NRW-Landtagswahl: Kandidat Karsten Ebert hat sich in der Pandemie als Unternehmer nicht wahrgenommen gefühlt Oliver Plöger Petershagen. In seiner Freizeit spielt er Schach und hat den Sturz des Königs im Visier. Im richtigen Leben vertreibt der Unternehmer Süßwaren und will jetzt in den Landtag: Karsten Ebert tritt im Wahlkreis 88 Minden-Lübbecke I für die Partei „Die Basis“ an. Der 58-Jährige lebt in Werther und ist bereits Bezirksvorsitzender in Ostwestfalen-Lippe. Als solcher musste er zur Kenntnis nehmen, dass sich für Hille, Petershagen und den Altkreis Lübbecke kein Kandidat finden wollte. „Da habe ich dann gesagt: Ehe wir das freilassen, helfe ich und mache das.“ Dass er nicht direkt aus der Gegend stammt, sei kein Problem, da er mit den Verhältnissen vor Ort durch seine vor einem Jahr übernommene Tätigkeit als Bezirksvorsitzender schon ganz gut vertraut sei. Gleichwohl sei er darauf angewiesen, dass ihm die hiesigen Parteimitglieder bei Sachfragen zuarbeiten. Geschätzte einhundert Personen gehörten der Kleinpartei im Wahlkreis an. Ebert selbst ist 2020 in die gerade gegründete „Die Basis“ eingetreten, seine erste direkte politische Aktivität überhaupt, wie er sagt. Doch was war der Anlass? „Ich bin Unternehmer, habe den ersten Lockdown mitbekommen, dann den zweiten und habe gedacht: Wenn ich hier nur zuhause rumsitze, dann passiert nichts.“ Als Selbstständiger wolle und müsse er arbeiten können.Ebert ist mit Süßwaren im Groß- und Einzelhandel unterwegs, fährt auf Weihnachtsmärkte, Stadtfeste, war bei der Landpartie in Bückeburg dabei und ist zudem – ein weiterer Geschäftszweig – auf Whiskymessen im Bundesgebiet vertreten. „Die Lockdowns haben mir weh getan, so wie vielen meiner Kollegen gerade im Großhandelsbereich und im Veranstaltungssektor.“ Von der Bundesregierung habe er sich während der Pandemie nicht wahr genommen gefühlt, sagt er. Dass man zu Anfang in den Lockdown gegangen ist, würde jeder verstehen, auch er selbst sei kein Corona-Leugner. „Aber dann gab es keinen Diskurs mehr, es gab nur eine vorgefertigte Meinungen vom Robert-Koch-Institut (RKI). Und wer sich nicht auf dessen Linie befindet, wird von den Medien komplett ausgeschaltet.“Das empfinde Ebert als großen Fehler und sagt: „Das RKI ist ein weisungsgebundenes nachrangiges Gremium. So ein Konstrukt kann doch nicht zur Lösung von Problemen beitragen.“ Er wünsche sich von der Bundesregierung, dass sie mehrere Meinungen einholt und daraus dann einen politischen Willen bildet. „Das hat nicht stattgefunden und das kreide ich an.“ Hier sehe Ebert den Ansatz seiner Partei: „Uns geht es um einen sachlichen Diskurs unter Fachleuten.“ Es solle die beste Lösung gewinnen und nicht die, hinter der die meisten Lobbyisten stehen.Auf „Die Basis“, die auch als Arm der „Querdenker“-Bewegung gilt und sich gegen die Impfpflicht ausgesprochen hat, sei er dann gestoßen, da es die Altparteien in den vergangenen 40 Jahren nicht geschafft hätten, Demokratie so hinzubekommen, wie Ebert sich das wünschen würde. „Ich bin in den neuen Bundesländern geboren, bin fünf Wochen vor dem Mauerfall ausgereist, weil ich mit dem System der DDR nicht zufrieden war. Dann habe ich gedacht, ich bin in der Demokratie angekommen und alles ist schön.“ Ein Trugschluss, wie er erfahren musste. „Demokratie muss immer wieder erstritten und erkämpft werden und ist kein Selbstläufer.“ Für ihn sei „Die Basis“ dann naheliegend gewesen, da er die Strukturen in den alten Parteien für verkrustet hält. „Leute wie früher, die Charakterköpfe waren, hätten heute gar keine Chance mehr, weil sie vom Parteiklüngel abgesägt werden“, meint er. Ebert, dem es nach eigenen Worten nicht um „rechts“ oder „links“ geht, findet es schlimm, dass es fast 40 Prozent Nicht-Wähler gebe. „Da begegnen mir Leute die sagen: Von Politik habe ich die Schnauze voll, die belügen mich von vorne bis hinten.“ Das sei sehr schmerzhaft, denn Demokratie lebe von Beteiligung. Wichtigste Aufgabe sei es, Vertrauen wieder herzustellen. Wenn so viele Wähler fehlen, entscheide nicht der Volkswille. Ebert bezweifelt, dass die etablierten Parteien an diesen 40 Prozent interessiert sind: „Deren Vertreter könnten ja ihre Posten verlieren.“ Der Landtagswahl blickt Karsten Ebert mit großer Spannung entgegen – und spielt bis dahin sicher noch die eine oder andere Partie Schach. Dabei kann er ziemlich sicher sein, dass er die Oberen zu Fall bringt. Das Königliche Spiel spielt er bereits seit 1981, mischt als Betreuer von Jugendmannschaften bei der NRW-Landesmeiserschaft mit. Ob er auch mit seinem Engagement für „Die Basis“ und im richtigen Leben an den Machtgefügen wackeln kann, wird sich spätestens am 15. Mai zeigen.

NRW-Landtagswahl: Kandidat Karsten Ebert hat sich in der Pandemie als Unternehmer nicht wahrgenommen gefühlt

Traut den Altparteien nicht: Karsten Ebert tritt im Wahlkreis 88 Minden-Lübbecke I als Landtagskandidat an. Foto: privat © x

Petershagen. In seiner Freizeit spielt er Schach und hat den Sturz des Königs im Visier. Im richtigen Leben vertreibt der Unternehmer Süßwaren und will jetzt in den Landtag: Karsten Ebert tritt im Wahlkreis 88 Minden-Lübbecke I für die Partei „Die Basis“ an.

Der 58-Jährige lebt in Werther und ist bereits Bezirksvorsitzender in Ostwestfalen-Lippe. Als solcher musste er zur Kenntnis nehmen, dass sich für Hille, Petershagen und den Altkreis Lübbecke kein Kandidat finden wollte. „Da habe ich dann gesagt: Ehe wir das freilassen, helfe ich und mache das.“ Dass er nicht direkt aus der Gegend stammt, sei kein Problem, da er mit den Verhältnissen vor Ort durch seine vor einem Jahr übernommene Tätigkeit als Bezirksvorsitzender schon ganz gut vertraut sei. Gleichwohl sei er darauf angewiesen, dass ihm die hiesigen Parteimitglieder bei Sachfragen zuarbeiten. Geschätzte einhundert Personen gehörten der Kleinpartei im Wahlkreis an.

Ebert selbst ist 2020 in die gerade gegründete „Die Basis“ eingetreten, seine erste direkte politische Aktivität überhaupt, wie er sagt. Doch was war der Anlass? „Ich bin Unternehmer, habe den ersten Lockdown mitbekommen, dann den zweiten und habe gedacht: Wenn ich hier nur zuhause rumsitze, dann passiert nichts.“ Als Selbstständiger wolle und müsse er arbeiten können.

Ebert ist mit Süßwaren im Groß- und Einzelhandel unterwegs, fährt auf Weihnachtsmärkte, Stadtfeste, war bei der Landpartie in Bückeburg dabei und ist zudem – ein weiterer Geschäftszweig – auf Whiskymessen im Bundesgebiet vertreten. „Die Lockdowns haben mir weh getan, so wie vielen meiner Kollegen gerade im Großhandelsbereich und im Veranstaltungssektor.“ Von der Bundesregierung habe er sich während der Pandemie nicht wahr genommen gefühlt, sagt er. Dass man zu Anfang in den Lockdown gegangen ist, würde jeder verstehen, auch er selbst sei kein Corona-Leugner. „Aber dann gab es keinen Diskurs mehr, es gab nur eine vorgefertigte Meinungen vom Robert-Koch-Institut (RKI). Und wer sich nicht auf dessen Linie befindet, wird von den Medien komplett ausgeschaltet.“

Das empfinde Ebert als großen Fehler und sagt: „Das RKI ist ein weisungsgebundenes nachrangiges Gremium. So ein Konstrukt kann doch nicht zur Lösung von Problemen beitragen.“ Er wünsche sich von der Bundesregierung, dass sie mehrere Meinungen einholt und daraus dann einen politischen Willen bildet. „Das hat nicht stattgefunden und das kreide ich an.“ Hier sehe Ebert den Ansatz seiner Partei: „Uns geht es um einen sachlichen Diskurs unter Fachleuten.“ Es solle die beste Lösung gewinnen und nicht die, hinter der die meisten Lobbyisten stehen.

Auf „Die Basis“, die auch als Arm der „Querdenker“-Bewegung gilt und sich gegen die Impfpflicht ausgesprochen hat, sei er dann gestoßen, da es die Altparteien in den vergangenen 40 Jahren nicht geschafft hätten, Demokratie so hinzubekommen, wie Ebert sich das wünschen würde. „Ich bin in den neuen Bundesländern geboren, bin fünf Wochen vor dem Mauerfall ausgereist, weil ich mit dem System der DDR nicht zufrieden war. Dann habe ich gedacht, ich bin in der Demokratie angekommen und alles ist schön.“ Ein Trugschluss, wie er erfahren musste. „Demokratie muss immer wieder erstritten und erkämpft werden und ist kein Selbstläufer.“ Für ihn sei „Die Basis“ dann naheliegend gewesen, da er die Strukturen in den alten Parteien für verkrustet hält. „Leute wie früher, die Charakterköpfe waren, hätten heute gar keine Chance mehr, weil sie vom Parteiklüngel abgesägt werden“, meint er. Ebert, dem es nach eigenen Worten nicht um „rechts“ oder „links“ geht, findet es schlimm, dass es fast 40 Prozent Nicht-Wähler gebe. „Da begegnen mir Leute die sagen: Von Politik habe ich die Schnauze voll, die belügen mich von vorne bis hinten.“ Das sei sehr schmerzhaft, denn Demokratie lebe von Beteiligung. Wichtigste Aufgabe sei es, Vertrauen wieder herzustellen. Wenn so viele Wähler fehlen, entscheide nicht der Volkswille. Ebert bezweifelt, dass die etablierten Parteien an diesen 40 Prozent interessiert sind: „Deren Vertreter könnten ja ihre Posten verlieren.“

Der Landtagswahl blickt Karsten Ebert mit großer Spannung entgegen – und spielt bis dahin sicher noch die eine oder andere Partie Schach. Dabei kann er ziemlich sicher sein, dass er die Oberen zu Fall bringt. Das Königliche Spiel spielt er bereits seit 1981, mischt als Betreuer von Jugendmannschaften bei der NRW-Landesmeiserschaft mit. Ob er auch mit seinem Engagement für „Die Basis“ und im richtigen Leben an den Machtgefügen wackeln kann, wird sich spätestens am 15. Mai zeigen.

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