Kraftwerk ohne Kohle? Bundesnetzagentur prüft Weiterbetrieb Oliver Plöger Petershagen-Lahde. Wenn es nach Netzbetreiber Tennet geht, wird das Uniper-Kraftwerk Heyden 4 im Sommer nicht abgeschaltet. Gegenüber der Bundesnetzagentur hat Tennet die Anlage in Lahde als „systemrelevant“ ausgewiesen. Wie ein Sprecher mitteilte, prüfe die Behörde aktuell, ob das Kraftwerk betriebsbereit gehalten oder umgerüstet werden müsse, um in Notfällen die Stabilität des Stromsystems zu sichern. Untersucht werde auch, ob Störungen der Stromversorgung durch „andere Maßnahmen“ beseitigt werden können, im Falle Heyden etwa der weitere Betrieb ausschließlich zur Spannungshaltung. Das Verfahren laufe bis zum 1. Juni. Letzte Klarheit gibt es für die Mitarbeitenden des Kraftwerks damit nicht. „Wir müssen abwarten“, sagt Kraftwerksleiter Uwe Knorr. Gleichwohl habe sich die Stimmung in der Belegschaft etwas verbessert. Inwiefern die 80 Mitarbeitenden betroffen sind, müsse verhandelt werden. „Das hängt jetzt von Tennet ab“, sagt Knorr. Frage sei auch, wie lange die mögliche Umbauphase dauert. „Da kann man mal nicht eben mit dem Finger schnippen.“ Tennet-Pressesprecher Mathias Fischer legt gegenüber dem MT Wert darauf, dass es dem Unternehmen beim Kraftwerk Heyden nicht um die Kohleverstromung und die Stromerzeugung gehe, sondern ausschließlich um die Gewährleistung der Netzsicherheit. „Der Strom soll insgesamt sicher transportiert werden können“, so Fischer. Das Kraftwerk würde dann als Generator der Spannungshaltung dienen, es sei ein so genannter rotierender Phasenschieber. Das heiße: „Die Anlage würde nicht mit Kohle angefeuert, sondern durch einen Elektro-Antrieb in Gang gesetzt und anschließend, ähnlich wie ein Motor, am Netz betrieben.“ Dieser Umbau gehe nicht von heute auf morgen, bestätigte auch Fischer: „Dazu muss von der Bundesnetzagentur die notwendige Genehmigung erteilt und die Abstimmung mit dem Kraftwerksbetreiber hergestellt werden.“ Wenn dann der Umbau beschlossen werde, werde die Anlage Heyden 4 bis zum Beginn der Arbeiten in Mindestlast gefahren, das heißt: mit etwa einem Viertel ihrer Kapazität von 875 Megawatt. Beim Thema „systemrelevante Anlage“, so Fischer, gehe es um eine kurzfristige Reserve zur Gewährleistung eines jederzeit sicheren Netzbetriebs. Vergleichbar sei dies mit einer Art Sicherheitsnetz zur schnellen Abwendung von Netzausfällen. „Es handelt sich dabei aber nur um eine Übergangslösung, bis die Anlagen umgebaut oder andere Ersatzmaßnahmen umgesetzt sind“, so Fischer. Mehrfach hatte Tennet das Kraftwerk nach dem Aus des kommerziellen Betriebs am 31. Dezember vorigen Jahres bereits als Reserve eingesetzt. Dabei wurde es, so Fischer, als sogenannter Redispatch ins Netz genommen, also immer dann, wenn ein größerer Strombedarf in einer Region besteht, als er in dem Moment über die Stromleitungen dorthin transportiert werden kann. Neben Heyden 4 hatte Tennet auch die Kraftwerke Walsum 9 bei Duisburg und das RWE-Kraftwerk Westfalen in Hamm als systemrelevant ausgewiesen. Die drei Kraftwerke gehören nach Angeben des Unternehmens zu den elf Anlagen in Deutschland, die bei der ersten Auktion zum Kohleausstieg einen Zuschlag erhalten hatten. Betreiber bekommen für die Stilllegungen laut WAZ-Recherchen insgesamt 317 Millionen Euro. Das Geld fließt auch, wenn ein Kraftwerk in Reserve bleibt. Die Kraftwerke produzieren seit Jahresbeginn keinen Strom mehr. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn die Netzagentur den Empfehlungen der Netzbetreiber folgt. Die kommerzielle Nutzung bleibt untersagt. Für Heyden hatte Betreiber Uniper die Stilllegung zunächst für 2025 angekündigt. Inwiefern unter den jetzt bekannt gewordenen Umständen eine zeitliche Grenze existiert, gehöre auch zu den Fragen, die man jetzt abwarten müsse, wie Uwe Knorr gestern zum MT sagte. Für die Bundesnetzagentur wäre das beabsichtigte Ziel der Emissionsreduzierung mit der Umrüstung des „kohlefreien“ Kraftwerks erreicht.

Kraftwerk ohne Kohle? Bundesnetzagentur prüft Weiterbetrieb

Der Umbau wäre ein Kraftakt, würde aber den Weiterbetrieb in Lahde ermöglichen. Derzeit prüft die Bundesnetzagentur, ob Heyden überhaupt umgerüstet werden kann. MT-Foto: Claudia Hyna © hy

Petershagen-Lahde. Wenn es nach Netzbetreiber Tennet geht, wird das Uniper-Kraftwerk Heyden 4 im Sommer nicht abgeschaltet. Gegenüber der Bundesnetzagentur hat Tennet die Anlage in Lahde als „systemrelevant“ ausgewiesen. Wie ein Sprecher mitteilte, prüfe die Behörde aktuell, ob das Kraftwerk betriebsbereit gehalten oder umgerüstet werden müsse, um in Notfällen die Stabilität des Stromsystems zu sichern. Untersucht werde auch, ob Störungen der Stromversorgung durch „andere Maßnahmen“ beseitigt werden können, im Falle Heyden etwa der weitere Betrieb ausschließlich zur Spannungshaltung. Das Verfahren laufe bis zum 1. Juni.

Letzte Klarheit gibt es für die Mitarbeitenden des Kraftwerks damit nicht. „Wir müssen abwarten“, sagt Kraftwerksleiter Uwe Knorr. Gleichwohl habe sich die Stimmung in der Belegschaft etwas verbessert. Inwiefern die 80 Mitarbeitenden betroffen sind, müsse verhandelt werden. „Das hängt jetzt von Tennet ab“, sagt Knorr. Frage sei auch, wie lange die mögliche Umbauphase dauert. „Da kann man mal nicht eben mit dem Finger schnippen.“

Tennet-Pressesprecher Mathias Fischer legt gegenüber dem MT Wert darauf, dass es dem Unternehmen beim Kraftwerk Heyden nicht um die Kohleverstromung und die Stromerzeugung gehe, sondern ausschließlich um die Gewährleistung der Netzsicherheit. „Der Strom soll insgesamt sicher transportiert werden können“, so Fischer. Das Kraftwerk würde dann als Generator der Spannungshaltung dienen, es sei ein so genannter rotierender Phasenschieber. Das heiße: „Die Anlage würde nicht mit Kohle angefeuert, sondern durch einen Elektro-Antrieb in Gang gesetzt und anschließend, ähnlich wie ein Motor, am Netz betrieben.“

Dieser Umbau gehe nicht von heute auf morgen, bestätigte auch Fischer: „Dazu muss von der Bundesnetzagentur die notwendige Genehmigung erteilt und die Abstimmung mit dem Kraftwerksbetreiber hergestellt werden.“ Wenn dann der Umbau beschlossen werde, werde die Anlage Heyden 4 bis zum Beginn der Arbeiten in Mindestlast gefahren, das heißt: mit etwa einem Viertel ihrer Kapazität von 875 Megawatt.

Beim Thema „systemrelevante Anlage“, so Fischer, gehe es um eine kurzfristige Reserve zur Gewährleistung eines jederzeit sicheren Netzbetriebs. Vergleichbar sei dies mit einer Art Sicherheitsnetz zur schnellen Abwendung von Netzausfällen. „Es handelt sich dabei aber nur um eine Übergangslösung, bis die Anlagen umgebaut oder andere Ersatzmaßnahmen umgesetzt sind“, so Fischer.

Mehrfach hatte Tennet das Kraftwerk nach dem Aus des kommerziellen Betriebs am 31. Dezember vorigen Jahres bereits als Reserve eingesetzt. Dabei wurde es, so Fischer, als sogenannter Redispatch ins Netz genommen, also immer dann, wenn ein größerer Strombedarf in einer Region besteht, als er in dem Moment über die Stromleitungen dorthin transportiert werden kann.

Neben Heyden 4 hatte Tennet auch die Kraftwerke Walsum 9 bei Duisburg und das RWE-Kraftwerk Westfalen in Hamm als systemrelevant ausgewiesen. Die drei Kraftwerke gehören nach Angeben des Unternehmens zu den elf Anlagen in Deutschland, die bei der ersten Auktion zum Kohleausstieg einen Zuschlag erhalten hatten. Betreiber bekommen für die Stilllegungen laut WAZ-Recherchen insgesamt 317 Millionen Euro. Das Geld fließt auch, wenn ein Kraftwerk in Reserve bleibt. Die Kraftwerke produzieren seit Jahresbeginn keinen Strom mehr. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn die Netzagentur den Empfehlungen der Netzbetreiber folgt. Die kommerzielle Nutzung bleibt untersagt.

Für Heyden hatte Betreiber Uniper die Stilllegung zunächst für 2025 angekündigt. Inwiefern unter den jetzt bekannt gewordenen Umständen eine zeitliche Grenze existiert, gehöre auch zu den Fragen, die man jetzt abwarten müsse, wie Uwe Knorr gestern zum MT sagte. Für die Bundesnetzagentur wäre das beabsichtigte Ziel der Emissionsreduzierung mit der Umrüstung des „kohlefreien“ Kraftwerks erreicht.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Petershagen