Nach langer Pause: Lokale in Petershagen wieder gut gebucht Claudia Hyna Petershagen. „Endlich wieder feiern“: Die Erleichterung über die zunehmende Normalität hat Heinrich Rathert in letzter Zeit häufig von seinen Gästen gehört. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Landgasthauses in Meßlingen ist wie die anderen vom MT befragten Gastronomen zufrieden mit dem laufenden Geschäft. Hinsichtlich der Buchung von Weihnachtsfeiern sei aber noch Zurückhaltung spürbar, sagt der Gastwirt. Weniger Lametta Drei örtliche Vereine haben bisher bei Monika Strahs vom gleichnamigen Gasthaus in Seelenfeld eine Weihnachtsfeier bestellt. Anfragen liegen auch im Landgasthaus Husterbruch in Neuenknick und beim Alten Fischerhaus in Petershagen vor. „Das läuft gerade erst an, das ist zurzeit noch schwer zu sagen“, meint Andreas Lausecker vom Husterbruch. Heinrich Rathert hat bisher noch kein Interesse an Weihnachtsfeiern vernommen, ähnlich sieht es in der Weserscheune Buchholz aus. Das ist aber kein Grund zur Beunruhigung für die Inhaber: Die Gastronomen gehen davon aus, dass die Anrufe noch kommen. „Das ist oft eher kurzfristig der Fall, oft noch Ende Oktober oder im November“, weiß Sabine Böttcher von der Weserscheune. Zehn bis 15 Firmenfeiern waren in der vorweihnachtlichen Zeit in „normalen“ Jahren bei Heinrich Rathert gebucht. Mit so vielen rechnet der Geschäftsführer in diesem Jahr nicht, aber er denkt, dass es einige kleine Feiern geben wird. Gelungener Neuanfang Übereinstimmend sagen die Gastronomen, dass es nach dem Lockdown für sie gut angelaufen sei. Insgesamt stellen die Befragten aber fest, dass die Familienfeste und andere Feiern eher kleiner ausfallen, als vor Corona. Andreas Lausecker vom Landgasthaus Husterbruch in Neuenknick macht mittlerweile von vorneherein Abstriche bei der Planung. „Wenn 80 bis 100 Gäste angemeldet sind, kommen oft nur um die 75“, hat er festgestellt. Wer fern bleibt, scheut meist aus Altersgründen das Risiko einer großen Menschenmenge. Nur wenige seien darunter, die nicht geimpft seien und sich nicht testen lassen wollten. Insofern ist der Besitzer der Traditionsgaststätte von 1845 flächendeckend für die Einführung der 2G-Regel. „Die Leute sind eh zu 99 Prozent geimpft.“ Die bisher geplanten Weihnachtsfeiern seien mit 70 bis 80 Besuchern angesetzt, sagt Lausecker. Kürzlich habe er wieder eine Trauerfeier ausgerichtet, zu der 100 Menschen kamen. Dennoch käme er an die Umsätze aus den Jahren 2018 und 2019 noch nicht wieder heran. Die Auslastung im Oktober habe sich den Zahlen des Oktobers 2019 genähert. Man dürfe nicht vergessen: Eine Familienfeier weniger bedeute ein Minus von rund 7.000 Euro. Das Frühstück in der Weserscheune lief am Samstag und Sonntag von Anfang an sehr gut. Die Sonntage seien sogar immer ausgebucht, sagt Sabine Böttcher. Noch etwas stellt sie fest: Die Zahl der Radfahrer sei im Vergleich zu den Vorjahren erneut angestiegen. Im Gasthaus Strahs sind in diesem Jahr einige runde Geburtstage und Hochzeiten gefeiert worden – aber alles ohne Musik. Die Musik spielte hingegen beim Tanztee im Festsaal des Landgasthauses Rathert – und wie. Die erste Auflage nach dem Lockdown im März 2020 lockte Anfang Oktober auf einen Schlag 80 Leute an. „Da war ich selbst überrascht“, sagt der Inhaber. Vor Corona sei er komplett ausgebucht gewesen, die Feiern fassten oft 120 bis 160 Personen. Solche großen Feierlichkeiten gab es seit Corona nicht mehr, eher Festivitäten mit 60 bis 70 Personen. Den Trend zu kleineren Feiern bestätigt auch Monika Strahs. Die Feiernden selbst wollen dann auch richtig feiern, meint Rathert. „Und nicht immer denken, was darfst du, was darfst du nicht.“ Kein Personal Über die Auslastung seines Landgasthauses kann sich Andreas Lausecker, seit 1998 Betreiber vom Husterbruch, nicht beklagen. Im Gegenteil, er könne gar nicht alles annehmen, was ihm ins Haus flattere. Er hat ein anderes Problem, das er mit Gastronomen deutschlandweit teilt: Er findet kein Personal. Er habe bereits versucht, über die Agentur für Arbeit an Festanstellungen zu kommen, jedoch ohne Erfolg. Nun bestreiten seine Frau und er mit einigen Aushilfskräften die Wochenenden. Radfahrer bringen Umsatz Eine Familienangelegenheit ist auch das Alte Fischerhaus am Weserradweg in der Altstadt von Petershagen. Da es das erste Jahr unter ihrer Leitung ist, kann Mitinhaberin Alice Deymann keinen Vergleich ziehen. Der Sommer sei jedoch „super“ gelaufen, sagt sie. Wenn es so weiter laufe, könne sie sich nicht beklagen. Besonders wenn das Wetter mitspielt, sei der Biergarten gut besucht, auch noch jetzt im Herbst. Die meisten Gäste seien Radfahrer, sie kämen aus der Region, aber auch aus Freiburg, von der Nordsee oder sogar aus dem benachbarten Dänemark. Am Wochenende sei eine Motorradgruppe aus Hamburg angereist. Da trifft es sich gut, dass mittlerweile auch die drei Doppelzimmer fertig renoviert sind. Der Saal fasst bis zu 60 Leute, in etwa so viele kamen auch zu den Gesellschaften. Die Vorgänger hatten keine Veranstaltungen ausgerichtet. Bisher liege eine Anfrage für eine Weihnachtsfeier von einer heimischen Firma vor. Das Gasthaus Strahs ist für das kommende Jahr schon fast ausgebucht, sagt die Chefin. „Das ist sehr schön und darüber freuen wir uns sehr“, sagt die Chefin des Betriebes, der in diesem Jahr 90 Jahre besteht. Mehr von diesem Mut wünscht sich Rolf Dörmann vom gleichnamigen Gasthaus in Gorspen-Vahlsen. Ja, es liefe es wieder an, und ja, er sei zufrieden. Aber natürlich hatte er früher bessere Zeiten, wie er sagt. Er ist der Meinung, die Gastgeber sollten etwas lockerer sein und die Feier einfach buchen. Ein Kunde habe es gemacht und drei Wochen vorher die Geburtstagsfeier bestellt – alles klappte wie geplant. „In diesen Zeiten muss man eben flexibler sein.“ Und Kunden, die Angst um Regressforderungen hatten, kann er auch beruhigen: „Den Schaden haben wir.“

Nach langer Pause: Lokale in Petershagen wieder gut gebucht

Das Interesse an Feiern ist aktuell groß – bei Weihnachtsfeiern läuft es bisher zögerlich an, sagen die Gastronomen in Petershagen. Foto: imago-images © imago images/Panthermedia

Petershagen. „Endlich wieder feiern“: Die Erleichterung über die zunehmende Normalität hat Heinrich Rathert in letzter Zeit häufig von seinen Gästen gehört. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Landgasthauses in Meßlingen ist wie die anderen vom MT befragten Gastronomen zufrieden mit dem laufenden Geschäft. Hinsichtlich der Buchung von Weihnachtsfeiern sei aber noch Zurückhaltung spürbar, sagt der Gastwirt.

Weniger Lametta

Drei örtliche Vereine haben bisher bei Monika Strahs vom gleichnamigen Gasthaus in Seelenfeld eine Weihnachtsfeier bestellt. Anfragen liegen auch im Landgasthaus Husterbruch in Neuenknick und beim Alten Fischerhaus in Petershagen vor. „Das läuft gerade erst an, das ist zurzeit noch schwer zu sagen“, meint Andreas Lausecker vom Husterbruch. Heinrich Rathert hat bisher noch kein Interesse an Weihnachtsfeiern vernommen, ähnlich sieht es in der Weserscheune Buchholz aus. Das ist aber kein Grund zur Beunruhigung für die Inhaber: Die Gastronomen gehen davon aus, dass die Anrufe noch kommen. „Das ist oft eher kurzfristig der Fall, oft noch Ende Oktober oder im November“, weiß Sabine Böttcher von der Weserscheune. Zehn bis 15 Firmenfeiern waren in der vorweihnachtlichen Zeit in „normalen“ Jahren bei Heinrich Rathert gebucht. Mit so vielen rechnet der Geschäftsführer in diesem Jahr nicht, aber er denkt, dass es einige kleine Feiern geben wird.

Gelungener Neuanfang

Übereinstimmend sagen die Gastronomen, dass es nach dem Lockdown für sie gut angelaufen sei. Insgesamt stellen die Befragten aber fest, dass die Familienfeste und andere Feiern eher kleiner ausfallen, als vor Corona. Andreas Lausecker vom Landgasthaus Husterbruch in Neuenknick macht mittlerweile von vorneherein Abstriche bei der Planung. „Wenn 80 bis 100 Gäste angemeldet sind, kommen oft nur um die 75“, hat er festgestellt. Wer fern bleibt, scheut meist aus Altersgründen das Risiko einer großen Menschenmenge. Nur wenige seien darunter, die nicht geimpft seien und sich nicht testen lassen wollten. Insofern ist der Besitzer der Traditionsgaststätte von 1845 flächendeckend für die Einführung der 2G-Regel. „Die Leute sind eh zu 99 Prozent geimpft.“

Die bisher geplanten Weihnachtsfeiern seien mit 70 bis 80 Besuchern angesetzt, sagt Lausecker. Kürzlich habe er wieder eine Trauerfeier ausgerichtet, zu der 100 Menschen kamen. Dennoch käme er an die Umsätze aus den Jahren 2018 und 2019 noch nicht wieder heran. Die Auslastung im Oktober habe sich den Zahlen des Oktobers 2019 genähert. Man dürfe nicht vergessen: Eine Familienfeier weniger bedeute ein Minus von rund 7.000 Euro.

Das Frühstück in der Weserscheune lief am Samstag und Sonntag von Anfang an sehr gut. Die Sonntage seien sogar immer ausgebucht, sagt Sabine Böttcher. Noch etwas stellt sie fest: Die Zahl der Radfahrer sei im Vergleich zu den Vorjahren erneut angestiegen. Im Gasthaus Strahs sind in diesem Jahr einige runde Geburtstage und Hochzeiten gefeiert worden – aber alles ohne Musik.

Die Musik spielte hingegen beim Tanztee im Festsaal des Landgasthauses Rathert – und wie. Die erste Auflage nach dem Lockdown im März 2020 lockte Anfang Oktober auf einen Schlag 80 Leute an. „Da war ich selbst überrascht“, sagt der Inhaber. Vor Corona sei er komplett ausgebucht gewesen, die Feiern fassten oft 120 bis 160 Personen. Solche großen Feierlichkeiten gab es seit Corona nicht mehr, eher Festivitäten mit 60 bis 70 Personen. Den Trend zu kleineren Feiern bestätigt auch Monika Strahs. Die Feiernden selbst wollen dann auch richtig feiern, meint Rathert. „Und nicht immer denken, was darfst du, was darfst du nicht.“

Kein Personal

Über die Auslastung seines Landgasthauses kann sich Andreas Lausecker, seit 1998 Betreiber vom Husterbruch, nicht beklagen. Im Gegenteil, er könne gar nicht alles annehmen, was ihm ins Haus flattere. Er hat ein anderes Problem, das er mit Gastronomen deutschlandweit teilt: Er findet kein Personal. Er habe bereits versucht, über die Agentur für Arbeit an Festanstellungen zu kommen, jedoch ohne Erfolg. Nun bestreiten seine Frau und er mit einigen Aushilfskräften die Wochenenden.

Radfahrer bringen Umsatz

Eine Familienangelegenheit ist auch das Alte Fischerhaus am Weserradweg in der Altstadt von Petershagen. Da es das erste Jahr unter ihrer Leitung ist, kann Mitinhaberin Alice Deymann keinen Vergleich ziehen. Der Sommer sei jedoch „super“ gelaufen, sagt sie. Wenn es so weiter laufe, könne sie sich nicht beklagen. Besonders wenn das Wetter mitspielt, sei der Biergarten gut besucht, auch noch jetzt im Herbst.

Die meisten Gäste seien Radfahrer, sie kämen aus der Region, aber auch aus Freiburg, von der Nordsee oder sogar aus dem benachbarten Dänemark. Am Wochenende sei eine Motorradgruppe aus Hamburg angereist. Da trifft es sich gut, dass mittlerweile auch die drei Doppelzimmer fertig renoviert sind. Der Saal fasst bis zu 60 Leute, in etwa so viele kamen auch zu den Gesellschaften. Die Vorgänger hatten keine Veranstaltungen ausgerichtet. Bisher liege eine Anfrage für eine Weihnachtsfeier von einer heimischen Firma vor.

Das Gasthaus Strahs ist für das kommende Jahr schon fast ausgebucht, sagt die Chefin. „Das ist sehr schön und darüber freuen wir uns sehr“, sagt die Chefin des Betriebes, der in diesem Jahr 90 Jahre besteht. Mehr von diesem Mut wünscht sich Rolf Dörmann vom gleichnamigen Gasthaus in Gorspen-Vahlsen. Ja, es liefe es wieder an, und ja, er sei zufrieden. Aber natürlich hatte er früher bessere Zeiten, wie er sagt. Er ist der Meinung, die Gastgeber sollten etwas lockerer sein und die Feier einfach buchen. Ein Kunde habe es gemacht und drei Wochen vorher die Geburtstagsfeier bestellt – alles klappte wie geplant. „In diesen Zeiten muss man eben flexibler sein.“ Und Kunden, die Angst um Regressforderungen hatten, kann er auch beruhigen: „Den Schaden haben wir.“

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