Nach Tod der Wirtin des Lindenauer Kruges: Wie geht es weiter? Petershagen-Neuenknick. Der Lindenauer Krug war ihr Leben – dies zumindest sagen die Menschen, die Lotti Sölter kannten. Am 15. Dezember ist die Wirtin im Alter von 70 Jahren gestorben. Und obwohl die Kneipe, die sie fast 40 Jahre geleitet hat, coronabedingt geschlossen bleiben muss, ist die Anteilnahme groß. Vielen Menschen sei Lotti Sölter zur Freundin geworden, steht in einigen Traueranzeigen. „Wir werden dich nie vergessen“, schreiben die Vertreter der Vereine. Lieselotte Sölter, so der volle Name der Vereinswirtin, war offenbar eine Institution im Ort. „Sie war für jeden hier ein Begriff“, meint Lars Windheim (47), Chef der vierten Kompanie des Bürgerbataillons. Sicher hätte sie die Gaststätte gerne noch einige Jahre weiter geführt. Der Lindenauer Krug war sowohl Vereinslokal der 4. Bürgerkompanie Neuenknick, der SC Neuenknick und des Vereins Wi holt to hope. Auch die Fußballer trafen sich hier. Für die Bürgerkompanie war das Lokal Stützpunkt beim Schützenfest, hier begannen ihre Radtouren, hier feierten sie das Winterfest. Die Radfahrgruppe Flotte Pedale hat dort alle zwei Jahre – im Wechsel mit dem Gasthaus Husterbruch – ihren Jahresabschluss gefeiert. In einer Zeit des Kneipensterbens behauptete sich der Lindenauer Krug, der zuletzt noch an vier Tagen in der Woche geöffnet war. Ein beliebter Treffpunkt war die Gaststätte für Junggesellen, sagt Windheim. „Hier konnte man immer das Neueste aus dem Dorf erfahren.“ Der Krug war keine gestylte Bar, sondern urig und gemütlich sei es dort gewesen, das schätzten die Menschen. Denn Orte, an denen man nur ein Bier trinken und knobeln kann, gibt es immer seltener. „Durch deine Herzlichkeit haben wir uns immer bei dir wohl gefühlt“, lauten die Abschiedsworte der Gemeinschaft Wi holt to hope, die sich ebenfalls im Lindenauer Krug traf. „Unendlich traurig“, sind die „Stammgäste“, die zahlreich unterschrieben haben. Beim treuen Publikum habe Lotti Sölter nicht so genau aufs Geld geschaut, merkt Lars Windheim an. Nachtisch und Schnaps am Ende einer Veranstaltung hätte sie nicht immer in Rechnung gestellt. Sie sei eben „herzensgut“ gewesen, meint der Kompaniechef, oder „mit Leib und Seele Wirtin“. Diese Worte kann ihre Tochter Tanja nur unterstreichen. Der Spruch eines Stammgastes sei gewesen: „Du brauchst keinen Arzt und keine Apotheke, stehst du bei Lotti an der Theke.“ Als Corona im zurückliegenden Jahr zur Schließung der Gaststätte zwang, wäre das gegen das Pflichtbewusstsein ihrer Mutter gewesen. „Die wollen doch kommen, ich muss öffnen“, hätte sie anfangs immer gesagt. Ein Hygienekonzept sei jedoch nicht umsetzbar gewesen. Nach langen Jahren mit Saalbetrieb und Gesellschaften war der Krug zuletzt vor allem eine kleine Dorfkneipe gewesen. „Wir hätten die Theke schließen müssen und das hätte nicht funktioniert“, sagt Tanja Sölter. Auch den Abstand konnten sie nicht wahren. So steht es in den Sternen, ob und wann der Lindenauer Krug wieder öffnet. Das bespricht die Tochter aktuell mit ihrem Bruder Manuel und ihrem 19-jährigen Sohn Niclas, die ebenfalls immer mitgeholfen haben. „Wir sind ein Familienbetrieb“, macht Tanja Sölter klar. Sie selbst hat mit angepackt, seitdem sie 14 Jahre alt ist. Sie seien nicht immer einer Meinung gewesen, aber sie waren immer füreinander da, um alles zu meistern, sagt sie. Ferdinand Sieling gründete im Jahr 1955 auf der Lindenau eine Schankwirtschaft. Im gleichen Haus gab es bereits seit 1896 einen Gemischtwarenladen, hier kauften die Neuenknicker Lebensmittel, Haushaltsgeräte, landwirtschaftlichen Bedarf und Getränke. Sieling startete mit wenigen Mitteln: Theke ohne Zapfhahn, einige Stühle und Tische, das war zunächst alles. 1962 baute er einen Saal von 110 Quadratmetern an. Dort brachte er die Gäste nach einer Treibjagd oder beim Preisskat unter. 1969 übernahmen Tochter Friedchen und Schwiegersohn Wilhelm Meyer den Betrieb. Eine weitere Modernisierung fand 1972 statt, damals wurde der Saal um 70 Quadratmeter erweitert und neue Sanitärräume entstanden. Nach dem Tod ihres Vaters hatte Lotti Sölter den Betrieb 1979 übernommen. In dem Jahr wurde die Wirtschaft um einen Thekenraum ergänzt. Ihre Mutter hätte schon wesentlich länger im Krug gearbeitet, berichtet Tochter Tanja, nur eben nicht als alleinige Chefin. Immer wieder hatte ihre Mutter mit schweren Krankheiten zu kämpfen, immer wieder machte sie weiter. Die Beerdigung fand coronabedingt im kleinen Kreis statt. Einige waren danach an der Grabstelle, um sich von ihr zu verabschieden. Immer noch kommen Kondolenzkarten an. „Meine Mutter hinterlässt nicht nur bei uns ein großes Loch“, sagt Tanja Sölter. 1994 hatte ihre Mutter die Idee, für krebskranke Kinder zu sammeln. Daran schlossen sich mehrere Spendenaktionen für den guten Zweck an. Jederzeit hätte die Neuenknickerin ihre Hilfe angeboten, weit über das normale Maß hinaus, sagt Lars Windheim. Die Anzeigen fassen das in zwei Worte: Danke, Lotti.

Nach Tod der Wirtin des Lindenauer Kruges: Wie geht es weiter?

lotti Foto: pr © pr

Petershagen-Neuenknick. Der Lindenauer Krug war ihr Leben – dies zumindest sagen die Menschen, die Lotti Sölter kannten. Am 15. Dezember ist die Wirtin im Alter von 70 Jahren gestorben. Und obwohl die Kneipe, die sie fast 40 Jahre geleitet hat, coronabedingt geschlossen bleiben muss, ist die Anteilnahme groß. Vielen Menschen sei Lotti Sölter zur Freundin geworden, steht in einigen Traueranzeigen.

„Wir werden dich nie vergessen“, schreiben die Vertreter der Vereine. Lieselotte Sölter, so der volle Name der Vereinswirtin, war offenbar eine Institution im Ort. „Sie war für jeden hier ein Begriff“, meint Lars Windheim (47), Chef der vierten Kompanie des Bürgerbataillons. Sicher hätte sie die Gaststätte gerne noch einige Jahre weiter geführt. Der Lindenauer Krug war sowohl Vereinslokal der 4. Bürgerkompanie Neuenknick, der SC Neuenknick und des Vereins Wi holt to hope. Auch die Fußballer trafen sich hier.

Lieselotte Sölter war für ihre Herzlichkeit bekannt. - © privat
Lieselotte Sölter war für ihre Herzlichkeit bekannt. - © privat

Für die Bürgerkompanie war das Lokal Stützpunkt beim Schützenfest, hier begannen ihre Radtouren, hier feierten sie das Winterfest. Die Radfahrgruppe Flotte Pedale hat dort alle zwei Jahre – im Wechsel mit dem Gasthaus Husterbruch – ihren Jahresabschluss gefeiert. In einer Zeit des Kneipensterbens behauptete sich der Lindenauer Krug, der zuletzt noch an vier Tagen in der Woche geöffnet war.

Ein beliebter Treffpunkt war die Gaststätte für Junggesellen, sagt Windheim. „Hier konnte man immer das Neueste aus dem Dorf erfahren.“ Der Krug war keine gestylte Bar, sondern urig und gemütlich sei es dort gewesen, das schätzten die Menschen. Denn Orte, an denen man nur ein Bier trinken und knobeln kann, gibt es immer seltener.

„Durch deine Herzlichkeit haben wir uns immer bei dir wohl gefühlt“, lauten die Abschiedsworte der Gemeinschaft Wi holt to hope, die sich ebenfalls im Lindenauer Krug traf. „Unendlich traurig“, sind die „Stammgäste“, die zahlreich unterschrieben haben. Beim treuen Publikum habe Lotti Sölter nicht so genau aufs Geld geschaut, merkt Lars Windheim an. Nachtisch und Schnaps am Ende einer Veranstaltung hätte sie nicht immer in Rechnung gestellt.

Sie sei eben „herzensgut“ gewesen, meint der Kompaniechef, oder „mit Leib und Seele Wirtin“. Diese Worte kann ihre Tochter Tanja nur unterstreichen. Der Spruch eines Stammgastes sei gewesen: „Du brauchst keinen Arzt und keine Apotheke, stehst du bei Lotti an der Theke.“ Als Corona im zurückliegenden Jahr zur Schließung der Gaststätte zwang, wäre das gegen das Pflichtbewusstsein ihrer Mutter gewesen. „Die wollen doch kommen, ich muss öffnen“, hätte sie anfangs immer gesagt.

Ein Hygienekonzept sei jedoch nicht umsetzbar gewesen. Nach langen Jahren mit Saalbetrieb und Gesellschaften war der Krug zuletzt vor allem eine kleine Dorfkneipe gewesen. „Wir hätten die Theke schließen müssen und das hätte nicht funktioniert“, sagt Tanja Sölter. Auch den Abstand konnten sie nicht wahren. So steht es in den Sternen, ob und wann der Lindenauer Krug wieder öffnet. Das bespricht die Tochter aktuell mit ihrem Bruder Manuel und ihrem 19-jährigen Sohn Niclas, die ebenfalls immer mitgeholfen haben. „Wir sind ein Familienbetrieb“, macht Tanja Sölter klar. Sie selbst hat mit angepackt, seitdem sie 14 Jahre alt ist. Sie seien nicht immer einer Meinung gewesen, aber sie waren immer füreinander da, um alles zu meistern, sagt sie.

Ferdinand Sieling gründete im Jahr 1955 auf der Lindenau eine Schankwirtschaft. Im gleichen Haus gab es bereits seit 1896 einen Gemischtwarenladen, hier kauften die Neuenknicker Lebensmittel, Haushaltsgeräte, landwirtschaftlichen Bedarf und Getränke. Sieling startete mit wenigen Mitteln: Theke ohne Zapfhahn, einige Stühle und Tische, das war zunächst alles. 1962 baute er einen Saal von 110 Quadratmetern an. Dort brachte er die Gäste nach einer Treibjagd oder beim Preisskat unter. 1969 übernahmen Tochter Friedchen und Schwiegersohn Wilhelm Meyer den Betrieb. Eine weitere Modernisierung fand 1972 statt, damals wurde der Saal um 70 Quadratmeter erweitert und neue Sanitärräume entstanden.

Nach dem Tod ihres Vaters hatte Lotti Sölter den Betrieb 1979 übernommen. In dem Jahr wurde die Wirtschaft um einen Thekenraum ergänzt. Ihre Mutter hätte schon wesentlich länger im Krug gearbeitet, berichtet Tochter Tanja, nur eben nicht als alleinige Chefin. Immer wieder hatte ihre Mutter mit schweren Krankheiten zu kämpfen, immer wieder machte sie weiter. Die Beerdigung fand coronabedingt im kleinen Kreis statt. Einige waren danach an der Grabstelle, um sich von ihr zu verabschieden. Immer noch kommen Kondolenzkarten an.

„Meine Mutter hinterlässt nicht nur bei uns ein großes Loch“, sagt Tanja Sölter. 1994 hatte ihre Mutter die Idee, für krebskranke Kinder zu sammeln. Daran schlossen sich mehrere Spendenaktionen für den guten Zweck an. Jederzeit hätte die Neuenknickerin ihre Hilfe angeboten, weit über das normale Maß hinaus, sagt Lars Windheim. Die Anzeigen fassen das in zwei Worte: Danke, Lotti.

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