Hüllenlos bald in Friedewalde unterwegs? Unterstützung für mobilen Verkaufswagen Claudia Hyna Petershagen-Friedewalde. Kommt ein Wagen gefahren: Diesen Wunsch haben Anne-Maren Wiebusch und Corinna Stöxen für den Sommer. Im Gepäck sollte er ein buntes Sortiment an Unverpackt-Waren haben. Noch ist es ein Traum, doch wenn viele ihn mitträumen, kann er Wirklichkeit werden. Dafür setzen sich die Friedewalderinnen ein. Sie sind es leid, für jeden Einkauf eine Fahrt von mindestens zehn Kilometern in Kauf zu nehmen. Denn so weit ist der Weg aus ihrem Ort nach Minden, Petershagen oder Hille. Als die befreundeten Mütter hörten, dass ein Unverpackt-Laden aus Minden einen mobilen Verkaufswagen herrichtet, setzten sie sich zusammen und starteten eine Sammelaktion. Das war die Geburtsstunde von „Hüllenlos in Friedewalde“. Unter diesem Namen wollen sie bis 25. April die Summe von 5.000 Euro auf einem Konto aufbringen. Als Gegenleistung gibt es nicht nur Warengutscheine, sondern der Verkaufswagen würde wöchentlich einen Stopp in Friedewalde einlegen. Einen geeigneten Ort kennen die beiden auch schon: In der Nähe der Kirche, diese liegt quasi zwischen zwei Siedlungen. Dort gibt es Parkplätze und auch für ältere Menschen und Pendler wäre das Areal gut erreichbar. Ihr Wunschtermin ist am Donnerstagnachmittag, denn dann lockt der Grilltag mehr Menschen ins Zentrum. Anne-Maren Wiebusch (42) ist Lehrerin am Berufskolleg und über ihre Schüler auf den Trend des Unverpackt-Einkaufens gestoßen. Seit eineinhalb Jahren versucht sie nun, mit ihrer Familie (Mann und zwei Kinder von fünf und sieben Jahren) danach zu leben. Sie war es satt, Berge von Müll zu produzieren. „Denn was ich wegwerfe, ist ja nicht weg.“ Und gerade hatte sie sich daran gewöhnt, ihre eigenen Behälter zum Einkaufen zu benutzen, da machte Corona alles zunichte. „Und jetzt produzieren wir wieder Berge von Müll.“ Ähnlich ging es Corinna Stöxen (37). Ungefähr ein Jahr vor Corona entdeckte sie den hüllenlosen Einkauf. Beiden ist es wichtig, auch die Gewohnheiten ihrer Kinder zu prägen. In einer Zeit, in der man wenig aktiv sein könne, wollen die beiden Frauen etwas für ihr Dorf tun. Mitgestalten und etwas Sinnvolles bewegen, so nennt es Anne-Maren Wiebusch. Ein Besuch im Unverpackt-Laden Hüllenlos in Minden hat die beiden überzeugt. „Das wollen wir auch für unser Dorf.“ Rund 500 Produkte sind dort im Angebot. Inhaberin Caroline Kleinroth weiß bei allem, wo es her kommt, das hat die Friedewalderinnen beeindruckt. „Das nimmt einem viel Arbeit ab, wenn man sich bewusst ernähren will.“ Im Supermarkt sei das nicht so einfach. Bei Unverpackt hätten sie mit gutem Gewissen nachhaltig eingekauft. Denn die Unternehmerinnen legen großen Wert auf Nachhaltigkeit sowie faire Bedingungen im Herstellungs- und Lieferprozess. Teurer als im Bioladen sei es auch nicht. Die Frauen von Unverpackt hätten sich viele Gedanken gemacht, so etwa, dass der Reis nicht aus Asien, sondern aus Italien kommt. Die Nudeln stammen aus Deutschland, viele Produkte aus der nahen Umgebung. „Shampoo aus Hille, da war ich echt platt“, sagt Wiebusch. Ihre Favoriten sind Müsli und Süßigkeiten, bei ihrer Mitstreiterin sind es loser Tee und frisch gemahlener Kaffee. Bei der Kundschaft insgesamt besonders beliebt seien Nudeln, Müsli und Süßigkeiten, die allesamt vegan sind. Das Sortiment reicht von trockenen Lebensmitteln, über Essig und Öle, Eier und Milchprodukte, Haushalts- und Hygieneartikelmittel bis zu saisonalem Obst und Gemüse. Mit einem Teil – rund 150 Produkten – wollen sich die beiden Geschäftsführerinnen Caroline Kleinroth und Daniela Willhuber auf den Weg zu den Kunden machen. Auch Vorbestellungen anderer Artikel sind möglich. Derzeit bauen sie einen gebrauchten Bäckerwagen für ihre Zwecke um. Um diese mobile Filiale auf den Weg zu bringen, bedienen sie sich des Crowdfundings (Gruppenfinanzierung). Rund 80 Prozent des anvisierten Ziels von 5.000 Euro sind geschafft. Interessierte können sich ab einem Beitrag von 31,25 Euro einen Anteil sichern, auch mehrere Anteile sind möglich. Dafür erhalten sie einen Warenwert von 25 Euro. Die Aktion läuft noch bis zum 25. April. Hinsichtlich der Zahl der Anteile sei momentan noch „Luft nach oben“, sagt Stöxen. Die Betreiberin von Hüllenlos in Minden weiß aber, dass solche Aktionen oft erst zum Ende hin an Fahrt aufnehmen. Auf jeden Fall sei es wünschenswert für die Ortschaft. An fünf Tagen wird der mobile Laden unterwegs sein, dabei steuert er zehn Standorte an. Sicher sind bereits Halte in Hille, Petershagen, Lübbecke und Nammen. Dabei achten die Unternehmerinnen darauf, dass ihr Auftritt eine gute Ergänzung zu dem angesteuerten Ort darstellt, etwa beim Wochenmarkt. Gerne schließen sie dabei Kooperationen, etwa mit Hofläden. Das Interesse an der Filiale auf Rädern sei jedenfalls riesig, hat Kleinroth erfahren. Rund 80 Nachfragen hätten sie erreicht. „Wer weiß, vielleicht sind ja eines Tages mehr Unverpackt-Wagen auf Tour“, schaut sie in die Zukunft. Corinna Stöxen und Anne-Maren Wiebusch haben vor allem die nächsten Tage im Blick. Vor einigen Jahren habe eine Gruppe von Friedewaldern den Versuch gestartet, einen Dorfladen zu gründen. Das scheiterte damals daran, dass kein passendes Gebäude gefunden wurde, sagt Corinna Stöxen. Nun hoffen die Initiatorinnen von „Hüllenlos in Friedewalde“, dass ihrem Projekt mehr Glück beschieden ist. Dafür werden sie noch Werbung im Ort verteilen. Wer bei der Sammelaktion mitmachen möchte, kann sich an Corinna Stöxen wenden. Sie ist erreichbar per E-Mail: corinna.stoexen@posteo.de oder Telefon (01 76) 96 46 23 89.

Hüllenlos bald in Friedewalde unterwegs? Unterstützung für mobilen Verkaufswagen

Anne-Maren Wiebusch und Corinna Stöxen (von links) kaufen Lebensmittel gerne ohne Verpackung ein. Sie hoffen, dass es bald in der Nähe der Friedewalder Kirche möglich ist. MT-Foto: Alex Lehn © Lehn

Petershagen-Friedewalde. Kommt ein Wagen gefahren: Diesen Wunsch haben Anne-Maren Wiebusch und Corinna Stöxen für den Sommer. Im Gepäck sollte er ein buntes Sortiment an Unverpackt-Waren haben. Noch ist es ein Traum, doch wenn viele ihn mitträumen, kann er Wirklichkeit werden. Dafür setzen sich die Friedewalderinnen ein.

Sie sind es leid, für jeden Einkauf eine Fahrt von mindestens zehn Kilometern in Kauf zu nehmen. Denn so weit ist der Weg aus ihrem Ort nach Minden, Petershagen oder Hille. Als die befreundeten Mütter hörten, dass ein Unverpackt-Laden aus Minden einen mobilen Verkaufswagen herrichtet, setzten sie sich zusammen und starteten eine Sammelaktion. Das war die Geburtsstunde von „Hüllenlos in Friedewalde“. Unter diesem Namen wollen sie bis 25. April die Summe von 5.000 Euro auf einem Konto aufbringen. Als Gegenleistung gibt es nicht nur Warengutscheine, sondern der Verkaufswagen würde wöchentlich einen Stopp in Friedewalde einlegen.

Einen geeigneten Ort kennen die beiden auch schon: In der Nähe der Kirche, diese liegt quasi zwischen zwei Siedlungen. Dort gibt es Parkplätze und auch für ältere Menschen und Pendler wäre das Areal gut erreichbar. Ihr Wunschtermin ist am Donnerstagnachmittag, denn dann lockt der Grilltag mehr Menschen ins Zentrum.

Anne-Maren Wiebusch (42) ist Lehrerin am Berufskolleg und über ihre Schüler auf den Trend des Unverpackt-Einkaufens gestoßen. Seit eineinhalb Jahren versucht sie nun, mit ihrer Familie (Mann und zwei Kinder von fünf und sieben Jahren) danach zu leben. Sie war es satt, Berge von Müll zu produzieren. „Denn was ich wegwerfe, ist ja nicht weg.“ Und gerade hatte sie sich daran gewöhnt, ihre eigenen Behälter zum Einkaufen zu benutzen, da machte Corona alles zunichte. „Und jetzt produzieren wir wieder Berge von Müll.“

Ähnlich ging es Corinna Stöxen (37). Ungefähr ein Jahr vor Corona entdeckte sie den hüllenlosen Einkauf. Beiden ist es wichtig, auch die Gewohnheiten ihrer Kinder zu prägen. In einer Zeit, in der man wenig aktiv sein könne, wollen die beiden Frauen etwas für ihr Dorf tun. Mitgestalten und etwas Sinnvolles bewegen, so nennt es Anne-Maren Wiebusch.

Ein Besuch im Unverpackt-Laden Hüllenlos in Minden hat die beiden überzeugt. „Das wollen wir auch für unser Dorf.“ Rund 500 Produkte sind dort im Angebot. Inhaberin Caroline Kleinroth weiß bei allem, wo es her kommt, das hat die Friedewalderinnen beeindruckt. „Das nimmt einem viel Arbeit ab, wenn man sich bewusst ernähren will.“ Im Supermarkt sei das nicht so einfach. Bei Unverpackt hätten sie mit gutem Gewissen nachhaltig eingekauft. Denn die Unternehmerinnen legen großen Wert auf Nachhaltigkeit sowie faire Bedingungen im Herstellungs- und Lieferprozess. Teurer als im Bioladen sei es auch nicht.

Die Frauen von Unverpackt hätten sich viele Gedanken gemacht, so etwa, dass der Reis nicht aus Asien, sondern aus Italien kommt. Die Nudeln stammen aus Deutschland, viele Produkte aus der nahen Umgebung. „Shampoo aus Hille, da war ich echt platt“, sagt Wiebusch. Ihre Favoriten sind Müsli und Süßigkeiten, bei ihrer Mitstreiterin sind es loser Tee und frisch gemahlener Kaffee. Bei der Kundschaft insgesamt besonders beliebt seien Nudeln, Müsli und Süßigkeiten, die allesamt vegan sind.

Das Sortiment reicht von trockenen Lebensmitteln, über Essig und Öle, Eier und Milchprodukte, Haushalts- und Hygieneartikelmittel bis zu saisonalem Obst und Gemüse. Mit einem Teil – rund 150 Produkten – wollen sich die beiden Geschäftsführerinnen Caroline Kleinroth und Daniela Willhuber auf den Weg zu den Kunden machen. Auch Vorbestellungen anderer Artikel sind möglich. Derzeit bauen sie einen gebrauchten Bäckerwagen für ihre Zwecke um. Um diese mobile Filiale auf den Weg zu bringen, bedienen sie sich des Crowdfundings (Gruppenfinanzierung). Rund 80 Prozent des anvisierten Ziels von 5.000 Euro sind geschafft.

Interessierte können sich ab einem Beitrag von 31,25 Euro einen Anteil sichern, auch mehrere Anteile sind möglich. Dafür erhalten sie einen Warenwert von 25 Euro. Die Aktion läuft noch bis zum 25. April. Hinsichtlich der Zahl der Anteile sei momentan noch „Luft nach oben“, sagt Stöxen.

Die Betreiberin von Hüllenlos in Minden weiß aber, dass solche Aktionen oft erst zum Ende hin an Fahrt aufnehmen. Auf jeden Fall sei es wünschenswert für die Ortschaft. An fünf Tagen wird der mobile Laden unterwegs sein, dabei steuert er zehn Standorte an. Sicher sind bereits Halte in Hille, Petershagen, Lübbecke und Nammen. Dabei achten die Unternehmerinnen darauf, dass ihr Auftritt eine gute Ergänzung zu dem angesteuerten Ort darstellt, etwa beim Wochenmarkt. Gerne schließen sie dabei Kooperationen, etwa mit Hofläden. Das Interesse an der Filiale auf Rädern sei jedenfalls riesig, hat Kleinroth erfahren. Rund 80 Nachfragen hätten sie erreicht. „Wer weiß, vielleicht sind ja eines Tages mehr Unverpackt-Wagen auf Tour“, schaut sie in die Zukunft.

Corinna Stöxen und Anne-Maren Wiebusch haben vor allem die nächsten Tage im Blick. Vor einigen Jahren habe eine Gruppe von Friedewaldern den Versuch gestartet, einen Dorfladen zu gründen. Das scheiterte damals daran, dass kein passendes Gebäude gefunden wurde, sagt Corinna Stöxen. Nun hoffen die Initiatorinnen von „Hüllenlos in Friedewalde“, dass ihrem Projekt mehr Glück beschieden ist. Dafür werden sie noch Werbung im Ort verteilen.

Wer bei der Sammelaktion mitmachen möchte, kann sich an Corinna Stöxen wenden. Sie ist erreichbar per E-Mail: corinna.stoexen@posteo.de oder Telefon (01 76) 96 46 23 89.

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