Nach tödlichem Unfall: Friller Bahnübergang wird nochmal geprüft Henning Wandel Petershagen. Die Bahnübergänge in Petershagen sollen sicherer werden. Darin ist sich Noch-Bürgermeister Dieter Blume (CDU) mit seinem gewählten Nachfolger Dirk Breves (CDU) und den Fachleuten in der Verwaltung einig. Sie alle zeigten sich in einem Gespräch mit dem MT tief betroffen nach dem Unfall vom vergangenen Sonntag, bei dem ein 20-Jähriger getötet wurde und der 19 Jahre alte Fahrer schwerstverletzt im Krankenhaus liegt. Jetzt soll möglichst schnell etwas geschehen, nachdem Forderungen nach einer technischen Sicherung des Bahnübergangs in der Vergangenheit unerfüllt geblieben waren. Am Geld sei der Umbau nicht gescheitert, sagt Blume. Und auch in Zukunft sollen die Finanzen einer Schrankenanlage nicht im Wege stehen. Die Bahn, der Bund und die Kommune als Straßenbaulastträger müssen sich die Kosten zu je einem Drittel teilen. Eine Bahnsprecherin sagt dem MT auf Nachfrage, dass sich der Bund an der Beseitigung von Bahnübergängen stärker beteilige und den Anteil der Kommune übernehme – das gilt allerdings nicht für die technische Sicherung, sondern für die Finanzierung von Brücken und Unterführungen. In den vergangenen zehn Jahren habe die Bahn 460 Übergänge beseitigt und viele weitere technisch gesichert. Insgesamt verfügen nach Bahn-Angaben in NRW zwei Drittel aller Bahnübergänge über eine Schranke oder ein Lichtzeichen. Unabhängig davon müssen sich alle Beteiligten einig sein, den Übergang technisch abzusichern. Und genau hier könnte das Problem liegen: Rein rechtlich entspricht der Bahnübergang an der Holzstraße nämlich den Vorgaben. Daran hat auch die Einschätzung des Kreises Minden-Lübbecke und der Polizei erstmal nichts geändert, die vor fast genau einem Jahr ihre Forderung nach einer technischen Sicherung erneuert haben. „Dieser Auffassung haben wir uns angeschlossen", sagt auch Blume rückblickend. Nur passiert sei seitdem nichts. Jetzt wollen sich die Vertreter der beteiligten Behörden und der Bahn in der kommenden Woche erneut treffen und den Bahnübergang im Rahmen einer Sonderschau begutachten. Blume verbindet damit einen deutlichen Anspruch: „Wir haben die klare Erwartungshaltung, hier eine Schranke zu bekommen." Anders als noch vor einigen Jahren kommt die Sicherung mit einer Warnleuchte nicht mehr infrage, diese Lösung wird nicht mehr genehmigt. Die Alternative zur Schranke wäre damit nur noch, den Übergang zu schließen, doch das würde an anderen Stellen für Probleme sorgen. Der Verkehr müsste dann über den Brunnenweg ausweichen. Der Umweg wäre mit nur wenig mehr als einem Kilometer zwar überschaubar, der Brunnenweg könne die zusätzlichen Fahrzeuge aber nicht aufnehmen, sagt der Petershagener Bauamtsleiter Kay Busche – vor allem mit Blick auf große landwirtschaftliche Gespanne, für die allein die beiden Doppelkurven auf dem Brunnenweg zu eng seien. Doch selbst wenn die nächste Verkehrsschau zu dem Ergebnis führen sollte, die Holzstraße mit einer Schranke zu sichern, würde es bis zur Umsetzung dieser „finalen Lösung", wie Breves es nannte, womöglich noch Jahre dauern. Aus diesem Grund prüfe die Stadtverwaltung parallel verschiedene Übergangslösungen. So könnte der Bahnübergang mit einer Treckerschleuse gesperrt werden und der landwirtschaftliche Verkehr hier weiterhin die Gleise passieren, alle anderen müssten über den Brunnenweg oder noch besser die Schaumburger Straße ausweichen – dort ist nicht nur ein Lichtsignal, sondern auch eine Schranke. Doch auch Treckerschleusen sind keine ideale Lösung: In Hille, wo vor etwa einem Jahr mehrere solcher Anlagen installiert worden sind, kommt es immer wider zu Beschädigungen, weil Autofahrer versuchen, die Sperren zu passieren. Eine andere Möglichkeit wären sogenannte Berliner Kissen, die Autofahrer zum Abbremsen und so zur Einhaltung der an dieser Stelle zulässigen Höchstgeschwindigkeit von zehn Stundenkilometern zwingen. „Das wollen wir auf jeden Fall machen", sagt Blume – doch auch hier liegt der Teufel im Detail: denn die Autofahrer sollen beim Abbremsen und Anfahren auch nicht abgelenkt werden. Die Kissen seien kein Allheilmittel, sondern allenfalls eine Übergangslösung. Wie genau diese aussehen könnte, soll jetzt auch mit der Polizei besprochen werden. Und auch mit den Anwohnern „Am Brink" sei schon ein Gesprächstermin vereinbart. Sicher ist aber schon jetzt, dass es nicht nur um die Holzstraße geht. Insgesamt befinden sich auf Petershagener Stadtgebiet noch fünf weitere Bahnübergänge ohne technische Sicherung: zwei auf der Straße „An der Wandlung", einer auf einem Wirtschaftsweg nördlich von Gorspen-Vahlsen und zwei weitere in Windheim. Sie alle sollen möglichst schnell sichrer gemacht werden – bis die ersten Schranken kommen. Dabei geht es vor allem um eines: die Aufmerksamkeit vor Bahnübergängen zu erhöhen. Lesen Sie dazu auch: ADAC-Experte zu Bahnübergängen: „Ein rotes Blinklicht ist kein netter Hinweis"

Nach tödlichem Unfall: Friller Bahnübergang wird nochmal geprüft

Rote Lichter und eine Schranke: Wie hier in Döhren sollen möglichst alle Bahnübergänge in Petershagen technisch gesichert werden. In Frille wird es dazu in der kommenden Woche eine Verkehrsschau geben. MT-Foto: Oliver Plöger © Oliver Plöger

Petershagen. Die Bahnübergänge in Petershagen sollen sicherer werden. Darin ist sich Noch-Bürgermeister Dieter Blume (CDU) mit seinem gewählten Nachfolger Dirk Breves (CDU) und den Fachleuten in der Verwaltung einig. Sie alle zeigten sich in einem Gespräch mit dem MT tief betroffen nach dem Unfall vom vergangenen Sonntag, bei dem ein 20-Jähriger getötet wurde und der 19 Jahre alte Fahrer schwerstverletzt im Krankenhaus liegt. Jetzt soll möglichst schnell etwas geschehen, nachdem Forderungen nach einer technischen Sicherung des Bahnübergangs in der Vergangenheit unerfüllt geblieben waren.

Am Geld sei der Umbau nicht gescheitert, sagt Blume. Und auch in Zukunft sollen die Finanzen einer Schrankenanlage nicht im Wege stehen. Die Bahn, der Bund und die Kommune als Straßenbaulastträger müssen sich die Kosten zu je einem Drittel teilen. Eine Bahnsprecherin sagt dem MT auf Nachfrage, dass sich der Bund an der Beseitigung von Bahnübergängen stärker beteilige und den Anteil der Kommune übernehme – das gilt allerdings nicht für die technische Sicherung, sondern für die Finanzierung von Brücken und Unterführungen. In den vergangenen zehn Jahren habe die Bahn 460 Übergänge beseitigt und viele weitere technisch gesichert. Insgesamt verfügen nach Bahn-Angaben in NRW zwei Drittel aller Bahnübergänge über eine Schranke oder ein Lichtzeichen. Unabhängig davon müssen sich alle Beteiligten einig sein, den Übergang technisch abzusichern. Und genau hier könnte das Problem liegen: Rein rechtlich entspricht der Bahnübergang an der Holzstraße nämlich den Vorgaben.

Daran hat auch die Einschätzung des Kreises Minden-Lübbecke und der Polizei erstmal nichts geändert, die vor fast genau einem Jahr ihre Forderung nach einer technischen Sicherung erneuert haben. „Dieser Auffassung haben wir uns angeschlossen", sagt auch Blume rückblickend. Nur passiert sei seitdem nichts. Jetzt wollen sich die Vertreter der beteiligten Behörden und der Bahn in der kommenden Woche erneut treffen und den Bahnübergang im Rahmen einer Sonderschau begutachten. Blume verbindet damit einen deutlichen Anspruch: „Wir haben die klare Erwartungshaltung, hier eine Schranke zu bekommen."

Anders als noch vor einigen Jahren kommt die Sicherung mit einer Warnleuchte nicht mehr infrage, diese Lösung wird nicht mehr genehmigt. Die Alternative zur Schranke wäre damit nur noch, den Übergang zu schließen, doch das würde an anderen Stellen für Probleme sorgen. Der Verkehr müsste dann über den Brunnenweg ausweichen. Der Umweg wäre mit nur wenig mehr als einem Kilometer zwar überschaubar, der Brunnenweg könne die zusätzlichen Fahrzeuge aber nicht aufnehmen, sagt der Petershagener Bauamtsleiter Kay Busche – vor allem mit Blick auf große landwirtschaftliche Gespanne, für die allein die beiden Doppelkurven auf dem Brunnenweg zu eng seien.

Doch selbst wenn die nächste Verkehrsschau zu dem Ergebnis führen sollte, die Holzstraße mit einer Schranke zu sichern, würde es bis zur Umsetzung dieser „finalen Lösung", wie Breves es nannte, womöglich noch Jahre dauern. Aus diesem Grund prüfe die Stadtverwaltung parallel verschiedene Übergangslösungen. So könnte der Bahnübergang mit einer Treckerschleuse gesperrt werden und der landwirtschaftliche Verkehr hier weiterhin die Gleise passieren, alle anderen müssten über den Brunnenweg oder noch besser die Schaumburger Straße ausweichen – dort ist nicht nur ein Lichtsignal, sondern auch eine Schranke. Doch auch Treckerschleusen sind keine ideale Lösung: In Hille, wo vor etwa einem Jahr mehrere solcher Anlagen installiert worden sind, kommt es immer wider zu Beschädigungen, weil Autofahrer versuchen, die Sperren zu passieren.

Eine andere Möglichkeit wären sogenannte Berliner Kissen, die Autofahrer zum Abbremsen und so zur Einhaltung der an dieser Stelle zulässigen Höchstgeschwindigkeit von zehn Stundenkilometern zwingen. „Das wollen wir auf jeden Fall machen", sagt Blume – doch auch hier liegt der Teufel im Detail: denn die Autofahrer sollen beim Abbremsen und Anfahren auch nicht abgelenkt werden. Die Kissen seien kein Allheilmittel, sondern allenfalls eine Übergangslösung. Wie genau diese aussehen könnte, soll jetzt auch mit der Polizei besprochen werden. Und auch mit den Anwohnern „Am Brink" sei schon ein Gesprächstermin vereinbart.

Sicher ist aber schon jetzt, dass es nicht nur um die Holzstraße geht. Insgesamt befinden sich auf Petershagener Stadtgebiet noch fünf weitere Bahnübergänge ohne technische Sicherung: zwei auf der Straße „An der Wandlung", einer auf einem Wirtschaftsweg nördlich von Gorspen-Vahlsen und zwei weitere in Windheim. Sie alle sollen möglichst schnell sichrer gemacht werden – bis die ersten Schranken kommen. Dabei geht es vor allem um eines: die Aufmerksamkeit vor Bahnübergängen zu erhöhen.

Lesen Sie dazu auch: ADAC-Experte zu Bahnübergängen: „Ein rotes Blinklicht ist kein netter Hinweis"

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