Mats Brase tritt als jüngster Kandidat bei der Kommunalwahl in Petershagen an Claudia Hyna Petershagen-Quetzen. Wo der Weg beruflich hingeht, ist für Mats Brase noch völlig offen. In seiner politischen Einstellung ist der 17-Jährige aus Quetzen klarer: "Die SPD hat in ihrer Geschichte immer etwas bewegt und sich für bessere Lebensbedingungen vor allem kleiner Leute eingesetzt", sagt er. Und weil er die Politik nicht allein den Älteren überlassen will, kandidiert Mats bei der Kommunalwahl für die SPD in Quetzen und Frille I. Seit einigen Wochen ist der Quetzer frischgebackener Abiturient des Gymnasiums Petershagen. Genau zwei Tage vor der Kommunalwahl wird er übrigens 18 – damit ist er wohl der jüngste Kandidat. Im September beginnt Mats – der von Kindheit an Handball spielt – ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Stadtsportverband Petershagen. Bei der HSG Petershagen-Lahde trainiert er seit fast zwei Jahren die D-Jugend, im FSJ kommt die C-Jugend hinzu. Er hofft, dass er in dieser Zeit eine berufliche Perspektive gewinnt – sei es Ausbildung oder Studium. In einem Alter, in dem andere vor allem Feiern im Kopf haben, liegt ihm die Kommunalpolitik am Herzen. Seine Themen sind dabei teilweise die gleichen wie die seiner deutlich älteren Genossen – und doch haben sie bei ihm einen anderen Dreh. Als Handballer – im Moment allerdings wenig aktiv – liegt ihm die Förderung der Sportvereine am Herzen. Aber auch die Kultur auf dem Dorf müsse erhalten bleiben. Und dafür benötige sie Förderung. Nur so könne Tradition lebendig bleiben, und das sei wichtig für die Dorfgemeinschaft. Er weiß ganz genau, wovon er spricht, wenn er die mangelnde Digitalisierung in Petershagen kritisiert – wollen etwa Mutter und Sohn gleichzeitig ein Video sehen, bricht das Internet zusammen. Wie viele Quetzer stößt er sich an seiner Meinung nach „unsinnigen Baumaßnahmen“ wie den Pfosten auf dem Dorfplatz. Hingegen wundert sich der 17-Jährige, dass gegen Ende der Legislaturperiode scheinbar plötzlich langersehnte Bauarbeiten wie der neuen Sporthalle in Lahde und im Naturwissenschaftlichen Trakt des Gymnasiums möglich werden. In seiner Schulzeit engagierte sich Mats in der Technik- und in der Theater-AG. Ein wenig vermisst er diese Ära schon jetzt. Die mangelnde Ausstattung der Schulen hat er ebenfalls auf der Agenda. „Die Sekundarschule ist zu billig gebaut. Schon jetzt gibt es erste Schäden. Das darf nicht passieren“, kritisiert der Jungpolitiker. In der Schule (Leistungskurse Informatik und Mathematik) entstand auch die Basis für sein politisches Engagement, blickt der 17-Jährige zurück. Es war vor rund eineinhalb Jahren, als der erste Reichskanzler Otto von Bismarck im Geschichtsunterricht auf dem Stundenplan stand. An dessen Persönlichkeit scheiden sich die Geister. Doch der Staatsmann führte die fortschrittlichsten Sozialgesetze der Welt ein – und das gefiel dem Schüler. Mit den Idealen der Sozialdemokratischen Partei, die zunächst als sozialistische Arbeiterpartei auftrat, konnte er sich ebenfalls identifizieren. Sein Vater habe als Handwerker gearbeitet, daher ist ihm der Einsatz für Arbeiter ein Anliegen. Das Elternhaus habe ihn in politischer Hinsicht auf jeden Fall geprägt. „Wir bewegen uns im gleichen Bereich.“ Zunächst habe er mit einem Engagement bei den Grünen geliebäugelt, da der Umweltschutz für alle insgesamt ein wichtiges Thema sei. „Dann habe ich aber gemerkt, dass das nicht mein Fachgebiet ist.“ Beim Neujahrsempfang der SPD Anfang des Jahres erhielt Mats Brase dann offiziell sein Parteibuch. Gerne erinnert er sich an die herzliche Aufnahme bei den doch vielfach älteren Genossen. „Es liegt an uns Jungen, etwas zu verändern“, ist der 17-Jährige überzeugt. Auf jeden Fall müsse sich etwas tun in der Politik. „Und das können wir nicht den Älteren überlassen.“ Mehr Jugendliche sollten sich politisch einbringen, sagt er. Damit ist der Quetzer Teil einer Bewegung, die die schwedische Schülerin Greta Thunberg in Gang gebracht hat. Die Umweltaktivistin bewirkte, dass das politische Interesse bei Jugendlichen in Deutschland zugenommen hat, haben Wissenschaftler herausgefunden. Bildungsforscher Klaus Hurrelmann etwa beobachtet ein zunehmendes Verantwortungsgefühl bei der jungen Generation für die Gemeinschaft und das Gemeinwesen. Von Greta spricht Mats Brase nicht. Politische Vorbilder sind für ihn Barack Obama und Gerhard Schröder, dessen Biografien in seinem Bücherregal stehen – leider bisher ungelesen, gibt er unumwunden zu. Besonders interessiert ihn der Lebenslauf Obamas. „Der hat in Amerika viel verändert.“ Momentan schaut er in seiner Freizeit Crime-Serien aus den USA und trifft sich mit Freunden, vor Corona gerne auch auf den dörflichen Festen. Mit seiner Meinung hält Mats auch bei solchen privaten Anlässen nicht hinterm Berg. Irgendwann an so einem Abend kommt immer der Zeitpunkt, an dem er politische Themen ins Gespräch bringt. Einige Kumpels verdrehen schon die Augen, gesteht er. Andere wiederum halten seine Einstellung für grenzenlos optimistisch. Eine Botschaft, die er in diesen Unterhaltungen immer rüberbringen will: Geht auf jeden Fall wählen. Für ihn zählt nicht die Partei, sondern grundsätzlich das Engagement – sofern es nicht in eine extreme Richtung geht. Wenn am 13. September der Wahltag auch in Petershagen endet, hofft Mats Brase, dass es einen Machtwechsel im Rathaus gegeben hat. Aber mit der CDU in Petershagen habe er auch kein Problem. „Die sind alle supernett.“ Kommunalwahl In NRW werden am 13. September kommunalpolitische Gremien, Landräte und Bürgermeister gewählt. Alle MT-Berichte aus dem Kommunalwahlkampf werden in den kommenden Monaten auf MT.de gesammelt und sind dort unter dem Stichwort „Kommunalwahl 2020“ zu finden.

Mats Brase tritt als jüngster Kandidat bei der Kommunalwahl in Petershagen an

Mats Brase MT- © Foto: Claudia Hyna

Petershagen-Quetzen. Wo der Weg beruflich hingeht, ist für Mats Brase noch völlig offen. In seiner politischen Einstellung ist der 17-Jährige aus Quetzen klarer: "Die SPD hat in ihrer Geschichte immer etwas bewegt und sich für bessere Lebensbedingungen vor allem kleiner Leute eingesetzt", sagt er. Und weil er die Politik nicht allein den Älteren überlassen will, kandidiert Mats bei der Kommunalwahl für die SPD in Quetzen und Frille I.

Seit einigen Wochen ist der Quetzer frischgebackener Abiturient des Gymnasiums Petershagen. Genau zwei Tage vor der Kommunalwahl wird er übrigens 18 – damit ist er wohl der jüngste Kandidat. Im September beginnt Mats – der von Kindheit an Handball spielt – ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Stadtsportverband Petershagen. Bei der HSG Petershagen-Lahde trainiert er seit fast zwei Jahren die D-Jugend, im FSJ kommt die C-Jugend hinzu. Er hofft, dass er in dieser Zeit eine berufliche Perspektive gewinnt – sei es Ausbildung oder Studium.

In einem Alter, in dem andere vor allem Feiern im Kopf haben, liegt ihm die Kommunalpolitik am Herzen. Seine Themen sind dabei teilweise die gleichen wie die seiner deutlich älteren Genossen – und doch haben sie bei ihm einen anderen Dreh. Als Handballer – im Moment allerdings wenig aktiv – liegt ihm die Förderung der Sportvereine am Herzen. Aber auch die Kultur auf dem Dorf müsse erhalten bleiben. Und dafür benötige sie Förderung. Nur so könne Tradition lebendig bleiben, und das sei wichtig für die Dorfgemeinschaft. Er weiß ganz genau, wovon er spricht, wenn er die mangelnde Digitalisierung in Petershagen kritisiert – wollen etwa Mutter und Sohn gleichzeitig ein Video sehen, bricht das Internet zusammen.

Wie viele Quetzer stößt er sich an seiner Meinung nach „unsinnigen Baumaßnahmen“ wie den Pfosten auf dem Dorfplatz. Hingegen wundert sich der 17-Jährige, dass gegen Ende der Legislaturperiode scheinbar plötzlich langersehnte Bauarbeiten wie der neuen Sporthalle in Lahde und im Naturwissenschaftlichen Trakt des Gymnasiums möglich werden. In seiner Schulzeit engagierte sich Mats in der Technik- und in der Theater-AG. Ein wenig vermisst er diese Ära schon jetzt.

Die mangelnde Ausstattung der Schulen hat er ebenfalls auf der Agenda. „Die Sekundarschule ist zu billig gebaut. Schon jetzt gibt es erste Schäden. Das darf nicht passieren“, kritisiert der Jungpolitiker.

In der Schule (Leistungskurse Informatik und Mathematik) entstand auch die Basis für sein politisches Engagement, blickt der 17-Jährige zurück. Es war vor rund eineinhalb Jahren, als der erste Reichskanzler Otto von Bismarck im Geschichtsunterricht auf dem Stundenplan stand. An dessen Persönlichkeit scheiden sich die Geister. Doch der Staatsmann führte die fortschrittlichsten Sozialgesetze der Welt ein – und das gefiel dem Schüler.

Mit den Idealen der Sozialdemokratischen Partei, die zunächst als sozialistische Arbeiterpartei auftrat, konnte er sich ebenfalls identifizieren. Sein Vater habe als Handwerker gearbeitet, daher ist ihm der Einsatz für Arbeiter ein Anliegen. Das Elternhaus habe ihn in politischer Hinsicht auf jeden Fall geprägt. „Wir bewegen uns im gleichen Bereich.“

Zunächst habe er mit einem Engagement bei den Grünen geliebäugelt, da der Umweltschutz für alle insgesamt ein wichtiges Thema sei. „Dann habe ich aber gemerkt, dass das nicht mein Fachgebiet ist.“ Beim Neujahrsempfang der SPD Anfang des Jahres erhielt Mats Brase dann offiziell sein Parteibuch. Gerne erinnert er sich an die herzliche Aufnahme bei den doch vielfach älteren Genossen.

„Es liegt an uns Jungen, etwas zu verändern“, ist der 17-Jährige überzeugt. Auf jeden Fall müsse sich etwas tun in der Politik. „Und das können wir nicht den Älteren überlassen.“ Mehr Jugendliche sollten sich politisch einbringen, sagt er. Damit ist der Quetzer Teil einer Bewegung, die die schwedische Schülerin Greta Thunberg in Gang gebracht hat. Die Umweltaktivistin bewirkte, dass das politische Interesse bei Jugendlichen in Deutschland zugenommen hat, haben Wissenschaftler herausgefunden. Bildungsforscher Klaus Hurrelmann etwa beobachtet ein zunehmendes Verantwortungsgefühl bei der jungen Generation für die Gemeinschaft und das Gemeinwesen.

Von Greta spricht Mats Brase nicht. Politische Vorbilder sind für ihn Barack Obama und Gerhard Schröder, dessen Biografien in seinem Bücherregal stehen – leider bisher ungelesen, gibt er unumwunden zu. Besonders interessiert ihn der Lebenslauf Obamas. „Der hat in Amerika viel verändert.“ Momentan schaut er in seiner Freizeit Crime-Serien aus den USA und trifft sich mit Freunden, vor Corona gerne auch auf den dörflichen Festen. Mit seiner Meinung hält Mats auch bei solchen privaten Anlässen nicht hinterm Berg. Irgendwann an so einem Abend kommt immer der Zeitpunkt, an dem er politische Themen ins Gespräch bringt. Einige Kumpels verdrehen schon die Augen, gesteht er. Andere wiederum halten seine Einstellung für grenzenlos optimistisch. Eine Botschaft, die er in diesen Unterhaltungen immer rüberbringen will: Geht auf jeden Fall wählen.

Für ihn zählt nicht die Partei, sondern grundsätzlich das Engagement – sofern es nicht in eine extreme Richtung geht. Wenn am 13. September der Wahltag auch in Petershagen endet, hofft Mats Brase, dass es einen Machtwechsel im Rathaus gegeben hat. Aber mit der CDU in Petershagen habe er auch kein Problem. „Die sind alle supernett.“

Kommunalwahl

In NRW werden am 13. September kommunalpolitische Gremien, Landräte und Bürgermeister gewählt. Alle MT-Berichte aus dem Kommunalwahlkampf werden in den kommenden Monaten auf MT.de gesammelt und sind dort unter dem Stichwort „Kommunalwahl 2020“ zu finden.

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