Hobbyarchäologen stoßen in Döhren auf Urnen- und Knochenreste Nadine Schwan,Jürgen Langenkämper Petershagen-Döhren. Was Daniel Bake und Willi Köster an diesem Novembertag auf einem gepflügten Acker in Döhren entdecken, bestätigt ihre Vermutungen: Hier haben schon vor langer Zeit Menschen gelebt. Davon zeugen die Überreste einer Urne – Scherben und sogar Knochenreste, die dem ungeübten Auge des Spaziergängers allzu leicht entgehen würde. Aber die beiden Mitglieder des Vereins „Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke“ haben als ehrenamtliche Archäologen einen ganz anderen Blick auf die Relikte aus Jahrhunderten – und sie haben den Acker am Waldrand gezielt inspiziert. „Ich habe in der Nähe schon mal etwas entdeckt“, sagt Daniel Bake. „Den Bauern kenne ich gut, daher war das kein Problem.“ Das gute Wetter kommt den beiden Bodendenkmalfreunden bei ihrer Ausschau nach Scherben und weiteren Artefakten entgegen. Auf der Geländekuppe entdecken sie eine schwarze Verfärbung im Boden, weitere dunkle Stellen ein paar Meter entfernt, sowie rund 30 Keramikscherben, die kompakt beieinander liegen. Der 33-Jährige hält die Umgegend im Übrigen für ideal zum Siedeln: „Eine Anhöhe, ein Fließgewässer in der Nähe, die Weser ist nicht weit.“ Hier seien schon in alter Zeit Handelswege verlaufen, ist er sich sicher. Quasi zwangsläufig müssen also Bake und Köster am Sonntagnachmittag bei ihrer Feldbegehung auf irgendetwas stoßen. Das alte Urnengrab – oder das, was noch davon übrig scheint– sowie sechs weitere sogenannte Brandschüttungsgräber und eine Feuersteinklinge überraschen sie dennoch ein wenig. „Eine Sensation ist dieser Fund nicht, aber er war nicht zu erwarten“, erklärt Daniel Bake. Ihren Fund sichern die Vereinsmitglieder ab und und melden ihn der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen. Dort halten die Mitarbeiter wegen des Fundes nicht gleich den Atem an, aber der Leiter Dr. Sven Spiong schickt ein vierköpfiges Team nach Petershagen, um die Fundstelle in Augenschein zu nehmen und gegebenenfalls zu sichern. Eines steht für ihn gleich fest. „Die Leute dort haben alles richtig gemacht, indem sie nichts angerührt und uns benachrichtigt haben.“ Denn wichtig ist für Archäologen den Fund vor Ort in seinem Kontext zu begutachten. Auch die Lage verschiedener Funde zueinander erlaubt Aufschlüsse für die Forschung. Dass dort etwas gefunden wird, ist für Kenner längst keine Überraschung mehr. Schon in den 1930er- und erneut in den 1950er-Jahren wurden in dem Bereich Urnengräber festgestellt. „Die Region auf beiden Seiten der Weser war über Jahrtausende eine Fundprovinz“, sagt Spiong. Von der Jungsteinzeit über die vorrömische Eisenzeit ebenso wie römische und die karolingische Zeit gebe es immer wieder Funde. Viele davon haben sich im Fundus des Mindener Museums angesammelt. Bakes Vermutung, dass der Fund „mindestens 2.000 Jahre alt“ sein müsse, teilt der Archäologe in seiner ersten Einschätzung. Näheren Aufschluss erwartet er nicht nur von den Keramikscherben, sondern auch von Holzkohleresten in der Asche, die eine nähere Datierung erlauben könnten. Doch im Laufe des Montagvormittags zerplatzen die Hoffnungen auf einen zwar nicht sensationellen, aber doch interessanten Fund. „Es handelt sich um einen Aufwurf“, sagt Dr. Hans-Otto Pollmann als Leiter des Teams vor Ort. Das bedeutet, dass die Erde an der Fundstelle von einem ganz anderen Ort stammt, und auf dem Acker gelandet ist. Möglicherweise sind die Scherben beim letzten Pflügen wieder an die Oberfläche gekommen. Dass sie so dicht beieinander liegen, als sei die Urne erst kürzlich zerstört worden, ist vermutlich Zufall. Woher die aufgeworfene Erde stammt, vermag auch der Landwirt, dem der Acker gehört, den Archäologen nicht mehr zu sagen. Sonst hätten sie dort mit ihren Nachforschungen weitermachen können. So ist Bakes und Kösters Fund für die Fachleute nur noch von geringer Aussagekraft. Der materielle Wert wäre ohnehin gering, der Informationsgehalt hätte aber beträchtlich sein können. „Die Nachricht ist keine große Enttäuschung“, sagt Daniel Bake nach dem Gespräch mit den LWL-Archäologen. „Ich sehe das sportlich.“ Dass sein Verein und die Profis aus Bielefeld nicht herausfinden können, wo sich das Urnengrab ursprünglich befand, bedauert er aber schon.

Hobbyarchäologen stoßen in Döhren auf Urnen- und Knochenreste

Mehr als 2.000 Jahre alte Spuren: Daniel Bake und Willi Köster (rechts) stießen auf Scherben einer Urne. Begraben war sie aber wohl woanders. Fotos: D. Bake/GeFBdML © D. Bake/GeFBdML

Petershagen-Döhren. Was Daniel Bake und Willi Köster an diesem Novembertag auf einem gepflügten Acker in Döhren entdecken, bestätigt ihre Vermutungen: Hier haben schon vor langer Zeit Menschen gelebt. Davon zeugen die Überreste einer Urne – Scherben und sogar Knochenreste, die dem ungeübten Auge des Spaziergängers allzu leicht entgehen würde. Aber die beiden Mitglieder des Vereins „Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke“ haben als ehrenamtliche Archäologen einen ganz anderen Blick auf die Relikte aus Jahrhunderten – und sie haben den Acker am Waldrand gezielt inspiziert.

„Ich habe in der Nähe schon mal etwas entdeckt“, sagt Daniel Bake. „Den Bauern kenne ich gut, daher war das kein Problem.“ Das gute Wetter kommt den beiden Bodendenkmalfreunden bei ihrer Ausschau nach Scherben und weiteren Artefakten entgegen. Auf der Geländekuppe entdecken sie eine schwarze Verfärbung im Boden, weitere dunkle Stellen ein paar Meter entfernt, sowie rund 30 Keramikscherben, die kompakt beieinander liegen.

Der 33-Jährige hält die Umgegend im Übrigen für ideal zum Siedeln: „Eine Anhöhe, ein Fließgewässer in der Nähe, die Weser ist nicht weit.“ Hier seien schon in alter Zeit Handelswege verlaufen, ist er sich sicher. Quasi zwangsläufig müssen also Bake und Köster am Sonntagnachmittag bei ihrer Feldbegehung auf irgendetwas stoßen. Das alte Urnengrab – oder das, was noch davon übrig scheint– sowie sechs weitere sogenannte Brandschüttungsgräber und eine Feuersteinklinge überraschen sie dennoch ein wenig. „Eine Sensation ist dieser Fund nicht, aber er war nicht zu erwarten“, erklärt Daniel Bake. Ihren Fund sichern die Vereinsmitglieder ab und und melden ihn der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen.

Dort halten die Mitarbeiter wegen des Fundes nicht gleich den Atem an, aber der Leiter Dr. Sven Spiong schickt ein vierköpfiges Team nach Petershagen, um die Fundstelle in Augenschein zu nehmen und gegebenenfalls zu sichern. Eines steht für ihn gleich fest. „Die Leute dort haben alles richtig gemacht, indem sie nichts angerührt und uns benachrichtigt haben.“ Denn wichtig ist für Archäologen den Fund vor Ort in seinem Kontext zu begutachten. Auch die Lage verschiedener Funde zueinander erlaubt Aufschlüsse für die Forschung.

Dass dort etwas gefunden wird, ist für Kenner längst keine Überraschung mehr. Schon in den 1930er- und erneut in den 1950er-Jahren wurden in dem Bereich Urnengräber festgestellt. „Die Region auf beiden Seiten der Weser war über Jahrtausende eine Fundprovinz“, sagt Spiong. Von der Jungsteinzeit über die vorrömische Eisenzeit ebenso wie römische und die karolingische Zeit gebe es immer wieder Funde. Viele davon haben sich im Fundus des Mindener Museums angesammelt.

Bakes Vermutung, dass der Fund „mindestens 2.000 Jahre alt“ sein müsse, teilt der Archäologe in seiner ersten Einschätzung. Näheren Aufschluss erwartet er nicht nur von den Keramikscherben, sondern auch von Holzkohleresten in der Asche, die eine nähere Datierung erlauben könnten.

Doch im Laufe des Montagvormittags zerplatzen die Hoffnungen auf einen zwar nicht sensationellen, aber doch interessanten Fund. „Es handelt sich um einen Aufwurf“, sagt Dr. Hans-Otto Pollmann als Leiter des Teams vor Ort. Das bedeutet, dass die Erde an der Fundstelle von einem ganz anderen Ort stammt, und auf dem Acker gelandet ist. Möglicherweise sind die Scherben beim letzten Pflügen wieder an die Oberfläche gekommen. Dass sie so dicht beieinander liegen, als sei die Urne erst kürzlich zerstört worden, ist vermutlich Zufall.

Woher die aufgeworfene Erde stammt, vermag auch der Landwirt, dem der Acker gehört, den Archäologen nicht mehr zu sagen. Sonst hätten sie dort mit ihren Nachforschungen weitermachen können. So ist Bakes und Kösters Fund für die Fachleute nur noch von geringer Aussagekraft. Der materielle Wert wäre ohnehin gering, der Informationsgehalt hätte aber beträchtlich sein können.

„Die Nachricht ist keine große Enttäuschung“, sagt Daniel Bake nach dem Gespräch mit den LWL-Archäologen. „Ich sehe das sportlich.“ Dass sein Verein und die Profis aus Bielefeld nicht herausfinden können, wo sich das Urnengrab ursprünglich befand, bedauert er aber schon.

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