Jüdische Schule in Petershagen: Rettung für die schiefe Mauer Oliver Plöger Petershagen. Die Westwand des Synagogen-Ensembles in Petershagen hat immer wieder Probleme gemacht, schon über Jahrhunderte. „Die Erbauer haben 1796 sehr schwache Fundamente gesetzt“, sagte Uwe Jacobsen, Ortsheimatpfleger und Vorsitzender im Trägerkreis Alte Synagoge. Im Laufe der Zeit seien andere Mauern erneuert worden, zwangsläufig auch die 1947 eingestürzte Südmauer. Die Westwand hatte gehalten, musste aber ebenfalls immer wieder verstärkt und saniert werden. Viel besser wurde der Zustand nicht – bis jetzt. Das Architekturbüro von Henner Wolf hatte sich der Sache angenommen und Wand und Westgiebel der jüdischen Schule saniert. Das Geld kam zu großen Teilen von der NRW-Stiftung: Marianne Thomann-Stahl, frühere Regierungspräsidentin und seit August vorigen Jahres im Vorstand des Fördervereins der Stiftung, überreichte den Förderscheck über 15.000 Euro jetzt an Bürgermeister Dirk Breves (CDU). Der dankte besonders den Ehrenamtlichen in der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge und im Trägerkreis, die die Erinnerung wach halten. Dass die NRW-Stiftung die Synagoge in Petershagen im Blick hat, freue die Stadt, vor allem, da es bereits eine Fördergeschichte von zwei Dekaden gebe. Unterstützung habe die Alte Synagoge etwa für den vorderen Synagogenbereich, aber auch für die baulich verbundene jüdische Schule erhalten. Die jetzige Sanierung der Westwand sei eher ein kleineres Projekt, aber insgesamt von großer Bedeutung. Thomann Stahl verwies auf insgesamt 4.000 Projekte, die die Stiftung landesweit unterstütze. Ein ganz wichtiges Projekt sei dabei die Alte Synagoge in Petershagen. „In diesem Jahr ist das besonders wichtig, da wir ja 1.700 Jahre jüdischen Leben in Deutschland feiern. Die erste urkundliche Erwähnung war in Köln, aber man sieht ja auch, dass es auf dem Land ein sehr reges jüdisches Leben gab.“ Es gebe allerdings kaum noch Erinnerungsorte. Auch die Zeitzeugen, die über den Holocaust berichten können, würden weniger. Deshalb wolle die NRW-Stiftung auch dafür sorgen, dass Schülerinnen und Schüler erfahren, wie hier gelebt wurde, was passierte und wie sich das Leben heute für die Menschen darstellt. Wichtig sei dabei auch, dass Ehrenamtliche die Arbeit vor Ort leisten und das Ensemble gestalten. „Eigentlich sind dazu die Kommunen aufgerufen, und sie tun es auch, wenn sie es müssen. Besser ist es aber wie hier, wenn Ehrenamtliche aktiv sind. Das ist entscheidend.“ Gleichwohl sei es auch angesichts heutiger Arbeitszeiten schwieriger geworden, an jüngere Ehrenamtlichen zu kommen, räumte Thomann-Stahl ein. Gut kam beim Pressegespräch deshalb die Ankündigung des Bürgermeisters an, aus der Stadt flankierend zu helfen, Breves: „Wir diskutieren gerade, ob wir auch im kulturpädagogischen Bereich eine Stelle, vielleicht auch kofinanziert, schaffen könnten.“ Diese Stelle könnte dann auch die Alte Synagoge unterstützen, so Dirk Breves. Für Wolfgang Battermann, ebenfalls AG Alte Synagoge, sei diese Frage existenziell, wie er sagte. „Momentan klappt das bei uns, aber das heißt nicht, dass es immer so weitergeht.“ Das an sich tolle Gedenkjahr „1.700 Jahre Juden in Deutschland“ habe die Arbeitsgemeinschaft an die Belastungsgrenze gebracht. Eine entsprechende Stelle, die die Kulturarbeit unterstützt, hatte Battermann schon vor Jahren auch öffentlich gefordert. Durch Frank Quest aus der Schul- und Sozialverwaltung ist die Stadt bereits jetzt direkt personell im Trägerkreis vertreten, Quest fungiert hier als Geschäftsführer. Doch eine eigene Stelle schaffen? Das könne die NRW-Stiftung bei 4.000 Projekten nicht, so Marianne Thomann-Stahl, Hilfe gebe es aber dennoch: Fast 130.000 Euro habe die NRW-Stiftung in den vergangenen Jahren bereits „gemeinsam mit den Ehrenamtlichen“ für die Synagoge ausgegeben. Dankbar zeigte sich gegenüber der Stiftung auch Marianne Schmitz-Neuland, Vorsitzende der hiesigen Arbeitsgemeinschaft, die auch auf öffentlich weniger bekannte Projekte verwies: „Die Stiftung ist sehr aktiv . 2017 bis 2019 hatten wir ein Projekt mit vier anderen Gedenkstätten, wir sind mit Hardware unterstützt worden, man merkt das schon.“ Auch die jetzige Sanierung sei gut angelegtes Geld: 15.000 Euro kämen von der Stiftung, die restlichen Baukosten von 10.000 Euro hätten Stadt und Arbeitsgemeinschaft aufgebracht. Die Bedeutung gerade der „schiefen Mauer“ – angesichts zunehmender antisemitischer Tendenzen in der Gesellschaft auch ein Bild für die Schieflage generell – hob Uwe Jacobsen hervor: Eine archäologische Untersuchung habe 2008 aufzeigen können, dass die nun sanierte Fachwerkwestwand zum ursprünglichen Bestand des ersten Synagogenbaus gehörte, ebenso die Fundamente des Betraums; auch die Mikwe, deren Fundamentplatte unter das Westfundament des Betraums ragt. Künftige Aufgabe soll es sein, die Engagierten in der schulischen und außerschulischen Erinnerungsarbeit noch intensiver miteinander in das Gespräch zu bringen und den „Lernort Synagoge“ mit Medien und Unterrichtsmaterialien für das Digitalzeitalter fit zu machen. Auch da – so die Hoffnung von Stadt, AG und Trägerverein – dürfte die NRW-Stiftung wieder Hilfe leisten.

Jüdische Schule in Petershagen: Rettung für die schiefe Mauer

Nur noch Restarbeiten: Wolfgang Battermann von der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge informiert Marianne Thomann-Stahl von der NRW-Stiftung über die Bedeutung der Westfassade. MT-Fotos: Oliver Plöger © Oliver Plöger

Petershagen. Die Westwand des Synagogen-Ensembles in Petershagen hat immer wieder Probleme gemacht, schon über Jahrhunderte. „Die Erbauer haben 1796 sehr schwache Fundamente gesetzt“, sagte Uwe Jacobsen, Ortsheimatpfleger und Vorsitzender im Trägerkreis Alte Synagoge. Im Laufe der Zeit seien andere Mauern erneuert worden, zwangsläufig auch die 1947 eingestürzte Südmauer. Die Westwand hatte gehalten, musste aber ebenfalls immer wieder verstärkt und saniert werden. Viel besser wurde der Zustand nicht – bis jetzt. Das Architekturbüro von Henner Wolf hatte sich der Sache angenommen und Wand und Westgiebel der jüdischen Schule saniert.

Das Geld kam zu großen Teilen von der NRW-Stiftung: Marianne Thomann-Stahl, frühere Regierungspräsidentin und seit August vorigen Jahres im Vorstand des Fördervereins der Stiftung, überreichte den Förderscheck über 15.000 Euro jetzt an Bürgermeister Dirk Breves (CDU). Der dankte besonders den Ehrenamtlichen in der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge und im Trägerkreis, die die Erinnerung wach halten. Dass die NRW-Stiftung die Synagoge in Petershagen im Blick hat, freue die Stadt, vor allem, da es bereits eine Fördergeschichte von zwei Dekaden gebe. Unterstützung habe die Alte Synagoge etwa für den vorderen Synagogenbereich, aber auch für die baulich verbundene jüdische Schule erhalten. Die jetzige Sanierung der Westwand sei eher ein kleineres Projekt, aber insgesamt von großer Bedeutung.

Die NRW-Stiftung unterstützt die Alte Synagoge (vorne der Betraum, dahinter die angegliederte jüdische Schule) seit mehr als 20 Jahren. - © Oliver Plöger
Die NRW-Stiftung unterstützt die Alte Synagoge (vorne der Betraum, dahinter die angegliederte jüdische Schule) seit mehr als 20 Jahren. - © Oliver Plöger

Thomann Stahl verwies auf insgesamt 4.000 Projekte, die die Stiftung landesweit unterstütze. Ein ganz wichtiges Projekt sei dabei die Alte Synagoge in Petershagen. „In diesem Jahr ist das besonders wichtig, da wir ja 1.700 Jahre jüdischen Leben in Deutschland feiern. Die erste urkundliche Erwähnung war in Köln, aber man sieht ja auch, dass es auf dem Land ein sehr reges jüdisches Leben gab.“ Es gebe allerdings kaum noch Erinnerungsorte. Auch die Zeitzeugen, die über den Holocaust berichten können, würden weniger. Deshalb wolle die NRW-Stiftung auch dafür sorgen, dass Schülerinnen und Schüler erfahren, wie hier gelebt wurde, was passierte und wie sich das Leben heute für die Menschen darstellt.

Wichtig sei dabei auch, dass Ehrenamtliche die Arbeit vor Ort leisten und das Ensemble gestalten. „Eigentlich sind dazu die Kommunen aufgerufen, und sie tun es auch, wenn sie es müssen. Besser ist es aber wie hier, wenn Ehrenamtliche aktiv sind. Das ist entscheidend.“ Gleichwohl sei es auch angesichts heutiger Arbeitszeiten schwieriger geworden, an jüngere Ehrenamtlichen zu kommen, räumte Thomann-Stahl ein.

Gut kam beim Pressegespräch deshalb die Ankündigung des Bürgermeisters an, aus der Stadt flankierend zu helfen, Breves: „Wir diskutieren gerade, ob wir auch im kulturpädagogischen Bereich eine Stelle, vielleicht auch kofinanziert, schaffen könnten.“ Diese Stelle könnte dann auch die Alte Synagoge unterstützen, so Dirk Breves. Für Wolfgang Battermann, ebenfalls AG Alte Synagoge, sei diese Frage existenziell, wie er sagte. „Momentan klappt das bei uns, aber das heißt nicht, dass es immer so weitergeht.“ Das an sich tolle Gedenkjahr „1.700 Jahre Juden in Deutschland“ habe die Arbeitsgemeinschaft an die Belastungsgrenze gebracht. Eine entsprechende Stelle, die die Kulturarbeit unterstützt, hatte Battermann schon vor Jahren auch öffentlich gefordert.

Durch Frank Quest aus der Schul- und Sozialverwaltung ist die Stadt bereits jetzt direkt personell im Trägerkreis vertreten, Quest fungiert hier als Geschäftsführer. Doch eine eigene Stelle schaffen? Das könne die NRW-Stiftung bei 4.000 Projekten nicht, so Marianne Thomann-Stahl, Hilfe gebe es aber dennoch: Fast 130.000 Euro habe die NRW-Stiftung in den vergangenen Jahren bereits „gemeinsam mit den Ehrenamtlichen“ für die Synagoge ausgegeben.

Dankbar zeigte sich gegenüber der Stiftung auch Marianne Schmitz-Neuland, Vorsitzende der hiesigen Arbeitsgemeinschaft, die auch auf öffentlich weniger bekannte Projekte verwies: „Die Stiftung ist sehr aktiv . 2017 bis 2019 hatten wir ein Projekt mit vier anderen Gedenkstätten, wir sind mit Hardware unterstützt worden, man merkt das schon.“ Auch die jetzige Sanierung sei gut angelegtes Geld: 15.000 Euro kämen von der Stiftung, die restlichen Baukosten von 10.000 Euro hätten Stadt und Arbeitsgemeinschaft aufgebracht.

Die Bedeutung gerade der „schiefen Mauer“ – angesichts zunehmender antisemitischer Tendenzen in der Gesellschaft auch ein Bild für die Schieflage generell – hob Uwe Jacobsen hervor: Eine archäologische Untersuchung habe 2008 aufzeigen können, dass die nun sanierte Fachwerkwestwand zum ursprünglichen Bestand des ersten Synagogenbaus gehörte, ebenso die Fundamente des Betraums; auch die Mikwe, deren Fundamentplatte unter das Westfundament des Betraums ragt.

Künftige Aufgabe soll es sein, die Engagierten in der schulischen und außerschulischen Erinnerungsarbeit noch intensiver miteinander in das Gespräch zu bringen und den „Lernort Synagoge“ mit Medien und Unterrichtsmaterialien für das Digitalzeitalter fit zu machen. Auch da – so die Hoffnung von Stadt, AG und Trägerverein – dürfte die NRW-Stiftung wieder Hilfe leisten.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Petershagen