Kies- und Sandflächen in Windheim und Wasserstraße: Bürger sorgen sich um Abbau-Pläne Claudia Hyna Petershagen-Windheim. In Windheim ist ein weiteres Kiesabbaugebiet geplant. Um das Verfahren in Gang zu bringen, muss der Bereich höhergestuft werden. Zur Vorbereitung hat eine Firma Mitte November einige Grundstückseigentümer angeschrieben, mit dem Ziel, ihnen Grundstücke abzukaufen. Das habe für große Unruhe gesorgt, kommentiert Ortsbürgermeister Hermann Humcke (CDU). Er weiß, dass auch in Wasserstraße mehrere Landbesitzer angeschrieben worden seien, hier ging es ebenfalls um weitere Abgrabungsflächen. Auch die Stadt selbst erreichte ein solches Schreiben, das auch dem MT vorliegt. Das sei schon „starker Tobak“, meint Humcke. Damit spricht er den Umstand an, dass vorab keine Gespräche stattgefunden hätten, es also keine Ankündigung des Vorhabens gab. Eine betroffene Grundstückseigentümerin aus Windheim hält überhaupt nichts von einer weiteren Aushöhlung der Landschaft. „Es geht nie um den Ort selber, sondern immer nur ums Geld“, sagt sie.Sie befürchtet, dass aufgrund neuer Abgrabungen die Häuser absacken und Risse in den Räumen entstehen würden. Humcke weiß von anderen Einwohnern, die das genauso sehen und strikt gegen die Pläne seien. „Die würden ihr Land nie verkaufen.“ Bei Landwirten sei es im übrigen so, dass diese aktuell jeden Hektar bräuchten. Im übrigen hätte sich die Bürgerin eine Einwohnerversammlung zu dem Thema gewünscht. „Wir wussten bis vor kurzem nichts davon“, so die Antwort Humckes. Er spricht von einem Alleingang der Firma.Die anvisierte Fläche für den Kies- und Sandabbau in Windheim ist 50 Hektar groß. Sie befindet sich in südwestlicher Lage zwischen Jösser Weg, Logeweg und dem Riehebach. Die Lage an der Weser sei optimal. Kies und Sand könnten von hier mit dem Schiff abtransportiert werden, heißt es auf Anfrage aus der Firma Heidelberger Sand und Kies mit Sitz in Bremen. Es gehe um die Fortschreibung des Regionalplans aus dem Jahr 2004. Dabei sollen neue Wasserschutz- und Industriegebiete, aber auch Bodenabbaugebiete ausgewiesen werden. Das Beteiligungsverfahren sei gestartet und mehrere Firmen hegten ähnliche Pläne wie die Firma Heidelberger. Die Abwägung ist Sache der Bezirksregierung Detmold. Das bestätigt auch Hermann Humcke. Flächen, die über den neuen Regionalplan hinaus gingen, müsste die Behörde dort festschreiben. Auf Anfragen gab es von dort bisher keine Antwort. Im Frühjahr dieses Jahres habe die Stadt Petershagen bereits ihre Stellungnahme zum Entwurf abgegeben. Die Position, die im Rat (25. März) einvernehmlich beschlossen wurde, sei, keine neuen Abgrabungsflächen zuzulassen.Dazu heißt es in der Stellungnahme: „Nach den Erkenntnissen aus dem Abgrabungsmonitoring des Geologischen Dienstes ist der Bedarf an Kies und Sand für die nächsten 24 Jahre gedeckt. Daher sieht die Stadt Petershagen in ihrem Gebiet keine Notwendigkeit zur Neuausweisung von BSAB-(Bereiche für die Sicherung und den Abbau oberflächennaher Bodenschätze) Flächen im Regionalplan OWL. Lediglich die Erweiterung von bereits betriebenen Abgrabungen wird in Einzelfällen befürwortet.“ Windheim sei besonders stark betroffen, macht Hermann Humcke deutlich. Dort seien mehr als 40 Prozent der etwa 720 Hektar großen Gemarkung abgegraben oder genehmigt. „Wenn hier weiter abgegraben würde, werde nicht mehr viel von der Gemarkung übrig bleiben“, so Humcke. Der Ortsbürgermeister erinnert in diesem Zusammenhang an die Initiative, die es in den neunziger Jahren gab. Hier wehrten sich Einwohner gegen weiteren Flächenfraß.Die Firma Heidelberger betreibt bereits einen Sand- und Kiesabbau in den Orten Achim, Thedinghausen und Stolzenau. Zur langfristigen Versorgung des Bausektors sei der Sandabbau in Windheim beabsichtigt, heißt es in einem Schreiben. Neben dem Abbau müssten auch die Fragen der Rekultivierung geregelt werden. Ein Sprecher der Firma spricht von einer Perspektive von zehn bis 15 Jahren, in der die Pläne umgesetzt werden sollten.Eines steht fest: Ein Abbau ist nur nach einer privatrechtlichen Einigung zwischen dem Grundstückseigentümer und dem Unternehmen möglich. Zu diesem Zwecke hat die Firma mit ihrem Schreiben eine Einverständniserklärung mitgeschickt. Zu gegebener Zeit würde man den Menschen ein Kaufangebot machen, heißt es. Die Höherstufung ist überhaupt eine Voraussetzung dafür, dass ein Genehmigungsverfahren für den Abbau eingeleitet werden kann.Was wäre, wenn ein oder mehrere Eigentümer nicht dazu bereit wären? Bleiben die Areale dann inselgleich im Abbaugebiet stehen? Eine Zuwegung müsse immer gewährleistet sein, darauf macht der Ortsbürgermeister aufmerksam. Und wer seine Fläche nicht verkaufen wolle, der behält sein Eigentum. „Es kann niemand enteignet werden“, sagt Humcke.

Kies- und Sandflächen in Windheim und Wasserstraße: Bürger sorgen sich um Abbau-Pläne

Diese Flächen südwestlich der Ortschaft Windheim sind für eine Kiesabgrabung vorgesehen. MT-Foto: Alex Lehn © lehn

Petershagen-Windheim. In Windheim ist ein weiteres Kiesabbaugebiet geplant. Um das Verfahren in Gang zu bringen, muss der Bereich höhergestuft werden. Zur Vorbereitung hat eine Firma Mitte November einige Grundstückseigentümer angeschrieben, mit dem Ziel, ihnen Grundstücke abzukaufen. Das habe für große Unruhe gesorgt, kommentiert Ortsbürgermeister Hermann Humcke (CDU).

Er weiß, dass auch in Wasserstraße mehrere Landbesitzer angeschrieben worden seien, hier ging es ebenfalls um weitere Abgrabungsflächen. Auch die Stadt selbst erreichte ein solches Schreiben, das auch dem MT vorliegt. Das sei schon „starker Tobak“, meint Humcke. Damit spricht er den Umstand an, dass vorab keine Gespräche stattgefunden hätten, es also keine Ankündigung des Vorhabens gab. Eine betroffene Grundstückseigentümerin aus Windheim hält überhaupt nichts von einer weiteren Aushöhlung der Landschaft. „Es geht nie um den Ort selber, sondern immer nur ums Geld“, sagt sie.

Sie befürchtet, dass aufgrund neuer Abgrabungen die Häuser absacken und Risse in den Räumen entstehen würden. Humcke weiß von anderen Einwohnern, die das genauso sehen und strikt gegen die Pläne seien. „Die würden ihr Land nie verkaufen.“ Bei Landwirten sei es im übrigen so, dass diese aktuell jeden Hektar bräuchten. Im übrigen hätte sich die Bürgerin eine Einwohnerversammlung zu dem Thema gewünscht. „Wir wussten bis vor kurzem nichts davon“, so die Antwort Humckes. Er spricht von einem Alleingang der Firma.

Die anvisierte Fläche für den Kies- und Sandabbau in Windheim ist 50 Hektar groß. Sie befindet sich in südwestlicher Lage zwischen Jösser Weg, Logeweg und dem Riehebach. Die Lage an der Weser sei optimal. Kies und Sand könnten von hier mit dem Schiff abtransportiert werden, heißt es auf Anfrage aus der Firma Heidelberger Sand und Kies mit Sitz in Bremen. Es gehe um die Fortschreibung des Regionalplans aus dem Jahr 2004. Dabei sollen neue Wasserschutz- und Industriegebiete, aber auch Bodenabbaugebiete ausgewiesen werden. Das Beteiligungsverfahren sei gestartet und mehrere Firmen hegten ähnliche Pläne wie die Firma Heidelberger. Die Abwägung ist Sache der Bezirksregierung Detmold. Das bestätigt auch Hermann Humcke. Flächen, die über den neuen Regionalplan hinaus gingen, müsste die Behörde dort festschreiben. Auf Anfragen gab es von dort bisher keine Antwort.

Im Frühjahr dieses Jahres habe die Stadt Petershagen bereits ihre Stellungnahme zum Entwurf abgegeben. Die Position, die im Rat (25. März) einvernehmlich beschlossen wurde, sei, keine neuen Abgrabungsflächen zuzulassen.

Dazu heißt es in der Stellungnahme: „Nach den Erkenntnissen aus dem Abgrabungsmonitoring des Geologischen Dienstes ist der Bedarf an Kies und Sand für die nächsten 24 Jahre gedeckt. Daher sieht die Stadt Petershagen in ihrem Gebiet keine Notwendigkeit zur Neuausweisung von BSAB-(Bereiche für die Sicherung und den Abbau oberflächennaher Bodenschätze) Flächen im Regionalplan OWL. Lediglich die Erweiterung von bereits betriebenen Abgrabungen wird in Einzelfällen befürwortet.“ Windheim sei besonders stark betroffen, macht Hermann Humcke deutlich. Dort seien mehr als 40 Prozent der etwa 720 Hektar großen Gemarkung abgegraben oder genehmigt. „Wenn hier weiter abgegraben würde, werde nicht mehr viel von der Gemarkung übrig bleiben“, so Humcke. Der Ortsbürgermeister erinnert in diesem Zusammenhang an die Initiative, die es in den neunziger Jahren gab. Hier wehrten sich Einwohner gegen weiteren Flächenfraß.

Die Firma Heidelberger betreibt bereits einen Sand- und Kiesabbau in den Orten Achim, Thedinghausen und Stolzenau. Zur langfristigen Versorgung des Bausektors sei der Sandabbau in Windheim beabsichtigt, heißt es in einem Schreiben. Neben dem Abbau müssten auch die Fragen der Rekultivierung geregelt werden. Ein Sprecher der Firma spricht von einer Perspektive von zehn bis 15 Jahren, in der die Pläne umgesetzt werden sollten.

Eines steht fest: Ein Abbau ist nur nach einer privatrechtlichen Einigung zwischen dem Grundstückseigentümer und dem Unternehmen möglich. Zu diesem Zwecke hat die Firma mit ihrem Schreiben eine Einverständniserklärung mitgeschickt. Zu gegebener Zeit würde man den Menschen ein Kaufangebot machen, heißt es. Die Höherstufung ist überhaupt eine Voraussetzung dafür, dass ein Genehmigungsverfahren für den Abbau eingeleitet werden kann.

Was wäre, wenn ein oder mehrere Eigentümer nicht dazu bereit wären? Bleiben die Areale dann inselgleich im Abbaugebiet stehen? Eine Zuwegung müsse immer gewährleistet sein, darauf macht der Ortsbürgermeister aufmerksam. Und wer seine Fläche nicht verkaufen wolle, der behält sein Eigentum. „Es kann niemand enteignet werden“, sagt Humcke.

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