Himmel über Hävern: Drei Künstlerinnen zeigen auf dem Maninghof ihre Arbeiten Claudia Hyna Petershagen-Hävern. Endlich wieder Kunst und Kultur: Gastgeberin Karin Jakob vom Maninghof in Hävern freut sich darauf, an zwei Sonntagen die Besucher zum Landart-Festival begrüßen zu dürfen. Zum Thema „Himmel un Ääd“ zeigt sie im alten Speicher gemeinsam mit Jane Stachow und Inge Dietrich Fotos, Bilder und Skulpturen. Dazu gibt es Theatereinlagen, der Kaffeetisch ist gedeckt. Manchmal legt sich Karin Jakob auf den Boden und schaut aus dieser Perspektive in die Bäume. Das Ergebnis hält sie oft auf Fotos fest, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind. Schöne Wälder in der Umgebung findet sie vor allem am Kloster Loccum oder im Sielpark in Bad Oeynhausen. 1994 zog die Fotografin nach ihrer Meisterausbildung in Hamburg, Hannover und Göttingen ins Weserdorf Hävern. Von Anfang an faszinierte sie der Himmel, der hier besonders weit ist. „Das ist richtig ergreifend.“ Und so machte die Künstlerin das Firmament mit den ständig sich ändernden Wolken und das Wasser rund um die Häverner Marsch zu ihrem Gegenstand. In der Stadt habe sie mehr Studioarbeiten angefertigt. Auf dem Land habe das Wasser noch Platz, sich auszuweiten – und auf den Bildern verschwimmt die Grenze zwischen Himmel und Erde, gehen ineinander über. Die Skulpturen von Inge Dietrich haben Charakter. Für die Tonkünstlerin aus dem nahen Westenfeld ist der Mensch das zentrale Thema: als Individuum oder als Teil der Masse, sagt sie. In realistischer, häufig satirischer Manier setzt sie sich mit Menschen und ihren Schicksalen auseinander. Die Situationen sind aus dem Leben gegriffen, das Erscheinungsbild der Protagonisten entspricht nicht der Norm oder einem Schönheitsideal. Es geht ihr um den Menschen in der oft fehl entwickelten Gesellschaft, ihre Charakterstudien erklärt die 89-Jährige gerne vor Ort. Das Arbeiten mit Ton sei ein elementares Bedürfnis für sie. Es vermittele ihr das Gefühl, in Verbindung mit der Natur zu sein. Die Dritte im Bunde ist die in Berlin geborene Künstlerin Jane Stachow. Sie lebte einige Jahre in Minden und jetzt an der Nordsee bei Cuxhaven. Das Leben an der Küste inspiriert sie und so finden sich in ihren Öl- und Acrylbildern vielfach maritime Themen, Wasserwelten, auch abstrakt-emotional. Für die Ausstellung hat die 70-Jährige vier Orte am achten Längengrad gemalt, diese spiegeln die verschiedenen Himmel und die typischen Farben der Erde wider. Das weitläufige Gelände des Maninghofes aus dem Jahr 1796 ist wie geschaffen, um Kunst und Kultur zu präsentieren. Sein Schicksal teilt er mit sechs weiteren Höfen und der Schule, die 1795 bei einer Feuersbrunst vernichtet wurden. Es heißt, eine Magd habe für ihren Geliebten Kartoffeln gebraten und die Pfanne ins Stroh geschoben, als die Bauern zurückkehrten. Das ausbrechende Feuer griff auf die angrenzenden Gebäude über, Menschen starben. Ein Jahr später wurde der Maninghof wieder auf- und seitdem auch umgebaut. Im vergangenen Jahr wurden in Workshops die sogenannten Hofgeschichten erarbeitet, daraus entstand eine Storytelling-Station. Diese wird im Zuge des Festivals am 29. August auf dem Lindenberg eröffnet und steht dann dauerhaft zur Verfügung. Alte Fotos aus Petershagen entführen in vergangene Zeiten. Passend dazu setzt das Improtheater „Emscherblut“ den großen Brand und andere Geschichten auf Wunsch und Zuruf des Publikums um. Der große Garten mit Teich und vielen alten Obstbäumen wird nicht wie gewohnt in die Veranstaltungsfolge einbezogen, kann aber besichtigt werden. Durch Corona waren die Vorbereitungen komplizierter, die Gastgeber hätten mehr Verantwortung, sagt Jakob. Bei schlechtem Wetter können die Darbietungen in der großen Scheune stattfinden. Karin Jakob öffnet seit gut 20 Jahren Haus und Garten zum Landart-Festival. Den alten Speicher als Ausstellungsraum hat sie behutsam saniert. Dabei war es ihr wichtig, den Charakter des Gebäudes von 1910 zu erhalten, das Teil eines zwar alten, aber sehr aktiven Dorfes mit 100 Einwohnern ist. Die Dorfgemeinschaft übernimmt ganz selbstverständlich das Backen der Torten und bedient die Gäste. Die Kaffeetische sind auf der großen Diele im Haupthaus gedeckt. Das komplette Programm unter www.muehlenkreis.de

Himmel über Hävern: Drei Künstlerinnen zeigen auf dem Maninghof ihre Arbeiten

Vom Blick in den Himmel mit seinen Wolkenbildern kann Karin Jakob nicht genug kriegen. In ihrer aktuellen Ausstellung zeigt sie neue Aufnahmen, daneben stehen Skulpturen von Inge Dietrich. MT-Foto: Alex Lehn © lehn

Petershagen-Hävern. Endlich wieder Kunst und Kultur: Gastgeberin Karin Jakob vom Maninghof in Hävern freut sich darauf, an zwei Sonntagen die Besucher zum Landart-Festival begrüßen zu dürfen. Zum Thema „Himmel un Ääd“ zeigt sie im alten Speicher gemeinsam mit Jane Stachow und Inge Dietrich Fotos, Bilder und Skulpturen. Dazu gibt es Theatereinlagen, der Kaffeetisch ist gedeckt.

Manchmal legt sich Karin Jakob auf den Boden und schaut aus dieser Perspektive in die Bäume. Das Ergebnis hält sie oft auf Fotos fest, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind. Schöne Wälder in der Umgebung findet sie vor allem am Kloster Loccum oder im Sielpark in Bad Oeynhausen. 1994 zog die Fotografin nach ihrer Meisterausbildung in Hamburg, Hannover und Göttingen ins Weserdorf Hävern. Von Anfang an faszinierte sie der Himmel, der hier besonders weit ist. „Das ist richtig ergreifend.“ Und so machte die Künstlerin das Firmament mit den ständig sich ändernden Wolken und das Wasser rund um die Häverner Marsch zu ihrem Gegenstand. In der Stadt habe sie mehr Studioarbeiten angefertigt. Auf dem Land habe das Wasser noch Platz, sich auszuweiten – und auf den Bildern verschwimmt die Grenze zwischen Himmel und Erde, gehen ineinander über.

Die Skulpturen von Inge Dietrich haben Charakter. Für die Tonkünstlerin aus dem nahen Westenfeld ist der Mensch das zentrale Thema: als Individuum oder als Teil der Masse, sagt sie. In realistischer, häufig satirischer Manier setzt sie sich mit Menschen und ihren Schicksalen auseinander. Die Situationen sind aus dem Leben gegriffen, das Erscheinungsbild der Protagonisten entspricht nicht der Norm oder einem Schönheitsideal. Es geht ihr um den Menschen in der oft fehl entwickelten Gesellschaft, ihre Charakterstudien erklärt die 89-Jährige gerne vor Ort. Das Arbeiten mit Ton sei ein elementares Bedürfnis für sie. Es vermittele ihr das Gefühl, in Verbindung mit der Natur zu sein.

Die Dritte im Bunde ist die in Berlin geborene Künstlerin Jane Stachow. Sie lebte einige Jahre in Minden und jetzt an der Nordsee bei Cuxhaven. Das Leben an der Küste inspiriert sie und so finden sich in ihren Öl- und Acrylbildern vielfach maritime Themen, Wasserwelten, auch abstrakt-emotional. Für die Ausstellung hat die 70-Jährige vier Orte am achten Längengrad gemalt, diese spiegeln die verschiedenen Himmel und die typischen Farben der Erde wider.

Das weitläufige Gelände des Maninghofes aus dem Jahr 1796 ist wie geschaffen, um Kunst und Kultur zu präsentieren. Sein Schicksal teilt er mit sechs weiteren Höfen und der Schule, die 1795 bei einer Feuersbrunst vernichtet wurden. Es heißt, eine Magd habe für ihren Geliebten Kartoffeln gebraten und die Pfanne ins Stroh geschoben, als die Bauern zurückkehrten. Das ausbrechende Feuer griff auf die angrenzenden Gebäude über, Menschen starben. Ein Jahr später wurde der Maninghof wieder auf- und seitdem auch umgebaut.

Im vergangenen Jahr wurden in Workshops die sogenannten Hofgeschichten erarbeitet, daraus entstand eine Storytelling-Station. Diese wird im Zuge des Festivals am 29. August auf dem Lindenberg eröffnet und steht dann dauerhaft zur Verfügung. Alte Fotos aus Petershagen entführen in vergangene Zeiten. Passend dazu setzt das Improtheater „Emscherblut“ den großen Brand und andere Geschichten auf Wunsch und Zuruf des Publikums um.

Der große Garten mit Teich und vielen alten Obstbäumen wird nicht wie gewohnt in die Veranstaltungsfolge einbezogen, kann aber besichtigt werden. Durch Corona waren die Vorbereitungen komplizierter, die Gastgeber hätten mehr Verantwortung, sagt Jakob. Bei schlechtem Wetter können die Darbietungen in der großen Scheune stattfinden.

Karin Jakob öffnet seit gut 20 Jahren Haus und Garten zum Landart-Festival. Den alten Speicher als Ausstellungsraum hat sie behutsam saniert. Dabei war es ihr wichtig, den Charakter des Gebäudes von 1910 zu erhalten, das Teil eines zwar alten, aber sehr aktiven Dorfes mit 100 Einwohnern ist.

Die Dorfgemeinschaft übernimmt ganz selbstverständlich das Backen der Torten und bedient die Gäste. Die Kaffeetische sind auf der großen Diele im Haupthaus gedeckt.

Das komplette Programm unter www.muehlenkreis.de

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