmern und zwei Praxisräumen, in denen der theoretische Unterricht der Vorbereitungskurse auf die Kenntnisprüfung abgehalten wird und die Schülerinnen und Schüler die deutsche Sprache erlernen und festigen.“ Das Obergeschoss setzt sich nach jetziger Planung aus 13 Schlafräumen (zehn Einzelzimmer und drei Doppelzimmer), fünf Bädern und zwei zusätzlichen WCs zusammen. Die Erfahrung zeige, dass sich viele Paare im Ausland entschließen, den Schritt gemeinsam zu gehen und in Deutschland anerkannte Pflegekräfte zu werden. Die bestehende Außenanlage und der ehemalige Schulhof der Birkenkampschule sollen laut Planungen zu einem ansprechenden Campushof mit viel Platz für Aktivitäten umgestaltet und beispielsweise um einen Gemeinschafts-Grillplatz ergänzt werden.Den Absolventen soll täglich eine warme Mahlzeit kostenfrei geliefert werden, für die Schülerinnen und Schüler stehen insgesamt vier Fahrzeuge zur Verfügung, die für Besorgungen des täglichen Bedarfs frei genutzt werden können.Der Iuvare Pflegecampus soll wie ein klassisches Internat umgesetzt werden. Idee sei es, dass das Internat ausschließlich von ausländischen Pflegefachkräften, die sich eine berufliche Zukunft in Deutschland wünschen, besucht und bewohnt wird. In verschiedenen Klassen, je nach vorhandenem deutschen Sprachniveau, sollen die ausländischen Pflegefachkräfte mit Praxisanleitern aus der Unternehmensgruppe auf die notwendige Kenntnisprüfung vorbereitet werden. Bei einem noch nicht ausgereiften Sprachniveau sollen die Teilnehmenden zunächst bis auf das notwendige B2-Sprachniveau durch eigens eingesetzte Deutschlehrer geschult werden.Die Iuvare-Gruppe zeigt sich überzeugt, dass jährlich etwa 160 ausländische Pflegefachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt qualifiziert, vermittelt und langfristig integriert werden können. Der Fokus liege dabei auf bereits ausgebildeten Pflegefachkräften mit entsprechendem Studium aus ihrem Herkunftsland.Nach sinkenden Schülerzahlen war die als Förderschule geführte Einrichtung in Quetzen im Juli 2016 geschlossen worden. Die Stadt hatte dann mehrfach versucht, die mehr als 50 Jahre alte Schule mit dem 1977 errichteten Pavillon zu verkaufen – zunächst ohne Erfolg. Zeitweise wurde die Immobilie, deren Pflegezustand deutlich schlechter wurde, auch als städtisches Möbellager genutzt.Auch in der Dorfgemeinschaft hatte es Diskussionen um die Zukunft der Birkenkampschule gegeben, nach der Schließung hatte sich sogar eine „Ideenwerkstatt Quetzen“ formiert, einige sahen Potenzial für Vereine oder Seniorentreffen. Ortsbürgermeister Marvin Waidmann (CDU) damals zum MT: „Die Birkenkampschule ist ein großes Gebäude mit Investitionsbedarf und laufenden Kosten für die Unterhaltung.“ Sollte sich kein Investor finden, so Waidmann, müsste die Dorfgemeinschaft die Kosten tragen. Und das sei nicht möglich. Jetzt ist der Komplex verkauft. Wie viel Iuvare in Quetzen investiert, teilte die Gruppe bis gestern gegenüber dem MT noch nicht mit.In der Stadtverwaltung wird das Projekt begrüßt: „Das sehen wir sehr positiv“, sagte Bauamtsleiter Kay Busche. Die Vermarktung der Immobilie im Außenbereich sei ausgesprochen schwierig gewesen. Dass sie nun einen schulischen Charakter behält, sei gut.Die Iuvare-Unternehmensgruppe mit Sitz in Petershagen-Döhren betreibt Einrichtungen der stationären und ambulanten Pflege an 16 Standorten in Niedersachsen und NRW. Inhaber und Geschäftsführer ist Thomas Christoffer. Seit mehr als 35 Jahren ist das Unternehmen mit ambulanten und stationären Einrichtungen in der Alten- und Behindertenhilfe vertreten.

Neuer Campus in Quetzen: Internat soll ausländische Pflegekräfte für deutschen Markt fit machen

Baustelle Birkenkampschule – es geht voran: Der Pflegcampus soll im kommenden Jahr an den Start gehen. Die Schule wurde zuletzt nur noch als Möbellager genutzt. MT-Fotos: Oliver Plöger

Petershagen-Quetzen. Die ehemalige Birkenkampschule in Quetzen soll zu einem Pflegeinternat für ausländische Pflegefachkräfte erweitert werden. Nach Angaben der Iuvare-Unternehmensgruppe, die den Gebäudekomplex erworben hat, sollen mit diesem Pilotprojekt Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt qualifiziert werden. Die Arbeiten in Quetzen haben bereits begonnen.

„Der Bedarf nach Fachkräften ist riesig, wir sind schon in der Pflegkatastrophe“, sagt Christoph Widdel, Leitender Angestellter bei Iuvare. Deutsche Kliniken und vor allem deutsche Seniorenpflegeheime stießen mehr und mehr an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Die Pflegegruppe selbst bekomme Hilferufe aus ganz Deutschland, habe in den vergangenen Jahren Kräfte aus Rumänien angeworben und schaue jetzt mehr und mehr auch auf die Drittstaaten. Nun sei die Idee entwickelt worden, diese Kräfte hier vor Ort auf einem Pflegcampus für den hiesigen Fachkräftemarkt zu qualifizieren. Nach jetziger Planung soll der Campus Anfang bis Mitte 2022 an den Start gehen.

Alles neu: Im Inneren wird die ehemalige Förderschule gerade komplett saniert. - © Plöger
Alles neu: Im Inneren wird die ehemalige Förderschule gerade komplett saniert. - © Plöger

Vorgesehen sind ein Lehrtrakt, ein Wohntrakt mit Kapazitäten für bis zu 40 Kandidaten, dazu ein Gemeinschaftstrakt mit Mensa, Aula, Großküche, Sporthalle und Wäscherei. Das Herzstück des Objekts befindet sich laut Darstellung von Iuvare im Erdgeschoss. Wörtlich: „Der Schulungsbereich besteht aus drei großen Klassenzimmern und zwei Praxisräumen, in denen der theoretische Unterricht der Vorbereitungskurse auf die Kenntnisprüfung abgehalten wird und die Schülerinnen und Schüler die deutsche Sprache erlernen und festigen.“ Das Obergeschoss setzt sich nach jetziger Planung aus 13 Schlafräumen (zehn Einzelzimmer und drei Doppelzimmer), fünf Bädern und zwei zusätzlichen WCs zusammen. Die Erfahrung zeige, dass sich viele Paare im Ausland entschließen, den Schritt gemeinsam zu gehen und in Deutschland anerkannte Pflegekräfte zu werden.

Die bestehende Außenanlage und der ehemalige Schulhof der Birkenkampschule sollen laut Planungen zu einem ansprechenden Campushof mit viel Platz für Aktivitäten umgestaltet und beispielsweise um einen Gemeinschafts-Grillplatz ergänzt werden.

Den Absolventen soll täglich eine warme Mahlzeit kostenfrei geliefert werden, für die Schülerinnen und Schüler stehen insgesamt vier Fahrzeuge zur Verfügung, die für Besorgungen des täglichen Bedarfs frei genutzt werden können.

Der Iuvare Pflegecampus soll wie ein klassisches Internat umgesetzt werden. Idee sei es, dass das Internat ausschließlich von ausländischen Pflegefachkräften, die sich eine berufliche Zukunft in Deutschland wünschen, besucht und bewohnt wird. In verschiedenen Klassen, je nach vorhandenem deutschen Sprachniveau, sollen die ausländischen Pflegefachkräfte mit Praxisanleitern aus der Unternehmensgruppe auf die notwendige Kenntnisprüfung vorbereitet werden. Bei einem noch nicht ausgereiften Sprachniveau sollen die Teilnehmenden zunächst bis auf das notwendige B2-Sprachniveau durch eigens eingesetzte Deutschlehrer geschult werden.

Die Iuvare-Gruppe zeigt sich überzeugt, dass jährlich etwa 160 ausländische Pflegefachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt qualifiziert, vermittelt und langfristig integriert werden können. Der Fokus liege dabei auf bereits ausgebildeten Pflegefachkräften mit entsprechendem Studium aus ihrem Herkunftsland.

Nach sinkenden Schülerzahlen war die als Förderschule geführte Einrichtung in Quetzen im Juli 2016 geschlossen worden. Die Stadt hatte dann mehrfach versucht, die mehr als 50 Jahre alte Schule mit dem 1977 errichteten Pavillon zu verkaufen – zunächst ohne Erfolg. Zeitweise wurde die Immobilie, deren Pflegezustand deutlich schlechter wurde, auch als städtisches Möbellager genutzt.

Auch in der Dorfgemeinschaft hatte es Diskussionen um die Zukunft der Birkenkampschule gegeben, nach der Schließung hatte sich sogar eine „Ideenwerkstatt Quetzen“ formiert, einige sahen Potenzial für Vereine oder Seniorentreffen. Ortsbürgermeister Marvin Waidmann (CDU) damals zum MT: „Die Birkenkampschule ist ein großes Gebäude mit Investitionsbedarf und laufenden Kosten für die Unterhaltung.“ Sollte sich kein Investor finden, so Waidmann, müsste die Dorfgemeinschaft die Kosten tragen. Und das sei nicht möglich. Jetzt ist der Komplex verkauft. Wie viel Iuvare in Quetzen investiert, teilte die Gruppe bis gestern gegenüber dem MT noch nicht mit.

In der Stadtverwaltung wird das Projekt begrüßt: „Das sehen wir sehr positiv“, sagte Bauamtsleiter Kay Busche. Die Vermarktung der Immobilie im Außenbereich sei ausgesprochen schwierig gewesen. Dass sie nun einen schulischen Charakter behält, sei gut.

Die Iuvare-Unternehmensgruppe mit Sitz in Petershagen-Döhren betreibt Einrichtungen der stationären und ambulanten Pflege an 16 Standorten in Niedersachsen und NRW. Inhaber und Geschäftsführer ist Thomas Christoffer. Seit mehr als 35 Jahren ist das Unternehmen mit ambulanten und stationären Einrichtungen in der Alten- und Behindertenhilfe vertreten.

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