Katheter statt Elfmeter: Ja zum Gesundheitszentrum auf dem Sportplatz Claudia Hynaund Oliver Plöger Petershagen. Für Unruhe in der Stadt sorgte kürzlich das Gerücht, dass im Zuge der Planungen zur „Neuen Mitte“ neben dem B-Sportplatz an der Nachtigallenstraße auch der A-Sportplatz an der Hohoffstraße in Petershagens Zentrum bebaut werden solle. Spruchreif sei noch nichts, sagte dazu Bürgermeister Dirk Breves (CDU) auf MT-Anfrage. Für Alexander Boeing steht fest: Die Öffentlichkeit braucht Sportplätze. Dass die Sportplätze überplant werden, bereitet dem aktiven Sportler Sorgen. Als er in der Ankündigung zur Ratssitzung im MT las, dass die Öffentlichkeit sich in einer Fragestunde direkt an die Verwaltung richten kann, setzte er einen Fragenkatalog auf, den Bürgermeister Dirk Breves öffentlich beantwortete – auch wenn, wie Breves deutlich machte, die Frist für Anfragen „nicht ganz“ eingehalten wurde. Und das wollte Boeing wissen: Ist es bei einer möglichen Bebauung der Sportplätze beabsichtigt, einen öffentlich nutzbaren Ersatzsportplatz zu schaffen? Und wenn nicht, warum? Werden vor der Öffentlichkeitsbeteiligung die Anwohner des Gebiets sowie die örtlichen Vereine, die ein Interesse an der Nutzung der Sportplätze haben, vorab von der Stadt benachrichtigt oder befragt? Wird noch vor der Öffentlichkeitsbeteiligung eine Veranschaulichung, wie die Bebauung geplant ist, online zugänglich gemacht? Wird der Verkaufspreis der Grundstücke an den Investor mit angegeben, ergänzend: Ist das Grundstück bereits verkauft? Breves verwies auf den Planungsstand: „Im Moment haben wir ausschließlich eine Planung für einen Teilbereich des B-Sportplatzes angefangen, das heißt: Der Rest ist derzeit noch ungeplant, da müsste man erst noch eine Planung anstoßen.“ Das gelte auch für den A-Sportplatz. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es noch gar keine weiteren Planungen als die, über die in der Tagesordnung zu entscheiden sei, im wesentlichen also: Änderung des Flächennutzungsplans auf 4.300 Quadratmetern. Breves: „Dementsprechend gibt es auch noch keine Überlegungen zu Ersatzsportplätzen. Nur eins dürfte klar sein: Wenn wir zu gegebener Zeit über den A-Sportplatz reden, stellt sich spätestens für den Verein die Frage: Wo trainieren wir, wo spielen wir zukünftig? Das wird dann selbstverständlich zu klären sein.“ Vom Sportplatz B seien für die Bereiche Wohnen und Dienstleistung ein gutes Drittel – der vordere asphaltierte Platz – geplant. „Die restlichen 5.000 Quadratmeter bleiben unbeplant.“ Auf jeden Fall müsse in allen Überlegungen der Stadt der Platz A mit seinen rund 10.000 Quadratmetern „mitgedacht werden“. Was die Öffentlichkeitsbeteiligung angeht, müsse man differenzieren: „Beim B-Sportplatz ist es selbstverständlich, dass wir uns vorher mit den nutzenden Vereinen ins Benehmen setzen, wenn wir als Eigentümer diesen Sportplatz überplanen wollen: Wir haben die Pflege ja vertraglich an den TuS Petershagen-Ovenstädt übertragen.“ Das betreffe auch das weitere Verfahren zur Bauleitplanung für das Gesundheitszentrum. „Da werden dann die direkten Anlieger angeschrieben, alle anderen haben aber auch die Möglichkeit, im Rahmen der öffentlichen Beteiligung ihre Position darzustellen.“ Das würde dann auch gelten, wenn über den A-Sportlatz geredet wird. Die von Boeing geforderte Online-Darstellung werde es im nächsten Verfahrensschritt geben, sicherte Breves zu. Nicht öffentlich aber sei der Verkaufspreis der Grundstücke. „Grundstücksgeschäfte sind nach unserer Hauptsatzung Angelegenheiten, die nicht öffentlich bekannt gegeben werden. Bekannt gegeben werden sie dem Ratsrund in nicht-öffentlicher Sitzung“, so der Bürgermeister. Derzeit sei das Grundstück allerdings noch nicht verkauft, auch nicht teilweise, weil, so der Bürgermeister, „wir das Gesundheitszentrum in zwei Bauabschnitten umsetzen wollen.“ Alexander Boeing, der ausdrücklich als Privatmann und nicht als Vereinsmitglied des SC Petershagen sprach, betonte, dass der Sport in Petershagen nicht auf die Plätze verzichten kann. Er selbst sei als Spartenleiter Badminton beim SC nicht so sehr davon betroffen, dafür aber die Kollegen der anderen Sparten. „Generell will man bei der Hitze nicht in der Halle sein.“ Außerdem sei ein Wohngebiet, in dem auch Kinder wohnen, ohne Sportplatz schlecht bestellt. Er will die Angelegenheit weiter verfolgen und aufmerksam sein, wie die Stadt ihre Planungen vorantreibt. Dass der Bürgermeister seine kurzfristig eingereichten Fragen beantwortet hat, fand Alexander Boeing auf jeden Fall schon mal gut. Transparenz hatte vorab gegenüber dem MT der TuS Petershagen-Ovenstädt eingefordert. Geschäftsführer Frederik Aumann meinte auf Anfrage, dass der B-Platz besonders im Jugend- und Seniorenbereich in den Sommermonaten gebraucht werde. Ganz so einfach sei es also nicht, auf den Platz zu verzichten. Ansonsten finde der Betrieb auf Plätzen statt, die auch über Flutlicht verfügen. Die Stadt sei mit dem TuS im Gespräch, sagte Dirk Breves im MT-Gespräch. Stellvertretender TuS-Vorsitzender Karl-Heinz Haßfeld ergänzte, dass der B-Platz in den verbleibenden Monaten auch zu nass sei. Möglicherweise könne der alte Tennisplatz am neuen Grundschulstandort Koppelweg einen Kunstrasenbelag erhalten und so als alternativer Trainingsplatz herhalten. Die Politik war sich am Ende einig, was die Marschrichtung betrifft: Ja zum Gesundheitszentrum und der „Neuen Mitte“. Die SPD habe die kritische Sicht der Bürger zur Kenntnis genommen und habe deshalb auch Bauchschmerzen gehabt, wie Fraktionsvorsitzender Friedrich Lange meinte, doch: „Wir wollen das Gesundheitszentrum keinesfalls boykottieren.“ Die Bauleitplanung als nächster Schritt sei sinnvoll. Als „Glücksfall für Petershagen“ wertete CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Humcke das Gesundheitszentrum, besonders die Tatsache, dass sich ein privater Investor gefunden habe. „Wir sehen doch, wie groß der Mangel an Ärzten ist.“ Ein Konzept für den A-Sportplatz dürfe man nicht „übers Knie“ brechen. „Da muss noch vieles entwickelt werden.“ Von einer „einmaligen Chance“ sprach Günter Wehmeyer als FDP-Fraktionsvorsitzender: „Wir haben das Thema ärztliche Versorgung über zehn Jahre diskutiert, es wäre unverzeihlich, wenn wir das Gesundheitszentrum jetzt nicht als Einstieg für die Neue Mitte nutzen würden.“ Das befürwortete auch Günter Hahn, Fraktionsvorsitzender der Grünen: „Wir hoffen natürlich auch noch auf Fachärzte und einen Physiotherapeuten.“ Da müsse man ja auch mittlerweile zwei bis drei Monate auf einen Termin warten.

Katheter statt Elfmeter: Ja zum Gesundheitszentrum auf dem Sportplatz

Petershagen. Für Unruhe in der Stadt sorgte kürzlich das Gerücht, dass im Zuge der Planungen zur „Neuen Mitte“ neben dem B-Sportplatz an der Nachtigallenstraße auch der A-Sportplatz an der Hohoffstraße in Petershagens Zentrum bebaut werden solle. Spruchreif sei noch nichts, sagte dazu Bürgermeister Dirk Breves (CDU) auf MT-Anfrage.

Auf einem Teil des als „A-Sportplatz“ bekannten Geländes an der Nachtigallenstraße soll künftig das Gesundheitszentrum entstehen. MT-Foto: Oliver Plöger - © Oliver Plöger
Auf einem Teil des als „A-Sportplatz“ bekannten Geländes an der Nachtigallenstraße soll künftig das Gesundheitszentrum entstehen. MT-Foto: Oliver Plöger - © Oliver Plöger

Für Alexander Boeing steht fest: Die Öffentlichkeit braucht Sportplätze. Dass die Sportplätze überplant werden, bereitet dem aktiven Sportler Sorgen. Als er in der Ankündigung zur Ratssitzung im MT las, dass die Öffentlichkeit sich in einer Fragestunde direkt an die Verwaltung richten kann, setzte er einen Fragenkatalog auf, den Bürgermeister Dirk Breves öffentlich beantwortete – auch wenn, wie Breves deutlich machte, die Frist für Anfragen „nicht ganz“ eingehalten wurde.

Und das wollte Boeing wissen: Ist es bei einer möglichen Bebauung der Sportplätze beabsichtigt, einen öffentlich nutzbaren Ersatzsportplatz zu schaffen? Und wenn nicht, warum? Werden vor der Öffentlichkeitsbeteiligung die Anwohner des Gebiets sowie die örtlichen Vereine, die ein Interesse an der Nutzung der Sportplätze haben, vorab von der Stadt benachrichtigt oder befragt? Wird noch vor der Öffentlichkeitsbeteiligung eine Veranschaulichung, wie die Bebauung geplant ist, online zugänglich gemacht? Wird der Verkaufspreis der Grundstücke an den Investor mit angegeben, ergänzend: Ist das Grundstück bereits verkauft?

Breves verwies auf den Planungsstand: „Im Moment haben wir ausschließlich eine Planung für einen Teilbereich des B-Sportplatzes angefangen, das heißt: Der Rest ist derzeit noch ungeplant, da müsste man erst noch eine Planung anstoßen.“ Das gelte auch für den A-Sportplatz.

Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es noch gar keine weiteren Planungen als die, über die in der Tagesordnung zu entscheiden sei, im wesentlichen also: Änderung des Flächennutzungsplans auf 4.300 Quadratmetern. Breves: „Dementsprechend gibt es auch noch keine Überlegungen zu Ersatzsportplätzen. Nur eins dürfte klar sein: Wenn wir zu gegebener Zeit über den A-Sportplatz reden, stellt sich spätestens für den Verein die Frage: Wo trainieren wir, wo spielen wir zukünftig? Das wird dann selbstverständlich zu klären sein.“ Vom Sportplatz B seien für die Bereiche Wohnen und Dienstleistung ein gutes Drittel – der vordere asphaltierte Platz – geplant. „Die restlichen 5.000 Quadratmeter bleiben unbeplant.“ Auf jeden Fall müsse in allen Überlegungen der Stadt der Platz A mit seinen rund 10.000 Quadratmetern „mitgedacht werden“.

Was die Öffentlichkeitsbeteiligung angeht, müsse man differenzieren: „Beim B-Sportplatz ist es selbstverständlich, dass wir uns vorher mit den nutzenden Vereinen ins Benehmen setzen, wenn wir als Eigentümer diesen Sportplatz überplanen wollen: Wir haben die Pflege ja vertraglich an den TuS Petershagen-Ovenstädt übertragen.“ Das betreffe auch das weitere Verfahren zur Bauleitplanung für das Gesundheitszentrum. „Da werden dann die direkten Anlieger angeschrieben, alle anderen haben aber auch die Möglichkeit, im Rahmen der öffentlichen Beteiligung ihre Position darzustellen.“ Das würde dann auch gelten, wenn über den A-Sportlatz geredet wird. Die von Boeing geforderte Online-Darstellung werde es im nächsten Verfahrensschritt geben, sicherte Breves zu.

Nicht öffentlich aber sei der Verkaufspreis der Grundstücke. „Grundstücksgeschäfte sind nach unserer Hauptsatzung Angelegenheiten, die nicht öffentlich bekannt gegeben werden. Bekannt gegeben werden sie dem Ratsrund in nicht-öffentlicher Sitzung“, so der Bürgermeister. Derzeit sei das Grundstück allerdings noch nicht verkauft, auch nicht teilweise, weil, so der Bürgermeister, „wir das Gesundheitszentrum in zwei Bauabschnitten umsetzen wollen.“

Alexander Boeing, der ausdrücklich als Privatmann und nicht als Vereinsmitglied des SC Petershagen sprach, betonte, dass der Sport in Petershagen nicht auf die Plätze verzichten kann. Er selbst sei als Spartenleiter Badminton beim SC nicht so sehr davon betroffen, dafür aber die Kollegen der anderen Sparten. „Generell will man bei der Hitze nicht in der Halle sein.“

Außerdem sei ein Wohngebiet, in dem auch Kinder wohnen, ohne Sportplatz schlecht bestellt. Er will die Angelegenheit weiter verfolgen und aufmerksam sein, wie die Stadt ihre Planungen vorantreibt. Dass der Bürgermeister seine kurzfristig eingereichten Fragen beantwortet hat, fand Alexander Boeing auf jeden Fall schon mal gut.

Transparenz hatte vorab gegenüber dem MT der TuS Petershagen-Ovenstädt eingefordert. Geschäftsführer Frederik Aumann meinte auf Anfrage, dass der B-Platz besonders im Jugend- und Seniorenbereich in den Sommermonaten gebraucht werde. Ganz so einfach sei es also nicht, auf den Platz zu verzichten. Ansonsten finde der Betrieb auf Plätzen statt, die auch über Flutlicht verfügen. Die Stadt sei mit dem TuS im Gespräch, sagte Dirk Breves im MT-Gespräch. Stellvertretender TuS-Vorsitzender Karl-Heinz Haßfeld ergänzte, dass der B-Platz in den verbleibenden Monaten auch zu nass sei. Möglicherweise könne der alte Tennisplatz am neuen Grundschulstandort Koppelweg einen Kunstrasenbelag erhalten und so als alternativer Trainingsplatz herhalten.

Die Politik war sich am Ende einig, was die Marschrichtung betrifft: Ja zum Gesundheitszentrum und der „Neuen Mitte“. Die SPD habe die kritische Sicht der Bürger zur Kenntnis genommen und habe deshalb auch Bauchschmerzen gehabt, wie Fraktionsvorsitzender Friedrich Lange meinte, doch: „Wir wollen das Gesundheitszentrum keinesfalls boykottieren.“ Die Bauleitplanung als nächster Schritt sei sinnvoll.

Als „Glücksfall für Petershagen“ wertete CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Humcke das Gesundheitszentrum, besonders die Tatsache, dass sich ein privater Investor gefunden habe. „Wir sehen doch, wie groß der Mangel an Ärzten ist.“ Ein Konzept für den A-Sportplatz dürfe man nicht „übers Knie“ brechen. „Da muss noch vieles entwickelt werden.“

Von einer „einmaligen Chance“ sprach Günter Wehmeyer als FDP-Fraktionsvorsitzender: „Wir haben das Thema ärztliche Versorgung über zehn Jahre diskutiert, es wäre unverzeihlich, wenn wir das Gesundheitszentrum jetzt nicht als Einstieg für die Neue Mitte nutzen würden.“ Das befürwortete auch Günter Hahn, Fraktionsvorsitzender der Grünen: „Wir hoffen natürlich auch noch auf Fachärzte und einen Physiotherapeuten.“ Da müsse man ja auch mittlerweile zwei bis drei Monate auf einen Termin warten.

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