Naturwissenschaften 2.0: Sanierung in Millionenhöhe bringt neueste Technik ans Gymnasium Petershagen Claudia Hyna Petershagen. „Heute sehen wir, was für Schule möglich ist.“ Mit diesen Worten bedankte sich Leiterin Karin Fischer-Hildebrand beim Rundgang durch den neuen naturwissenschaftlichen Trakt des Gymnasiums bei allen, die diese Veränderung herbeigeführt hatten. Die Mitglieder des Ausschusses für Schule und Sport machten sich vor Ort ein Bild von der Ausstattung der Räume – und kamen in den Genuss einer kleinen Lehrstunde in Sachen Chemie. Früher hätten sich einige Eltern enttäuscht geäußert, wenn sie zum Elternsprechtag ihrer Kinder kamen, berichtet Karin Fischer-Hildebrand. „Das sieht ja noch aus wie früher“, kommentierten sie das Innenleben und meinten damit ihre eigene Schulzeit. Das könne nun nicht mehr passieren. „Der Trakt ist wunderbar geworden. Er ist nicht mehr wiederzuerkennen“, sagt die Chefin. Dafür hat die Stadt eine Menge Geld in die Hand genommen. Erste Schätzungen im Februar 2019 lagen bei 2,4 Millionen Euro. Nun nannte Schulamtsleiter Detlev Scheumann die Summe von 3,825 Millionen Euro, die am Ende fällig war. Vor Beginn der Bauarbeiten vor einem guten Jahr waren 3,65 Millionen anvisiert worden. „Das ist beinah eine Punktlandung“, so Scheumann. Es gebe aktuell noch einige Stellen, an denen nachgebessert werden müsse. Auch seien leider die Zeitpläne durcheinander geraten. Das hatte unter anderem damit zu tun, dass der Fliesenleger ausfiel, ansonsten mit der aufwendigen Dachsanierung und allgemein mit coronabedingten Verzögerungen. Im Juni war der Trakt fertig, anschließend wurde eingeräumt. Mit Beginn des neuen Schuljahrs konnten die Lehrer und Schüler die neuen Räume in Gebrauch nehmen. Dort ist die Zeit der roten Fliesen und Backsteinwände endgültig vorbei. An ihre Stelle traten ein gesprenkelter Bodenbelag (Epoxidharzbodenbeschichtung mit Polyurethan-Versiegelung) sowie weiße Wände mit grauen Fliesen bis zur halben Höhe. Jede Naturwissenschaft hat ihre eigene Farbe bekommen. Die Biologie hat grüne Elemente an den Wänden, in der Chemie wurde orange gewählt. Sogar das Inventar der Schränke ist farblich abgestimmt. Denn auch die ästhetische Bildung der Schüler sei wichtig, so Fischer-Hildebrandt. Die Ausstattung der Räume ist identisch, so dass sie multifunktional genutzt werden können, erläutert Andreas Knispel. Der Lehrer für Chemie und Biologie war für die Koordination der Arbeiten zuständig. In der Mitte des Traktes liegt das 60 Quadratmeter große Selbstlernzentrum. Statt zuvor eine Laborzeile gibt es dort nun vier. Anschlüsse für Gas und Wasser sind an den Arbeitsplätzen angebracht, das erleichtert die Gruppenarbeit. Das größte Problem der alten Räumlichkeiten habe darin bestanden, dass die Räume kein Licht hatten und keine Belüftung möglich war, sagte die Schulleiterin. Gerade in den Sommermonaten gab es Klagen über überhitzte Räume. „Der Druck war da, eine Veränderung herbeizuführen.“ Das Gebäude, in dem die Fächer Chemie, Biologie, Physik und Technik unterrichtet werden, stammt von 1975/76, Teile kamen im Jahr 1990 hinzu. Die fest installierte Lüftungsanlage von 1972 war defekt, daher ging es bei der Sanierung auch um eine neue dezentrale Lüftung. Ebenso war der Brandschutz ein wichtiges Element. Alle Räume haben Decken mit LED-Beleuchtung bekommen, aus den Kuppeln fällt Tageslicht ein. Die neuen verbesserten Lichtverhältnisse lobte Andreas Knispel. Schließlich verbringen nicht nur die Schüler, sondern vor allem die Lehrer einen Großteil des Schultages hier. Knispel führte den Ausschussmitgliedern vor, in welcher Form das digitale Zeitalter in der Schule angebrochen ist. Während er auf dem Tisch vorne ein Experiment ausführt, ist der Versuch – visualisiert mit der Schwanenhalskamera – auf dem interaktiven Monitor hinter ihm zu sehen. „Das ist gelebte Digitalisierung“, sagte Knispel. Die Hörsäle aus dem alten Nawi-Trakt gehören der Vergangenheit an – und sind auch nicht mehr nötig, denn der Versuch ist auch in den hinteren Reihen gut zu verfolgen. Dank der neuen Technik können Tafelbilder vergangener Stunden außerdem leichter fortgesetzt werden. Das ermögliche ein wesentlich effizienteres Arbeiten, sagte der Pädagoge. Dass Schule am Puls der Zeit sein müsse, habe Corona vor Augen geführt. Der Dank galt in dieser besonderen Bauphase auch der Sekundarschule, die sich für die Lagerung der Sammlungen bereit erklärt hatte. In der alten Grundschule wurden Räume hergerichtet, in denen provisorisch naturwissenschaftlicher Unterricht stattfinden konnte. Die Abstimmung mit Verwaltung, Bauhof, Schulen und Firmen bezeichnete die Schulleiterin als „Supersache“. Bei allen Themen sei das Gymnasium mit ins Boot geholt worden. „Es war eine logistische Meisterleistung, die Sanierung im laufenden Schulbetrieb vorzunehmen.“

Naturwissenschaften 2.0: Sanierung in Millionenhöhe bringt neueste Technik ans Gymnasium Petershagen

chemie Foto: hy

Petershagen. „Heute sehen wir, was für Schule möglich ist.“ Mit diesen Worten bedankte sich Leiterin Karin Fischer-Hildebrand beim Rundgang durch den neuen naturwissenschaftlichen Trakt des Gymnasiums bei allen, die diese Veränderung herbeigeführt hatten. Die Mitglieder des Ausschusses für Schule und Sport machten sich vor Ort ein Bild von der Ausstattung der Räume – und kamen in den Genuss einer kleinen Lehrstunde in Sachen Chemie.

Früher hätten sich einige Eltern enttäuscht geäußert, wenn sie zum Elternsprechtag ihrer Kinder kamen, berichtet Karin Fischer-Hildebrand. „Das sieht ja noch aus wie früher“, kommentierten sie das Innenleben und meinten damit ihre eigene Schulzeit. Das könne nun nicht mehr passieren. „Der Trakt ist wunderbar geworden. Er ist nicht mehr wiederzuerkennen“, sagt die Chefin.

chemie Foto: hy - © hy
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Dafür hat die Stadt eine Menge Geld in die Hand genommen. Erste Schätzungen im Februar 2019 lagen bei 2,4 Millionen Euro. Nun nannte Schulamtsleiter Detlev Scheumann die Summe von 3,825 Millionen Euro, die am Ende fällig war. Vor Beginn der Bauarbeiten vor einem guten Jahr waren 3,65 Millionen anvisiert worden. „Das ist beinah eine Punktlandung“, so Scheumann. Es gebe aktuell noch einige Stellen, an denen nachgebessert werden müsse. Auch seien leider die Zeitpläne durcheinander geraten. Das hatte unter anderem damit zu tun, dass der Fliesenleger ausfiel, ansonsten mit der aufwendigen Dachsanierung und allgemein mit coronabedingten Verzögerungen. Im Juni war der Trakt fertig, anschließend wurde eingeräumt.

Lehrer Andreas Knispel zeigt ein Experiment – auf dem Bildschirm können die Zuschauer es mitverfolgen. MT-Foto: Claudia Hyna - © hy
Lehrer Andreas Knispel zeigt ein Experiment – auf dem Bildschirm können die Zuschauer es mitverfolgen. MT-Foto: Claudia Hyna - © hy

Mit Beginn des neuen Schuljahrs konnten die Lehrer und Schüler die neuen Räume in Gebrauch nehmen. Dort ist die Zeit der roten Fliesen und Backsteinwände endgültig vorbei. An ihre Stelle traten ein gesprenkelter Bodenbelag (Epoxidharzbodenbeschichtung mit Polyurethan-Versiegelung) sowie weiße Wände mit grauen Fliesen bis zur halben Höhe. Jede Naturwissenschaft hat ihre eigene Farbe bekommen. Die Biologie hat grüne Elemente an den Wänden, in der Chemie wurde orange gewählt. Sogar das Inventar der Schränke ist farblich abgestimmt. Denn auch die ästhetische Bildung der Schüler sei wichtig, so Fischer-Hildebrandt. Die Ausstattung der Räume ist identisch, so dass sie multifunktional genutzt werden können, erläutert Andreas Knispel. Der Lehrer für Chemie und Biologie war für die Koordination der Arbeiten zuständig. In der Mitte des Traktes liegt das 60 Quadratmeter große Selbstlernzentrum. Statt zuvor eine Laborzeile gibt es dort nun vier. Anschlüsse für Gas und Wasser sind an den Arbeitsplätzen angebracht, das erleichtert die Gruppenarbeit.

Das größte Problem der alten Räumlichkeiten habe darin bestanden, dass die Räume kein Licht hatten und keine Belüftung möglich war, sagte die Schulleiterin. Gerade in den Sommermonaten gab es Klagen über überhitzte Räume. „Der Druck war da, eine Veränderung herbeizuführen.“

Das Gebäude, in dem die Fächer Chemie, Biologie, Physik und Technik unterrichtet werden, stammt von 1975/76, Teile kamen im Jahr 1990 hinzu. Die fest installierte Lüftungsanlage von 1972 war defekt, daher ging es bei der Sanierung auch um eine neue dezentrale Lüftung. Ebenso war der Brandschutz ein wichtiges Element.

Alle Räume haben Decken mit LED-Beleuchtung bekommen, aus den Kuppeln fällt Tageslicht ein. Die neuen verbesserten Lichtverhältnisse lobte Andreas Knispel. Schließlich verbringen nicht nur die Schüler, sondern vor allem die Lehrer einen Großteil des Schultages hier.

Knispel führte den Ausschussmitgliedern vor, in welcher Form das digitale Zeitalter in der Schule angebrochen ist. Während er auf dem Tisch vorne ein Experiment ausführt, ist der Versuch – visualisiert mit der Schwanenhalskamera – auf dem interaktiven Monitor hinter ihm zu sehen. „Das ist gelebte Digitalisierung“, sagte Knispel. Die Hörsäle aus dem alten Nawi-Trakt gehören der Vergangenheit an – und sind auch nicht mehr nötig, denn der Versuch ist auch in den hinteren Reihen gut zu verfolgen.

Dank der neuen Technik können Tafelbilder vergangener Stunden außerdem leichter fortgesetzt werden. Das ermögliche ein wesentlich effizienteres Arbeiten, sagte der Pädagoge. Dass Schule am Puls der Zeit sein müsse, habe Corona vor Augen geführt.

Der Dank galt in dieser besonderen Bauphase auch der Sekundarschule, die sich für die Lagerung der Sammlungen bereit erklärt hatte. In der alten Grundschule wurden Räume hergerichtet, in denen provisorisch naturwissenschaftlicher Unterricht stattfinden konnte. Die Abstimmung mit Verwaltung, Bauhof, Schulen und Firmen bezeichnete die Schulleiterin als „Supersache“. Bei allen Themen sei das Gymnasium mit ins Boot geholt worden. „Es war eine logistische Meisterleistung, die Sanierung im laufenden Schulbetrieb vorzunehmen.“

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