Kontaktverfolgung in Petershagen: Stadt verteilt Luca-Schlüsselanhänger Doris Christoph Petershagen. Die Stadt Petershagen bietet ab sofort eine analoge Möglichkeit für die Kontaktverfolgung bei einer Corona-Infektion an: Sie verteilt kostenlos Luca-Schlüsselanhänger an Interessierte, die diese telefonisch oder per E-Mail anfordern können. 2.500 Stück hat sie dafür vom Kreis Minden-Lübbecke bekommen. Dessen Gesundheitsamt setzt auf das Luca-System, weil es sich mit der Computer-Software des Gesundheitsamts verbinden lässt. Es gibt aber auch andere Anbieter. Für MT-Leser Burkhard Pfaff ergeben sich aus der Verteilaktion in Petershagen einige Fragen: Wie funktioniert der Anhänger? Wo kann er in Petershagen angewendet werden? Und wie sieht es mit der Datensicherheit aus? Das MT hat Antworten zusammengetragen. Wie funktioniert Luca? Luca ist ein System, das die Kontaktverfolgung etwa nach einem Geschäfts- oder Restaurantbesuch im Fall einer Corona-Infektion erleichtern soll – bislang haben viele Unternehmen dafür Zettel genutzt, auf denen sich Besucher eintragen mussten. Für Luca braucht es drei Schnittstellen, wie der Anbieter Nexenio auf seiner Homepage erklärt: den Gast oder Kunden, das Unternehmen sowie das Gesundheitsamt. Alle müssen sich bei Luca registrieren, der Nutzer kann das zum Beispiel übers Smartphone mit einer App. Besucht er ein Geschäft, generiert er über diese einen QR-Code, der seinem Handy zugeordnet ist, und registriert sich mit diesem – oder scannt den Code des Gastgebers. Bei einer Corona-Infektion werden laut Anbieter alle registrierten Gäste, die sich zeitgleich im Geschäft aufgehalten haben sowie das Gesundheitsamt informiert. Das habe dann Zugriff auf die Daten der Nutzer. Wie funktioniert der Schlüsselanhänger? „Der Luca-Schlüsselanhänger ist für diejenigen gedacht, die kein Smartphone besitzen", erklärt Tatjana Brast, Sprecherin der Stadt Petershagen. Es handelt sich um ein schwarzes, circa drei Mal fünf Zentimeter großes Plättchen, auf das ein QR-Code sowie eine Seriennummer aus Buchstaben und Zahlen gedruckt ist. Bei einer Corona-Infektion werde diese Kombination dem Gesundheitsamt übermittelt, erklärt Tatjana Brast. Für die Nutzung muss der Anhänger über die Homepage registriert werden. „Man gibt dafür die Seriennummer ein und hinterlegt seine Daten wie Name, Rufnummer oder Mailadresse", erklärt Karl-Christian Ebenau, Vorsitzender der Seniorenvertretung. Er hat sich schon angemeldet. Während der Registrierung erhalten die Nutzer einen Code per SMS oder als Sprachnachricht über das Festnetz. Diesen müssen sie bei der Registrierung angeben, um sie abzuschließen. „Wir geben auch einen Hinweiszettel zur Anmeldung mit", erklärt Brast. Wie sieht es mit der Datensicherheit aus? Burkhard Pfaff hat sich Anfang des Jahres die App runtergeladen. Er war begeistert von der Idee dahinter: „Ich dachte, das sei unkompliziert und sinnbringend für die Allgemeinheit." Zweifel kamen ihm, als zum Beispiel der Chaos Computer Club im April auf Mängel beim Datenschutz hinwies. Und das nicht nur bei der App: Bei den Luca-Schlüsselanhängern würden die Bewegungsprofile öffentlich. Diese Sicherheitslücke wurde nach Angaben der Firma Nexenio mittlerweile behoben. Pfaff überraschte es, dass die Stadt trotz der Kritik die Anhänger verteilt. Tatjana Brast erklärt, dass über die Landesbehörde die Datensicherheit vorab überprüft worden sei. Mit der Verteilung wolle man den Kreis unterstützen und zeigen: „Wir stehen dahinter." Aber sie weist auch daraufhin: „Auf dem Schlüsselanhänger sind natürlich personenbezogene Daten gespeichert." Man solle pfleglich mit ihm umgehen. Generell gingen die Menschen sehr großzügig mit ihren Daten um, findet Karl-Christian Ebenau. Und oft sei deren Schutz dabei fraglich. „Ich glaube, es ist wichtiger, dass wir die Freiheit wieder bekommen, überall dort hinzugehen, wohin wir wollen." Das System könne ein Schritt zurück zur Normalität sein, findet er. Wie groß ist das Interesse? Bislang wurde der Schlüsselanhänger an 99 Interessierte durch die Stadt versandt oder ausgehändigt, wie Tatjana Brast am Dienstag mitteilt. Auch Karl-Christian Ebenau hatte für die Seniorenvertretung 20 Anhänger geordert – 17 Stück hat er bereits an Interessierte verteilt. Er findet die Anhänger praktischer als die App. „Wenn man in der Kneipe oder im Kino in der Schlange steht, muss man nicht umständlich das Handy rausfummeln." Gerade für Ältere sei der Anhänger einfacher zu bedienen. Wo kann der Anhänger eingesetzt werden? Die Stadt sei an alle Betriebe und die Gewerbevereine herangetreten und habe sie auf Luca aufmerksam gemacht, erklärt Tatjana Brast. Wie viele letztlich mitmachten, sei nicht bekannt. Viele potenzielle Nutzer haben zurzeit geschlossen. „Aber der Anhänger und die App sind nicht auf Petershagen beschränkt", betont Tatjana Brast. Luca soll demnächst bei den Sitzungen der politischen Gremien in Petershagen eingesetzt werden. Die Politiker finden dann einen Barcode auf ihrem Platz, bei dem sie sich mit der Luca-App anmelden können. Schlüsselanhänger werden gescannt. Petershagen hat sich als Betrieb beim Anbieter registriert. Das sei zurzeit kostenlos – auch für andere Nutzer–, weil es dafür Förderprogramme gebe. Deshalb musste die Stadt nichts für die Anhänger zahlen. Die Daten werden übrigens nicht gespeichert, erklärt Brast. In der Verwaltung wird Luca nicht eingesetzt. „Dann müssten wir jedes Büro mit einem QR-Code ausstatten", sagt Brast. Denn gibt es nur eine Registrierungsmöglichkeit am Eingang, kann das System nicht ermitteln, wer zeitgleich mit einem Infizierten in einem Raum war. Karl-Christian Ebenau überlegt, das System sowie die Anhänger auch für seine Kirchengemeinde in Friedewalde zu nutzen – wenn sie denn mal wieder Gottesdienste anbietet.

Kontaktverfolgung in Petershagen: Stadt verteilt Luca-Schlüsselanhänger

Die Luca-App ermöglicht die verschlüsselte Kontaktdatenübermittlung. Wer kein Smartphone besitzt oder nutzen will, kann bei der Stadt eine Alternative anfordern. Symbolfoto: imago-images.de © imago images/Martin Wagner

Petershagen. Die Stadt Petershagen bietet ab sofort eine analoge Möglichkeit für die Kontaktverfolgung bei einer Corona-Infektion an: Sie verteilt kostenlos Luca-Schlüsselanhänger an Interessierte, die diese telefonisch oder per E-Mail anfordern können. 2.500 Stück hat sie dafür vom Kreis Minden-Lübbecke bekommen. Dessen Gesundheitsamt setzt auf das Luca-System, weil es sich mit der Computer-Software des Gesundheitsamts verbinden lässt. Es gibt aber auch andere Anbieter.

Für MT-Leser Burkhard Pfaff ergeben sich aus der Verteilaktion in Petershagen einige Fragen: Wie funktioniert der Anhänger? Wo kann er in Petershagen angewendet werden? Und wie sieht es mit der Datensicherheit aus? Das MT hat Antworten zusammengetragen.

Wie funktioniert Luca?

Die Stadt bereits hat 99 Anhänger verteilt. Foto: pr - © pr
Die Stadt bereits hat 99 Anhänger verteilt. Foto: pr - © pr

Luca ist ein System, das die Kontaktverfolgung etwa nach einem Geschäfts- oder Restaurantbesuch im Fall einer Corona-Infektion erleichtern soll – bislang haben viele Unternehmen dafür Zettel genutzt, auf denen sich Besucher eintragen mussten. Für Luca braucht es drei Schnittstellen, wie der Anbieter Nexenio auf seiner Homepage erklärt: den Gast oder Kunden, das Unternehmen sowie das Gesundheitsamt. Alle müssen sich bei Luca registrieren, der Nutzer kann das zum Beispiel übers Smartphone mit einer App. Besucht er ein Geschäft, generiert er über diese einen QR-Code, der seinem Handy zugeordnet ist, und registriert sich mit diesem – oder scannt den Code des Gastgebers.

Bei einer Corona-Infektion werden laut Anbieter alle registrierten Gäste, die sich zeitgleich im Geschäft aufgehalten haben sowie das Gesundheitsamt informiert. Das habe dann Zugriff auf die Daten der Nutzer.

Wie funktioniert der Schlüsselanhänger?

„Der Luca-Schlüsselanhänger ist für diejenigen gedacht, die kein Smartphone besitzen", erklärt Tatjana Brast, Sprecherin der Stadt Petershagen. Es handelt sich um ein schwarzes, circa drei Mal fünf Zentimeter großes Plättchen, auf das ein QR-Code sowie eine Seriennummer aus Buchstaben und Zahlen gedruckt ist. Bei einer Corona-Infektion werde diese Kombination dem Gesundheitsamt übermittelt, erklärt Tatjana Brast.

Für die Nutzung muss der Anhänger über die Homepage registriert werden. „Man gibt dafür die Seriennummer ein und hinterlegt seine Daten wie Name, Rufnummer oder Mailadresse", erklärt Karl-Christian Ebenau, Vorsitzender der Seniorenvertretung. Er hat sich schon angemeldet.

Während der Registrierung erhalten die Nutzer einen Code per SMS oder als Sprachnachricht über das Festnetz. Diesen müssen sie bei der Registrierung angeben, um sie abzuschließen. „Wir geben auch einen Hinweiszettel zur Anmeldung mit", erklärt Brast.

Wie sieht es mit der Datensicherheit aus?

Burkhard Pfaff hat sich Anfang des Jahres die App runtergeladen. Er war begeistert von der Idee dahinter: „Ich dachte, das sei unkompliziert und sinnbringend für die Allgemeinheit." Zweifel kamen ihm, als zum Beispiel der Chaos Computer Club im April auf Mängel beim Datenschutz hinwies. Und das nicht nur bei der App: Bei den Luca-Schlüsselanhängern würden die Bewegungsprofile öffentlich. Diese Sicherheitslücke wurde nach Angaben der Firma Nexenio mittlerweile behoben. Pfaff überraschte es, dass die Stadt trotz der Kritik die Anhänger verteilt.

Tatjana Brast erklärt, dass über die Landesbehörde die Datensicherheit vorab überprüft worden sei. Mit der Verteilung wolle man den Kreis unterstützen und zeigen: „Wir stehen dahinter." Aber sie weist auch daraufhin: „Auf dem Schlüsselanhänger sind natürlich personenbezogene Daten gespeichert." Man solle pfleglich mit ihm umgehen.

Generell gingen die Menschen sehr großzügig mit ihren Daten um, findet Karl-Christian Ebenau. Und oft sei deren Schutz dabei fraglich. „Ich glaube, es ist wichtiger, dass wir die Freiheit wieder bekommen, überall dort hinzugehen, wohin wir wollen." Das System könne ein Schritt zurück zur Normalität sein, findet er.

Wie groß ist das Interesse?

Bislang wurde der Schlüsselanhänger an 99 Interessierte durch die Stadt versandt oder ausgehändigt, wie Tatjana Brast am Dienstag mitteilt. Auch Karl-Christian Ebenau hatte für die Seniorenvertretung 20 Anhänger geordert – 17 Stück hat er bereits an Interessierte verteilt. Er findet die Anhänger praktischer als die App. „Wenn man in der Kneipe oder im Kino in der Schlange steht, muss man nicht umständlich das Handy rausfummeln." Gerade für Ältere sei der Anhänger einfacher zu bedienen.

Wo kann der Anhänger eingesetzt werden?

Die Stadt sei an alle Betriebe und die Gewerbevereine herangetreten und habe sie auf Luca aufmerksam gemacht, erklärt Tatjana Brast. Wie viele letztlich mitmachten, sei nicht bekannt. Viele potenzielle Nutzer haben zurzeit geschlossen. „Aber der Anhänger und die App sind nicht auf Petershagen beschränkt", betont Tatjana Brast.

Luca soll demnächst bei den Sitzungen der politischen Gremien in Petershagen eingesetzt werden. Die Politiker finden dann einen Barcode auf ihrem Platz, bei dem sie sich mit der Luca-App anmelden können. Schlüsselanhänger werden gescannt.

Petershagen hat sich als Betrieb beim Anbieter registriert. Das sei zurzeit kostenlos – auch für andere Nutzer–, weil es dafür Förderprogramme gebe. Deshalb musste die Stadt nichts für die Anhänger zahlen. Die Daten werden übrigens nicht gespeichert, erklärt Brast.

In der Verwaltung wird Luca nicht eingesetzt. „Dann müssten wir jedes Büro mit einem QR-Code ausstatten", sagt Brast. Denn gibt es nur eine Registrierungsmöglichkeit am Eingang, kann das System nicht ermitteln, wer zeitgleich mit einem Infizierten in einem Raum war.

Karl-Christian Ebenau überlegt, das System sowie die Anhänger auch für seine Kirchengemeinde in Friedewalde zu nutzen – wenn sie denn mal wieder Gottesdienste anbietet.

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