Hühner, Schweine und Verkaufshütten: Bei den Brüdern Hormann packt die ganze Familie mit an Claudia Hyna Petershagen-Maaslingen. Hühner, die draußen scharren und picken, Schweine, die im Schlamm wühlen und ihre Bäuche an den Bäumen scheuern: Bei den Brüdern Hormann in Maaslingen darf das Huhn noch Huhn sein und das Schwein sich wie ein solches benehmen. Diese Art der Tierhaltung macht zwar viel Arbeit – aber gleichzeitig auch mehr Spaß, versichern Finn und Jannik Hormann. Was 2015 mit einer kleinen Verkaufshütte in Maaslingen begann, ist mittlerweile zu einem Unternehmen geworden, bei dem die ganze Familie anpackt. 2017 gründeten die Geschwister (damals 18 und 20 Jahre alt) ihren ersten mobilen Hühnerstall am elterlichen Anwesen – und waren damit in Petershagen Pioniere. Ein weiterer kam ein Jahr später in Stemmer hinzu. Die Verkaufshütte wurde größer, es folgten weitere Selbstbedienungshütten in Stemmer (2019) und Frille (2020). Hier finden die Kunden neben Fleisch aus eigener Haltung auch Eier, Kartoffeln, Honig, Nudeln und seit kurzem Eis. Vor gut zwei Jahren gesellten sich zu den braunen Legehennen einige Schweine hinzu. Diese halten die Brüder auf einem nahe gelegenen leerstehenden Hof, den sie gepachtet haben. Wie bei jedem neuen Geschäftsbereich, beobachteten die Geschwister eine Weile, ob und wie die Kunden das Produkt annehmen, bevor sie über eine Erweiterung nachdenken. In diesem Zuge wuchs die Zahl der Hausschweine auf 180. Die Ferkel verbringen die ersten Wochen im Stall auf Stroh, danach dürfen sie auf die Wiese. Dort können sie in der Hütte liegen oder frei Schnauze herumwühlen. Noch vor 50 Jahren war die Weidehaltung in vielen Bundesländern üblich, heute wird der Großteil der 27 Millionen Schweine in Deutschland in geschlossenen Ställen gehalten. Bei Hormanns können die Tiere ihrem ausgeprägten Wühltrieb nachgehen, bevor sie mit einem Dreivierteljahr zum Landschlachter nach Warmsen transportiert werden. Regelmäßig erhalten die Nutztiere eine frische Fläche, die sie in einigen Monaten in eine Hügellandschaft verwandeln – ein erneuter Umzug folgt. Diese Art der Aufzucht verdient zwar nicht das Etikett „bio“, hat aber viel mit Tierliebe zu tun. „Eine artgerechte Haltung und kurze Transportwege, das hat für uns Priorität“, sagt Jannik Hormann. Dazu gehört, dass die Schweine ihre Ringelschwänzchen behalten dürfen. In konventioneller Haltung beißen sich die Tiere diese aus lauter Langeweile ab. Bei der Freilandhaltung ist das nicht nötig, da sie unter diesen Bedingungen kein Fehlverhalten zeigen. Das vergangene Jahr mit seinen Einschränkungen war auch für Finn und Jannik Hormann eines, in dem sich viel getan hat: Sie beliefern nun ein heimisches Restaurant und einige Supermärkte, außerdem eröffneten sie weitere Verkaufsautomaten. In puncto Marketing machten sie mit neuem Logo und einem Instagram-Auftritt auf sich aufmerksam. Zwar hätten sie sich schon vorher „nicht beklagen können“, sagen die beiden in ihrer bescheidenen Art. Aber in der Anfangsphase der Pandemie hätten sie durchaus vom veränderten Kaufverhalten der Verbraucher profitiert. Schließlich kann man hier 24 Stunden am Tag ohne Kontakt einkaufen. Für viele Kunden sei zunehmend wichtiger, wie das Fleisch, das auf ihrem Teller landet, produziert wird, stellen sie fest. Dazu wollen die beiden Brüder ihren Beitrag leisten. Die positiven Rückmeldungen der Kunden spornen sie dabei an. Jannik Hormann (24) arbeitet weiterhin in Vollzeit als Agrarfachwirt in einem Betrieb und kümmert sich um die Sparte Ackerbau für die „Brüder Hormann“. Finn Hormann (22) hängte an seine Ausbildung zum Landwirt ein fachbezogenes Studium in Osnabrück. Mittlerweile sehnen beide das Ende dieser akademischen Ausbildung herbei. Schließlich nimmt ihre Firma immer mehr Zeit in Anspruch. Finn Hormann ist zuständig für die Bereiche Buchführung, Verkauf und Marketing – und verdient bereits seinen Lebensunterhalt mit dem Gewerbe. „Dass das Ganze so wachsen würde, damit haben wir nicht gerechnet“, blickt Jannik Hormann auf die Anfänge. Mittlerweile sind Vater, Mutter und eine Cousine halbtags bei ihnen angestellt, dazu kommt eine weitere festangestellte Kraft. „Ohne die könnten wir unsere Verkaufshütten nicht termingerecht bestücken.“ Und damit das so bleibt, soll künftig weiteres Personal hinzukommen. Damit einher geht ein Ausbau ihres Unternehmens. Die Verkaufshütte in Maaslingen soll vergrößert werden, aktuell machen Materialengpässe ihnen allerdings zu schaffen. Noch in diesem Jahr sind außerdem Automatenstandorte in Ovenstädt und Kutenhausen geplant. „Pläne schmieden wir eigentlich immer“, sagt Jannik Hormann. Dazu setzen sie keine Konferenz an, das regeln sie nebenbei. Zeiten ändern sich: Vor vier Jahren sammelten die Brüder täglich 180 Eier auf, heute sind es 2.200. Neben den beiden Mobilställen gibt es am Wohnhaus ein Gehege mit 1.500 Hühnern auf einem 6.000 Quadratmeter großen Grundstück. Das klingt viel, damit gehören die Hormanns jedoch eher zu den kleineren Betrieben. Erst seit kurzem ist das Federvieh nach der Stallpflicht wegen der Geflügelpest wieder draußen. Entsprechend groß ist die Begeisterung, als Finn Hormann mit einem Eimer Weizen das Gelände betritt und als Leckerli füttert. Zur Beschäftigung bekommen die Hühner Strohballen sowie Picksteine, erklärt er. Hühner und Schweine hätten hohe Ansprüche an Futter und Pflege. Daher wird ihr Familien-Unternehmen zunehmend arbeitsintensiver. Die Brüder lassen es sich nicht nehmen, täglich zweimal nach den Tieren zu sehen. Und wenn der Normalbürger sich freitags in den Feierabend verabschiedet, legen Finn und Jannik Hormann richtig los. Jeweils drei- bis viermal täglich füllen sie freitags und samstags die Hütten, bevor es am Sonntagnachmittag ruhiger wird. Ein bisschen Wochenende muss sein.

Hühner, Schweine und Verkaufshütten: Bei den Brüdern Hormann packt die ganze Familie mit an

Jannik und Finn Hormann (von links) sind mit Leib und Seele in der Landwirtschaft tätig. Auf dem Hof ihres Großvaters entdeckten sie ihre Liebe zu dem Berufszweig. MT-Fotos: Alex Lehn © lehn

Petershagen-Maaslingen. Hühner, die draußen scharren und picken, Schweine, die im Schlamm wühlen und ihre Bäuche an den Bäumen scheuern: Bei den Brüdern Hormann in Maaslingen darf das Huhn noch Huhn sein und das Schwein sich wie ein solches benehmen. Diese Art der Tierhaltung macht zwar viel Arbeit – aber gleichzeitig auch mehr Spaß, versichern Finn und Jannik Hormann.

Was 2015 mit einer kleinen Verkaufshütte in Maaslingen begann, ist mittlerweile zu einem Unternehmen geworden, bei dem die ganze Familie anpackt. 2017 gründeten die Geschwister (damals 18 und 20 Jahre alt) ihren ersten mobilen Hühnerstall am elterlichen Anwesen – und waren damit in Petershagen Pioniere. Ein weiterer kam ein Jahr später in Stemmer hinzu. Die Verkaufshütte wurde größer, es folgten weitere Selbstbedienungshütten in Stemmer (2019) und Frille (2020). Hier finden die Kunden neben Fleisch aus eigener Haltung auch Eier, Kartoffeln, Honig, Nudeln und seit kurzem Eis.

Ein Teil der Schweine hat ein kleines Waldstück zur Verfügung. Die Bäume bieten auch Schutz vor Sonnenbrand. - © lehn
Ein Teil der Schweine hat ein kleines Waldstück zur Verfügung. Die Bäume bieten auch Schutz vor Sonnenbrand. - © lehn

Vor gut zwei Jahren gesellten sich zu den braunen Legehennen einige Schweine hinzu. Diese halten die Brüder auf einem nahe gelegenen leerstehenden Hof, den sie gepachtet haben. Wie bei jedem neuen Geschäftsbereich, beobachteten die Geschwister eine Weile, ob und wie die Kunden das Produkt annehmen, bevor sie über eine Erweiterung nachdenken. In diesem Zuge wuchs die Zahl der Hausschweine auf 180. Die Ferkel verbringen die ersten Wochen im Stall auf Stroh, danach dürfen sie auf die Wiese. Dort können sie in der Hütte liegen oder frei Schnauze herumwühlen.

1.500 braune Legehennen tummeln sich auf dem Hof in Maaslingen. Wurzeln und Büsche bieten Schutz vor Greifvögeln. - © lehn
1.500 braune Legehennen tummeln sich auf dem Hof in Maaslingen. Wurzeln und Büsche bieten Schutz vor Greifvögeln. - © lehn

Noch vor 50 Jahren war die Weidehaltung in vielen Bundesländern üblich, heute wird der Großteil der 27 Millionen Schweine in Deutschland in geschlossenen Ställen gehalten. Bei Hormanns können die Tiere ihrem ausgeprägten Wühltrieb nachgehen, bevor sie mit einem Dreivierteljahr zum Landschlachter nach Warmsen transportiert werden. Regelmäßig erhalten die Nutztiere eine frische Fläche, die sie in einigen Monaten in eine Hügellandschaft verwandeln – ein erneuter Umzug folgt.

1.500 braune Legehennen tummeln sich auf dem Hof in Maaslingen. Wurzeln und Büsche bieten Schutz vor Greifvögeln. - © lehn
1.500 braune Legehennen tummeln sich auf dem Hof in Maaslingen. Wurzeln und Büsche bieten Schutz vor Greifvögeln. - © lehn

Diese Art der Aufzucht verdient zwar nicht das Etikett „bio“, hat aber viel mit Tierliebe zu tun. „Eine artgerechte Haltung und kurze Transportwege, das hat für uns Priorität“, sagt Jannik Hormann. Dazu gehört, dass die Schweine ihre Ringelschwänzchen behalten dürfen. In konventioneller Haltung beißen sich die Tiere diese aus lauter Langeweile ab. Bei der Freilandhaltung ist das nicht nötig, da sie unter diesen Bedingungen kein Fehlverhalten zeigen.

Ein Teil der Schweine hat ein kleines Waldstück zur Verfügung. Die Bäume bewahren die Tiere auch vor Sonnenbrand. - © lehn
Ein Teil der Schweine hat ein kleines Waldstück zur Verfügung. Die Bäume bewahren die Tiere auch vor Sonnenbrand. - © lehn

Das vergangene Jahr mit seinen Einschränkungen war auch für Finn und Jannik Hormann eines, in dem sich viel getan hat: Sie beliefern nun ein heimisches Restaurant und einige Supermärkte, außerdem eröffneten sie weitere Verkaufsautomaten. In puncto Marketing machten sie mit neuem Logo und einem Instagram-Auftritt auf sich aufmerksam. Zwar hätten sie sich schon vorher „nicht beklagen können“, sagen die beiden in ihrer bescheidenen Art. Aber in der Anfangsphase der Pandemie hätten sie durchaus vom veränderten Kaufverhalten der Verbraucher profitiert. Schließlich kann man hier 24 Stunden am Tag ohne Kontakt einkaufen. Für viele Kunden sei zunehmend wichtiger, wie das Fleisch, das auf ihrem Teller landet, produziert wird, stellen sie fest. Dazu wollen die beiden Brüder ihren Beitrag leisten. Die positiven Rückmeldungen der Kunden spornen sie dabei an.

Jannik Hormann (24) arbeitet weiterhin in Vollzeit als Agrarfachwirt in einem Betrieb und kümmert sich um die Sparte Ackerbau für die „Brüder Hormann“. Finn Hormann (22) hängte an seine Ausbildung zum Landwirt ein fachbezogenes Studium in Osnabrück. Mittlerweile sehnen beide das Ende dieser akademischen Ausbildung herbei. Schließlich nimmt ihre Firma immer mehr Zeit in Anspruch. Finn Hormann ist zuständig für die Bereiche Buchführung, Verkauf und Marketing – und verdient bereits seinen Lebensunterhalt mit dem Gewerbe.

„Dass das Ganze so wachsen würde, damit haben wir nicht gerechnet“, blickt Jannik Hormann auf die Anfänge. Mittlerweile sind Vater, Mutter und eine Cousine halbtags bei ihnen angestellt, dazu kommt eine weitere festangestellte Kraft. „Ohne die könnten wir unsere Verkaufshütten nicht termingerecht bestücken.“ Und damit das so bleibt, soll künftig weiteres Personal hinzukommen.

Damit einher geht ein Ausbau ihres Unternehmens. Die Verkaufshütte in Maaslingen soll vergrößert werden, aktuell machen Materialengpässe ihnen allerdings zu schaffen. Noch in diesem Jahr sind außerdem Automatenstandorte in Ovenstädt und Kutenhausen geplant. „Pläne schmieden wir eigentlich immer“, sagt Jannik Hormann. Dazu setzen sie keine Konferenz an, das regeln sie nebenbei.

Zeiten ändern sich: Vor vier Jahren sammelten die Brüder täglich 180 Eier auf, heute sind es 2.200. Neben den beiden Mobilställen gibt es am Wohnhaus ein Gehege mit 1.500 Hühnern auf einem 6.000 Quadratmeter großen Grundstück. Das klingt viel, damit gehören die Hormanns jedoch eher zu den kleineren Betrieben. Erst seit kurzem ist das Federvieh nach der Stallpflicht wegen der Geflügelpest wieder draußen. Entsprechend groß ist die Begeisterung, als Finn Hormann mit einem Eimer Weizen das Gelände betritt und als Leckerli füttert. Zur Beschäftigung bekommen die Hühner Strohballen sowie Picksteine, erklärt er.

Hühner und Schweine hätten hohe Ansprüche an Futter und Pflege. Daher wird ihr Familien-Unternehmen zunehmend arbeitsintensiver. Die Brüder lassen es sich nicht nehmen, täglich zweimal nach den Tieren zu sehen. Und wenn der Normalbürger sich freitags in den Feierabend verabschiedet, legen Finn und Jannik Hormann richtig los. Jeweils drei- bis viermal täglich füllen sie freitags und samstags die Hütten, bevor es am Sonntagnachmittag ruhiger wird. Ein bisschen Wochenende muss sein.

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