Neue Freiwillige der Biostation packen mit an Claudia Hyna Petershagen. An Aufgaben mangelt es nie – auch wenn die Arbeit im Freien wegen der Wetters kaum möglich ist. Das haben die Neuen in der Biologischen Station schon gelernt. „Die Liste“ ist das Stichwort, bei dem alle anfangen zu schmunzeln. Darauf sind die Tätigkeiten aufgeführt, die in der Station häufig liegen bleiben, wie Aufräumen, Ablage, Dokumentation und mehr. Es ist eine Win-Win-Situation. Die Biostation hat die Bundesfreiwilligen und FÖJler fest als Personal eingeplant. Und diese sehen den Dienst als guten Ausgleich zur Schule – und Möglichkeit zur beruflichen Orientierung. Die Arbeit im Freien ist anstrengend, macht aber viel Spaß, versichern Nele Kirchhoff, Jakob Tempel, Niklas Kahl, Davel Rörig und Marten Büschking. Nele (18) aus Diepenau hat zuhause gerne bei der Gartenarbeit geholfen und bezeichnet den Dienst bisher als abwechslungsreich. Natürlich sind Sonnenschein und 22 Grad im Vogelschutzgebiet Windheimer Marsch gute Bedingungen. Aber auch vor dem Winter hat die Abiturientin, die im kommenden Jahr etwas in Richtung Tiermedizin plant, keine Angst. „Gegen Kälte kann man sich anziehen.“ Niklas Kahl (18) war oft mit seinem Opa im Wald zum Holzschlagen unterwegs, Jakob Tempel (19) gerne in Naturschutzgebieten. Alle fünf bewegen sich gerne draußen, Niklas und Jakob verbindet aktuell aber noch mehr: Beide wohnen seit August in der Biostation des Kreises Minden-Lübbecke in Nordholz. Jakob Tempel kommt aus Bad Dürkheim und hat sich bewusst für diese Stelle weit weg von zuhause entschieden. Der 18-Jährige wünschte sich etwas komplett Praktisches und nebenbei zu lernen, einen eigenen Haushalt zu führen. Niklas möchte die tägliche Fahrt aus Bad Oeynhausen vermeiden und erhofft sich ebenfalls mehr Selbstständigkeit. Die meisten Freiwilligen in diesem Jahr haben ihr Abitur gemacht und vage Pläne für ein Studium. Nur einer kommt aus Petershagen. Bis zu sechs Stellen hat die Biologische Station jedes Jahr zu vergeben. Mal gibt es eine Flut von Bewerbern, mal ist die Zahl eher klein, sagt Umweltpädagoge Sascha Traue. „Bei weniger als vier wirds kritisch.“ Er und vor allem Landwirt Detlef Trampe kümmern sich um den Tagesablauf der Freiwilligen. Sie haben einen oder zwei Tage zur Probe gearbeitet und wissen, was sie erwartet. Die Aufgaben sind vielfältig, sie liegen zu 80 Prozent im landwirtschaftlichen Bereich, so Traue. Auf rund 4.000 Hektar Naturschutzgebiet stehen täglich Pflegearbeiten an. Um die 60 Tiere weiden auf den verschiedenen Flächen, vor allem aber in Windheim, Neuenknick und Seelenfeld. Immer wieder müssen Hochlandrinder auf andere Flächen getrieben oder getrennt werden, sei es, um Inzucht zu vermeiden, oder weil zu viele Bullen zusammen stehen. Man glaube gar nicht, auf welche Tricks die Freiwilligen kämen, um die Tiere anzulocken, erzählt Traue. Heute geht es darum, Flächen in der Windheimer Marsch hütesicher zu machen. Einmal im Jahr ist ein Grasschnitt nötig, bei dem die stromführende Litze freigelegt wird. Ab und zu müssen Eichenpfähle erneuert werden, ansonsten wird maroder Draht ausgetauscht oder der vorhandene befestigt. „Dabei haben sie in den ersten drei Monaten einen Trainingspartner an ihrer Seite“, sagt Sascha Traue. Nach drei Monaten könnten sie schon allein ausschwärmen. Wenig beliebt ist die Tätigkeit der Mahdgut-Übertragung. Dabei geht es darum, eine Blumenwiese abzumähen und die Mahd in Handarbeit auf eine andere Wiese zu „kopieren“, damit die Blüten dort ebenfalls wachsen. Worauf sich Niklas Kahl hingegen schon freut, ist die sogenannte Efre-Tour. EFRE steht für Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, der unter anderem Maßnahmen unterstützt, die dem Klima- und Umweltschutz dienen. Die Tour steht einmal im Monat an und führt an den Rundwegen rechts und links der Weser entlang. 80 Kilometer legen die Mitarbeiter mit dem Auto zurück, bei der Fahrt reinigen sie die Hinweisschilder und kontrollieren die Vogelbeobachtungshütten. Gerade in Lahde seien letztere ein ständiges Ärgernis, erwähnt der Umweltpädagoge. Häufig müsse Müll entsorgt werden, gerade nach den Wochenenden. Ein weiterer Bereich, für den die Freiwilligen zuständig sind, ist die Bekämpfung der Neophyten, das sind eingewanderte Arten. Diese werden zunehmend in der Großen Aue in Espelkamp und in Rahden zum Problem. Jeder entwickele mit der Zeit einen anderen Schwerpunkt. „Die Liebe zur Natur bringen aber alle mit“, sagt Traue. Die Neuen hätten nach den ersten drei Wochen auch eine besondere Erkenntnis gewonnen, nämlich wie schön doch Petershagen sei. Um das zu vertiefen, dazu haben sie in ihrem Jahr ausreichend Gelegenheit. Theoretischen Hintergrund für ihre Arbeit erwerben sie demnächst in den Seminaren, die für alle verpflichtend sind. Rund 140 junge Leute haben hier seit Gründung der Station 1985 ein Jahr absolviert, anfangs noch als Zivildienstleistende, später als Bundesfreiwillige oder im Freiwilligen Ökologischen Jahr. Und wer weiß, vielleicht findet der ein oder andere seine berufliche Zukunft in der Biostation. Bestes Beispiel ist der Biologe Tore Mayland-Quellhorst, der einen ersten Einblick ebenfalls als Freiwilliger bekommen hat und heute unter anderem zuständig ist für die Bastauwiesen. P

Neue Freiwillige der Biostation packen mit an

Davel Röring (links) und Jakob Tempel kontrollieren und reparieren den Zaun im Vogelschutzgebiet Windheimer Marsch. Die Schutzkleidung und -ausrüstung stellt die Biologische Station. MT-Foto: Alex Lehn © lehn

Petershagen. An Aufgaben mangelt es nie – auch wenn die Arbeit im Freien wegen der Wetters kaum möglich ist. Das haben die Neuen in der Biologischen Station schon gelernt. „Die Liste“ ist das Stichwort, bei dem alle anfangen zu schmunzeln. Darauf sind die Tätigkeiten aufgeführt, die in der Station häufig liegen bleiben, wie Aufräumen, Ablage, Dokumentation und mehr.

Es ist eine Win-Win-Situation. Die Biostation hat die Bundesfreiwilligen und FÖJler fest als Personal eingeplant. Und diese sehen den Dienst als guten Ausgleich zur Schule – und Möglichkeit zur beruflichen Orientierung. Die Arbeit im Freien ist anstrengend, macht aber viel Spaß, versichern Nele Kirchhoff, Jakob Tempel, Niklas Kahl, Davel Rörig und Marten Büschking. Nele (18) aus Diepenau hat zuhause gerne bei der Gartenarbeit geholfen und bezeichnet den Dienst bisher als abwechslungsreich. Natürlich sind Sonnenschein und 22 Grad im Vogelschutzgebiet Windheimer Marsch gute Bedingungen. Aber auch vor dem Winter hat die Abiturientin, die im kommenden Jahr etwas in Richtung Tiermedizin plant, keine Angst. „Gegen Kälte kann man sich anziehen.“ Niklas Kahl (18) war oft mit seinem Opa im Wald zum Holzschlagen unterwegs, Jakob Tempel (19) gerne in Naturschutzgebieten.

- © Foto: Lehn
© Foto: Lehn

Alle fünf bewegen sich gerne draußen, Niklas und Jakob verbindet aktuell aber noch mehr: Beide wohnen seit August in der Biostation des Kreises Minden-Lübbecke in Nordholz. Jakob Tempel kommt aus Bad Dürkheim und hat sich bewusst für diese Stelle weit weg von zuhause entschieden. Der 18-Jährige wünschte sich etwas komplett Praktisches und nebenbei zu lernen, einen eigenen Haushalt zu führen. Niklas möchte die tägliche Fahrt aus Bad Oeynhausen vermeiden und erhofft sich ebenfalls mehr Selbstständigkeit. Die meisten Freiwilligen in diesem Jahr haben ihr Abitur gemacht und vage Pläne für ein Studium. Nur einer kommt aus Petershagen.

- © Foto: Hyna
© Foto: Hyna

Bis zu sechs Stellen hat die Biologische Station jedes Jahr zu vergeben. Mal gibt es eine Flut von Bewerbern, mal ist die Zahl eher klein, sagt Umweltpädagoge Sascha Traue. „Bei weniger als vier wirds kritisch.“ Er und vor allem Landwirt Detlef Trampe kümmern sich um den Tagesablauf der Freiwilligen. Sie haben einen oder zwei Tage zur Probe gearbeitet und wissen, was sie erwartet.

- © Foto: Lehn
© Foto: Lehn

Die Aufgaben sind vielfältig, sie liegen zu 80 Prozent im landwirtschaftlichen Bereich, so Traue. Auf rund 4.000 Hektar Naturschutzgebiet stehen täglich Pflegearbeiten an. Um die 60 Tiere weiden auf den verschiedenen Flächen, vor allem aber in Windheim, Neuenknick und Seelenfeld. Immer wieder müssen Hochlandrinder auf andere Flächen getrieben oder getrennt werden, sei es, um Inzucht zu vermeiden, oder weil zu viele Bullen zusammen stehen. Man glaube gar nicht, auf welche Tricks die Freiwilligen kämen, um die Tiere anzulocken, erzählt Traue.

Heute geht es darum, Flächen in der Windheimer Marsch hütesicher zu machen. Einmal im Jahr ist ein Grasschnitt nötig, bei dem die stromführende Litze freigelegt wird. Ab und zu müssen Eichenpfähle erneuert werden, ansonsten wird maroder Draht ausgetauscht oder der vorhandene befestigt. „Dabei haben sie in den ersten drei Monaten einen Trainingspartner an ihrer Seite“, sagt Sascha Traue. Nach drei Monaten könnten sie schon allein ausschwärmen.

Wenig beliebt ist die Tätigkeit der Mahdgut-Übertragung. Dabei geht es darum, eine Blumenwiese abzumähen und die Mahd in Handarbeit auf eine andere Wiese zu „kopieren“, damit die Blüten dort ebenfalls wachsen. Worauf sich Niklas Kahl hingegen schon freut, ist die sogenannte Efre-Tour. EFRE steht für Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, der unter anderem Maßnahmen unterstützt, die dem Klima- und Umweltschutz dienen. Die Tour steht einmal im Monat an und führt an den Rundwegen rechts und links der Weser entlang. 80 Kilometer legen die Mitarbeiter mit dem Auto zurück, bei der Fahrt reinigen sie die Hinweisschilder und kontrollieren die Vogelbeobachtungshütten. Gerade in Lahde seien letztere ein ständiges Ärgernis, erwähnt der Umweltpädagoge. Häufig müsse Müll entsorgt werden, gerade nach den Wochenenden.

Ein weiterer Bereich, für den die Freiwilligen zuständig sind, ist die Bekämpfung der Neophyten, das sind eingewanderte Arten. Diese werden zunehmend in der Großen Aue in Espelkamp und in Rahden zum Problem. Jeder entwickele mit der Zeit einen anderen Schwerpunkt. „Die Liebe zur Natur bringen aber alle mit“, sagt Traue. Die Neuen hätten nach den ersten drei Wochen auch eine besondere Erkenntnis gewonnen, nämlich wie schön doch Petershagen sei. Um das zu vertiefen, dazu haben sie in ihrem Jahr ausreichend Gelegenheit. Theoretischen Hintergrund für ihre Arbeit erwerben sie demnächst in den Seminaren, die für alle verpflichtend sind.

Rund 140 junge Leute haben hier seit Gründung der Station 1985 ein Jahr absolviert, anfangs noch als Zivildienstleistende, später als Bundesfreiwillige oder im Freiwilligen Ökologischen Jahr. Und wer weiß, vielleicht findet der ein oder andere seine berufliche Zukunft in der Biostation. Bestes Beispiel ist der Biologe Tore Mayland-Quellhorst, der einen ersten Einblick ebenfalls als Freiwilliger bekommen hat und heute unter anderem zuständig ist für die Bastauwiesen.

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