MT-Serie „Zu zweit“: Zwei Frauen für ein Halleluja Claudia Hyna Petershagen (mt). Mit Beten allein ist es schon lange nicht mehr getan. Für eine lebendige Gemeinde braucht ein Pfarrer jemanden, der im Hintergrund koordiniert, der kommuniziert und vor allem organisiert. Die Schaltzentrale in Windheim liegt im Gemeindebüro an der Kirche. In die Büroräume an der Dorfstraße führt allmorgendlich der erste Gang von Pfarrerin Mirjam Philipps. Hier bespricht sie sich mit der Sekretärin Tanja-Nicole Lichtenberg (47). „Ohne sie geht es nicht, sie ist eine Riesen-Unterstützung für mich", sagt Philipps (49). Beide Frauen sind etwa im gleichen Alter, haben gleichaltrige Kinder und traten beinahe gleichzeitig ihre Stelle in Windheim an, Philipps 2010, Lichtenberg 2011. Tanja Lichtenberg war für die Pfarrerin keine Unbekannte, denn sie hatte bereits eine Krabbelgruppe geleitet und war in der Vorbereitung der Kindergottesdienste aktiv. „Ich hatte sie also schon als Organisatorin erlebt, das war ein Pluspunkt", so die Theologin. Da es immer weniger Pfarreien und Pfarrer gibt, entspreche das Anforderungsprofil einer Sekretärin heute dem eines Gemeindemanagers. Kein Tag sei planbar, jeder Tag sieht anders aus. „Eigentlich ist Tanja meine Beraterin", sagt Philipps. Beide besprechen immer gemeinsam, was in den nächsten Stunden ansteht. Wenn jemand stirbt, muss möglicherweise der gesamte Tagesablauf umgeworfen werden. An einigen Tagen hat Mirjam Philipps drei Beerdigungen, dann wieder gibt es tagelang keine. „Meine Arbeit verläuft eben in Wellen." Die Sekretärin schafft ihr zeitliche Freiräume und Platz für das Wesentliche. „Wenn endlich alles geklärt ist, kann ich mich auf meine eigentliche Aufgaben, auf das Seelsorgerische, konzentrieren." Die Pfarrerin besucht Sterbende und Trauernde, plant Trauungen und Taufen. Besonders freut sie sich, dass es in diesem Jahr so viele Brautpaare und Ehejubiläen wie noch nie gibt. Gerne ist sie zu Gast bei der Frauenhilfe, trifft sich mit den Presbytern und gibt Konfirmandenunterricht. Von den rund 3.400 Gemeindemitgliedern sind etwa 500 älter als 80 Jahre alt. Sie alle werden zum Geburtstag besucht, die Pfarrerin kommt allerdings nur zum 80., 85. und ab 90 Jahren aufwärts, die restlichen Termine übernimmt ein Besuchsdienst. Dazu kommen Termine mit der Stadt Petershagen, dem Landeskirchenamt und dem Kirchenkreis. Und wenn es richtig gut läuft, ist vielleicht auch mal Zeit für eine Pause – denn von einem geregelten Acht-Stunden-Tag kann nicht die Rede sein. Samstag und Sonntag sind sowieso gebucht, und auch die Abende sind häufig mit Terminen versehen. Den kaufmännischen Teil hingegen wickelt die Sekretärin ab: Sie kümmert sich um Rechnungen, Termine, Einladungen, Abkündigungen, Einträge ins Kirchenbuch, Kontakt mit den Handwerkern. Eine altehrwürdige Triumph-Schreibmaschine ist „für Urkunden und Briefumschläge unverzichtbar", direkt daneben steht ein neuer Computer. Im Büro ist sie Ansprechpartnerin für die Gemeindegruppen, die Presbyter und das Kreiskirchenamt. Sie zahlt die Kollekte ein und erledigt die Post. Zuständig ist Tanja-Nicole Lichtenberg nicht nur für Windheim, sondern auch für Neuenknick, das zum Pfarrbezirk dazu gehört. Insgesamt arbeitet sie 18 Wochenstunden, da ist jede Minute gut gefüllt. Für das konsequente Abarbeiten stützt sie sich auf ihre To-Do-Listen. Bei aller Hektik: Tanja-Nicole Lichtenberg bleibt die Ruhe selbst. „Immer Schritt für Schritt", das sei ihr Motto. Da ergänzt sie sich gut mit der quirligen Pfarrerin, der es manchmal nicht schnell genug gehen kann – und die eben oft mit Zeitdruck zu tun hat. „Da ist Tanja ein guter Gegenpol." Die Sekretärin trat in große Fußstapfen, denn zuvor hatte Annette Kropp 40 Jahre lang im Gemeindebüro geschaltet und gewaltet, bevor sie in den Ruhestand ging. Bis zu ihrer Rente möchte auch Tanja-Nicole Lichtenberg am liebsten hier arbeiten. Zuvor war die Industriekauffrau in einem Autohaus und bei einem Industrie-Unternehmen beschäftigt. An der Arbeit im Gemeindebüro gefällt ihr vor allem der Kontakt mit Menschen jeden Alters. Als gebürtige Windheimerin kennt sie den Ort, seine Besonderheiten und seine Einwohner. Gerade in Trauerfällen schütten ihr die Anrufer oft das Herz aus. Da ist Verschwiegenheit Ehrensache. Sie bezeichnet sich als „normal religiös". Doch wenn sie nicht hinter der Kirche stehen würde, würde sie kaum hier arbeiten. Was im Stellenprofil nicht festgeschrieben ist, aber ihren Arbeitsplatz auszeichnet: Auch außerhalb der Bürozeiten am Vormittag ist sie telefonisch jederzeit erreichbar – das hat sie mit der Pfarrerin gemeinsam. Zu Zweit Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen zu zweit unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind die beiden so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbstgewählt. Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind. Stichwort: „Zu zweit", E-Mail: lokales@MT.de

MT-Serie „Zu zweit“: Zwei Frauen für ein Halleluja

Pfarrerin Mirjam Philipps (links) ist die Nr. 27 in der Pfarrer-Ära in Windheim – und die erste Frau auf dieser Position. Ihr zur Seite steht die Sekretärin Tanja-Nicole Lichtenberg. © Alex Lehn/mt

Petershagen (mt). Mit Beten allein ist es schon lange nicht mehr getan. Für eine lebendige Gemeinde braucht ein Pfarrer jemanden, der im Hintergrund koordiniert, der kommuniziert und vor allem organisiert. Die Schaltzentrale in Windheim liegt im Gemeindebüro an der Kirche.

In die Büroräume an der Dorfstraße führt allmorgendlich der erste Gang von Pfarrerin Mirjam Philipps. Hier bespricht sie sich mit der Sekretärin Tanja-Nicole Lichtenberg (47). „Ohne sie geht es nicht, sie ist eine Riesen-Unterstützung für mich", sagt Philipps (49).

Beide Frauen sind etwa im gleichen Alter, haben gleichaltrige Kinder und traten beinahe gleichzeitig ihre Stelle in Windheim an, Philipps 2010, Lichtenberg 2011. Tanja Lichtenberg war für die Pfarrerin keine Unbekannte, denn sie hatte bereits eine Krabbelgruppe geleitet und war in der Vorbereitung der Kindergottesdienste aktiv. „Ich hatte sie also schon als Organisatorin erlebt, das war ein Pluspunkt", so die Theologin.

Da es immer weniger Pfarreien und Pfarrer gibt, entspreche das Anforderungsprofil einer Sekretärin heute dem eines Gemeindemanagers. Kein Tag sei planbar, jeder Tag sieht anders aus. „Eigentlich ist Tanja meine Beraterin", sagt Philipps. Beide besprechen immer gemeinsam, was in den nächsten Stunden ansteht. Wenn jemand stirbt, muss möglicherweise der gesamte Tagesablauf umgeworfen werden. An einigen Tagen hat Mirjam Philipps drei Beerdigungen, dann wieder gibt es tagelang keine. „Meine Arbeit verläuft eben in Wellen." Die Sekretärin schafft ihr zeitliche Freiräume und Platz für das Wesentliche. „Wenn endlich alles geklärt ist, kann ich mich auf meine eigentliche Aufgaben, auf das Seelsorgerische, konzentrieren."

Die Pfarrerin besucht Sterbende und Trauernde, plant Trauungen und Taufen. Besonders freut sie sich, dass es in diesem Jahr so viele Brautpaare und Ehejubiläen wie noch nie gibt. Gerne ist sie zu Gast bei der Frauenhilfe, trifft sich mit den Presbytern und gibt Konfirmandenunterricht. Von den rund 3.400 Gemeindemitgliedern sind etwa 500 älter als 80 Jahre alt. Sie alle werden zum Geburtstag besucht, die Pfarrerin kommt allerdings nur zum 80., 85. und ab 90 Jahren aufwärts, die restlichen Termine übernimmt ein Besuchsdienst. Dazu kommen Termine mit der Stadt Petershagen, dem Landeskirchenamt und dem Kirchenkreis. Und wenn es richtig gut läuft, ist vielleicht auch mal Zeit für eine Pause – denn von einem geregelten Acht-Stunden-Tag kann nicht die Rede sein. Samstag und Sonntag sind sowieso gebucht, und auch die Abende sind häufig mit Terminen versehen.

Den kaufmännischen Teil hingegen wickelt die Sekretärin ab: Sie kümmert sich um Rechnungen, Termine, Einladungen, Abkündigungen, Einträge ins Kirchenbuch, Kontakt mit den Handwerkern. Eine altehrwürdige Triumph-Schreibmaschine ist „für Urkunden und Briefumschläge unverzichtbar", direkt daneben steht ein neuer Computer.

Im Büro ist sie Ansprechpartnerin für die Gemeindegruppen, die Presbyter und das Kreiskirchenamt. Sie zahlt die Kollekte ein und erledigt die Post. Zuständig ist Tanja-Nicole Lichtenberg nicht nur für Windheim, sondern auch für Neuenknick, das zum Pfarrbezirk dazu gehört. Insgesamt arbeitet sie 18 Wochenstunden, da ist jede Minute gut gefüllt. Für das konsequente Abarbeiten stützt sie sich auf ihre To-Do-Listen. Bei aller Hektik: Tanja-Nicole Lichtenberg bleibt die Ruhe selbst. „Immer Schritt für Schritt", das sei ihr Motto. Da ergänzt sie sich gut mit der quirligen Pfarrerin, der es manchmal nicht schnell genug gehen kann – und die eben oft mit Zeitdruck zu tun hat. „Da ist Tanja ein guter Gegenpol."

Die Sekretärin trat in große Fußstapfen, denn zuvor hatte Annette Kropp 40 Jahre lang im Gemeindebüro geschaltet und gewaltet, bevor sie in den Ruhestand ging. Bis zu ihrer Rente möchte auch Tanja-Nicole Lichtenberg am liebsten hier arbeiten. Zuvor war die Industriekauffrau in einem Autohaus und bei einem Industrie-Unternehmen beschäftigt. An der Arbeit im Gemeindebüro gefällt ihr vor allem der Kontakt mit Menschen jeden Alters. Als gebürtige Windheimerin kennt sie den Ort, seine Besonderheiten und seine Einwohner. Gerade in Trauerfällen schütten ihr die Anrufer oft das Herz aus. Da ist Verschwiegenheit Ehrensache.

Sie bezeichnet sich als „normal religiös". Doch wenn sie nicht hinter der Kirche stehen würde, würde sie kaum hier arbeiten. Was im Stellenprofil nicht festgeschrieben ist, aber ihren Arbeitsplatz auszeichnet: Auch außerhalb der Bürozeiten am Vormittag ist sie telefonisch jederzeit erreichbar – das hat sie mit der Pfarrerin gemeinsam.

Zu Zweit

Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen zu zweit unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind die beiden so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbstgewählt.

Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind. Stichwort: „Zu zweit", E-Mail: lokales@MT.de

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