Nach Preissenkung: Schloss Petershagen reserviert Oliver Plöger Petershagen.Beim Schloss in Petershagen hat sich der Status auf der Internetseite des Immobilienanbieters verändert. Der historische Gebäudekomplex gilt jetzt ausdrücklich als reserviert. Es gebe natürlich keine Information, wer hier Kaufinteresse bekundet hat, hieß es gestern aus der Immobilienfirma. Auch die Betreiberfamilie hielt sich zurück. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt möchten wir keine Aussagen bezüglich des Schlossverkaufes tätigen“, hieß es von Friederike Hestermann. Auch bei der Stadt, die eventuellen Kaufinteressenten bei der Nutzung von Fördermöglichkeiten helfen will, liegen laut Pressestelle keine Informationen vor. Das Schloss steht seit 2018 leer. Dass die Immobilie überregionale Bedeutung habe, betonte Martin Fahrland als Geschäftsführer der Mittelweser-Touristik. Ganz so viele Schlösser gebe es in der Region nicht, die Renaissance-Anlage in Petershagen sei eine Perle, auch der Standort am Weserradweg sei bedeutend. Eine Nutzung mit Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen wäre sinnvoll, sagte Fahrland. Bekannt sei aber auch, dass Schlösser zuweilen durch Unternehmen aufgekauft werden, die hier Seminarstätten anbieten.Auch für die Stadt Petershagen ist das Schloss von Bedeutung, explizit in der so genannten Rahmenplanung, die die künftige Entwicklung der Ortszentren aufzeigt. Das Bielefelder Planungsbüro Complan hatte bereits ein Sanierungs- und Nutzungskonzept vorgeschlagen: Das Schlossgelände verfüge über deutliche Potenziale für eine halböffentliche oder öffentliche Nutzung. Eine Bewirtschaftung als Gastronomie- und Beherbergungsbetrieb erscheine sinnvoll, setze aber umfangreiche substanzerhaltende und denkmaladäquate Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten voraus. Mehrfach war zudem davon die Rede, dass das Schloss innerörtlich nicht ohne weiteres wahrnehmbar sei – es müsse in die weitere Stadtentwicklung eingebunden werden, darunter auch durch die Wiederbelebung historischer Wege. Sollte es einen künftigen Nutzer geben, hatte die Stadt bereits Hilfe angeboten und auf eine mögliche Modernisierungs- und Instandsetzungsvereinbarung mit dem Eigentümer hingewiesen. Der erhöhte Sanierungsbedarf ist kein Geheimnis: Grund seien Um- und Einbauten über Jahrhunderte, die Auswirkungen auf Raumstruktur und Bausubstanz vermuten lassen. Der Stadt Petershagen, so heißt es in der Rahmenplanung, komme bei einem künftigen Privateigentümer die Information und Beratung zu Fördermöglichkeiten zu. Konkrete Angaben von Kosten gibt es noch nicht. Ob allerdings ein noch vor Corona geplanter Projektzeitraum von 2023 bis 2024 eingehalten werden kann, erscheint zum jetzigen Zeitpunkt fraglich.Dass es in der Vergangenheit mehrfach Interessenten gegeben habe und zwischendurch der Status schon einmal auf „Reserviert“ gesetzt worden sei, hieß es gestern aus der Petershäger Politik. „Ich wäre da sehr vorsichtig“, meinte ein Ratsvertreter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte. Trotz des neu festgesetzten Verkaufspreises seien immense Kosten nötig. Auch die katholische Kirche soll zwischendurch Interesse signalisiert haben. Die Unternehmensgruppe Gauselmann, die schon Schloss Benkhausen gekauft hatte, sei nie interessiert gewesen. „Ein Gerücht“, hieß es aus der dortigen Presseabteilung. Nicht ganz einfach war bislang offenbar die Vermarktung durch die Immobilienfirma, die die Abwicklung gestern als „sehr sensibel“ bezeichnete. Das Schloss sollte 2018 zunächst für 1,6 Millionen verkauft werden, Anfang 2020 dann für 1,2 Millionen, zuletzt noch für 950.000 Euro. Nach wie vor wird der Zustand im Exposé aber als „gut“ bezeichnet. Die Betreiberfamilie konnte das Schloss mit den bestehenden 15 Hotelzimmern und dem laufenden Gastronomiebetrieb nicht weiter finanzieren, zumal die Kosten in den vergangenen Jahren explodiert waren. Eine privat finanzierte Erweiterung wurde damals ausgeschlossen. Auch für die Ortsheimatpflege ist das im 16. Jahrhundert im Renaissance-Stil erweiterte Schloss ein Dauerbrenner. „Es wäre schön, wenn sich ein Besitzer finden würde, der vielleicht eine gemischte Nutzung ins Auge fasst“, so Ortsheimatpfleger Uwe Jacobsen. Dabei verwies er auch auf hunderte Exponate, die Schlossbesitzer Klaus Hestermann zusammengetragen hatte. Jacobsen wollte der Diskussion um das Schloss bereits im Vorjahr neue Impulse geben und hatte die Schloss- und Stadtgeschichte von Gustav Hestermann neu aufgelegt.Gebaut wurde das Schloss um 1306 als Sitz der Fürstbischöfe von Minden. Im 16. Jahrhundert kam es zum Umbau im Stil der Weserrenaissance unter Bischof II. von Waldeck. Seit 1850 befindet sich das Schloss in Privatbesitz.

Nach Preissenkung: Schloss Petershagen reserviert

Das Schloss spielt nicht zuletzt für die touristische Entwicklung in Petershagen eine große Rolle, hieß es gestern aus der Mittelweser-Touristik. Aktuell gibt es offenbar Interessenten. MT-Foto: Oliver Plöger

Petershagen.Beim Schloss in Petershagen hat sich der Status auf der Internetseite des Immobilienanbieters verändert. Der historische Gebäudekomplex gilt jetzt ausdrücklich als reserviert. Es gebe natürlich keine Information, wer hier Kaufinteresse bekundet hat, hieß es gestern aus der Immobilienfirma. Auch die Betreiberfamilie hielt sich zurück. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt möchten wir keine Aussagen bezüglich des Schlossverkaufes tätigen“, hieß es von Friederike Hestermann. Auch bei der Stadt, die eventuellen Kaufinteressenten bei der Nutzung von Fördermöglichkeiten helfen will, liegen laut Pressestelle keine Informationen vor. Das Schloss steht seit 2018 leer.

Dass die Immobilie überregionale Bedeutung habe, betonte Martin Fahrland als Geschäftsführer der Mittelweser-Touristik. Ganz so viele Schlösser gebe es in der Region nicht, die Renaissance-Anlage in Petershagen sei eine Perle, auch der Standort am Weserradweg sei bedeutend. Eine Nutzung mit Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen wäre sinnvoll, sagte Fahrland. Bekannt sei aber auch, dass Schlösser zuweilen durch Unternehmen aufgekauft werden, die hier Seminarstätten anbieten.

Auch für die Stadt Petershagen ist das Schloss von Bedeutung, explizit in der so genannten Rahmenplanung, die die künftige Entwicklung der Ortszentren aufzeigt. Das Bielefelder Planungsbüro Complan hatte bereits ein Sanierungs- und Nutzungskonzept vorgeschlagen: Das Schlossgelände verfüge über deutliche Potenziale für eine halböffentliche oder öffentliche Nutzung. Eine Bewirtschaftung als Gastronomie- und Beherbergungsbetrieb erscheine sinnvoll, setze aber umfangreiche substanzerhaltende und denkmaladäquate Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten voraus. Mehrfach war zudem davon die Rede, dass das Schloss innerörtlich nicht ohne weiteres wahrnehmbar sei – es müsse in die weitere Stadtentwicklung eingebunden werden, darunter auch durch die Wiederbelebung historischer Wege.

Sollte es einen künftigen Nutzer geben, hatte die Stadt bereits Hilfe angeboten und auf eine mögliche Modernisierungs- und Instandsetzungsvereinbarung mit dem Eigentümer hingewiesen. Der erhöhte Sanierungsbedarf ist kein Geheimnis: Grund seien Um- und Einbauten über Jahrhunderte, die Auswirkungen auf Raumstruktur und Bausubstanz vermuten lassen. Der Stadt Petershagen, so heißt es in der Rahmenplanung, komme bei einem künftigen Privateigentümer die Information und Beratung zu Fördermöglichkeiten zu. Konkrete Angaben von Kosten gibt es noch nicht. Ob allerdings ein noch vor Corona geplanter Projektzeitraum von 2023 bis 2024 eingehalten werden kann, erscheint zum jetzigen Zeitpunkt fraglich.

Dass es in der Vergangenheit mehrfach Interessenten gegeben habe und zwischendurch der Status schon einmal auf „Reserviert“ gesetzt worden sei, hieß es gestern aus der Petershäger Politik. „Ich wäre da sehr vorsichtig“, meinte ein Ratsvertreter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte. Trotz des neu festgesetzten Verkaufspreises seien immense Kosten nötig. Auch die katholische Kirche soll zwischendurch Interesse signalisiert haben. Die Unternehmensgruppe Gauselmann, die schon Schloss Benkhausen gekauft hatte, sei nie interessiert gewesen. „Ein Gerücht“, hieß es aus der dortigen Presseabteilung.

Nicht ganz einfach war bislang offenbar die Vermarktung durch die Immobilienfirma, die die Abwicklung gestern als „sehr sensibel“ bezeichnete. Das Schloss sollte 2018 zunächst für 1,6 Millionen verkauft werden, Anfang 2020 dann für 1,2 Millionen, zuletzt noch für 950.000 Euro. Nach wie vor wird der Zustand im Exposé aber als „gut“ bezeichnet.

Die Betreiberfamilie konnte das Schloss mit den bestehenden 15 Hotelzimmern und dem laufenden Gastronomiebetrieb nicht weiter finanzieren, zumal die Kosten in den vergangenen Jahren explodiert waren. Eine privat finanzierte Erweiterung wurde damals ausgeschlossen.

Auch für die Ortsheimatpflege ist das im 16. Jahrhundert im Renaissance-Stil erweiterte Schloss ein Dauerbrenner. „Es wäre schön, wenn sich ein Besitzer finden würde, der vielleicht eine gemischte Nutzung ins Auge fasst“, so Ortsheimatpfleger Uwe Jacobsen. Dabei verwies er auch auf hunderte Exponate, die Schlossbesitzer Klaus Hestermann zusammengetragen hatte. Jacobsen wollte der Diskussion um das Schloss bereits im Vorjahr neue Impulse geben und hatte die Schloss- und Stadtgeschichte von Gustav Hestermann neu aufgelegt.

Gebaut wurde das Schloss um 1306 als Sitz der Fürstbischöfe von Minden. Im 16. Jahrhundert kam es zum Umbau im Stil der Weserrenaissance unter Bischof II. von Waldeck. Seit 1850 befindet sich das Schloss in Privatbesitz.

Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Petershagen