Im grünen Bereich: Hof Klanhorst bietet Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen Claudia Hyna Petershagen-Raderhorst. Melissa Bleke ist gerne draußen. Sich um Tiere zu kümmern, das ist genau ihr Ding, sagt die Frau aus Gorspen-Vahlsen. Vor zwei Jahren kam sie auf den Biolandhof Klanhorst – und hat sich super entwickelt, lobt ihre Sozialarbeiterin. Melissa ist unter anderem verantwortlich für die Versorgung der Kälbchen Vanilla und Chocolate. Die Jungtiere werden 13 Wochen in ihren Iglus getränkt, dann geht es in den großen Stall.Diesen neuen Milchviehlaufstall in Raderhorst hat der Träger, die Diakonie Stiftung Salem, vor ziemlich genau zwei Jahren eingeweiht. Mittlerweile wurde auch der alte Kuhstall aus den 80er Jahren umgebaut, dort ist nun Platz für die Nachzucht von 20 bis 30 Rindern. Mit dem ambitionierten Projekt wurde nicht nur die Zahl der Milchkühe auf aktuell 60 von vorher 20 verdreifacht und somit die Wirtschaftlichkeit des Betriebes sicherstellt – sondern es entstanden auch zehn Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen. „Ohne die Investition hätten wir Arbeitsplätze verloren“, sagt Abteilungsleiter Kevin Szalies von der Diakonie Stiftung Salem, die den Hof betreibt. Die Entscheidung für den Bau der hochmodernen Unterkunft war insofern auch ein Bekenntnis zu dem Standort.Wie viel Sinn das macht, zeigt die aktuelle Entwicklung. Dank neuer gesetzlicher Bestimmungen können seit kurzem auch Menschen aus Niedersachsen in Nordrhein-Westfalen arbeiten. Die Nachfrage sei so hoch, dass es sogar schon eine Warteliste gebe, bekräftigt Szalies. Im Nachbarbundesland gebe es kaum vergleichbare Einrichtungen, so seine Erklärung. Der neue Stall mit einem Liege- und Fressplatz pro Tier mache das Ganze noch attraktiver. Insgesamt sind auf Hof Klanhorst 40 Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren mit geistiger, psychischer oder schwerst mehrfacher Behinderung beschäftigt. „Wir passen die Arbeitsplätze an die Menschen an und nicht umgekehrt“, stellt Sozialarbeiterin Alina Piepke (30) heraus.Dafür macht die Diakonie einiges möglich. Es gebe Menschen, die in Gruppen nicht gut zurechtkommen, beispielsweise Autisten. Einer von ihnen hat einen eigenen Bauwagen auf dem Gelände, den er als Rückzugsort nutzen kann. Hier stellt er Ofenanzünder aus Weidenruten und Jutesäcken her, die später im hofeigenen Laden verkauft werden. Es gibt auch Menschen, die nur eine Stunde am Tag arbeiten können oder in Teilzeit. „Ihnen bieten wir zusätzlich zur Arbeit eine Tagesstruktur an.“Tendenziell werde die Klientel eher schwächer, sagt der 38-Jährige. Das liege daran, dass heute in der Schule intensiver hingeschaut werde. „Früher war es ein Automatismus: Wer die Förderschule besucht, geht später in die Werkstatt. Das hat sich geändert“, fügt Piepke hinzu. Heute prüfe man, ob eine Qualifizierung für den allgemeinen Arbeitsmarkt möglich sei.Auch auf Hof Klanhorst wird das abgecheckt. Es gibt den sogenannten Berufsbildungsbereich, der seit sechs Jahren in Raderhorst mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft und Gemüsebau angesiedelt ist. Weitere fünf Schwerpunkte weist Minden auf. 27 Monate erlernen die Menschen mit Behinderung hier bestimmte Fähigkeiten, dazu steht ihnen ein eigenes Gebäude samt Grundstück zur Verfügung. Hier können sie sich ausprobieren, beispielsweise Rasen mähen, sich um die Hochbeete kümmern und Vorarbeit für die Ofenanzünder übernehmen. Aufgabe des Berufsbildungsbereichs ist es, dass sich Menschen mit Behinderungen auf die Arbeit in der Werkstatt vorbereiten können. Es geht dabei nicht darum, Personal für den allgemeinen Arbeitsmarkt zu gewinnen, sondern den bestmöglichen Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderungen zu finden. Der Berufsbildungsbereich Landwirtschaft ist für den Hof Klanhorst ein wichtiger Faktor, weil dort immer helfende Hände gebraucht werden. Aktuell wird das Gelände auf die Wintersaison vorbereitet. Jedes Tier hat ganzjährig Auslauf, die Weide dürfe aber nicht zertrampelt werden. Im neuen Kuhstall läuft vieles automatisch ab. Nach wie vor werde jedoch von Hand gemistet, nachgestreut, gesäubert und Futter nachgeschoben. Die Diakonie wirtschaftet seit 1990 nach Bioland-Richtlinien, aktuell sind das rund 100 Hektar. Neben Milchkühen und Rindern werden auch Hühner und Schweine gehalten. Die Milch gelangt in die Biomolkerei Söbbeke in Gronau. Im Gewächshaus und auf dem Acker reift das Gemüse für die Biokisten, aktuell wird das Treibhaus für die Aussaat von Feldsalat vorbereitet.Anfang September wurde eine neue sogenannte beruhigte Arbeitsgruppe eingerichtet, die bisher vier Mitglieder hat. Immer häufiger kam es vor, dass die Frauen und Männer noch nicht in den Arbeitsbereich integriert werden konnten und zusätzliche Betreuung brauchten. Im beruhigten Bereich werden sie sachte an die Tätigkeiten herangeführt und zunächst als Zuarbeiter in die Produktionsabläufe eingebunden. Alina Piepke: „Insgesamt haben sie hier mehr Zeit.“Künftig soll diese Gruppe bis zu zehn Mitglieder aufnehmen. Momentan sei daher ein Bauantrag in der Prüfung. Der Abteilungsleiter hofft, im nächsten Jahr ein neues Gebäude mit Sozial- und Sanitärräumen für die Gruppe einweihen zu können. Szalies: „Wir sind hier schnell gewachsen – die Gebäude aber nicht mit.“ Wichtig sei ihm, dass die Beschäftigten zufrieden nach Hause fahren. „Dann haben wir viel geschafft“, sagt Kevin Szalies, der die Einrichtung in seiner Zeit als Zivildienstleistender kennenlernte. Er ist gelernter Industriemechaniker und hat eine sonderpädagogische Zusatzausbildung absolviert. Natürlich sei auf Hof Klanhorst nicht alles perfekt. Auf ihn und sein Team warten täglich neue Herausforderungen. Auch in Lebenskrisen seien sie wichtige Ansprechpartner für die Beschäftigten. „Jeder von uns ist bestrebt, die Leute zu fördern und auf die nächste Stufe zu bringen.“

Im grünen Bereich: Hof Klanhorst bietet Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen

Heinz-Willy versorgt die Rinder im umgebauten alten Stall. © MT-Foto: Alex Lehn

Petershagen-Raderhorst. Melissa Bleke ist gerne draußen. Sich um Tiere zu kümmern, das ist genau ihr Ding, sagt die Frau aus Gorspen-Vahlsen. Vor zwei Jahren kam sie auf den Biolandhof Klanhorst – und hat sich super entwickelt, lobt ihre Sozialarbeiterin.

Melissa ist unter anderem verantwortlich für die Versorgung der Kälbchen Vanilla und Chocolate. Die Jungtiere werden 13 Wochen in ihren Iglus getränkt, dann geht es in den großen Stall.

Diesen neuen Milchviehlaufstall in Raderhorst hat der Träger, die Diakonie Stiftung Salem, vor ziemlich genau zwei Jahren eingeweiht. Mittlerweile wurde auch der alte Kuhstall aus den 80er Jahren umgebaut, dort ist nun Platz für die Nachzucht von 20 bis 30 Rindern. Mit dem ambitionierten Projekt wurde nicht nur die Zahl der Milchkühe auf aktuell 60 von vorher 20 verdreifacht und somit die Wirtschaftlichkeit des Betriebes sicherstellt – sondern es entstanden auch zehn Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen.

Menschen mit besonderem Betreuungsbedarf finden auf Biohöfen oft ein breites Betätigungsfeld. MT-Fotos. Alex Lehn - © Alex Lehn
Menschen mit besonderem Betreuungsbedarf finden auf Biohöfen oft ein breites Betätigungsfeld. MT-Fotos. Alex Lehn - © Alex Lehn

„Ohne die Investition hätten wir Arbeitsplätze verloren“, sagt Abteilungsleiter Kevin Szalies von der Diakonie Stiftung Salem, die den Hof betreibt. Die Entscheidung für den Bau der hochmodernen Unterkunft war insofern auch ein Bekenntnis zu dem Standort.

Wie viel Sinn das macht, zeigt die aktuelle Entwicklung. Dank neuer gesetzlicher Bestimmungen können seit kurzem auch Menschen aus Niedersachsen in Nordrhein-Westfalen arbeiten. Die Nachfrage sei so hoch, dass es sogar schon eine Warteliste gebe, bekräftigt Szalies. Im Nachbarbundesland gebe es kaum vergleichbare Einrichtungen, so seine Erklärung. Der neue Stall mit einem Liege- und Fressplatz pro Tier mache das Ganze noch attraktiver. Insgesamt sind auf Hof Klanhorst 40 Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren mit geistiger, psychischer oder schwerst mehrfacher Behinderung beschäftigt. „Wir passen die Arbeitsplätze an die Menschen an und nicht umgekehrt“, stellt Sozialarbeiterin Alina Piepke (30) heraus.

Dafür macht die Diakonie einiges möglich. Es gebe Menschen, die in Gruppen nicht gut zurechtkommen, beispielsweise Autisten. Einer von ihnen hat einen eigenen Bauwagen auf dem Gelände, den er als Rückzugsort nutzen kann. Hier stellt er Ofenanzünder aus Weidenruten und Jutesäcken her, die später im hofeigenen Laden verkauft werden. Es gibt auch Menschen, die nur eine Stunde am Tag arbeiten können oder in Teilzeit. „Ihnen bieten wir zusätzlich zur Arbeit eine Tagesstruktur an.“

Tendenziell werde die Klientel eher schwächer, sagt der 38-Jährige. Das liege daran, dass heute in der Schule intensiver hingeschaut werde. „Früher war es ein Automatismus: Wer die Förderschule besucht, geht später in die Werkstatt. Das hat sich geändert“, fügt Piepke hinzu. Heute prüfe man, ob eine Qualifizierung für den allgemeinen Arbeitsmarkt möglich sei.

Auch auf Hof Klanhorst wird das abgecheckt. Es gibt den sogenannten Berufsbildungsbereich, der seit sechs Jahren in Raderhorst mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft und Gemüsebau angesiedelt ist. Weitere fünf Schwerpunkte weist Minden auf. 27 Monate erlernen die Menschen mit Behinderung hier bestimmte Fähigkeiten, dazu steht ihnen ein eigenes Gebäude samt Grundstück zur Verfügung. Hier können sie sich ausprobieren, beispielsweise Rasen mähen, sich um die Hochbeete kümmern und Vorarbeit für die Ofenanzünder übernehmen. Aufgabe des Berufsbildungsbereichs ist es, dass sich Menschen mit Behinderungen auf die Arbeit in der Werkstatt vorbereiten können. Es geht dabei nicht darum, Personal für den allgemeinen Arbeitsmarkt zu gewinnen, sondern den bestmöglichen Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderungen zu finden. Der Berufsbildungsbereich Landwirtschaft ist für den Hof Klanhorst ein wichtiger Faktor, weil dort immer helfende Hände gebraucht werden.

Aktuell wird das Gelände auf die Wintersaison vorbereitet. Jedes Tier hat ganzjährig Auslauf, die Weide dürfe aber nicht zertrampelt werden. Im neuen Kuhstall läuft vieles automatisch ab. Nach wie vor werde jedoch von Hand gemistet, nachgestreut, gesäubert und Futter nachgeschoben. Die Diakonie wirtschaftet seit 1990 nach Bioland-Richtlinien, aktuell sind das rund 100 Hektar. Neben Milchkühen und Rindern werden auch Hühner und Schweine gehalten. Die Milch gelangt in die Biomolkerei Söbbeke in Gronau. Im Gewächshaus und auf dem Acker reift das Gemüse für die Biokisten, aktuell wird das Treibhaus für die Aussaat von Feldsalat vorbereitet.

Anfang September wurde eine neue sogenannte beruhigte Arbeitsgruppe eingerichtet, die bisher vier Mitglieder hat. Immer häufiger kam es vor, dass die Frauen und Männer noch nicht in den Arbeitsbereich integriert werden konnten und zusätzliche Betreuung brauchten. Im beruhigten Bereich werden sie sachte an die Tätigkeiten herangeführt und zunächst als Zuarbeiter in die Produktionsabläufe eingebunden. Alina Piepke: „Insgesamt haben sie hier mehr Zeit.“

Künftig soll diese Gruppe bis zu zehn Mitglieder aufnehmen. Momentan sei daher ein Bauantrag in der Prüfung. Der Abteilungsleiter hofft, im nächsten Jahr ein neues Gebäude mit Sozial- und Sanitärräumen für die Gruppe einweihen zu können. Szalies: „Wir sind hier schnell gewachsen – die Gebäude aber nicht mit.“

Wichtig sei ihm, dass die Beschäftigten zufrieden nach Hause fahren. „Dann haben wir viel geschafft“, sagt Kevin Szalies, der die Einrichtung in seiner Zeit als Zivildienstleistender kennenlernte. Er ist gelernter Industriemechaniker und hat eine sonderpädagogische Zusatzausbildung absolviert. Natürlich sei auf Hof Klanhorst nicht alles perfekt. Auf ihn und sein Team warten täglich neue Herausforderungen. Auch in Lebenskrisen seien sie wichtige Ansprechpartner für die Beschäftigten. „Jeder von uns ist bestrebt, die Leute zu fördern und auf die nächste Stufe zu bringen.“

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