MT-Serie: Von der Liebe zum Naturgarten Claudia Hyna Petershagen-Ilserheide. Angelika Bicknese weiß noch genau, wie der Zaunkönig schimpfte, als sie vor fünf Jahren die Ligusterhecke entfernte. „Sein Gezeter hab ich noch im Ohr“, sagt die 73-Jährige. Die Hecke war weg, als Alternative schuf sie einen Unterschlupf aus Zweigen in einer ruhigen Ecke des Gartens. Das Ergebnis: Bis heute erfreut der Winzling sie mit seinem Gesang. Und er ist nicht der einzige Vogel, der auf dem mehr als 1.000 Quadratmeter großen Grundstück in Ilserheide sein Liedchen trällert. Denn nach und nach buddelte Angelika Bicknese ökologisch wertlose Pflanzen aus und machte Platz für vogel- und insektenfreundliche heimische Stauden und Bäume. Früher habe sie durchaus gespritzt, das sei lange in den Gärten so üblich gewesen. Erst vor rund fünf Jahren machte sie ernst mit dem Thema Naturgarten. Der 1996 angelegte Bauerngarten ist noch in Teilen vorhanden. Die ihn umgebende Buchsbaumhecke von immerhin 150 Meter Länge hat die Ilserheiderin ausgegraben – nicht nur, weil sie für Vögel und Insekten wertlos ist, sondern auch wegen der zunehmenden Zerstörung durch den Buchsbaumzünsler. Auf den Gemüseanbau verzichtet sie mittlerweile größtenteils auch, das hat allerdings andere Gründe. Die Wühlmaus fand einfach zuviel Geschmack an den Wurzeln von Möhren und Co.. Eine Bekämpfung mit der Chemiekeule kam nicht infrage, daher versuchte sie es auf natürliche Art und Weise. Einige Pflanzen und Blumen sind in Körben aus Maschendraht untergebracht. Außerdem stellte Bicknese aus Holunderzweigen und Blättern einen Sud her, den sie die Gänge des ungeliebten Gartenbewohners goss. Die 73-Jährige hat in alte Blechtöpfe auf Eisenstangen gesteckt, die laute Geräusche erzeugen. Mit all diesen Schritten sei es deutlich besser geworden. Der erste Gang führt die Ilserheiderin jeden Morgen in ihren Garten. Im Sommer beginnt der Tag früh, um fünf Uhr sei die beste Zeit. Drei bis vier Stunden verbringt sie dort täglich. „Wer einen Garten besitzt, hat alles, was er braucht“, steht auf einem Schild, das in ihrer Küche an der Wand hängt. Und das kann man bei ihr durchaus wörtlich nehmen. Was die meisten Gärtner als Unkraut entfernen, darf bei Angelika Bicknese gerne wachsen. Brennnesseln, Giersch und Gundermann – sie nennt es Wildkraut – sind ihr willkommen, zeigen sie doch an, dass der Boden besonders nährstoffreich ist. Aus den Blättern der Brennnesseln bereitet sich die Seniorin ihre tägliche Tasse Tee zu. Und Bärlauch findet Verwendung im Smoothie. Eine Brühe aus Brennnesseln und Holunder bekomme ihren Pflanzen als natürlicher Dünger ganz hervorragend, schwärmt sie. Zum Wässern in trockenen Sommern greift sie nicht auf Trinkwasser zurück. Dazu steht eine 6.000-Liter-Regentonne zur Verfügung. Ein Streifzug durch den vielseitigen Garten zeigt eine Fülle an Pflanzen, als da wären Weißdorn, Schlehe, Felsenbirne, verschiedene Kräuter, Perlenstrauch, Mönchspfeffer, Wildkirsche, Apfelbäume. Angelika Bicknese hat gehört, dass Pflanzen auf Berührungen reagieren – und deshalb gehört für sie das Streicheln des Grünzeugs dazu. Damit dieses möglichst schädlingsfrei bleibt, lockt sie gezielt Insekten an. Ob mit Insektenhotels Marke Eigenbau, Ohrenkneiferhotels (mit Stroh gefüllte Tontöpfe, die sie kopfüber in Bäume hängt), oder Steinhaufen für Eidechsen –in vielen Ecken schafft sie Wohnraum für die Krabbeltiere. Totholzhecken sind ideal für Igel, Frösche oder Wildbienen. Das Material kauft sie keineswegs im Baumarkt ein, sondern dazu recycelt sie gefällte Bäume, Sträucher, alte Ziegel und Terrakotta. Viele Zäune sind auf diese Weise aus den Überresten der vertrockneten Fichten und Tannen entstanden. Die Erdbeeren zieht sie in alten und ebenfalls selbstgebauten Sandkästen ihrer Kinder. Längst singt nicht mehr nur der Zaunkönig sein Lied. Weitere Mitglieder des vielstimmigen Chors sind Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke, Bachstelze und Gartenrotschwanz. Tipps gegen Wühlmäuse Vorbeugen mit Pflanzkörben, Hochbeete und Obstbäume von unten mit Drahtgitter absichern Vertreiben mit Pflanzen wie Kaiserkrone, Knoblauch, Holunder, Zwiebel, Steinklee, Zypressen-Wolfsmilch, Basilikum, Pfingstrosen, Hundszunge, Sonnenblumen und Narzissen Hausmittel wie vergorene Buttermilch, Fischlake Anfällige Pflanzen sind Wurzelgemüse, Blumenzwiebeln, Stauden mit fleischigen Wurzeln, Ziergehölze wie Blauregen, Rosen, Clematis Geräusche: Flaschen mit Öffnung nach oben schräg in den Boden graben, laut tickende Wecker verbuddeln MT-Serie Ein eigener Garten ist gerade in Zeiten von Corona und Kontaktsperre ein wertvoller Rückzugsraum. Und während viele Freizeitbeschäftigungen derzeit nicht möglich sind, rückt der Garten zunehmend in den Blick. Das MT beschäftigt sich in einer Serie mit Fragen, die Hobby-Gärtner derzeit beschäftigen.

MT-Serie: Von der Liebe zum Naturgarten

Petershagen-Ilserheide. Angelika Bicknese weiß noch genau, wie der Zaunkönig schimpfte, als sie vor fünf Jahren die Ligusterhecke entfernte. „Sein Gezeter hab ich noch im Ohr“, sagt die 73-Jährige. Die Hecke war weg, als Alternative schuf sie einen Unterschlupf aus Zweigen in einer ruhigen Ecke des Gartens. Das Ergebnis: Bis heute erfreut der Winzling sie mit seinem Gesang.

Angelika Bicknese MT- - © Foto: Claudia Hyna
Angelika Bicknese MT- - © Foto: Claudia Hyna

Und er ist nicht der einzige Vogel, der auf dem mehr als 1.000 Quadratmeter großen Grundstück in Ilserheide sein Liedchen trällert. Denn nach und nach buddelte Angelika Bicknese ökologisch wertlose Pflanzen aus und machte Platz für vogel- und insektenfreundliche heimische Stauden und Bäume. Früher habe sie durchaus gespritzt, das sei lange in den Gärten so üblich gewesen. Erst vor rund fünf Jahren machte sie ernst mit dem Thema Naturgarten. Der 1996 angelegte Bauerngarten ist noch in Teilen vorhanden. Die ihn umgebende Buchsbaumhecke von immerhin 150 Meter Länge hat die Ilserheiderin ausgegraben – nicht nur, weil sie für Vögel und Insekten wertlos ist, sondern auch wegen der zunehmenden Zerstörung durch den Buchsbaumzünsler.

Auf den Gemüseanbau verzichtet sie mittlerweile größtenteils auch, das hat allerdings andere Gründe. Die Wühlmaus fand einfach zuviel Geschmack an den Wurzeln von Möhren und Co.. Eine Bekämpfung mit der Chemiekeule kam nicht infrage, daher versuchte sie es auf natürliche Art und Weise. Einige Pflanzen und Blumen sind in Körben aus Maschendraht untergebracht. Außerdem stellte Bicknese aus Holunderzweigen und Blättern einen Sud her, den sie die Gänge des ungeliebten Gartenbewohners goss. Die 73-Jährige hat in alte Blechtöpfe auf Eisenstangen gesteckt, die laute Geräusche erzeugen. Mit all diesen Schritten sei es deutlich besser geworden.

Der erste Gang führt die Ilserheiderin jeden Morgen in ihren Garten. Im Sommer beginnt der Tag früh, um fünf Uhr sei die beste Zeit. Drei bis vier Stunden verbringt sie dort täglich. „Wer einen Garten besitzt, hat alles, was er braucht“, steht auf einem Schild, das in ihrer Küche an der Wand hängt. Und das kann man bei ihr durchaus wörtlich nehmen.

Was die meisten Gärtner als Unkraut entfernen, darf bei Angelika Bicknese gerne wachsen. Brennnesseln, Giersch und Gundermann – sie nennt es Wildkraut – sind ihr willkommen, zeigen sie doch an, dass der Boden besonders nährstoffreich ist. Aus den Blättern der Brennnesseln bereitet sich die Seniorin ihre tägliche Tasse Tee zu. Und Bärlauch findet Verwendung im Smoothie. Eine Brühe aus Brennnesseln und Holunder bekomme ihren Pflanzen als natürlicher Dünger ganz hervorragend, schwärmt sie. Zum Wässern in trockenen Sommern greift sie nicht auf Trinkwasser zurück. Dazu steht eine 6.000-Liter-Regentonne zur Verfügung.

Ein Streifzug durch den vielseitigen Garten zeigt eine Fülle an Pflanzen, als da wären Weißdorn, Schlehe, Felsenbirne, verschiedene Kräuter, Perlenstrauch, Mönchspfeffer, Wildkirsche, Apfelbäume. Angelika Bicknese hat gehört, dass Pflanzen auf Berührungen reagieren – und deshalb gehört für sie das Streicheln des Grünzeugs dazu.

Damit dieses möglichst schädlingsfrei bleibt, lockt sie gezielt Insekten an. Ob mit Insektenhotels Marke Eigenbau, Ohrenkneiferhotels (mit Stroh gefüllte Tontöpfe, die sie kopfüber in Bäume hängt), oder Steinhaufen für Eidechsen –in vielen Ecken schafft sie Wohnraum für die Krabbeltiere. Totholzhecken sind ideal für Igel, Frösche oder Wildbienen.

Das Material kauft sie keineswegs im Baumarkt ein, sondern dazu recycelt sie gefällte Bäume, Sträucher, alte Ziegel und Terrakotta. Viele Zäune sind auf diese Weise aus den Überresten der vertrockneten Fichten und Tannen entstanden. Die Erdbeeren zieht sie in alten und ebenfalls selbstgebauten Sandkästen ihrer Kinder.

Längst singt nicht mehr nur der Zaunkönig sein Lied. Weitere Mitglieder des vielstimmigen Chors sind Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke, Bachstelze und Gartenrotschwanz.

Tipps gegen Wühlmäuse

Vorbeugen mit Pflanzkörben, Hochbeete und Obstbäume von unten mit Drahtgitter absichern

Vertreiben mit Pflanzen wie Kaiserkrone, Knoblauch, Holunder, Zwiebel, Steinklee, Zypressen-Wolfsmilch, Basilikum, Pfingstrosen, Hundszunge, Sonnenblumen und Narzissen

Hausmittel wie vergorene Buttermilch, Fischlake

Anfällige Pflanzen sind Wurzelgemüse, Blumenzwiebeln, Stauden mit fleischigen Wurzeln, Ziergehölze wie Blauregen, Rosen, Clematis

Geräusche: Flaschen mit Öffnung nach oben schräg in den Boden graben, laut tickende Wecker verbuddeln

MT-Serie

Ein eigener Garten ist gerade in Zeiten von Corona und Kontaktsperre ein wertvoller Rückzugsraum. Und während viele Freizeitbeschäftigungen derzeit nicht möglich sind, rückt der Garten zunehmend in den Blick. Das MT beschäftigt sich in einer Serie mit Fragen, die Hobby-Gärtner derzeit beschäftigen.

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