Initiative sammelt Unterschriften gegen Schreddern von Straßen Claudia Hyna Petershagen-Friedewalde. Die Poller, die den Diekweg versperren, verlagern das Problem an eine andere Stelle, meint Anlieger Holger Kruse. „Wer vorher abbiegt, nimmt den Umweg über die Südfelder Straße und dann haben die Anwohner dort darunter zu leiden.“ Dass Unbekannte jetzt die Absperrpfosten angesägt haben, verurteilt er aber scharf. „Auch wenn ich die Poller für keine gute Lösung halte. Das ist Sachbeschädigung.“ Da müsse wohl jemandem der Draht aus der Mütze gesprungen sein, so sein Kommentar. Die Stadt Petershagen hat den Vorfall dokumentiert und Strafanzeige gestellt. Die Metallstäbe wurden wieder aufgestellt und verschweißt. Bauamtsleiter Kay Busche teilt mit, dass im übrigen Bürger angerufen hätten, die den Wunsch äußerten, dass der Weg – den er insgesamt als einen der Wege mit dem schlechtesten Zustand beschreibt – wieder gesperrt werden sollte. Nach Ansicht von Holger Kruse sind die Poller in Friedewalde fehl am Platze. Für landwirtschaftliche Fahrzeuge sei der Bereich Diekweg auf diese Weise nicht mehr befahrbar. Zwar komme nach wie vor jeder an seinen Acker, die Landwirte müssten aber große Umwege in Kauf nehmen. „Das kostet Zeit und Geld.“ Die Poller waren im vergangenen Jahr aufgestellt worden, da sich Verkehrsteilnehmer nicht an die Regeln gehalten hätten, sagt Busche. Anwohner hatten sich über zu viel Verkehr – der zudem mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs war – beschwert, erläutert der Bauamtsleiter den Hintergrund. Sie stehen zwischen Bohnhorster Weg und Südfelder Straße. Der Abschnitt zwischen Wegholmer und Bohnhorster Straße bekam eine Asphaltdecke, der Bereich zwischen Bohnhorster und Südfelder Straße eine wassergebundene Decke – das wird gemeinhin als geschreddert bezeichnet. Warum hat man nicht einfach ein Schild aufgestellt, damit die Leute dort aufpassen?, fragt sich Holger Kruse. Wer sich nicht daran halte, riskiere Schäden, die habe derjenige aber selbst zu verantworten. Der erste Teil des Diekwegs sei für viel Geld erneuert worden, der zweite Teil nun gesperrt. Selbst der Bauamtsleiter habe im vergangenen Jahr gesagt, dass diese Poller nicht die endgültige Lösung sein könnten. Aus dem Grund hatte Holger Kruse um andere Lösungsvorschläge gebeten. Es müsse doch möglich sein, Entscheidungen rückgängig zu machen, wenn man feststelle, dass diese nicht sinnvoll seien, sagt er zum Thema Schreddern. Eine dauerhafte Pflege der Straße sei zu teuer, habe man ihm geantwortet. Außerdem hat die Stadt das Wirtschaftswegekonzept vor vier Jahren beschlossen. Kruse brachte Treckerschleusen ins Gespräch, wie sie in Hille genutzt werden. Nicht immer halten sie jedoch Verkehrsteilnehmer davon ab, sie auch als Sperre zu sehen, teilweise sind sie zerstört worden. Laut Aussage des Bauamtsleiters müssten diese nachts beleuchtet werden. Auch Berliner Kissen könne er sich vorstellen – denn diese zwingen die Autofahrer, vom Gas zu gehen. „Das würde außerdem die viel kritisierte Staubbelastung um ein Vielfaches senken.“ Die Verwaltung prüfe nun, ob Treckerschleusen oder Schwellen eine Lösung für den Diekweg sein könnten. „Es geht auch um Lebensqualität“, sagt Busche. Der Bauamtsleiter bekräftigt, dass die Poller nur ein Zwischenschritt seien. Das Ansägen der Pfähle sei jedoch ein falsches Signal. Ihm ist bewusst, dass das Thema in der Bevölkerung gerade hochkocht. Er stellt klar, dass er sich nicht vor einem Gespräch drückt. Er suche im Gegenteil den Dialog und zwar sowohl mit der Ortsbürgermeisterin Jessica König als auch mit Holger Kruse. Da in der Sache Diekweg unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, sei es gut, die Entscheidung in die politische Beratung zu bringen. Das soll im nächsten Quartal im Infrastrukturausschuss geschehen. In der Zwischenzeit hat sich eine Bürgerinitiative gegen das Schreddern von Straßen in Petershagen gegründet. Einige Teilnehmer waren bereits vor einer Ausschusssitzung in Windheim zu einer Mahnwache zusammen gekommen. Dort hatten sie mit Plakaten auf die ihrer Meinung nach mangelnde Straßenunterhaltung hingewiesen. Im Konzept der Stadt Petershagen würden Frequenz und Bedürftigkeit ungenügend berücksichtigt, heißt es von der Initiative. Langfristig werde damit die Infrastruktur geschädigt. Erst hätte man viel Geld in die Unterhaltung gesteckt, nun seien immer mehr Straßen nicht mehr befahrbar. Es gebe auch ein physikalisches Hindernis, fügt Kruse hinzu. Bei jedem Schreddern, Häckseln oder Fräsen mit der neuen Maschine der Stadt werde das Material weiter zerkleinert. Das bedeutet, dass es irgendwann zu Staub zerfalle. Dieser werde mit dem Wind abgetragen, bei Feuchtigkeit entstehe damit ein Schmierfilm. „Da hört für mich die Verkehrssicherungspflicht auf.“ Die Köpfe der Initiative sind neben Holger Kruse, Reinhard Politz, Reinhard Brüggemann und Gerhard Sigg. Bisher waren pandemiebedingt nur Treffen im kleinen Kreis möglich. Derzeit sammeln die Mitglieder Unterschriften für ihr Vorhaben, die sie demnächst im Rathaus abgeben wollen. Bisher seien erst sieben Kilometer der Straßen im Stadtgebiet gefräst worden, sagt der Bauamtsleiter. Die Initiative hat sich auf die Fahnen geschrieben, dass möglichst keine weiteren dazu kommen. Das Problem bleibt: Ein Kommentar von Claudia Hyna Des einen Freud, des andern Leid: Die Pfosten am Diekweg hat die Stadt im vergangenen Jahr auf Wunsch eines Anliegers aufgestellt. Dessen Bitte ist nachvollziehbar, denn: Zu viele Autofahrer waren dort – wie so oft – zu schnell unterwegs. Klar, dass es nicht allen passt, wenn sie einen Umweg in Kauf nehmen müssen. Nun eskalierte der Streit, indem Unbekannte die Pfosten ansägten. Gewalt ist immer der schlechteste Weg.Eine Bürgerinitiative kann versuchen zu vermitteln. Doch auch sie vermag nicht gleichermaßen die Interessen von Anwohnern und einigen Autofahrern vertreten. Eines lässt sich daher vorhersagen: Egal, ob die Stadt bei der Sperrung bleibt oder ein anderes Instrument zur Verkehrsbeschränkung findet – das eigentliche Problem bleibt bestehen. Einige wenige verursachen mit ihrem Fehlverhalten unpopuläre Lösungen. In dem Fall kann die Stadt nur verlieren. Auch deren Mitarbeiter brauchen in diesen Zeiten ein dickes Fell.

Initiative sammelt Unterschriften gegen Schreddern von Straßen

Die von Unbekannten angesägten Pfosten sind wieder geschweißt worden, außerdem wurden sie farbig markiert. MT-Foto: Claudia Hyna © hy

Petershagen-Friedewalde. Die Poller, die den Diekweg versperren, verlagern das Problem an eine andere Stelle, meint Anlieger Holger Kruse. „Wer vorher abbiegt, nimmt den Umweg über die Südfelder Straße und dann haben die Anwohner dort darunter zu leiden.“ Dass Unbekannte jetzt die Absperrpfosten angesägt haben, verurteilt er aber scharf. „Auch wenn ich die Poller für keine gute Lösung halte. Das ist Sachbeschädigung.“

Da müsse wohl jemandem der Draht aus der Mütze gesprungen sein, so sein Kommentar. Die Stadt Petershagen hat den Vorfall dokumentiert und Strafanzeige gestellt. Die Metallstäbe wurden wieder aufgestellt und verschweißt. Bauamtsleiter Kay Busche teilt mit, dass im übrigen Bürger angerufen hätten, die den Wunsch äußerten, dass der Weg – den er insgesamt als einen der Wege mit dem schlechtesten Zustand beschreibt – wieder gesperrt werden sollte. Nach Ansicht von Holger Kruse sind die Poller in Friedewalde fehl am Platze. Für landwirtschaftliche Fahrzeuge sei der Bereich Diekweg auf diese Weise nicht mehr befahrbar. Zwar komme nach wie vor jeder an seinen Acker, die Landwirte müssten aber große Umwege in Kauf nehmen. „Das kostet Zeit und Geld.“

claudia - © lehn
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Die Poller waren im vergangenen Jahr aufgestellt worden, da sich Verkehrsteilnehmer nicht an die Regeln gehalten hätten, sagt Busche. Anwohner hatten sich über zu viel Verkehr – der zudem mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs war – beschwert, erläutert der Bauamtsleiter den Hintergrund. Sie stehen zwischen Bohnhorster Weg und Südfelder Straße. Der Abschnitt zwischen Wegholmer und Bohnhorster Straße bekam eine Asphaltdecke, der Bereich zwischen Bohnhorster und Südfelder Straße eine wassergebundene Decke – das wird gemeinhin als geschreddert bezeichnet. Warum hat man nicht einfach ein Schild aufgestellt, damit die Leute dort aufpassen?, fragt sich Holger Kruse. Wer sich nicht daran halte, riskiere Schäden, die habe derjenige aber selbst zu verantworten. Der erste Teil des Diekwegs sei für viel Geld erneuert worden, der zweite Teil nun gesperrt. Selbst der Bauamtsleiter habe im vergangenen Jahr gesagt, dass diese Poller nicht die endgültige Lösung sein könnten.

Aus dem Grund hatte Holger Kruse um andere Lösungsvorschläge gebeten. Es müsse doch möglich sein, Entscheidungen rückgängig zu machen, wenn man feststelle, dass diese nicht sinnvoll seien, sagt er zum Thema Schreddern. Eine dauerhafte Pflege der Straße sei zu teuer, habe man ihm geantwortet. Außerdem hat die Stadt das Wirtschaftswegekonzept vor vier Jahren beschlossen.

Kruse brachte Treckerschleusen ins Gespräch, wie sie in Hille genutzt werden. Nicht immer halten sie jedoch Verkehrsteilnehmer davon ab, sie auch als Sperre zu sehen, teilweise sind sie zerstört worden. Laut Aussage des Bauamtsleiters müssten diese nachts beleuchtet werden. Auch Berliner Kissen könne er sich vorstellen – denn diese zwingen die Autofahrer, vom Gas zu gehen. „Das würde außerdem die viel kritisierte Staubbelastung um ein Vielfaches senken.“

Die Verwaltung prüfe nun, ob Treckerschleusen oder Schwellen eine Lösung für den Diekweg sein könnten. „Es geht auch um Lebensqualität“, sagt Busche. Der Bauamtsleiter bekräftigt, dass die Poller nur ein Zwischenschritt seien. Das Ansägen der Pfähle sei jedoch ein falsches Signal. Ihm ist bewusst, dass das Thema in der Bevölkerung gerade hochkocht. Er stellt klar, dass er sich nicht vor einem Gespräch drückt. Er suche im Gegenteil den Dialog und zwar sowohl mit der Ortsbürgermeisterin Jessica König als auch mit Holger Kruse. Da in der Sache Diekweg unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, sei es gut, die Entscheidung in die politische Beratung zu bringen. Das soll im nächsten Quartal im Infrastrukturausschuss geschehen.

In der Zwischenzeit hat sich eine Bürgerinitiative gegen das Schreddern von Straßen in Petershagen gegründet. Einige Teilnehmer waren bereits vor einer Ausschusssitzung in Windheim zu einer Mahnwache zusammen gekommen. Dort hatten sie mit Plakaten auf die ihrer Meinung nach mangelnde Straßenunterhaltung hingewiesen. Im Konzept der Stadt Petershagen würden Frequenz und Bedürftigkeit ungenügend berücksichtigt, heißt es von der Initiative. Langfristig werde damit die Infrastruktur geschädigt.

Erst hätte man viel Geld in die Unterhaltung gesteckt, nun seien immer mehr Straßen nicht mehr befahrbar. Es gebe auch ein physikalisches Hindernis, fügt Kruse hinzu. Bei jedem Schreddern, Häckseln oder Fräsen mit der neuen Maschine der Stadt werde das Material weiter zerkleinert. Das bedeutet, dass es irgendwann zu Staub zerfalle. Dieser werde mit dem Wind abgetragen, bei Feuchtigkeit entstehe damit ein Schmierfilm. „Da hört für mich die Verkehrssicherungspflicht auf.“

Die Köpfe der Initiative sind neben Holger Kruse, Reinhard Politz, Reinhard Brüggemann und Gerhard Sigg. Bisher waren pandemiebedingt nur Treffen im kleinen Kreis möglich. Derzeit sammeln die Mitglieder Unterschriften für ihr Vorhaben, die sie demnächst im Rathaus abgeben wollen. Bisher seien erst sieben Kilometer der Straßen im Stadtgebiet gefräst worden, sagt der Bauamtsleiter. Die Initiative hat sich auf die Fahnen geschrieben, dass möglichst keine weiteren dazu kommen.

Das Problem bleibt: Ein Kommentar von Claudia Hyna

Des einen Freud, des andern Leid: Die Pfosten am Diekweg hat die Stadt im vergangenen Jahr auf Wunsch eines Anliegers aufgestellt. Dessen Bitte ist nachvollziehbar, denn: Zu viele Autofahrer waren dort – wie so oft – zu schnell unterwegs. Klar, dass es nicht allen passt, wenn sie einen Umweg in Kauf nehmen müssen. Nun eskalierte der Streit, indem Unbekannte die Pfosten ansägten. Gewalt ist immer der schlechteste Weg.Eine Bürgerinitiative kann versuchen zu vermitteln. Doch auch sie vermag nicht gleichermaßen die Interessen von Anwohnern und einigen Autofahrern vertreten. Eines lässt sich daher vorhersagen: Egal, ob die Stadt bei der Sperrung bleibt oder ein anderes Instrument zur Verkehrsbeschränkung findet – das eigentliche Problem bleibt bestehen. Einige wenige verursachen mit ihrem Fehlverhalten unpopuläre Lösungen. In dem Fall kann die Stadt nur verlieren. Auch deren Mitarbeiter brauchen in diesen Zeiten ein dickes Fell.

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