Jugendgästehaus ohne Gäste: Im Lockdown wird trotzdem gebucht Oliver Plöger Petershagen. Ein Gästehaus ohne Gäste: Nachdem bis kurz vor Weihnachten noch Betriebsamkeit herrschte, ist es in der Jugendherberge in Petershagen derzeit wieder ruhig. Sehr ruhig, wie Leiterin Sandra Vollmer sagt. Im Zuge des aktuellen Lockdowns ist die Einrichtung bis zum 31. Januar geschlossen. „Was genau danach kommt, wissen wir nicht“, so Sandra Vollmer. Es werde aber weitergehen, denn den befürchteten Einbruch bei den privaten Buchungen stelle das Jugendgästehaus gerade nicht fest. Bei den Schulen schon, da merke man die Unsicherheit. Die zwölf Mitarbeiter in Petershagen arbeiten weiter in Kurzarbeit und nutzen die gästelose Zeit, um Renovierungsarbeiten durchzuführen, die im laufenden Betrieb kaum möglich sind oder dann nur stören: Hier und dort gibt es frische Farbe, anstehende Technik-Reparaturen könnten ohne den laufenden Betrieb über die Bühne gehen. Dass die finanzielle Situation im Jugendherbergswerk weiter dramatisch ist, bestätigte gestern Pressesprecher Justin Blum vom Hauptverband des Deutschen Jugendherbergswerks in Detmold. Gleichwohl verwies er auf die Hilfen, die im Herbst durch die Bundesregierung angekündigt worden waren. Ein Beispiel: Mit dem 100-Millionen-Euro-Sonderprogramm sollten Liquiditätsengpässe bei gemeinnützigen Übernachtungsstätten im Bereich der Kinder- und Jugendbildung und Kinder- und Jugendarbeit im Zeitraum April bis Dezember 2020 abgemildert werden. „Die Hilfen kommen, wir müssen aber sehen, wie es nach dem 31. Januar weitergeht“, so Blum. Zuvor hatte der Landesverband die Existenz des Jugendgästehauses in Petershagen massiv bedroht gesehen: „Ohne Hilfe werden wir die Krise nicht überstehen“, hatte Geschäftsführer Wolfgang Büttner im April vorigen Jahres angemahnt. Als gemeinnützige Einrichtungen arbeiteten Jugendherbergen nicht gewinnorientiert, investierten Überschüsse direkt und bildeten keine Rücklagen. Trotz dramatischer Hilferufe der Landesverbände und des DJH-Hauptverbands an die Bundes- und Landespolitik hatten die Jugendherbergen als gemeinnützige Betriebe zunächst noch keine Mittel aus dem Rettungsschirm abrufen können. Ab September bestand dann allerdings die Möglichkeit, Gelder aus dem Sonderprogramm zu beantragen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD): „Mir ist wichtig, dass diese Orte erhalten bleiben. Den betroffenen Organisationen werde ich deshalb schnell und unbürokratisch helfen.“ Genaue Angaben, welche Hilfen in Petershagen gegriffen haben und was Corona mit den Besucherzahlen im Vorjahr gemacht hat, gab es seitens des Jugendherbergswerks nicht – eine entsprechende Anfrage läuft, konnte aber gestern nicht beantwortet werden, da sich die Pressestelle selbst in Kurzarbeit befindet. Pressesprecherin Maike Braun kündigte allerdings für heute ein Statement zur aktuellen Lage an und verwies auf die Veröffentlichung der Übernachtungszahlen, die für Anfang/Mitte Februar geplant seien. Nach der Schließung im vorigen März und den späteren Lockerungen sind seit dem 2. November bereits wieder touristische Übernachtungsangebote verboten, komplett geschlossen hat das Jugendgästehaus seit dem 21. Dezember. Vor der Pandemie hatte es Besucherzahlen von 10.000 und mehr jährlich in Petershagen gegeben. Gerne reserviert wird das Jugendgästehaus von Musikgruppen – in der Mehrzweckhalle können immerhin 40 bis 50 Leute üben. Großen Erfolg hatte die Herberge dank ihres Seminarangebots für Studenten, Auszubildende und berufliche Schulungen. „Diesen Alltag würden wir uns wieder wünschen“, heißt es aus dem Jugendgästehaus. Für potenzielle Gäste gilt auch in Petershagen: Buchungen seien weiterhin möglich. Das bekräftigte Sandra Vollmer, die positiv in die Zukunft blicken will. Und dass der Bedarf an der Nutzung des Hauses groß ist, merke man am aktuellen Interesse derjenigen, die hier im Sommer ihre Freizeit verbringen wollen. Bleiben die Schulen, die sich aktuell bei den Buchungen zurückhalten. Dabei hatte in den vergangenen Monaten auch das Jugendgästehaus Räumlichkeiten für die temporäre Schulnutzung angeboten (das MT berichtete). Die Häuser, so das Jugendherbergswerk, verfügten über die passende Ausstattung. Etwa, weil die vorhandenen Gruppenräume schnell und einfach zu Klassenräumen umfunktioniert werden können. Für die geschulten Mitarbeitenden sei auch die Verpflegung größerer Schülergruppen kein Problem. Eigens hatte das Herbergswerk zudem ein Hygienekonzept vorgelegt. Allein: Das Interesse an diesem Angebot blieb aus. „Die Schülerinnen und Schüler“, so erklärt sich das Sandra Vollmer, „sind ins Homeschooling gegangen.“ Gleichwohl halte einer ihrer Kollegen weiter Kontakt zu den Schulen in Petershagen: Sobald das Jugendgästehaus öffnet, würde die Einladung wieder gelten. Das Jugendgästehaus Petershagen wurde im Mai 2010 eröffnet. Dazu wurde der ehemalige Adelssitz „Besselscher Hof“ aufwendig saniert, er hatte einst die Schiffer-Berufsschule (1938 bis 1992) beherbergt und liegt direkt an der Weser und am Weserradweg.

Jugendgästehaus ohne Gäste: Im Lockdown wird trotzdem gebucht

Die Bronzeplastik vor dem Jugendgästehaus in Petershagen hat ein Dauergrinsen aufgesetzt. Danach ist derzeit nicht allen. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. MT-Foto: Oliver Plöger © Olier Plöger

Petershagen. Ein Gästehaus ohne Gäste: Nachdem bis kurz vor Weihnachten noch Betriebsamkeit herrschte, ist es in der Jugendherberge in Petershagen derzeit wieder ruhig. Sehr ruhig, wie Leiterin Sandra Vollmer sagt. Im Zuge des aktuellen Lockdowns ist die Einrichtung bis zum 31. Januar geschlossen. „Was genau danach kommt, wissen wir nicht“, so Sandra Vollmer. Es werde aber weitergehen, denn den befürchteten Einbruch bei den privaten Buchungen stelle das Jugendgästehaus gerade nicht fest. Bei den Schulen schon, da merke man die Unsicherheit.

Die zwölf Mitarbeiter in Petershagen arbeiten weiter in Kurzarbeit und nutzen die gästelose Zeit, um Renovierungsarbeiten durchzuführen, die im laufenden Betrieb kaum möglich sind oder dann nur stören: Hier und dort gibt es frische Farbe, anstehende Technik-Reparaturen könnten ohne den laufenden Betrieb über die Bühne gehen.

Dass die finanzielle Situation im Jugendherbergswerk weiter dramatisch ist, bestätigte gestern Pressesprecher Justin Blum vom Hauptverband des Deutschen Jugendherbergswerks in Detmold. Gleichwohl verwies er auf die Hilfen, die im Herbst durch die Bundesregierung angekündigt worden waren. Ein Beispiel: Mit dem 100-Millionen-Euro-Sonderprogramm sollten Liquiditätsengpässe bei gemeinnützigen Übernachtungsstätten im Bereich der Kinder- und Jugendbildung und Kinder- und Jugendarbeit im Zeitraum April bis Dezember 2020 abgemildert werden. „Die Hilfen kommen, wir müssen aber sehen, wie es nach dem 31. Januar weitergeht“, so Blum.

Zuvor hatte der Landesverband die Existenz des Jugendgästehauses in Petershagen massiv bedroht gesehen: „Ohne Hilfe werden wir die Krise nicht überstehen“, hatte Geschäftsführer Wolfgang Büttner im April vorigen Jahres angemahnt. Als gemeinnützige Einrichtungen arbeiteten Jugendherbergen nicht gewinnorientiert, investierten Überschüsse direkt und bildeten keine Rücklagen. Trotz dramatischer Hilferufe der Landesverbände und des DJH-Hauptverbands an die Bundes- und Landespolitik hatten die Jugendherbergen als gemeinnützige Betriebe zunächst noch keine Mittel aus dem Rettungsschirm abrufen können.

Ab September bestand dann allerdings die Möglichkeit, Gelder aus dem Sonderprogramm zu beantragen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD): „Mir ist wichtig, dass diese Orte erhalten bleiben. Den betroffenen Organisationen werde ich deshalb schnell und unbürokratisch helfen.“

Genaue Angaben, welche Hilfen in Petershagen gegriffen haben und was Corona mit den Besucherzahlen im Vorjahr gemacht hat, gab es seitens des Jugendherbergswerks nicht – eine entsprechende Anfrage läuft, konnte aber gestern nicht beantwortet werden, da sich die Pressestelle selbst in Kurzarbeit befindet. Pressesprecherin Maike Braun kündigte allerdings für heute ein Statement zur aktuellen Lage an und verwies auf die Veröffentlichung der Übernachtungszahlen, die für Anfang/Mitte Februar geplant seien.

Nach der Schließung im vorigen März und den späteren Lockerungen sind seit dem 2. November bereits wieder touristische Übernachtungsangebote verboten, komplett geschlossen hat das Jugendgästehaus seit dem 21. Dezember.

Vor der Pandemie hatte es Besucherzahlen von 10.000 und mehr jährlich in Petershagen gegeben. Gerne reserviert wird das Jugendgästehaus von Musikgruppen – in der Mehrzweckhalle können immerhin 40 bis 50 Leute üben. Großen Erfolg hatte die Herberge dank ihres Seminarangebots für Studenten, Auszubildende und berufliche Schulungen. „Diesen Alltag würden wir uns wieder wünschen“, heißt es aus dem Jugendgästehaus.

Für potenzielle Gäste gilt auch in Petershagen: Buchungen seien weiterhin möglich. Das bekräftigte Sandra Vollmer, die positiv in die Zukunft blicken will. Und dass der Bedarf an der Nutzung des Hauses groß ist, merke man am aktuellen Interesse derjenigen, die hier im Sommer ihre Freizeit verbringen wollen.

Bleiben die Schulen, die sich aktuell bei den Buchungen zurückhalten. Dabei hatte in den vergangenen Monaten auch das Jugendgästehaus Räumlichkeiten für die temporäre Schulnutzung angeboten (das MT berichtete). Die Häuser, so das Jugendherbergswerk, verfügten über die passende Ausstattung. Etwa, weil die vorhandenen Gruppenräume schnell und einfach zu Klassenräumen umfunktioniert werden können. Für die geschulten Mitarbeitenden sei auch die Verpflegung größerer Schülergruppen kein Problem. Eigens hatte das Herbergswerk zudem ein Hygienekonzept vorgelegt. Allein: Das Interesse an diesem Angebot blieb aus. „Die Schülerinnen und Schüler“, so erklärt sich das Sandra Vollmer, „sind ins Homeschooling gegangen.“ Gleichwohl halte einer ihrer Kollegen weiter Kontakt zu den Schulen in Petershagen: Sobald das Jugendgästehaus öffnet, würde die Einladung wieder gelten.

Das Jugendgästehaus Petershagen wurde im Mai 2010 eröffnet. Dazu wurde der ehemalige Adelssitz „Besselscher Hof“ aufwendig saniert, er hatte einst die Schiffer-Berufsschule (1938 bis 1992) beherbergt und liegt direkt an der Weser und am Weserradweg.

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