Kranzniederlegung an Gedenkstätte Lahde coronabedingt in kleinem Rahmen Ulrich Westermann Petershagen-Lahde (Wes). Das sogenannte Arbeitserziehungslager in Lahde war eine Stätte des Grauens. Gefangene starben an Unterernährung, Misshandlungen oder wurden erschossen. Um der Opfer zu gedenken findet dort jährlich eine Gedenkveranstaltung statt. Der Corona-Situation gemäß richtete die Kulturgemeinschaft diese in kleinem Rahmen aus. Bis zum Jahr 2019 wirkten Jungen und Mädchen der Städtischen Sekundarschule vor ihren Osterferien an der Gestaltung der Gedenkfeier mit. Wegen der Corona-Pandemie musste die Feierstunde im vergangenen Jahr ausfallen. Für zehn Schülerinnen der Sekundarschule war es 2020 aber ein besonderes Anliegen, zu recherchieren und Einzelheiten über das menschenverachtende Leben in diesem sogenannten Arbeitserziehungslager auf einer Informationstafel zusammenzustellen. Erster Vorsitzender Karl-Heinz Schwier und Schatzmeister Karlheinz Meyer vertraten die Kulturgemeinschaft Lahde. Dazu kamen Ortsbürgermeisterin Helga Berg, Gemeindepfarrer Hans-Hermann Hölscher und Helmut Klaas, der viele Jahre lang mit dem früheren Lagerinsassen Maarten Zevenbergen und dessen Frau Jannie befreundet war. Das niederländische Ehepaar aus der Nähe von Rotterdam kam 2008 zum ersten Mal nach Petershagen. Weitere Aufenthalte und Gegenbesuche von Helmut Klaas folgten. Im vergangenen Jahr starb Zevenbergen im Alter von 97 Jahren. Der Niederländer war 56 Tage im Arbeitslager inhaftiert, aus dem er 1944 entlassen wurde. 1943 wurde er aus seinem Heimatland von den Nationalsozialisten nach Deutschland verschleppt. Nach einem Bombenangriff gelang ihm die Flucht aus Kassel. In der Nähe von Darmstadt wurde er von einer Bauernfamilie aufgenommen und versteckt, dann von der Gestapo aufgespürt und nach Kassel gebracht. Auch ein zweiter Fluchtversuch misslang. Nach verschiedenen Stationen wurde Zevenbergen in das „Arbeitserziehungslager“ Lahde eingeliefert. Nachdem er die menschenunwürdigen Lagerverhältnisse überstanden hatte, ging es zurück nach Kassel. Dort wurde er am 2. April 1945 von den Alliierten befreit. Karl-Heinz Schwier würdigte das Engagement der Schüler in den vergangenen Jahren und sagte, dass Menschenverachtung und Intoleranz nicht hingenommen werden dürften. Das „Arbeitserziehungslager“ war 1943 von der Leitstelle der Gestapo Hannover gegründet worden sei, um beim Bau von Kraftwerkprojekten im Raum Lahde Gefangene als Zwangsarbeiter einzusetzen. Das Arbeitslager bestand aus vier hölzernen Wohnbaracken mit jeweils zehn Räumen, in denen 15 bis 20 Gefangene untergebracht waren. Zu einem der letzten Zeitzeugen gehörte Maarten Zevenbergen. „Er bedankte sich vor einigen Jahren mit einem Brief bei den Lehrkräften und Schulklassen der damaligen Realschule Lahde für die Erinnerungsarbeit und mahnte, die Gräueltaten der Nationalsozialisten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, sagte Helga Berg. Das werde auch nicht geschehen, denn dieses Lager gehöre zur Geschichte von Lahde. Der Gedenkstein aus dem Jahr 1995 erinnere an 700 Todesopfer. Damals hatte die Stadt nur wenige Meter vom Gelände der nationalsozialistischen Einrichtung des Grauens an der Bundesstraße 482 und der heutigen Dingbreite eine Erinnerungsstätte mit einem Findling und Grünbewuchs geschaffen. Seitdem wird dort einmal im Jahr ein Kranz niedergelegt. Am 11. März 2003 war das Grundstück von der Stadt Petershagen als Bodendenkmal in die Denkmalliste eingetragen worden. „Die jährlich stattfindende Gedenkfeier ist für die Schülerinnen und Schüler immer wieder ein Anlass, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und dafür zu sorgen, dass die vielen Todesopfer und grauenvoll misshandelten Menschen nicht in Vergessenheit geraten. Ich hoffe, dass wir im Frühjahr 2022 die Gedenkfeier im bekannten Rahmen wieder mit Einwohnern aus Lahde sowie mit Jungen und Mädchen der Sekundarschule gestalten können“, so die Ortsbürgermeisterin. Mit einem Gebet beendete Pfarrer Hans-Hermann Hölscher die Feierstunde.

Kranzniederlegung an Gedenkstätte Lahde coronabedingt in kleinem Rahmen

Gedenkstunde Arbeitserziehungslager Lahde © westermann

Petershagen-Lahde (Wes). Das sogenannte Arbeitserziehungslager in Lahde war eine Stätte des Grauens. Gefangene starben an Unterernährung, Misshandlungen oder wurden erschossen. Um der Opfer zu gedenken findet dort jährlich eine Gedenkveranstaltung statt. Der Corona-Situation gemäß richtete die Kulturgemeinschaft diese in kleinem Rahmen aus.

Bis zum Jahr 2019 wirkten Jungen und Mädchen der Städtischen Sekundarschule vor ihren Osterferien an der Gestaltung der Gedenkfeier mit. Wegen der Corona-Pandemie musste die Feierstunde im vergangenen Jahr ausfallen. Für zehn Schülerinnen der Sekundarschule war es 2020 aber ein besonderes Anliegen, zu recherchieren und Einzelheiten über das menschenverachtende Leben in diesem sogenannten Arbeitserziehungslager auf einer Informationstafel zusammenzustellen.

Gedenkstunde Arbeitserziehungslager Lahde - © westermann
Gedenkstunde Arbeitserziehungslager Lahde - © westermann

Erster Vorsitzender Karl-Heinz Schwier und Schatzmeister Karlheinz Meyer vertraten die Kulturgemeinschaft Lahde. Dazu kamen Ortsbürgermeisterin Helga Berg, Gemeindepfarrer Hans-Hermann Hölscher und Helmut Klaas, der viele Jahre lang mit dem früheren Lagerinsassen Maarten Zevenbergen und dessen Frau Jannie befreundet war. Das niederländische Ehepaar aus der Nähe von Rotterdam kam 2008 zum ersten Mal nach Petershagen. Weitere Aufenthalte und Gegenbesuche von Helmut Klaas folgten. Im vergangenen Jahr starb Zevenbergen im Alter von 97 Jahren.

Gedenkstunde Arbeitserziehungslager Lahde - © westermann
Gedenkstunde Arbeitserziehungslager Lahde - © westermann

Der Niederländer war 56 Tage im Arbeitslager inhaftiert, aus dem er 1944 entlassen wurde. 1943 wurde er aus seinem Heimatland von den Nationalsozialisten nach Deutschland verschleppt. Nach einem Bombenangriff gelang ihm die Flucht aus Kassel. In der Nähe von Darmstadt wurde er von einer Bauernfamilie aufgenommen und versteckt, dann von der Gestapo aufgespürt und nach Kassel gebracht. Auch ein zweiter Fluchtversuch misslang. Nach verschiedenen Stationen wurde Zevenbergen in das „Arbeitserziehungslager“ Lahde eingeliefert. Nachdem er die menschenunwürdigen Lagerverhältnisse überstanden hatte, ging es zurück nach Kassel. Dort wurde er am 2. April 1945 von den Alliierten befreit.

Gedenkstunde Arbeitserziehungslager Lahde - © westermann
Gedenkstunde Arbeitserziehungslager Lahde - © westermann

Karl-Heinz Schwier würdigte das Engagement der Schüler in den vergangenen Jahren und sagte, dass Menschenverachtung und Intoleranz nicht hingenommen werden dürften. Das „Arbeitserziehungslager“ war 1943 von der Leitstelle der Gestapo Hannover gegründet worden sei, um beim Bau von Kraftwerkprojekten im Raum Lahde Gefangene als Zwangsarbeiter einzusetzen. Das Arbeitslager bestand aus vier hölzernen Wohnbaracken mit jeweils zehn Räumen, in denen 15 bis 20 Gefangene untergebracht waren. Zu einem der letzten Zeitzeugen gehörte Maarten Zevenbergen. „Er bedankte sich vor einigen Jahren mit einem Brief bei den Lehrkräften und Schulklassen der damaligen Realschule Lahde für die Erinnerungsarbeit und mahnte, die Gräueltaten der Nationalsozialisten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, sagte Helga Berg. Das werde auch nicht geschehen, denn dieses Lager gehöre zur Geschichte von Lahde.

Gedenkstunde Arbeitserziehungslager Lahde - © westermann
Gedenkstunde Arbeitserziehungslager Lahde - © westermann

Der Gedenkstein aus dem Jahr 1995 erinnere an 700 Todesopfer. Damals hatte die Stadt nur wenige Meter vom Gelände der nationalsozialistischen Einrichtung des Grauens an der Bundesstraße 482 und der heutigen Dingbreite eine Erinnerungsstätte mit einem Findling und Grünbewuchs geschaffen. Seitdem wird dort einmal im Jahr ein Kranz niedergelegt.

Am 11. März 2003 war das Grundstück von der Stadt Petershagen als Bodendenkmal in die Denkmalliste eingetragen worden. „Die jährlich stattfindende Gedenkfeier ist für die Schülerinnen und Schüler immer wieder ein Anlass, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und dafür zu sorgen, dass die vielen Todesopfer und grauenvoll misshandelten Menschen nicht in Vergessenheit geraten. Ich hoffe, dass wir im Frühjahr 2022 die Gedenkfeier im bekannten Rahmen wieder mit Einwohnern aus Lahde sowie mit Jungen und Mädchen der Sekundarschule gestalten können“, so die Ortsbürgermeisterin. Mit einem Gebet beendete Pfarrer Hans-Hermann Hölscher die Feierstunde.

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