MT-Serie: Andreas Reckeweg und das Glück nach überstandener Covid-19-Erkrankung Oliver Plöger Petershagen-Ovenstädt. Er ist eher der lustige Typ. So wie Karnevalisten im besten Fall sind. Andreas Reckeweg, Schatzmeister beim Ovenstädter Karnevalverein (OKV), kann so schnell nichts aus der Bahn werfen – und selbst als er vor einigen Wochen Corona hatte, sei er „fröhlich wie immer“ gewesen. „Nur drei Tage ging es mir ziemlich schlecht. Da habe ich mit Fieber flach gelegen“, sagt der 52-Jährige. „Ziemlich schlecht“ klingt bei Andreas Reckeweg so: „Die Symptome waren zunächst eher harmlos. Ich hatte aber gleich gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt, dass da etwas ist, das ich so noch nicht hatte.“ Es habe mit einem Brennen in der oberen Lunge begonnen, mit trockenem Husten, die Nase sei dicht gewesen. Das allerdings nicht so wie bei einem Schnupfen, viel heftiger. Nach drei Tagen sei dann ein „komisches Empfinden auf der Haut“ dazugekommen. „Als wenn sie wund wäre oder wie beim Bluterguss.“ Auch an der Leiste sei es fühlbar gewesen. „Man merkte ganz klar: Das Virus ist jetzt überall und will dir was.“ Am siebten Tag kamen dann Fieber, Nierenschmerzen, Bauchschmerzen und extremes Schwächegefühl dazu. Nein, Atemnot habe er nicht gehabt, sagt Andreas Reckeweg. „Nur geschah jedes Atmen ganz bewusst.“ Zu Panikattacken habe das zwar nicht geführt, aber: „Man denkt da schon mal nach.“ Bald war das Fieber verschwunden, schnell habe sich Besserung eingestellt. „Das Ganze hat bei mir genau zwei Wochen gedauert.“ Seine Eltern hätten es sehr ähnlich gehabt wie er selbst. „Meine Frau und die beiden Kinder hatten nur leichte Symptome, ohne die Fieberphase.“ Bei allen aber hätte es ebenfalls genau zwei Wochen gedauert. Und die Gefahr, Covid-19 mit einer Erkältung zu verwechseln, sieht Andreas Reckeweg nicht. Angesteckt hatte er sich vermutlich bei seinen Eltern. „Kurioserweise bei denen, die ich schützen wollte.“ Vielleicht aber war es auch woanders – auch, wenn er immer achtsam gewesen sei. „Wer weiß schon, welche Wege so ein Virus geht?“ Gelernt habe er in dieser Phase eine ganze Menge, sagt Andreas Reckeweg, der sich nach den ersten Anzeichen selbst zum Test begeben hatte. „Hast du Corona, überlässt dich das Gesundheitssystem – ich sag mal – dir selbst!“ Für ihn wäre es schön, wenn Ärzte Kontakt aufnehmen würden, um die Erkrankten anzuleiten. „Du wirst nur panisch abgewimmelt, zahlst dann deinen Test selbst und stehst zwei Stunden auf dem Parkplatz an.“ Klar sei aber auch: Keiner möchte es haben, keiner möchte es verbreiten. „Wer Corona ignoriert und leugnet, lebt absolut weltfremd“, sagt Andreas Reckeweg und setzt hinzu: „Das sehe ich auch als Gefahr. Corona ist nun mal real da.“ Bei den Reckewegs ist die Infektionskrankheit durch die Quarantäne in der Familie geblieben. „Das war wohl nicht zu verhindern, aber wir haben außerhalb niemanden angesteckt“, ist Andreas Reckeweg überzeugt. Die Sicht auf das Leben habe sich für den Ovenstädter in keiner Weise verändert. „Die meisten Maßnahmen halte ich für absolut richtig.“ Und das gilt auch für die schmerzliche Absage der Ovenstädter Karnevalsveranstaltungen: „Stell dir mal vor, wir hätten im Februar 2.000 Leute im Zelt, die ausgelassen feiern.“ Andere Maßnahmen, die bislang auferlegt wurden, hielt und hält er allerdings für überzogen, etwa als es um Treffen ging: „Wieso zum Beispiel nur fünf Personen aus zwei Familien? Wenn die nach Hause kommen, stecken sie eh alle an!“ Die Idee mit den sicheren FFP2-Masken für die Risikogruppen hält Andreas Reckeweg hingegen für sinnvoll: „Es sind besonders die Alten, die sehr unter der Pandemie leiden. Denen wird ein Teil des Lebens geraubt. Alles das, was sie haben, die Enkel in den Arm nehmen und so weiter.“ Aber ebenso leide die Jugend. „Was denen gerade genommen wird an Bildung oder Lebensglück, ist unbeschreiblich.“ Die zweiwöchige Quarantäne habe Reckeweg – bis auf die drei schlechten Tage – als erholsam empfunden. „Irgendwie habe ich das als sehr besonnene Zeit in Erinnerung. Genauso empfinde ich eigentlich die gesamte Zeit der Corona-Krise. Da sind wir in den mittleren Jahren ja eigentlich die, die am wenigsten drunter leiden und sich relativ sorgenfrei erden können.“ Das natürlich auch nur, wenn man nicht durch die Maßnahmen in die wirtschaftliche Schieflage oder sonst wie in die Bredouille gerät, wie sich Andreas Reckeweg ausdrückt. In die Zukunft blickt er für sich positiv: „Ich würde mich freuen, wenn der Karneval 2021/2022 wieder stattfände. Aber ich denke, dass es jetzt schon wichtig ist, wenn alle etwas vernünftig sind. Ich denke, ein großes Stück der Pandemiestrecke ist geschafft.“ Große Hoffnung verbindet der Ovenstädter mit dem Impfstoff. Dann, so sagt er, „starten wir im nächsten November doppelt und dreifach in die Session.“ Das wäre – nach Überwindung der Covid-19–Krankheit – dann der wahre Glücksmoment. Serie Glücksmomente: Katastrophen, Tote, Corona, Lockdown und die quälende Ungewissheit, wie lange das alles noch weitergeht: In solchen Zeiten verlieren wir viel zu oft den Blick für die gute Nachricht. Die MT-Serie „Glücksmomente“ erzählt von hoffnungsvollen Augenblicken und frohen Botschaften.

MT-Serie: Andreas Reckeweg und das Glück nach überstandener Covid-19-Erkrankung

Immer gut drauf: Andreas Reckeweg als Aktiver beim Karnevalverein Ovenstädt (Mitte). Corona hat er mittlerweile überstanden. MT-Archivfoto: Oliver Plöger © Oliver Plöger

Petershagen-Ovenstädt. Er ist eher der lustige Typ. So wie Karnevalisten im besten Fall sind. Andreas Reckeweg, Schatzmeister beim Ovenstädter Karnevalverein (OKV), kann so schnell nichts aus der Bahn werfen – und selbst als er vor einigen Wochen Corona hatte, sei er „fröhlich wie immer“ gewesen. „Nur drei Tage ging es mir ziemlich schlecht. Da habe ich mit Fieber flach gelegen“, sagt der 52-Jährige.

„Ziemlich schlecht“ klingt bei Andreas Reckeweg so: „Die Symptome waren zunächst eher harmlos. Ich hatte aber gleich gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt, dass da etwas ist, das ich so noch nicht hatte.“ Es habe mit einem Brennen in der oberen Lunge begonnen, mit trockenem Husten, die Nase sei dicht gewesen. Das allerdings nicht so wie bei einem Schnupfen, viel heftiger. Nach drei Tagen sei dann ein „komisches Empfinden auf der Haut“ dazugekommen. „Als wenn sie wund wäre oder wie beim Bluterguss.“ Auch an der Leiste sei es fühlbar gewesen. „Man merkte ganz klar: Das Virus ist jetzt überall und will dir was.“

Am siebten Tag kamen dann Fieber, Nierenschmerzen, Bauchschmerzen und extremes Schwächegefühl dazu. Nein, Atemnot habe er nicht gehabt, sagt Andreas Reckeweg. „Nur geschah jedes Atmen ganz bewusst.“ Zu Panikattacken habe das zwar nicht geführt, aber: „Man denkt da schon mal nach.“ Bald war das Fieber verschwunden, schnell habe sich Besserung eingestellt. „Das Ganze hat bei mir genau zwei Wochen gedauert.“ Seine Eltern hätten es sehr ähnlich gehabt wie er selbst. „Meine Frau und die beiden Kinder hatten nur leichte Symptome, ohne die Fieberphase.“ Bei allen aber hätte es ebenfalls genau zwei Wochen gedauert. Und die Gefahr, Covid-19 mit einer Erkältung zu verwechseln, sieht Andreas Reckeweg nicht.

Angesteckt hatte er sich vermutlich bei seinen Eltern. „Kurioserweise bei denen, die ich schützen wollte.“ Vielleicht aber war es auch woanders – auch, wenn er immer achtsam gewesen sei. „Wer weiß schon, welche Wege so ein Virus geht?“

Gelernt habe er in dieser Phase eine ganze Menge, sagt Andreas Reckeweg, der sich nach den ersten Anzeichen selbst zum Test begeben hatte. „Hast du Corona, überlässt dich das Gesundheitssystem – ich sag mal – dir selbst!“ Für ihn wäre es schön, wenn Ärzte Kontakt aufnehmen würden, um die Erkrankten anzuleiten. „Du wirst nur panisch abgewimmelt, zahlst dann deinen Test selbst und stehst zwei Stunden auf dem Parkplatz an.“ Klar sei aber auch: Keiner möchte es haben, keiner möchte es verbreiten. „Wer Corona ignoriert und leugnet, lebt absolut weltfremd“, sagt Andreas Reckeweg und setzt hinzu: „Das sehe ich auch als Gefahr. Corona ist nun mal real da.“

Bei den Reckewegs ist die Infektionskrankheit durch die Quarantäne in der Familie geblieben. „Das war wohl nicht zu verhindern, aber wir haben außerhalb niemanden angesteckt“, ist Andreas Reckeweg überzeugt.

Die Sicht auf das Leben habe sich für den Ovenstädter in keiner Weise verändert. „Die meisten Maßnahmen halte ich für absolut richtig.“ Und das gilt auch für die schmerzliche Absage der Ovenstädter Karnevalsveranstaltungen: „Stell dir mal vor, wir hätten im Februar 2.000 Leute im Zelt, die ausgelassen feiern.“ Andere Maßnahmen, die bislang auferlegt wurden, hielt und hält er allerdings für überzogen, etwa als es um Treffen ging: „Wieso zum Beispiel nur fünf Personen aus zwei Familien? Wenn die nach Hause kommen, stecken sie eh alle an!“

Die Idee mit den sicheren FFP2-Masken für die Risikogruppen hält Andreas Reckeweg hingegen für sinnvoll: „Es sind besonders die Alten, die sehr unter der Pandemie leiden. Denen wird ein Teil des Lebens geraubt. Alles das, was sie haben, die Enkel in den Arm nehmen und so weiter.“ Aber ebenso leide die Jugend. „Was denen gerade genommen wird an Bildung oder Lebensglück, ist unbeschreiblich.“

Die zweiwöchige Quarantäne habe Reckeweg – bis auf die drei schlechten Tage – als erholsam empfunden. „Irgendwie habe ich das als sehr besonnene Zeit in Erinnerung. Genauso empfinde ich eigentlich die gesamte Zeit der Corona-Krise. Da sind wir in den mittleren Jahren ja eigentlich die, die am wenigsten drunter leiden und sich relativ sorgenfrei erden können.“ Das natürlich auch nur, wenn man nicht durch die Maßnahmen in die wirtschaftliche Schieflage oder sonst wie in die Bredouille gerät, wie sich Andreas Reckeweg ausdrückt.

In die Zukunft blickt er für sich positiv: „Ich würde mich freuen, wenn der Karneval 2021/2022 wieder stattfände. Aber ich denke, dass es jetzt schon wichtig ist, wenn alle etwas vernünftig sind. Ich denke, ein großes Stück der Pandemiestrecke ist geschafft.“ Große Hoffnung verbindet der Ovenstädter mit dem Impfstoff. Dann, so sagt er, „starten wir im nächsten November doppelt und dreifach in die Session.“ Das wäre – nach Überwindung der Covid-19–Krankheit – dann der wahre Glücksmoment.

Serie Glücksmomente:

Katastrophen, Tote, Corona, Lockdown und die quälende Ungewissheit, wie lange das alles noch weitergeht: In solchen Zeiten verlieren wir viel zu oft den Blick für die gute Nachricht. Die MT-Serie „Glücksmomente“ erzählt von hoffnungsvollen Augenblicken und frohen Botschaften.

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